Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 18 (28.4.1863)
- Date
- 1863-04-28
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Beilage zu No. 18 der Allg. Ztg. des Zudenth. Vom Institute zur Förderung der israelitischen Literatur. Abermals an Alle! Unser literarisches Institut hat nunmehr acht Jahre einen dauernhaftcn Bestand gehabt, und seine Lebens- und Thatkraft nicht blos in seinen Leistungen, in den Autoren der Schriften und in den Leitern des Instituts, sondern auch in seinem Publikum selbst erwiesen. Wer die Abonnentenvcrzcichnissc dieser Jahre miteinander vergleicht, wird die Bemerkung machen, wie sehr durchschnittlich die Orte der Verbreitung, die Agenten und Abonnenten dein Unternehmen in überraschender Weise treu anhänglich geblieben, und die Zahl der abgcgangencn und ncuhinzugekommencn Theilnehmcr vcrhältnißmäßig nur eine geringe ist. Cs geht daraus hervor, daß die Idee des Institutes stch zu einem bleibenden Bedürfnis für mehr als drei Tausend Familien gemacht hat, daß daher die Anziehungskraft dieselbe geblieben, und auf eine weitere lange Dauer zu rechnen har. Glicht minder gewahrt man, daß nur sehr wenige Drtc vereinzelte Abonnenten aufzcizcn, sondern an den Plätzen, an welchen das Institut stch heimisch gemacht, immer auch eine relativ größere Zahl Theilnehmcr stch gefunden. Was anders folgt hieraus, als daß cs nur eines rhäligen Mannes bedarf, der sich innerhalb einer Gemeinde und ihres Umkreises mit Energie der guten Sache annimmt, um die besten Erfolge zu erzielen? Gerade darum aber müssen wir der Uebcrzcugung leben, daß das Institut noch einer außerordentlich größeren Verbreitung, noch eines viel bedeutenderen Wirkungskreises fähig ist. Würde bald hier, bald dort eine größere Menge Abonnenten stch finden, die aber ebenso bald stch wieder verliefe, würde nicht die größere Masse der Abonnenten eine consequent bleibende sein: so wäre jene Hoffnung eine unbegründete. So aber zeigt cs stch, daß das Institut da, wo es einmal tüchtig gefördert worden, zu fesseln versteht. Bemerkt man nun zugleich, daß cs in der Thal nur gewisse Landschaften find, und zwar in Deutschland vorzugsweise die preußischen Provinzen von Lyck und Königsberg bis Aachen und Saarwellingen, in welchen die Verbreitung des Instituts eine allgemeine und ausgedehnte ist, während andere nur mittelmäßig, wie Bayern, andere nur gering, wie Württemberg, andere fast gar nicht, wie Baden, theilnchmen, sowie auch, daß, wahrend einige größere Gemeinden, wie Breslau, Posen, und jetzt auch Berlin eine größere Anzahl Abonnenten zählen, während andere, wie Hamburg, Frankfurt a/Main, Prag, Wien, nur eine verhältnißmäßig geringe Ausbeute liefern: so kann man nicht anders urthcilcn, als daß das Institut an Ausdehnung und Erweiterung noch viel gewinnen könnte, und daß es insondcrs darauf ankämc, daß an Plätzen, wo bis jetzt wenig oder gar nichts gcthan worden ist, einige angesehene und tharkräftige Männer stet' der guten Sact'e annchmcn möchten, um leicht die drei Tausend auf fünf, acht, ja zehn Tausend zu bringen. Es unterliegt dies nicht dem geringsten Zweifel. Denn es kommt hier hinzu, daß im Allgemeinen die Buchhandlungen stch weniger hierzu eignen, da cs vielmehr gilt, durch persönlichen Einfluß bei den Vielen, welche das Institut noch nicht kennen oder dafür gleichgültig stnd, die Thcilnahmc zu wecken. Es ist uns nicht darum zu rhuu, die Verdienste des Instituts rühmend auseinander zu setzen. Aur das Eine wollen wir bemerken: Es war von Beginn an weniger der Zweck des Instituts, eine große Masse Schriften aus jütischem Gebiete ins Leben zu rufen, als vielmehr für die jüdische Literatur ein Publikum, ein großes Publikum zu schassen. Es gab bis dahin eine jütische Literatur, und treffliche Werke in ihr: aber wie schwcrarhmig und mühselig schleppte stc ihr Dasein dahin. Wir können cS iharfächlich erweisen, daß mir geringer Ausnahme selbst sehr gute Schriften nur wenige hundert Käufer finden konnten, und die Mehrzahl der Exemplare auf dem Lager blieb, und zuletzt makuliri wurde. Die Verleger kamen kaum zu ihren Kosten und ließen stch bald von allen dergleichen Unternehmungen abschrccken. Deshalb ist auch tcr Einwand, der bisweilen gehört wird, daß, weil das Institut für eine so geringe Summe so viel liefere, die Abonnenten andere Schriften der jüdischen Literatur gar nicht mehr kauften, ein falscher — denn vorher wurde gar nichts gekauft. Acin ' gerade darin und dadurch erfüllt das Institut seine Misfion am meisten, daß cs Werke des Iudcnthums, Erzeugnisse des jüdischen Geistes in raufende von Händen liefert, ihnen die Kunde, das Bewußtsein von dem Dasein einer jüdischen Literatur bringt, Geschmack an ihr einstößr, damit die Kennt-