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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-05-04 · Heft 2 (4.5.1837) · p. Seite 7

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 2 (4.5.1837)
Article
Die Marannen
Date
1837-05-04
Page
Seite 7 (sequence 2)
Language
German
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»Mein.königlicher Herr!« erwiederte gefaßt der Vezier, »mein Leben gehört dir und dem Glauben des Propheten, aber dein Leben ist der einzige Trost deiner geängsteten Unterthanen. Keinm Ausfall, mein König! wollen wir die erlittene Niederlage durch eine neue unverbesserlich' machen? Der Soldat ist ermüdet, erschüttert, die erfolglose Anstrengung des heutigen Tages macht ihn der Buhe bedürftig; der Spanier ist stegestrunken und von der Nähe seines Königs begeistert.« »Bin ich nicht auch König? lieben mich meine Krieger nicht? zögert "der Maure, wenn er seine Hand in spanisches Blut tauchen kann? Großvezier, in.einer halben Stunde stehe die Mannschaft bereitl« Schweigend aber schnell entfernte sich der Heerführer. Und cS wahrte keine halbe Stunde, so waren die Fenster in den Straßen erleuchtet, die Truppen auf den Plätzen gesammelt, Boabdelin bestieg das. schwarze arabische Roß , die Thore öffneten sich und still wie zu einem Leichenzuge zog die Schaar der Krieger hinaus. Wie eine Heerde Tiger fielen die Moslemin auf das Lager der Spanier; obgleich diese.die Tücke des Feindes im langen Kampfe kennen gelernt hatten, so erwarteten sie doch heute keinen Ausfall mehr von den geschwächten und gedemüthigten Belagerten. Da erscholl das Wirbeln der Trommel, das Feldgeschrei der Söhne des Ostens: Allah! Allah! das Geklirre der Damascenerklingen und das Lärmen des Geschützes durch die Nacht, daß os von den hohen Alpuxares wiederhallte. Doch bald.hatten auch die Spanier °sich gesammelt, das Kreuz des Erlösers funkelte, von Mönchen gettagen, von Santa-Fe strömte die Menge herbei, und es vermischte sich das Wimmern der Sterbenden und Seufzen der Geschlagenen mit dem Kriegsgeschrei. Urber den Bergen war der Mond in seiner Klarbeit aufgegangen und beleuchtete die Scene, wo Menschen Menschen würgten, die Fluchen des Xenil trugen das Blut der Erschlagenen zum Sttome des Quadalquivir. Boabdelin hatte sich nicht geirrt, das Willkommen, welches er dem christlichen Monarchen brachte, war ein fürchterliches, und wenn gleich nach einem sechsstündigen hartnäckigen Kampfe die Saracencn zur Stadt zurückkehrtm, so hatten sie doch die Schmach des Tages gerächt und den Muth von Neuem belebt. (Fortsetzung folgt.) Kurze' geschichtliche Darstellung der religiösen und bürgerlichen Verhältnisse israelitischen Gemeinde?u Dressen. (Fortsetzung.) Doch wir kehren zur Geschichte der Verhältnisse der Dres- 7 .dener Israeliten im Allgemeinen zurück. Die Ereignisse des Jahres 1830 mußten auch hierin Veränderungen Hervorrufen. Wenn man bisher des Zusammenhangs mit der übrigen Gesetzgebung willen auch die alte Judenordnung noch bcibehielr und nur im Einzelnen Ausnahmen machte, so konnte dicß Verfahren nun nicht mehr gerechtfertigt werden, da jetzt die ganze Verfassung und Verwaltung des Landes nach neuern Grundsätzen umgestaltet wurde. Wirklich beeilten sich auch die zur Begutachtung der neuen Eonstitution zum 1. Mar; 1831 zusammen berufenen Stände bei der Regierung »auf die Erwägung der Verhälmisse der Juden und Bearbeitung eines entsprechenden Gesetzentwurfs« anzutragen. Die Regierung genehmigte zwar diesen Anttag und forderte deshalb detaillirte Darstellungen über die besondern Einrichtungen der Israeliten von den städtischen Behörden so wie von den Vorstehern der israelitischen Gemeinde zu Dresden; allein gewisse eigemhümliche Ansichten über die Emancipation der Juden) welche sich einiger sonst sehr wohlwollenden Staatsmänner bemächtigt hatten (wie z. B. Sabbatsveclegung und ähnliche unpraktische Vorschläge, von denen man inzwischen wieder zucückgekommen ist), verzögerten -die Ausführung. — Nun versammelten sich im Jahre 1833 die Stände wiederum. Ein Gesetzentwurf war von der Regierung nicht vorgrlegt worden, aber die israelitische Gemeinde brachte bei der ersten Kammer ihr'Gesuch »um Gewährung gleicher staatsbürgerlicher Rechte mit den christlichen Unterthancn« an. Professor Krug, Abgeordneter der Universität Leipzig, bcvorwortete die nurgedachtr (auch im Druck erschienene) *) Petition am 27- Marz 1833. Eine Deputation ward mit' der nähern Erörterung beauftragt und am 26. Juni desselben Jahres ward von der ersten Kammer einstimmig beschlossen, »die bisherige Gesetzgebung in Betteff der 'Juden einer Revision zu unterwerfen, und zu Verbesserung "ihres bürgerlichen Zustandes und zu Beseitigung ihrer gegründeten Beschwerden ein Gesetz zu bearbeiten.«— Vorzüglich hatten die kräftigen Worte Sc. Königl. Hoheit des Prinzen Johann, welcher u. A. erklärte, es thue ihm leid, daß in dem Lande, worin er lebe, Einwohner noch um Gleichstellung bitten müßten, jenen günstigen Beschluß bewirkt.' — Die Sache kam nach einiger Zögerung in die zweite Kammer. Einer der aufgeklärtesten und unabhängigsten Männer, Herr v. Mayer auf Lieska, batte hier das Referat übernommen und in einan. meisterhaft ausgearbeiteten Berichte die Ansprüche der Israeliten hervorgeho- ' den, so wie alle Entgegnungen widerlegt. Drei volle Sitzungen hindurch währten die Debatten, endlich ward der Anttag des *) Vorstellung der israel. Gemeinde zu Dresden an die hohe Iste Kammer der Ständcvcrsammlung d. K. Sachsen, verf. u. mit Anm. versehen von D. Beer. — Dresden, Meinhold 1-S33.

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