Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 40 (1876)
- Issue
- Heft 6 (8.2.1876)
- Date
- 1876-02-08
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3224737-3227069-3227076--34199-3304054- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Tunis 1× ep/1048155
- Wrocław 1× ep/1002369
OCR text
'Allgemeine Zeitung -es Iu-enthums. Ein unparteiisches Organ für alles Wische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philipp soll in Bonn. Verlag von Baumgartners Buchhan-lung in Leipjig. Beilagen werden mit 1 Marl 5 l) Pf. pro Hundert berechnet. 3s «dactiomllm Angelegenheiten ttcnb« man fid) .u: I>r. L. Vtzili»»s»n in Boas; binfichrlich des Bezugs und der Jnierateai. Saawgärtner'» L»>dkimdla»g «Leipzig. 3nleräl«, «eich« bis Vonver,- t«y cingeben. finden indcr raransfolgen» dcn Nummer Berückfrchtiguug. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 oi« 2>/, Bogen. Preis Biertüiährig 3 Mark. Inserate werden mit .'<> Pf. für die Petitzeilc oder deren Naum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitnngs - Expeditionen nehmen Bestellungen an. 40. Jahrgang. Leipzig, den 8. Februar 1876. JS? 6. Inhalt. Leitende Artikel: „Die Deutschen in Rußland" und die Inden. — Die Verfassung der jüdischen Gemeinden in Preußen. I. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Köln, Bonn, Berlin, Breslau. Paderborn, Coblcnz, Münster. — Oesterreich-Ungarn: Pest, Wien. — Türkei: London. — Tunis: Tunis. — Schw eben: Norrköping. — Rumänien: Bukarest. — Am erika: Baltimore. — Feuilleton: Mein Urgroßvater. — Vermischtes. -Cetteiu)e (3Lxh!kei. Bonn, 2. Februar. „Die Deutschen in Rußland" und die Juden. Wir haben uns heute mit einem Leitartikel der „Kölnischen Zeitung" vom 24. Januar (erstes Blatt) zu beschäftigen. Die „K. Z." gehört nicht zu der großen Zahl jener deutschen Blätter, welche fort und fort offensiv gegen die Juden Vorgehen. Sie hatte vor 1848 die Gleichberechtigung der Juden nachdrücklich bekämpft, seit diese jedoch verfassungsmäßig geworden, acceptirt. Dies verhindert sie freilich nicht, bei mannigfachen Gelegenheiten durch hämische Seitenhiebe ihre sonst verdeckte Antipathie merken zu lasten; wogegen es ihr bisweilen begegnet, wenn von einer rühmlichen That eines Juden berichtet wird, gerade diese Bezeichnung wegzulaffen. Der angeführte Leitartikel nun ist in mehrfacher Beziehung lehrreich. Doch eine allgemeine Bemerkung voran. Einer der anhänglichste» Freunde unsres Blattes verweilt jetzt im nordwestlichen Italien. Er liest dort täglich eine Menge italienischer, französischer und englischer Zeitungen. Denn wenn Einem die ernste Beschäftigung mit seinem Lebensberufe untersagt ist, bildet solches Durchblättern der buntfchattirten TageSpreffe in einer bequemen Lesehalle die angenehmste Zerstreuung. Er schreibt uns: „Es drängt sich mir immer wiederholt die Beobachtung auf, daß die französischen und italienischen Zeitungen nur überaus selten der Juden erwähnen, die englischen schon eher, aber mit äußerst geringer Ausnahme im wohlwollendsten und achtungsvollsten Tone; die armen Juden bedauern sie, und die beffergestellten erscheinen ihnen überall der guten Gesellschaft angepaßt, und dem Staate und der Nation nützlich. Welch' ein Unterschied, sobald man nur eine Anzahl deutscher Blätter in die Hand nimmt. Eines wenigstens ist täglich darunter, das sich über die Juden weitläufig ausläßt, über sie aus irgend einem Theile der Welt referirt und neunmal unter zehn bitter auf sie losschlägt. Oft genug vereinigen sie sich zu einem Chorus hierzu. Ist dies nicht eigenthümlich? Und woher kömmt dies? . . — Wir brauchen unsren Lesern die Liebe zur deutschen Nation, der wir mit Stolz angehören, nicht zu betheuern — aber diese kann und darf nicht verhindern, die Thatsache» anzuerkennen und deren Bedeutung zu erforschen. Eine Thatsache aber ist es, was unser Frennd beobachtet hat, die jedem Kenner der Tagespresse langst bekannt ist. Ohne nun in eine gründliche Erklärung derselben eingehen zu wollen, muß man sich doch sagen, daß diese Erscheinung aus tiefliegenden Borurtheilen gegen die Juden im Geiste des deutschen Volkes hervorgehen müsse, Borurtheilen, wie sie bei den anderen gebildeten Nationen — die Rumänen und Griechen rechnen wir nicht dazu — in diesem Grade und mir dieser Zähigkeit nicht Vorkommen. Uns schmerzt dies doppelt, da wir als Deutsche und als Juden darunter leiden. Denn baß die deutschen Jude» daran Schuld seien, wird Niemand mit Recht behaupten können. Bon den deutschen Juden ist die Aufklärung ihrer Stammes- und Glaubensgenoffen ausgegangen; sie haben sich am^schnellsten und umfänglichsten dem Culturleben, und zwar dem