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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-10-24 · Heft 88 (24.10.1837) · p. Seite 350

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 88 (24.10.1837)
Date
1837-10-24
Page
Seite 350 (sequence 2)
Language
German
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350 Beweiset es Allen durch eine That, durch eine glänzende That, daß es Euch darum zu thun ist, nicht blos die äußeren, materiellen BortheÜe der neuern Zeit, die bingerliche Freistellung zu erhalten und zu genießen: sondem auch die innere, geistige Bewegung, des Lebens. Alles, was bis jetzt geschah und vorging, geschah und ging vor sich in Einzelnen, für Einzelne, durch Einzelne. Darum ist Alles Bruchstück. Unsere Religion ist ohne Lehrstuhle, unsere Gemeinden sind ohne Geistliche, unsere Schulen ohne Lehrer, unsere Jünglinge und Kinder ohne Unterricht. Wir bedürfen eines Mittelpunktes für Alles. Wir bedürfen einer Anstalt, wo unsere Religion gelehrt, entwickelt und vertheidigt, und unsere Lehrer gemeinschaftlich gebildet werden, wir bedürfen eines Heerdes für alle unsere Interessen. . Nur dann erst ist unsere Religion vor allem Hohne, sind unsere heiligen Schriften vor Unkenntniß und Untergang, und wir selbst vor Entartung und Zerwürfniß geschützt. Wir bedürfen einer Facultät zur Entwickelung und Erhaltung unserer Religion für alle Jahrhundette, zur Bildung unserer Geistlichen, eines Seminars zur Bildung unserer Lehrer. Bon da aus kann Alles ausgehen, was uns zum Heile dient. Es ist schon viel davon gesprochen, noch mehr soll darüber gesprochen werdm, — Alles kann mit einem Male nicht ausgedruckt werden. Lasset uns vorläufig Folgendes festfttzen: §. 1. Es wird eine jüdische Facultät und ein jüdisches Seminar für das gesammte israelitische Deutschland errichtet werden. §. 2. Es wird diese Facultät und dieses Seminar im Mittelpunkte Deutschlands, in einer Universitätsstadt, in einem Staate, der besonders der religiösen Entwickelung des Judenchums geneigt ist, errichtet. §. 3. Die zu diesem Behufe anzustellenden israelitischen Gelehrten, so wie sämmtliche Kosten werden _ aus den Zinsen eines eisernen Fonds bestritten, um die Anstalt vor allen Unfällen der Zeit sichet zu stellen. §. 4. Diese jüdisch - theologische Facultät lehnt sich an die Staats-Universität, sie umfaßt die Lehrstühle der hebräischen Sprache, des Talmuds, Rabbinismus, der jüdischen Religionsgeschichte, Exegese, Homiletik u. s. f. — Das Seminar ist für sich bestehend. Es werden in Zukunft für die jüdischen Theologen und Seminaristen gemeinschaftliche Kostschulen und Pensionate gestiftet. §. 5. Dieser eiserne Fonds soll aus mindestens einer Summe von 100,000 Thalevn bestehen. §. 6. Diese Summe wird durch Subscnptionen, die in allen Städten Deutschlands,' wo Israeliten wohnen, ausgelegt werdm, zusammmgebracht. Die Gaben können so groß oder so klein sein, wie sie wollen. §. 7. Es werden zuvörderst nur die Unterschriften angenommen, — sobald die erforderliche Summe durch diese gedeckt ist, werdm die Beittäge gesammelt, und in einer Staatsbank einstweilm deponirt.

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