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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-05-02 · Heft 1 (2.5.1837) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 1 (2.5.1837)
Article
[Nachricht]
Date
1837-05-02
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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2 Herausgabe seines Werkes zu beschäftigen. Demnächst beabsichtigt derselbe auch die Herausgabe seines »Tagebucheswahrend einer fünfjährigen Reise durch Deutschland, Frankreich, England, Italien, die Türkei und Rußland, mit besonderer Rücksicht auf den politischen und moralischen Zustand der Juden in allen diesen Ländern.«. (Fortsetzung folgt.) Was heißt -as Judenthirru? I. Politische Seite. Erster Artikel. Die politische Richtung des Judenthums. Da,' wo Vorurtheil und Gehässigkeit ihre schneidenden Ansichten und verwerfenden Urcheile immer wiederholt laut gemacht und die Begriffe verwirrt haben, ist das höchste Verdienst, die einfache Wahrheit wieder ins Klare zu bringen, und sie so dem unpartheiischen Beobachter ohne alle Umkleidung vorzufuhren. Dies ist auch der Zweck der Betrachtungen unter obiger Aufschrift. Wenn auch keine überraschend neue Wahrheiten'daraus hervorgehen, so wird sich doch der Leser durch sie am leichtesten in den Stand gesetzt finden, selbst zu urtheilen und die schwebmden Fragen der Gegenwart eigens zu lösen. Das Judenthum ist eine Erscheinung, die, im frühesten Alterthum wurzelnd, durch den Bildungsproceß von Jahrtausenden gegangen, viele verschiedene Formen angenommen, ohne daß sich nicht eine ganz eigenthümliche Undstandhaft, gleiche innere Richtung darin erkennen ließe. Wollen wir daher die Frage beantworten: »Was ist das Judenthum? « — wie wollet ihr sie lösen, die ihr mit oberflächlicher Kenntnißnahme der Vergangenheit nur nach dem urthcilt, was die Außenseite der verworrenen Gegenwart bietet, die noch dazu blindes Verkennen und verstellter Eigennutz zu beflecken immerfort strebt? Das Judenthum nach seiner ganzen geschichtlichen Ausdchnung ist von politischer Seite das Miniaturbild der ganzen Menschheit: der Mensch aus rohem, ungesellschaftlichem Zustande ringend und strebend nach der höchsten Entwicklung der bürgerlich freien Gesellschaft. Als -Moses die Israeliten aus Aegypten in die Wüste versetzt hatte, waren sie nur eine Mmschenmasse, Atome -eines Volkes und Staates. Von Stund' an ergriff sie das Sweben, eine Nation zu werden, einen Staat z« bilden. Alle Formen der alten Welt wurden durchgemacht, angenommen und wieder zerstött. Republik mir militairischer und endlich theokratischer Spitze (Richter, Eli und Samuel), erbliche Monarchie (Juda), Wahlmonarchie (Israel) in der ersten Periode. In der zweiten. der Zeit des zweiten Tempels, abwechselnd Statthalterschaft fremder Mächte (persische, syrische und römische Provinz), Theokratie und endlich Vereinigung theokratischer und monarchischer Gewalt in einer Person, mit der Beschränkung unabhängiger Senate (Große Versammlung und Synedrien). Mit der Zerstreuung der Juden aber in alle Welttheile, mit dem Verluste ihrer Selbstständigkeit und ihrer Heimath, bewatcn dieselben die politische Laufbahn von Neuem. Sie waren wieder zurückgeworfen in den ungesellschastlichen Zustand, sie waren wieder eine formlose, anorganische, atomisiische Masse, sie mußten wieder vonunten auf beginnen:. waren ja Unzählige wieder als Sklaven verkauft worden. Von dieser untersten Stufe der Gesellschaft galt es, sich zum fteien bürgerlichen Standpunkte wieder hinauszuarbeiten. Aber cs war die neue Welt, in die sie eingetteten waren. Ganz verschieden daher, wie ihr.ftüheres Sweben, eine Nation, einen eignen Staat zu pcoducicen,' sollten sie vielmehr jetzt, mit und an allen Völkern, zur höchsten Entwicklungsstufe der mmschlichen Gesellschaft hinaufstreben. So wie es also die Aufgabe der neuen Welt war und ist, eine allgemeine menschliche Gesellschaft zu bilden, die alle Völker organisch umfaßt, war es die Aufgabe der Juden, nicht ein eignes Volk, nicht einen eignen Staat, nicht eine besondere politische Körperschaft zu bilden, sondern von den Völkern vollgültige Aufnahme in ihre Gesellschaft, und somit Theilnahme an dem allgemeinen gesellschaftlichen Verband zu erlangen. Ist, dies die reine, innere Tendenz, dre in der Gegenwart noch längst nicht gelöst, aber ganz klar zu erkennen ist, so mußten natürlich die äußern Umstände und Verhältnisse mannigfaltig darauf einwirken, da die Juden nicht, wie ftüher, unabhängig und sich selbst überlassen, ihren Bildungsgang nehmen konnten, sondern in völliger Abhängigkeit von den Völkern, in deren Mitte sie lebten, waren. So standen und stehen daher die Juden unter dem Kreuzfeuer der beiden Verhältnisse : wie die Völker in ihrer politischen Bildung vorwärts gingen, und wie die Völker sich gegen die Juden selbst stellten und ihr Sweben zuließen. Von der Grenze des Altetthums an bis zu der heutigen Zeit, von der Küste des Chinesischen Meeres bis zum westlichen Swande Amerikas, blieben sich , die Juden in diesem ihrem politischen Sweben, blieb -sich die Geschichte in ihnen Wir können nicht anders! Da man uns hinausgeworfen hat m alle Welttheile, da man uns das Thor des väterlichen Hauses verschlossen, sollen wir ewig unstät und flüchtig, heimathlos und gedrückt erscheinen und bleiben? Es ist unsre Aufgabe, und was an uns ist, werden wir sie lösen. Wir haben daher hier drei Epochem zu unterscheiden:

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