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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-08-17 · Heft 34 (17.8.1875) · p. Seite 544

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 34 (17.8.1875)
Date
1875-08-17
Page
Seite 544 (sequence 6)
Language
German
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Sicherlich ist nichts begründeter als das Ersuchen des Herrn Oberpräsidenten, der Anstalt recht viele Spenden und Unterstützungen zuzuwenben. Denn, wenn auch durch die nunmehrige Staatssubvention von jährlich 2000 Thalern die Mittel der Anstalt erweitert sind, so bedarf sie Loch viel mehr, um dringenden Bedürfniffen Abhülfe zu schaffen. Die Räumlichkeiten muffen erweitert, die Utensilien für die Schulzimmer und noch mehr für die Wohnungen der Seminaristen erneuert, und die noch immer kargen Besoldungen der Lehrer erhöht werden. Durch den Staatszuschuß ist zugleich die Stellung des Seminars verändert worben. Denn, wo der Staat eine Leistung übernimmt, da hat er zugleich die Verpflichtung, eine Controle eintreten zu laffen. Der Lehrplan, soweit er nicht die religiösen Disciplinen berührt, muß der höhern Behörde eingereicht werden, Director und Lehrer haben ihre Bestätigung von der kgl. Regierung zu erwarten, und die Caffenverwaltung untersteht der Controle des Provinzial-Schulcollegiums. Die Erfahrung lehrt sattsam, daß eine solche staatliche Beauffichtigung auch jüdischen Anstalten nur nützlich ist, vorausgesetzt, wie es hier der Fall ist, daß die religiösen Angelegenheiten davon völlig unberührt bleiben. — Ein anderes, sehr bedeutendes Bedenken erhebt sich in Anbettachl der Frequenz des Seminars. In den beiden letzten Jahren haben 5 Schüler mit Befähigungsattesten die Anstalt verlaffen, und nur 4 sind eingetreten. Dies ist ungefähr die Hälfte von dem, was in den früheren Jahren der Fall war. Wenn wahrend des fünfzigjährigen Bestandes der Anstalt 254 Lehrer hervorgegrngen, so kommen durchschnittlich 5 aus jedes Jahr. Die Frequenz ist also um die Hälfte zurückgegangen. Eine größere Anzahl findet sich auch in dem jüdischen Seminar zu Berlin nicht. Man fragt sich nach der Ursache, und giebt wohl den in den letzten Jahren vorherrschenden commerziellen Hang an. Uns bedünkt jedoch, daß die Ursache noch viel mehr in der wachsenden Unsicherheit des jüdischen Lehrerstandes liegt. Immer mehr werben jüdische Schulen den erstehenden Simultanschulen einverleibt, an solchen aber in äußerst seltenen Fällen die jüdischen Lehrer angestellt. Die jüdischen Gemeinden stellen ihre Lehrer nur auf kurze Zeiträume an, und wenn daher die jüdische Schule aufgelöst wird, entlaffen sie ihre Lehrer ohne weitere Berücksichtigung. Ein jeder jüdische Jüngling, der sich etwa zum Lehrer ausbilden möchte, fragt sich dann doch, was für Aussichten hast du für deine Zukunft? Der Lehrermangel wird sich daher bald immer fühlbarer machen. Bis jetzt hatte man für denselben die geringe Lehrerbesoldung anzuführen. In der jüngsten Zeit ist diese überall aufgebeffert worden. Jetzt macht sich die zweite Manie unserer Gemeinden, ihre Lehrer nur provisorisch anzustellen, auf's Nachtheiligste fühlbar. Möge das neue Unterrichtsgesetz auch diesen Zuständen ein Ende machen! Das Münster'sche Seminar hofft dem Uebelstande dadurch zu begegnen, daß es einen zweijährigen Präparandencursus einrichten will. Diese Einrichtung ist jedenfalls höchst nützlich, erleichtert den Eintritt gut vorbereiteter Zöglinge und zugleich den Seminarunterricht selbst. Wir wünschen, von Herzen, daß diese Borbereitungsclaffen recht bald in's Leben treten mögen. Hörde, 4. August. (Privatmitth.) Am 2. d. M. feierte der Lehrer, Cantor und Prediger der hiesigen israelitischen Gemeinde, Herr Heimann, sein 25jähriges Dienstjubiläum. Herr Heimann, der hier seit 20 Jahren wirkt, har sich nicht allein in dieser Zeit als tüchtiger berufs- und pflichttreuer Mann in seiner Gemeinde verdient gemacht, sondern auch als Förderer alles Guten und Edlen, namentlich als Präses des hiesigen Bildungsvereins, in weiteren Kreisen einen guten Namen erworben. Daher wurde denn auch dieser Tag ein wahrer Freudentag für die Gemeinde. Am Vorabende wurde dem Jubilar von dem hiesigen Stolte'schen Männer-Gesangvereine ein solennes Ständchen gebracht. Des Morgens überreichte der Gemeinrevorstand demselben das Ehrengeschenk (kostbare goldene Uhr) nebst dem Danke seitens der Gemeinde für sein segensreiches Wirken. Hechingen, 1. August. (Privatmitth.) Heute früh vier Uhr verschied hier der vielverdiente und auch in weiteren Kreisen rühmlich bekannte Rabbiner und Rechtsanwalt l>r. Samuel Mayer. Dieser Trauerfall erregt eine allgemeine, tiefe Theilnahme, da der Verstorbene sich ebenso durch seine Gelehrsamkeit, wie durch seinen humanen Charakter und sein echt religiöses Wesen auszeichnete. Die eigenthümliche, sonst wohl nirgends vorgekommene Verbindung des Rabbinats mir der Rechtsanwaltschaft, die so leicht zu mancherlei Conflicten führen konnte, verstand der Heimgegangene mit vieler Einsicht und sicherm Tacte glücklich durchzuführen. Seinen literarischen Ruf begründete er besonders durch sein zweibändiges Werk: „Die Rechte der Israeliten, Athener und Römer, mit Rücksicht auf die neuen Gesetzgebungen", welches 1862 und 1866 bei Baumgänner in Leipzig erschien, und das auch in den juristischen Kreisen vielfache Berücksichtigung gefunden hat. Mayer gehörte der Reformrichtung an, ging aber in seiner Gemeinde sehr vorsichtig und maßvoll vor. Die Beerdigung findet Dienstag den 3., 8 Uhr Morgens, statt. —. Die Beerdigung fand am 3. statt und sprechen sich darüber die „Hohenzoller'schen Blätter" und der „Schwäbische Merkur" folgendermaßen aus: „Die Betheiligung an dem Leichenzuge war eine allgemeine und sehr ehrenvolle. Ein sprechender Beweis dafür, in welch' hoher Achtung der Verstorbene hier in allen Kreisen gestanden. Viele folgten dem Sarge nach dem ziemlich entfernten Friedhofe, woselbst der Begräbnißact durch den Herrn Kirchenrath und Oberrabbiner Dr. Wassermann aus Stuttgart vorgenommen wurde. Die vortreffliche Leichenrede gab ein Lebensbild des Hingeschiedenen getreu und ohne Schmuck, klar und wahr, wie der Gruudzug im Charakter des Verstorbenen

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