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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-05-13 · Heft 6 (13.5.1837) · p. Seite 23

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 6 (13.5.1837)
Article
Kurze geschichtliche Darstellung der religiösen und bürgerlichen Verhältnisse der israelitischen Gemeinde zu Dresden
Date
1837-05-13
Page
Seite 23 (sequence 2)
Language
German
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23 Punkt die reiflichste Erwägung verdiene, räume ich zwar ein, bemerke aber, daß die gegenwärtige Frage damit nichts gemein habe. Ob es gerathen sein möchte, daß die Staatsregierung in diese jüdisch-kirchliche Angelegenheit tiefer eingehe, und positiv auf das "Innere derselben einwirke, muß ich abermals dahingestellt sein lassen. Die ganze Geschichte lchrt, daß das politische- Gentilisiren und Christianisiren der Juden keinen glücklichen Erfolg gehabt hat, von dem Syrer Antiochus an bis auf den Kaiser-Cajus, und von .diesem wieder bis auf den großen Sanhedrin Napoleons, von dem man eben so wenig Ersprießliches vernommen hat. Gewiß steht, dem Judaism in unferm Tagen eine große Krisis bevor. Wie sich diese aber entwickeln werde, wissen weder die Juden, noch wir,- da wir die Ereignisse der Zukunft nicht zu durchschauen vermögen. Ich glaube daher, wir müssen uns au das halten, was der Geist der Zeit, die Vernunft, Gewissen und' die Pflicht der christlichen Liebe gebietet. 'Die Gründe, die aus der Derfassungsurkünde von dem letzten Redner angeführt worden sind, scheinen mir nicht durchschlagend zu sein, denn die 32. §. mildert das wieder, was die 56. §. vielleicht etwas zu streng bestimmt hat, und durch gehörige Interpretation derselben könnte man vielleicht über die erhobenen Bedenklichkeiten hinwegkommen, da dort von einer freien rmd öffentlichen Religionsübung die R^>e ist. Ich wiederhole demnach, daß nach meinem Ermessen der erste Punkt des Gesetzes keinem Zweifel weiter unterliegt.« —> . . Was nun die Aufhebung der Privatsynagogen. betrifft, so sprach sich der gelehrte Dr. v. Ammon in einem zweiten Vortrag« hierüber folgendermaßen aus: »Ich muß erwähnen, daß die allgemeine Debatte über diesen Punkt.noch nicht geschlossen ist. Es scheint, daß über die sp^iellen Punkte erst zu berachea sein wird, wenn über die Hauptftage abgestimmt worden ist. Ich habe mir wenigstens Vorbehalten, über das Berhaltniß der Privatsynagogen zu den öffentlichen überhaupt Etwas zu sagen.- Wie der Satz von ihrer Aufhebung hier steht, scheint er ganz natürlich aus der früher« Bestimmung hervorzugehen, daß eine allgemeine Synagoge für die Israeliten sowohl in Dresden als in Leipzig errichtet werden soll. Bezöge sich dasblos auf das Inland, so würde ich nichts dagegen zu erinnern haben, weil ich wohl emschh daß eine solche öffentliche Synagoge nicht zu Stande kommen würde, wen» Jedem fteistände, sich von derselben zurWWtziehen. Würde hingegen das so gefaßt, daß künftig keine Privat-Synagoge weder in Dresden noch in Leipzig weiter stattfinden solle, so könnte ich mich nicht anders als dagegen erkläre», und zwar deswegen, weil ich das mit der Gewissensfreiheit der Israeliten für unvereinbar halten müßte. Die jüdische Dogmatik hat zwar das Eigenrhümliche, daß sie aus gewissen allgemeinen Sätzen zusammengefaßc ist, worüber sich alle Sekten leicht vereinigen können. Das verhält sich aber ganz anders mit dem Cultus und der Liturgie. Unter den Juden finden sich weniger Häretiker als Schismatiker, was sich leicht erklären läßt, wenn man auf die alte Verschiedenheit ihrer Tempel, Synagogen, Privat-Synagogen und den gegenwärtigen Zustand der jüdischen Theologie unserer Zeit, namentlich in Deutschland, zurückgeht. Man nimmt gewöhnlich an, es habe unter ihren Vorfahren nur ein einziger Tempel existirt, nämlich der Salomonische; aber nach Zerstörung desselben durch die Römer haben sie das Bild desselben nach Babylon übergetragen, wo sie alte Anlagen der Propheten zu entdecken glaubten, und also auch einen neuen Stützpunktihres Cultus und ihrer Hierarchie fanden. Früher hatte sich ihr Tempeldienst schon ganz anders zu Alexandrien in Aegypten für eine sehr zahlreiche und fteisinnige Judenschaft gestalte. Hier waren ihre heiligen Bücher in'die Lriechische Sprache übersetzt worden; sie wurden da griechisch verlesen und. erklärt, die ganze Liturgie war in der Landessprache vorgeschrieben. So gewann der Cultus, wo nicht eine dreifache, doch eine doppelte Gestalt, die rabba- »itisch-talmudische und die allegorifirend.-rationale, welche dann aus den Tempeln von selbst in die Synagogen überging. Wann diese entstanden seien, ist nicht ganz klar; soviel ist indeß gewiß, daß nach dem Exil sie von den ' zurückkehrenden Israeliten im jüdischen Lande errichtet wurden. (Fortsetzung folgt.) Correspondenzen, Auszüge, Repliken. (Rabbiner in Susa.) Der Fürst von Pückler-MuSkau erzählt im vierten Bande von Semllaffo in Afrika: »Während meines Aufenthatts in Susa (im Staate von Tunis), der einige Tage dauerte, in .denen ich selten meine Stube verließ, erhielt ich' eines Morgens den Besuch eines deutschen Rabbiners und Talmisten, wie er sich nannte (Talmudisten), aus Jerusalem. Es war einer der schönsten Männer, der fich, .weit reinlicher als gewöhnlich seines Gleichen gekleidet, in seinem violetten Talar, dem schönen braunen Bart, und den langen Lotten, die unter dem Turban auf sein weißes Gesicht herabfielen, vortrefflich auSnahm. Er ging blos deshalb nach Deutschland, um daselbst einflußreiche Leute für sein Lieblingsproject zu interefsiren: in Jerusalem eine Bildungsanstalt für die verwahrloste israelitische Jugend zu gründen, au der auch Erwachsene Thcil nehmen sollten, deren Biele, wie er sagte, mit jenen Kindern auf einer und derselben Stufe stünden.« »Ich hatte ein langes religiöses Gespräch mit ihm, indem er viel feurigen Glauben und dennoch ebenso viel Toleranz zeigte, ja selbst zu meiner Verwunderung behauptete, es sei gar nicht wesentlich, daß der Messias, den er und seine Glaubensgenossen ermatteten, nothwendig als ein Jude geboren werden müsse (wahrscheinlich meinte er, es könne auch ein getaufter Jude sein, denn die Abstammung von David kann er ihm doch unmöglich erlassen).

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