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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-07-11 · Heft 32 (11.7.1837) · p. Seite 128

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 32 (11.7.1837)
Date
1837-07-11
Page
Seite 128 (sequence 4)
Language
German
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128 mit den beschlossenen Abänderungen, unter Dissens einer einzigen Stimme, angenommen. Fassen wir also in Kurzem die Aenderungen, die durch die erste Kammer im Gesetz-Entwürfe getroffen wurden, zusammm, so sind diese: 1) Das Prinzip der Gleichstellung wurde negirt. 2) Das SchutzverhälMiß zum Staate nur, nicht zu Privaten und Corporationen (Städten) aufgehoben. 3) Völlige Gewerbesreiheit, auf zünftige oder unzünstige Gewerbe. 4) Ausnahmsweise Zulassung zur Advocatur, freie Zulassung zur medizinischen Praxis, Anstellungsfähigkeit in bestimmten Lehrfächern. 5) Erwerbung von Grundeigenthum auf Hauser und Gärten beschränkt, auf dem Lande mit 2 Morgen Land. (Fortsetzung folgt.) Correspondenzen, Auszüge, Repliken. (Die Leipziger Ostermesse 1637 von F. Stolle im Echo.) — Durch die erste Dampffahrt, die uns die Leipziger Jubilatemesse 1837 brachte, hat sie sich wohl nicht blos in den königl. sächs. Annalen einen guten Namen erworben; weniger möchte dies von der Juden-Emancipation zu behaupten sein, über welche während der Meßwochen auf dem sächsischen Landtage verhandelt ward. Rach den unermeßlichen Petitionen zu schließen, die von sämmtlichen sächsischen Gevatter Schneidern und Handschuhmachern gegen die Emancipation bei dem Landtage eingcgangcn »sind, sollte man glauben, es könnte im Königreich Sachsen vor dem zahlreichen Wolke Israels kein Apfel zur Erde fallen. Ich fragte daher: Wieviel haben wir denn eigentlich Juden im Lande? Fünfzehnhundert hieß es. Später vernahm ich aus Professor Krugs Dttrnde, daß es nur acht- bis neunhundert seien; und Krug muß es wissen, Denn er hat sich gewiß um die Sache bekümmert, da er als großer Emancipationsfteund bekannt ist. Also neunhundert, wir wollen aber tausend annehmen. Eoustitutionelle Sachsen gibt es Fünftehnhunderttausend, kämen nach Adam Riese fünfzehnhundert Constitutionelle auf einen Juden. Nun sind die Petitionäre steif und fest der Meinung, daß dieser eine Jude, sobald er mit den übrigen Sachsen gleiche Rechte erhalte, die fünfzehnhundert Constitutionelle zu Grunde richten werde. Wie er das anfangen wird, wissen sie auch schon. Sie sagen, der Jude sei gescheidter, thätiger, speculativer, unternehmender; da man nun den fünfzehnhundert Constitutionellen nicht zumuthen könne, gleichfalls gescheidter, thätiger, speculativer und unternehmender zu werden, und damit das weithin wohnende Geschlecht der Gevatter Schneider und Handschuhmacher nicht aus ihrer holden und freundlichen Gewohnheit des Daseins ausgeschreckt werde, ist die Rechtsgleichstellung der jüdischen Landsleute eine thörichte Neuerung. Man habe den Juden in neuerer Zeit, eifern die Anti-Emancipisten, schon viel zu viel Concessionen gemacht. Allerdings, die Humanität hat hierin rasende Fortschritte gemacht. So kann sich rin todter Jude jetzt getrost in Leipzig auf einem von den Christen abgesonderten Begräbnißplatze versorgen lassen. Ehedem ward er nach Dessau transportirt, mußte noch Fracht und Geleit, und der Himmel weiß, wie viel Schock Gebühren und Gefälle bezahlen. Solche in die Augen fallende Humanitätssprünge haben etwas Erhebendes. Ein solcher Sprung geschah ferner in Betreff der Bergstadt Freib erg. Ich glaube, es war noch 1832 post Christum, wenn da ein Israelit genanntes Bergstädtchen pafsirte, so trabte allemal der Bettelvogt nebenher, der für diese Aufmerksamkeit von dem Eskortirten noch besonders honorirt werden mußte. Auf dem vorigen Landtage fand die Sache ihre Erledigung. Die Humanitärsfreunde riesen Hosiannah. Ich schrieb schon früher einmal gegen diese Freiberger Judenordnung, aber keineswegs aus Humanität, sondern aus dem einfachen Grunde, weil die Ratio, die jener Verordnung zu Grunde gelegen, nicht mehr vorhanden sei. Der weise Gesetzgeber, welcher alle Juden, die durch Sachsen gingen, für Spitzbuben hielt, verordnte, weil diese Stadt damals für das Eldorado von Sachsen galt, wo in allen. Rinnsteinen die Erdklumpen herumlagen, die Begleitung des Bettelvogts. Da nun heutzutage von Erzklumpen in der Bergstadt Freiberg nicht gar viel mehr zu, verspüren, auch die Kräfte des Bettelvogts bei der überhandgenommenen Bettelei vortheilhaster zu verwenden sind gegen die Christen, so war cs rein die Sache der Politik, die Eskorten in Werfall zu bringen; warum hier die Humanität rekrutiren? _ Leipzig hat sich in den Emancipations-Angelegenheiten insofern hervorgethan, daß es keine Petition gegen die Juden eingereicht hat; deshalb darf man aber nicht glauben, daß das oft genannte Geschlecht der Gevattern in dieser Stadt ausgestorben sei.' Die Gebirgsstadt Annaberg ttat als erster Judenfeind beim Landtage hervor. Won ihr war die erste Petition eingelaufen. Nicht lange darauf brannte sie nieder. Da legte die leipziger Judenschast zusammen und übersandte de» Abgebrannten fünfhundett Thaler Unterstützungsgelder. (Aus Breslau.) Sie erlauben wohl, geehrtester Herr Redatteur, daß ich Ihnen auch einmal eine Nachricht aus Breslau mittheile, damit Sie sehen, daß auch wir, wenn zwar nur langsam, mit der Zeit fortschreiten. Die hiesigen israelitischen Waisenknaben hatten bisher einen schlechten Stand, ihr Pflegevater, wenn auch in moralischer und praktischer Beziehung ein höchst achtbarer Mann, konnte firr ihre geistige Ausbildung wenig oder gar nichts thun. Die schätzbaren Borsteher unserer Gemeinde hatten daher schon lange beschlossen, diesem' sehr einleuchtenden Uebelstande abzuhelfea, und nur so lange gezögert, weil es ihnen vornehmlich darum zu thun war, den rechten Mann zu dieser schwierigen Stelle zu finden. Ihre Wahl fiel auf den in pädagogischer Hinsicht sehr gerühmten Herrn Wolffsohn in Sondershausen, der auch-Mitte Mai hierherkam. Ich bin nun so glücklich, Ihnen anzeigen zu können, daß man die Wahl nicht zu bereuen braucht. Wir haben bereits schon zwei Reden von ihm vernommen, die nur dazu beitragen konnten, das in ihn gesetzte Berttauen zu rechtfertt'gcn. Beide Borträge, von denen der eine bei der feierlichen Uebernahme des Amtes, der zweite einen Monat spater, bei Gelegenheit der Religkonsweihe eines Waffenknaben, gehalten wurde, sprachen das religiöse Gefühl der Männer und Frauen unserer zahlreichen Gemeinde sehr an, und ließen nur den Wunsch zurück, daß man durch die Anstellung eines Gemeindepredigers alle Sabbathe solche herzerhebende Worttäge vernehmen könnte. (Mendelssohn und Teller.) Moses Mendelssohn stand bekanntlich mit mehrern berlinischen Gelehrten feinet Zeit, Lessing, Engel, Nicolay u. A. in freundschaftlicher Verbindung. Auch mit manchen Theologen, mit denen die Glaubensverschiedenheit zuweilen der Gegenstand ihrer mündlichen und schriftlichen Unterhaltung war. So schickte ihm einstmal Abraham Teller folgende Zeilen zu: . An Gott den Darer glaubt ihr schon: So glaubt doch auch an seinen Sohn. Ihr pflegt ja sonst'bei Vaters Leben, - Dem Sohne gern Credit zu geben. Mendelssohn erwiedcrte: Wie könnten wir Credit ihm geben? Der Barer wird ja ewig leben. (Z. f. d. eleg. Wett.) Redacteur: vr. L. Phrlippsou. — Verlag von Baumgartners Buchhandlung. — Druck von W. Haack.

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