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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-05-09 · Heft 4 (9.5.1837) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 4 (9.5.1837)
Article
Paris [Nachricht]
Date
1837-05-09
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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IRI
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L. Jahrgang. enteilte No. 4 Zeitung des Zudenthmns. Ein unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit Königl. Sächsischer allergnädigster Concession.) Leipzig, den 9. Mai 1837. Politik. Zeitungsnachrichten. (Uebersicht der Ereignisse vom Januar 1837 an.) Paris, .5. April. Der große Verein der dramatischen Dichter hat Sonntag den 2. April eine Generalversammlung gchalten, am den Bericht der Commission entgegen zu nehmen. Zum Mitgliede der 'Commission für 1837 ist auch Halevy (Mitglied der Akademie, der schönen Künste)^ gewählt worden. , Zürich, 10. April. Am 6ten April wurde der wegen Teilnahme an der Ermordung Lessings in Umersuchung gezogene Jude Zacharias Aldinger, gen. Baron v. Epb, vom hiesigen Criminalgerichte beurtheilt, und zwar jenes Berbrechms nicht schuldig befunden, aber'wegen Gebrauch falschen Namens und falscher Schriften zu einjähriger Gefanznißstrafe verurtheilt. — Auffallend ist es, daß für den. Aldinger noch, kürzlich Geld von unbekannter Hand angekommen sein soll. Vom Rhein, 6; April. Seit beinahe 40 Jahren haben sich viele achtbare deutsche Gelehrte offen und meistens ohne Rücksicht auf den Beifall der Menge für die Sache der unterdrückten Juden ausgesprochen. Indem diese trefflichen Männer, unter denen besonders Lüder in Braunschweig mit ehrenvoller Anerkennung genannt zu werden verdient *), dem blinden Haß und dem heillosen Vorurchcil entgegcnwirk-; ten, erfüllten sie eine heilige Bürger- und Menschcnpflicht. Das Schicksal der Juden ist seitdem ip den verschiedenen deutschen Staaten wesmtlich erleichtert worden. Das düstere Zerrbild fangt an zu erbleichen, trotz der leidenschaftlichen Bemühung Vieler, die nur an das Gesetz der Ungerechtigkeit glauben. Noch ist die letzte Hand an das schwierige Werk zu legen, aber es wird auch da nicht an der rüstigen Kraft fehlen, um eines günstigen Erfolgs gewiß zu fein. Aufklärung und redliches Streben werden das Gesetz erwirken,, das überall den Juden vollen Antheil an den Menschen- und Bürgerrechten verleiht, um sie auf jene Stufe zu «heben, wo sie frei und ungehindert die große Aufgabe der Umwandlung vollenden könnm. Bis dahin muß jeder Vorwurf, jeder Tadel wie bittere Ungerechtigkeit erscheinen. Eine höchst erftculiche Erscheinung bleibt cs immer, daß, der Hindernisse und Anfeindungen ungeachtet, sich neue Stimmen für die *) Mit gleicher Anerkennung müssen wir den Baron von Görtz nennen. d. Red. Emancipationssache der Juden erheben. Robert Haas, ein junger evangelischer Geistlicher in der Nahe von Wiesbaden*), hat sich in einer befondern Schrift: »das Staatsbürgerthum der Juden vom innern Standpunkte der Politik beleuchtet« **), denVettheidigern dieser vielverkannten Angelegenheit in diesem Augenblicke beigefellt. Dem schwierigen Gegenstände ist Fleiß und Aufmerksamkeit zugewendet, von einem durchaus unpattheischen Standpunkt, aber mit den wohlwollendsten Gesinnungen. _ (Allg. Zeit.) Frankfurt a. M., 11. April. Die Häuser Rochschild beabsichtigen ihren Geschäftskreis zu erweitern und ihn bis jenseits des Oceans auszudehnen. Zu dem Ende wird für ihre Rechnung in New-Pork eine.Commandite errichttt werden. Ein mit der Ausführung dieses Projects beauftragter junger Mann, Herr Belmonte, ist vor einigen Tagen von hier abgereist, um sich über Paris und London nach jenem Handelsplätze zu begeben. Berlin, 20. April. Nach brieflicher Mitcheilung hat ein Rescript den jüdischen Schulen untersagt, am Sonntage - Unterricht zu ektheilen. Man hat eine Gegmvorstellung eingegeben. (Warum laßt man denn Sonntagsfchulen für Handwerker u. dgl. zu? d. R.) Leipzig, 6. April. In Leipzig ist noch Niemand'mit dem Vorschläge, bei der Ständeversammlung eine Pttition gegen die Emanzipation der Juden einzureichen, aufgetteten,. während von fast allen gewerbtreibenden Städten Sachsens die Abgeordneten mit solchen Zusendungen überhäuft werden ***). *) Pfarrer zu Dotzheim in Nassau. d. R. **) Ist bei Karl Körner erschienen. Wir werden darauf zurückkommen. d. R. , ***) Wir theilen hierüber eine inreressante Stelle aus der Zeit, f. d. eleg. Welt (No. 54.) mit: »Seitdem unsere Deputitten den Dresdner Bürgern mit' der Judenemanzipgtion bange gemacht, sind jene, Gevatter Schneider und HandschuhMcher, in einen Bund zusammengetreten, und haben, ne respublica detrimenti capiat, eine Petition unterzeichnet, in welcher sie den getreuen Ständen des Landes das entsetzliche Unglück vorstellen, welches nothwendig aus solch' einem unverzeihlichen, wider Völkerrecht, Christen - und Jnnungsthum streitcnden.Untcrnehmen über die Sächsische Nation Hereinbrechen werde. Die Provinzialstädte eifern der Residenz wacker nach, und ^Chemnitz soll, wie zu erwatten stand, auch bereits einige 1000 Unterschriften zusammcngebracht haben. Gespannt ist man auf das Benehmen Leipzigs in dieser Angelegenheit. Die dortige Kaufmannschaft könnte wohl, wenn sie wollte, bti der Frage um Emanzipation der Juden einen entscheidenden Einfluß erlangen, und eine gewichtige Majorität gegen die gewerbtreibenden Oppositionsmänner in die Wagschaale legen. d. R.

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