Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 6 (13.5.1837)
- Article
- (Rabbiner in Susa)
- Date
- 1837-05-13
- Page
- Seite 24 (sequence 2)
- Language
- German
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24 wenn er nur die Menschen erlöse und eine glücklichere Zeit herbeiführe, als die jetzige, was das Christenthum doch bis. jetzt nicht ‘ vermocht hätte. Dies aber könne nur der einzige Beweis für die Aechtheit des wahren-Messias sein. Wunder und dergleichen Dinge brauche er gar nicht zu thun, und die Welt könne im Ucbrigen im alten Gleise bleiben.« »Manche seiner Aeußerungcn schienen mir originell. So sagte er unter andern: Eure Religion ist zu bequem. Wenn Ihr den Spruch befolgt: Liebet alle Menschen wie Euch selbst und Sonntags in die Kirche geht, so habt Ihr weiter nichts zu thun. Diesen Spruch hat Christus nicht erfunden, denn er steht schon im Talmud, und ist dort einem Priester des Tempels in den Mund gelegt, von dem Jemand verlangte, ihm die Quintessenz der Religion in einer einzigen Phrase zu lehren *). Auch wir also haben diese Vorschrift, doch wie viele Gebete und Ceremonieen legt unsere Religion uns noch außerdem von früh bis Abend auf'. Dieser Zwang ist aber aut und nöthig, denn so können wir Gott nie vergessen und müssen fortwährend über uns selbst-wachen. Das ist der Nutzen des obligaten, stets wiederkehrenden Gebets.« »Glaube, äußerte er ein anderes Mal, ist vor Allem nöthig. Wie vieles würde ich im Testament und-unfern andern heiligen Büchern für unnütze Wiederholung, ja für albern und widersinnig halten, wenn ich nicht überzeugt wäre, daß wir gar nicht fähig sind, sie zu verstehen und klar zu würdigen. Ich sage mir, diese Schriften sind entweder heilig und von Gott, oder sie sind es nicht und nur Mcnschenwerk. Sind sie dies letztere, so hört meine ganze Religion auf, sind sie, aber göttlich, so muß ein mir unbekannter Grund und Sinn in Allem, auch in dem, was meine Fähigkeiten nicht fassen können, vorhanden sein. Eins verwerfen und das' Andere auftrehmen, darf ich nicht, denn der Mensch darf an Gottes Wort nicht'mäkeln.« »Ein braver, lieber Mann, schloß er, einer Ihrer Missionäre, den ich in Sfasc antraf, wo er den größten Theil des Tages im Thorwege seines Hauses sitzend, mit Bibeln handelte,-hatte mich neulich an das Ufer des Meeres bestellt, um mich dort zum Christen zu bekehren; und wir haben lange dort gesessen, und viel Schönes besprochen, aber er konnte mir doch die Fragen, die ich ihm stellte, nicht genügend beantworten, und zuletzt, glaube ich, verstanden wir uns Beide nicht mehr recht.« »Diese naive Definirung eines jeden Religionsstreites gefiel mir ungemein; ich bewunderte aber nichts desto weniger den heiligen Eifer und die Kühnheit unsers rüstigen jungen Streiters, der selbst die Chefs im Lager des alten, wohlbekannten Feindes sich jetzt zum Zweikampf, Mann gegen Mann, herausholt.« »Seinem Wunsche gemäß gab ich dem schönen Rabbiner ein Empfehlungsschreiben an die mächtige und alles. Gute gern fördernde Familie Rothschild mit, und ich hoffe mit Zuversicht, wenn ich in Jahr und Tag selbst meine Pilgerschaft nach Jerusalem vollführe, dort die heilsame Bildungsanstalt der Juden bereits im besten Flor zu finden. Rothschild darf nicht hinter Ibrahim, zurückbleiben, der den christlichen Pfaffen zu Jerusalem erlaubt hat, die vermauerten Fenster ihrer Kirche wieder zu öffnen. Dies wenigstens ist unbestreitbare Aufklärung. 1 Die bekannte Anekdote vo« Hillel. Und steht der Spruch nicht schon in der heil. Schrift? (Fortsetzunq.) War es besonders seine strenge Redlichkeit und gewissenhafte Unpartheilichkeit gegen Jedermann, eignen oder andern Glaubens, die ihn auszeichnete und die ihm bleibende Achtung und Anerkennung aller mit-ihm in Geschäftsverbindung Stehenden gewann, so fand er, nach seiner im Jahre 1794 erfolgten Verehelichung mit Clara, geborner Samuel Bondi (aus welcher glücklichen Ehe ein Sohn, der Verfasser dieses Nekrologs, und eine bereits verheirathete Tochter entsproß), Gelegenheit, auch seinen häuslichen Sinn, seine unaussprechliche Liebe und Zärtlichkeit, die ihn an die Seinigen knüpfte, mehrfach zu bethätigen. — Nicht minder war er Freund heiterer Geselligkeit, ein unterhaltendes und belehrendes Gespräch wissenschaftlichen und gemeinnützigen oder sonst harmlosen Inhalts war ihm die angenehmste Erholung. Fand er früher in dieser Beziehung im Schooße der achtungswerthen Familie Wolf und Simon Bondi (des rühmlichst bekannten Verfassers des Wörterbuches Or esther) mannigfache Nahrung für Geist und Herz, so suchte er nach dem Heimgange jener biedern Männer häufigern Umgang mit kenntnißvollen und wohlgesinnten Christen, von denen ihm Mehrere mit der uneigennützigsten Freundschaft und Anhänglichkeit bis an sein Lebensende zugethan blseben, welches bei der>ermaligen politischen Stellung der Israeliten in Sachsen viel sagen will. Wenn er gleich die israelitsschen Ritualbestimmungen mit der gewissenhaftesten Pünktlichkeit befolgte, und darauf sah, daß Alle, die unter seinem Einflüsse standen, dieselbe-Genauigkeit beobachteten, auch von der Nothwendigkeit einer mündlichen Tradition durchdrungen war, ohne welche, wie er zuweilen äußerte, manches in der heil. Schrift ganz unverständlich und uvausfirhrbar sei, so suchte er doch seine Ueberzeugung Niemandem aufzudringen. Hingegen galt ihm innere Religiosität und redliche Handlungsweise über Alles; mit Personen, die ihm in dieser Beziehung nicht ganz -makellos erschienen, mochte er sich nie befteunden.' Allem, was Religion und Sitte zu fördern im Stande war, hold, erregten auch dieneueren Bestrebungen, dem israelitischen Cultus mehr Würde zu verleihen-, seine angelegentlichste Theilnahme. Die zeitherkge Verwilderung der Synagogen war ihm ein Dorn im Auge, und er sah wohl ein, daß diese Unordnung im öffentlichen Gottesdienste sehr viel zur Irreligiosität und sittlichen Vernachlässigung so -mancher Israeliten beigettagen habe. Bereits im Jahre 1816, als von dem neuen Jacob so h nschen Bethause in Berlin die Rede war, und dann wiederholt bei Errichtung' des Leipziger Tempels im Jahre 1820, den er einmal besuchte, äußerte er sich darüber in ernsten Wotten gegen mehrere Bezechter des starren Alten. Billigte er allerdings nicht alle gemachten liturgischen Veränderungen, so fand-er doch die Haupttendenz der neuen Einrichtung — als andachtfötdernd und die Wohlthaten der Religion auch Frauen und Mädchen zugänglich machend — lobensrverth. — Solche laute Aeußerungen in jener Zeit von einem . Manne, der sich doch zu den Alten zählte, blieben nicht ohne Eürdruck. I (Fortsetzung folst) Anzeige für Verlagsbuchhändler wegen kritischer Erwähnung von neuen Verlagsbücheru, welche der Tendenz dieser Zeitschrift anpassend sind. Verleger solcher Schriften werden um Gratisüberlassung derselben und deren eilige Zusendung durch die Verlagshandlrmg, oder frankirt auf direktem Wege, zu oben bemerktem Zwecke höflich ersucht, J&bei wird aber die gleichzeitige Einsendung einer darauf bezüglichen Anzeige, wenigstens des Titels, fiWvas die Zeitung begleitende Anzeigeblatt, in dem die gespaltene Zeile nur mit 4 Groschen Gebühren bezahlt wird, unerläßlich bedungen. Dir Ardaetion. Redacteur: vr. L. Philipps»«. — Verlag von Baumgartners Buchhandlung. — Druck von. W. Haack.