Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 88 (24.10.1837)
- Date
- 1837-10-24
- Page
- Seite 352 (sequence 4)
- Language
- German
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352 Politik. Zeitungsnachrichten. Rom, 26^ Septbr. Im Ghetto, unserer Judenstadt, welche durch ihre starke Bevölkerung auf sehr beschränktem Raume zu vielen Besorgnissen Anlaß gab, ist die Sterblichkeit im Vergleich der übrigen Stadt sehr gering gewesen. Es find dort bis jetzt 82 Sterbefalle Vorgekommen, meistens alte Leute, — bei einer Zahl von 4000 Menschen gewiß wenig, zumal bei der dort herrschenden Armuth und Unreinlichkeit. (Also zu allen Zeiten und an allen Orten ff. No. 22. und 85. dieser Zeit.j stellt sich dieselbe Erscheinung heraus, und kann, da man von genetischen Ursachen gewiß nicht sprechen kanw, der Grund nur in der Mäßigkeit und Enthaltsamkeit, sowie in dem wenig zu Debauchm geneigten Wesen der jüdischen Masse gefunden werdm, zu deren Erhaltung die Beobachtung der jüdisch - religiösen Lebensart wesentlich beitragt, s. die Mittheilung aus .Hamburg No. 76. D. Redact.) -London, 3. October. Die Ceromonie der Beeidigung der Sheriffs, welche dem Herkommen gemäß am Tage nach Michaelis, diesmal am Sonnabend statt findm sollte, wurde auf dm Montag verschoben, weil einer der neuen Sheriffs, der Banquier Montefiore, ein Israelit ist. Dieser Mann, durchfeine Wohlthatigkeit sehr beliebt, hangt mit Gcwissmhastigkeit an dem Glaubm seiner Väter. Er hat schon eine Wall fa hrt nach Jerusalem gemacht. — Bekanntlich wurde schon früher Herr Salomon, ebenfalls eia Jude, zum Aldermann der City erwählt. München, 6. Octvber. In der Barerischeu National-Zeitung liest man nachstehmde Berichtigung: Im Januar 1836 wurden die Israeliten Baierns von der K. Staats-Regierung aufgefordert, in dm Kreishauptstadte» Synoden zu bildm, wobei es jeder Gemeinde fteigestellt war, dieselbm mit ihrem Rabbiner, Lehrer und einem Laim zu. beschicken. Unter mehreren Fragen, die den Synodm von dem vorsitzmdm Regiemngs Commiffair vorgelegt wurden, war auch die: »Ob und unter welchem Titel eine oberste kirchliche Behörde für das Königreich zu bilden sei, aus welchm Mitgliedern dieselbe zu bestehen habe, wie sie zu bestellm sei, mit welcher Besoldung, und wie diese auszubringm, mit welchem Wirkungskreis u. s. w.< Für deren Errichtung erklärten sich die Synodm aller Kreise, nur warm dieMeinungen theils für eine definitive Einsetzung, theils für eine transitorische Maßregel. - Letzterer Ansicht war die in allm ihrm Beantwortungen aufgeklärteste, und in ihrm Borschlägm am weitestm gehmde Obermain- und zum Theil auch die Rezat-Kreis-Synode, befürchtmd, cs möchtm noch nicht bewahrte Männer genug für ein solches Institut da sein, oder doch auf diese die Wahl nicht fallen. Im Oberdonau-, Untermain-, Isar- und. Regenkreis. stimmte man für sofortige Einsetzung einer Oberkirchenbehörde, jedoch nur mit Zustimmung der abzuhaltmdm Gmeralsynode. Die Besoldung konnte natürlicherweise demnach — gar nicht mit Be-stimmthei't zur Sprache kommen; jedoch äußerte man allgemein dm Wunsch: der Staat möchte die Kostm der, Oberkirchmbehörde übernehmen. Die Gründung der jüdisch-theologischm Fakultät ist vom-Rezat-,Oberdonau-, Untermainkreise beanttagt, niemals aber, wie die »Landbötin« berichtet, von der Regierung derm Errichtung vorgeschlagm worden. Die offizielle Erklärung: daß auf geschchene Anstage (ob eine Oberkirchmbehörde errichtet rc. rc. ' werdm solle) 3000 Fl. nicht zusammmgebracht wordm sind, ist wahr undunbezweifelt; allein nicht, wie die »Landbötiwc behauptet, weil die Masse der mosaischen Glaubensgenossen für die Emanzipation entweder völlig gleichgiltig ist, oder nichts vornimmt, um sich derselben fähig zu machen, sondem weil man erstens d-en Beschluß, ob eine Kirchenbehörde errichtet werdm soll, von einenGeneralsynode abhängig gemacht hatte, und'weil anderseits, wo der Wunsch geäußert wurde: der Staat möge die Kostm'übernehmen, man von der Ansicht ausging, daß, insofern die Baierischen Israeliten alle Staatslaste-ngleich den Christen trügen, und somit zu dem Postulat für Kultus, also auch für die katholische und protestantische Oberkirchenbehörde ihren Beitrag lieferten, auch diesem Theile der Bevölkerung das Reciprocitats- Recht, in Bezug auf Besoldung der zu errichrmdm Oberkirchmbehöche in Anspruch zu nehmen, nicht verübelt werden könne — und daß endlich das im §. 16. der Bundesacte gegebene Versprechm: »Dm Israeliten sollen gegm Uebemahme aller Bürgerpflichten auch alle Bürgerrechte ettheilt werdm« — in Erfüllung gebracht werde. — So ist denn wirklich in der »Landbötin« ein gehässiges Bild über den Fortschritt der Civilisation der Baierischm Judm, und zwar lügenhaft mtworfen und hingestellt, indem dorr angegebm ist, als habe die hohe Staats-Regierung eine Oberkirchmbehörde emrichtm und einen Lehrstuhl für jüdische Theologie errichten wollm, und nur die Mittel nicht dazu weder im Budget noch bei tm Israeliten findm können — da doch die Sache bloß in Frage gestellt wordm ist, und die allseitige freiwillig e Besch ickung der Synoden, die den Israeliten mehr als 12,000 Fl. gekostet, sowie die nach dem Ausdruck der Regierungs - Commissaire zur gänzlichen Zufriedenheit der hohen Staatsregierung bei allen Synoden gethanen Schritte zur Verbesserung gerade das Gegentheil beweisen dürften. *) *) Auf diese Weise ist also nunmehr festgestellt, und unwiderruflich erwiesen, was wir io No. 74 und 76 dieser Zeitung über den Ausdruck des K. Staats-Ministers beigebracht. Das möchten wir aber fragen: »Ist es recht; auf eine schon im Schatten stehende Religionsparthei den Schein der Unverbefferlichkeit zu werfen, da sie ihn durchaus nicht verdient, was von ihren Gegnern auf diese Weise selbst anerkannt wird?« D. Redac» Redactenr: vr. L. Philipps»«. — Verlag von Baumgartner- Buchhandlung. — Druck von W. Haack.