Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 31 (30.7.1855)
- Date
- 1855-07-30
- Page
- Seite 392 (sequence 2)
- Language
- German
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SSL Doch die Jbrim find erloschen, 3hr Gesetz und Recht verweht: Nimmer können Recht fie fordern Vor des Richterstuhles Höh', Denn verwirkt ist von Befiegten Recht auf immer — Victis Vae!" — „Also geh' ich hin zum Tode, Den mir drohte der Tyrann?" — „Auch den Tod des Herrn Belieben Seinem Sclaven geben kann." — „Aber wenn als Sclav' ich rechtlos, Hat denn Roma's Volk das Recht Auf dem Forum anzuhören Was ihm spricht ein niedrer Knecht? Wohl, ihr Römer, laßt mich's künden, Laßt den Trugwahn mich zerstreu'» — Hab's seit langer Zeit vernommen: Wollt das Volk des Rechtes sein — Wie Eu'r König Numa lauschte Auf der weisen Nymphe Spruch; Wie Zhr dann der Tafeln zwölf Sammeln ließet Zug um Zug, Boten sendend zu den Völkern, Daß Ihr wisset, prüfet, wählt, Ueber Gut und über Leben Keine feste Satzung fehlt; Wie Ihr des Gesetzes Deutung Niederschriebet Jahr um Jahr, Spruch des Prätors, der Consulen, Ach! der Rollen große Schaar: Daß man schon ein langes Leben Muß des Rechtes Kenntniß weih'n. Und es wundersam zu sehen, Wie's fich widerspricht so fein, Wie's zu schlichten, auszugleichen Oft der schlau'ste Witz thut Noch, Advocatenkniff entscheidet Ueber Leben, über Tod. — Ja, Ihr seid das Volk des Rechtes: Denn Ihr habt der Rechte viel. Wenn das Eine nicht zum Nutzen, Führt das Andre doch zum Ziel; Habet Rechte für die Römer, Für „Barbaren" andre dann. Daß der Römer Unterjochte Bis auf's Letzte plündern kann; Aber auch die röm'schen Bürger: Wehe dem Plebejerstand, Der Patrizier hat das Vorrecht, Durch Geburt ihm zugewandt; Und dann find fie Alle wieder Nach Befitz und Gut vertheilt. Daß das Recht ist zugemeffen. Wie viel Geld im Kasten weilt. Darum ist nun Recht und Würde Unter diesem Volke feil, Von dem Thocwart bis zum Kaiser Wird dem Käufer es zu Theil. Darum seid Ihr Alle Sclaven Und des wilden Unrechts Knecht, Ob Ihr tausendmal beschrieben Was Gesetz sei und was Recht; Bald drückt der Cohorten Willen Eures Caesars Nacken wund. Und Eu'r Caesar schließt auf immer Mit der Kette Euren Mund; Von den Alpen steigen Horden, Die zerstreu'« Eu'r feiles Heer, Und in Trümmer finket Roma, Untergeht Ihr ohne Wehr. Aber ziehet zu der Völker Allen, wie fie um Euch find. Weil fie Rechte nach Belieben Schmieden, ändern nach dem Wind, Weil Jedweder, der die Macht hat, Auch das Recht zu machen wagt: Eilen fie zum Untergange Schmählich Alle und verzagt.' — Denn vernehmt: das Recht ist Gottes, Und wie Gott nur Einer thront, Ist das Recht nur Eins für Jeden, Der auf diesem Erdball wohnt. Und dies Recht, Gott hat's gesprochen Von des Horeb's Flammenhaupt, Und das Volk, das es vernommen. Ewig diesem Rechte glaubt. Und dies Recht, Gott hat's gegraben In zwei Tafeln, ewig fest. Und das Volk, dem fie gegeben. Nimmer fie fich rauben läßt. Dieses Recht, ob Bürger, Fremdling, Niedrig, hoch, ob reich, ob arm,