Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 3 (6.5.1837)
- Article
- [Nachricht]
- Date
- 1837-05-06
- Page
- Seite 10 (sequence 2)
- Language
- German
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10 Juden«: ernannten, und als solchen verfluchten, eine ironische Antwort in die öffentlichen -Blatter cinrücken lassen. (Fortsetzung folgt.) Politische Kontrole und Abhandlungen. Frankreich. -Die heilsamen Fruchte der Emancipation in Frankreich bezeugt u. A. nachstehende, öffentlichen Blattern entnommene Notiz, wonach dermalen in Frankreich 1 Israelit Generallieurenant ist, -ferner 30 Offiziere aller Grade, 27 Aerzte, 3 Gelehrte anderer Faculraten, 18 Advocaren, 3 Notare, 5 Avoues, 6 Professoren, 1 Mitglied der Depurircenkammer, 1 ordentliches Mitglied der Arademie der Wissenschaftm Israeliten sind. Rußland. Die Uebersiedlung von Juden nach'Sibirien ist ein glanzender Beweis, daß die Juden da, wo die Gelegenheit ihnen entgegenkommt, auch geneigt und geschickt sind, sich dem Ackerbau zu widmen. Und nicht Einzelne, besonders durch Gesellschaften und Prämien Aufgemuncerte, find es, sondern dem bedeutenden Andrangc konnte erst ein kaiserliches Machtwort Einhalt thun. ' Undwarum chat er dies? Also auch'in die sibirischen Steppen folgt dem Juden die Furcht, daß er Andere verdrängen. Andern schaden werde, daß er sich durch seine Tharigkeir und Fähigkeit reiche Quellen -eröffnen werde, wo sonst unfruchtbarer Boden ist. Das Journal Inland schreibt aus Mi tau, der Enthusiasmus für die Auswanderung sei unter den Judenfamilien in den Städten Kurlands so groß, daß es sich mit Sicherheit voraussehen ließ, es werde nicht die Hälfte derselben Zurückbleiben. Warum ließ man sie nicht wandern? Nach Sibirien, wohin verbannt zu werden für die härteste Strafe gchalren wird? oder glaubt man sie in Kurland nicht entbehren zu können? Der Gesetzentwurf über die bürgerlichen Verhältnisse der Juden, der dem Sächf. Landtage Vorgelege worden, ist kein Gesetz über Emuncipation. Nicht allein, daß ein Cordon um die Leipziger und Dresdener Juden gezogen wird; sie dürfen auch nicht einmal die Dresden-Leipziger Eisenbahn zu wechselnder Niederlassung benutzen. Sie bleiben unter dem Willen der jedesmaligen Staatsbchörde — denn ein inländischer Jude kann eine ausländische Jüdin nicht ohne Bewilligung der Staatsbchörd.e Heimchen, die Zahl jüdischer Meister soll die Staatsbehörde bestimmen, die Zahl der zu Haltenden Gesellen und Lchrlinge die Staatsbchörde beschränken, auch sollen die Lchrlinge nur Judenknaben sein — nur das Eine ist gestattet, Christen können bei jüdischen Meistern arbeiten lassen. — Es giebt Menschen, welche den Wahlspruch haben: »entweder Alles, oder Nichts;,« man trifft aber auch dergleichen, welche bei dem Ringen nach einem hohen Ziele jebar kleinen Schritt, jeden gewonnenen Fuß Terrain dankbar annchmen, und sich den Trostesspruch gefallen lass«: »Nur der Anfang ist schwer!« Nach diesen verschiedenen Ansichten wird über den vorliegmden Entwurf verschieden geurcheilt werden. Geschichte und Sprnchknnde. Savchuniathon. Die langst erwartete phönizische Geschichte des Sanchuniathon (nach ftüheren Annahmen um 1§00 vor d. g. Z.), vom Philo ins Griechische übersetzt, ist nun von deren Aufsinder Wagenfeld in Breme-n erschienen ^). Es ist bekannt, wie die Anzeige und Auszüge ausgenommen -wurden, .und bietet sich nunmehr dem Gelehrten unmittelbar die Gelegenheit dar, zu untersuchen, ob es ein untergeschobenes Machwerk sei. Mag die Entscheidung ausfallen, wie cs sei, wir enmchmen aus derselben Folgendes, wasdie Geschichte der Juden betrifft (denn 'IovöaToi werden sie darin benannt). Das erste Stück enthalt eine kurze Andeutung des Auszuges aus Aegypten, drittes Buch Cap. 15 f. »Nach dem Tode des Taaut und seiner Nachkommen wurden die Aegyprier, da sie gegen die am Meere wohnenden Hirten kriegten, von diesen besiegt. Sie flüchteten sich in eine große Stadt, wo sie von den Hirten belagert wurden. In - dieser Bedrängniß erfand ein Priester die Sichelwagcn -), deren der König sogleich hundert anfertigen ließ, und mir ihnen in Ku^em die Hirten besiegte und zurückwarf, und die ganze Landschaft bis auf eine am Meere gelegene Burg eroberte. Hierauf wanderten die Hirten aus, uyd versetzten sich meist in bisher unbewohnte Gegenden Arabiens. Ihre Anführer waren Omlakus 1 2 3 4), I durnas, Amon und Mobos^), nach denen die Stämme benannt wurden. Zuletzt wanderten auch Judas und Somyron aus. Die Juden und Somyracr 5) nahmen die Gegend von Jdumäa in Besitz.« Diese Erzählung hat eine historische Basis in der Geschichte der Hyk sos oder Hirrcnkönige, die über Sues (um 1700) in Aegypten eindrangen und bis Memphis kamen, dann aber vom Könige von Theben, Tethmosis, vertrieben wurden. Es ist auch Ansicht einiger' ncuern Ge- 1) Sanchuniathonis histor Phoeniciae Lihros IX graece verso9 a Philone Bibiio ed. latinaque vcrs. don. F-. Wagenfeld. Bremse 1837. 8. . . 2) Heeren macht in den Gott. gel. 2lnz. hierzu die Bemerkung, daß die. Aegyptier keine Sichelwagen, die nur in Asien zu Hause waren .(Diodor. II. 5. Arrian. III, 2.), hatten, sondern nur Kriegs wagen, von denen herab gestritten ward (1 Mos. 14) 7. und nach den großen Reliefs). 3) Offenbar Amalek. 4) Moab. 5) Wer die, weiterhin immer mit den Juden verbundenen Somyräer seien,'wird uns unzweffelhast, wenn rökv sie für die dem Reiche Israel zugehörigen-Juden, nach ihrer Hauptstadt, Samarien, benannt, erklären. Samarien wurde aber nach^ön. I. C. 16. vom Könige Amri erbaut, und nach dem frühern Besitzer ' des Berges, Semer, benannt. Es weist dies-also auf^WWS-! tere Zeit hin, wenn das Volk des Reiches Israels, ÄE Sämarker, 1 von den Juden getrennt angesehen wird.