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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-11-28 · Heft 103 (28.11.1837) · p. Seite 412

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 103 (28.11.1837)
Date
1837-11-28
Page
Seite 412 (sequence 4)
Language
German
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412 losen Streites entgegen zu sehen und . eine schönere Zukunft scheint uns nunmehr aufgehen zu wollen. (Schluß folgt.)- Bücher scha-u. (F o r tsetzu« q.) Es ist eine eigene Erscheinung, deren geschichtliche Ursache sich aber Nachweisen läßt, daß in allen europäischen Ländern die meisten Juden die deutsch e Sprache, wenn auch nicht mehr reden, doch verstehen. Die europäischen Juden theilen sich nämlich, ihrem Ursprünge nach, in deutsche und portugiesische, die besser spanische heißen sollten. Die ersteren sind Auswanderer oder Abkömmlinge von Auswaadern aus Deutschland, die letzteren von den Vertriebenen der pyrenäischen Halbinsel, Italien, Holland, und von hier aus. England ist der Sitz der portugiesischen, obschon Holland und England eben so viele deutsche enthält — die Vermischung! Beider war früher sehr, ist jetzt allerdings weniger schwierig. Ganz einzig ist, daß hinwiederum die Portugiesen nur an einer Stelle in das eigentliche Gebiet der Deutschen eingedrungen, in | Hamburg und Altona. Die östlichen Theilc Europas, d. i.! sämmtliche slavische Länder, und von da aus Sibirien sind nur von Abkömm.ingen von deutschen Juden bevölkert, die sich aber längst, eigens verbildet haben, so daß man sie absonderlich mit dem Namen polnische Juden belegt, die später wiederum ihre Kolonisten zahlreich nach Deutschland gesendet, und noch immer senden. So ward also die deutsche Sprache heimisch unter den Juden von Kamtschatka bis an den Themsestrand, und erhielt sich so lange unter ihnen, als sie von dem socialen Leben in död von ihnen bewohnten Ländern wenig berührt waren. Es war aber natürlich, daß, je mehr die Juden, besonders in Frankreich, Holland, Dänemark und England, in die Societät eintraten, und an deren Interessen sich anschlossen, sich auch die Kenntniß der deutschen Sprache, die sich unter ihnen vererbte, und von den neuen Ankömmlingen imnnr wieder angeregt ward, immer mehr verliert. Beweis hiervon liefern sowohl eine Reihe von Jugendschriften, die in französischer und englischer Sprache für die israelitische Jugend jener Länder erschienen^ als auch jüdische Zeitschriften in den genanr ten Ländern. Trotz dem hat es sich ~ daher immer gemacht, daß die jüdisch-deutsche Literatur sich auch nach jenen Ländern verbreitete, hingegen die jüdisch-französische und englische Literatur wenig in Deutschland coursirte. Wir wollen daher heute unsere Leser mit einer englischen Monatsschrift für rabbinische Literatur bekannt machen, die mit dem Neujahr 5595, d. i. mit dem September 1834 zu erscheinen begann, und von der uns zwei Jahrgänge (bis jnm Neujahr 5597 d. i. Sept. 1838) vorliegen. Die Fortsetzung scheint nicht erschienen zu seinda wir sie trotz aller Mühe nicht erlangen konnten. Dem Umfange nach, kam in jedem Monate 1 Part, enthaltend 4 Nummern, die Nummer zu l Bogen 8., Die Tendenz des Blattes war die Beförderung der Kenntniß der rab binischen Literatur, besonders der allgemein-moralischen und religiösen Parthieen derselben, sowie überhaupt den Blick in die rabbinische Gestaltung des Judeathums zu öffnen und zu erhellen. Dies wird am besten aus einer Uebersicht des in diesen beiden Jahrgängen Gegebenen hcrvorgehen. Den größten Tkeil des Raumes nehmen Uebersetzungen radbinischcrSchriften ein; so wird durch beide Bände hindurch eine Uebersetzung des Commentars von Wessely zu der irnx nsoa (Sprüche der Väter sAbschnitt der Mischnahj), der unter dem Namen p'' pah bekannt ist, gegeben. Ferner unter dem Titel: Didactic Paetrv of the Rabbies die Uebersetzung einiger Stücke von Bechinath Olam; unter dem Titel: Morality of the Rabbies die Ueb. der Schmonah Perakim Leraxnbam, und von Itabam (9t. Eliesar ben Nathan Aschkenasi); unter dem Tircl: Metaphysics and Philosophy of the Rabbies die Ueb. des Buches Ikkarim von Aldo. ' Ferner: Viele Stücke aus den hebr. Zeitschriften P|DMö und D, clus den niNSin 'TC des W essely, die Vorrede des Maimonides zum talmudischen Traktate talmudische Allegorieen, Erzählungen und Aphorismen, eine Allegorie von rrppy einen Auszug aus Meor Enaim, einen Abschnitt von »Ioreh Kebuchim u. f. f. Neben diesen fallen die Uebersetzungen aus anderen Sprachen über jüdisch-religiöse und historische Gegenstände in die Augen: so werden über die Sekten der Essener, Samaritaner und Kariten die betreffenden Stellen aus Peter Beer's »Geschichte, Lehren pnd Meinungen aller religiöser Sekten der Judengeliefert, wozu noch über die Karaiten der Brief des 0r. Mises ün vr. Jost als Appendix hinzugefügt wird; über das jüdische Königreich der Chasars aus Jost's Gesch. der Israeliten, Munk's Aufsatz in dem Temps über die Poesie der Juden im Mittelalter. Außerdem sind noch folgende Aussätze zu beachten, welche theils Original, theils aus den besten rabbinische» Schriften gezogen, und passend überarbeitet sind. Customs and observances of the Jews; hier werden in einzelnen Abschnitten die Geschichte, Ursache, Gesetze u. s. w. der einzelnen jüdischen Feste anziehend erzählt, so •man nach der History of the Jews by Professor Milman, Qni3, wo auch die bekannten Andeutungen des Festes in der heil. Schrift nach dem Talmud nicht übergangen werden, u. s. w. On Hebrew Synonymes, wo treffliche Bemerkungen beigebracht werden; On the Excellency of the Hebrew Language, einem englischen Schriftchen eines gewissen Thurlestone entlehnt, nicht von Bedeutung. Erst im zweiten Bande finden wir allerdings mehrere Originalauffätze, z. B. Are the Institutions of tbe Jews anti - social, wo die Miche der jüdischen Gesetze gegen den 6er und Nochri, besonders im Vergleich mit den griechischen Sitten in diesem Bezug hcrvorgehoben wird. On the Social Condition of the Jews, ein weitläufiger Aussatz, welcher besonders die Geschichte des Talmuds und seine Einwirkung auf die Juden berücksichtigt, und auf eine interessante Weise besonders das Zusammentreffen der Araber und Juden seit Mohammed schildert. On the lndustry of the Hebrews; dieser schön geschriebene Aussatz beginnt mir einer guten Exposition des Gedankens, daß wen» die Hebräer auch keine Werke der Kunst hinterlaffeu haben, ihre Bestimmung unter den Völkern jedoch so herrlich, daß sie nicht neidisch auf Andere zu schauen haben, und geht dann darauf über, daß die meiste Beschäftigung der Hebräer der Ackerbau war, zählt die Stoffe auf, die unter ihnen am meisten gebraucht werden, und durchgeht dann von der Zeit Salomo's bis zur Zerstreuung die industriellen Werke der Hebräer, wenn auch lange nicht gründlich genug. ' Eine Lebensbeschreibung des Propheten Samuel, eine Geschichte der hebräischen Könige. Diese Uebersicht des Inhalts der vorliegenden beiden Jahrgänge wird dem Leser schon eine Ansicht über die Bedeutung dieses Unternehmens geschafft haben. Ehe wir aber diese näher bezeichnen, müssen wir zuvor Etwas über den Charakter desselben deibringen. — Dem tiefer» Beschauer wird es offenbar, daß das Judenthum, trotz dem, daß diese Erscheinung in der Menschenwelt die einheitlichste zu sein scheint, eine Schattirung und Färbung in den verschiedenen Ländern gegenwärtig angenommen, welche nicht dieselbe ist, sondern sich an den Charakter der Völker genau anschlicßr. Sehen wir auf die drei prägnantesten Länder, auf Deusschlaad, Frankreich, England: so tritt in England die rabbinische Gestaltung des Judeathums am entschiedensten öffentlich noch heute auf, (wir erinnern an die in dieser Hinsicht wichtige Mittheilung aus London No. 35. unserer Zeit., zu vergleichen mit No. 6.); in Frankreich entkleidet sich das Judenthum im öffentlichen Leben seiner bisherigen Form am meisten; und in Deutschland — da schwankt man (wie in Allem) immer zwischen Beiden hin und her, und hat keinen festen Boden. (Schloß folgt.) Redacteur: vr. L. Philipps«»». — Verlag von Baumgartners Buchhandlung« — Druck von W. Haack.

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