Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 55 (8.5.1838)
- Date
- 1838-05-08
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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n. I.hrg°°g. Allgemeine R«. ss. Zeitung des Zudenthuws. Ein unpartheiifthes Organ für alles jüdische Interesse. (Mit König!. Sächsischer allergnädigster Concession.) Leipzig, den 8. Mai 1838. Zeitungsnachrichten. Danzig, 24. April (Privatmitth.). Die katholischen Wirren bleiben leider auch nicht ohne Rückwirkung auf uns Juden. Es stellt sich hier wieder einmal glanzend heraus, daß wir unser Heil in einem friedlichen und beruhigten Zustande der religiösen Verhältnisse zu finden haben, daß eine jede religiöse, oder besser kirchliche Aufregung auch für uns traurige Wirkung hat. Die gegenseitige Duldung ist für uns das Ziel aller Bestrebungen; und somit gibt sich auch die denunciatorische Beschuldigung, die sich neulichst mit so vieler Ostentation kund that, als ob das Bestreben in unserer Entwickelung irgend eine revolutionaire Chance sei, in ihrer völligen Ungegründetheit zu erkennen. Von den Zeiten der Kreuzzüge her hat eine jede im Dunkeln schleichende demagogische Bewegung stets zuerst in Pöbelauftritten gegen die Juden ihre Kräfte, in Deutschland nemlich, versucht, und so ungeschickt dies gerade ist, weil hierdurch aufmerksam gemacht, eine jede Regierung für das Wohl und den Schutz ihrer bessergesinnten und ruhigen Bürger um so eifriger bemüht sein wird, so wollen sich zum allgemeinen, aber nicht zu unserem Glücke die Umtriebler hiervon doch nicht überzeugen. Die Gelegenheit ist ihnen stets zu lockend. Wohl uns! So ist es denn gewiß, daß unser Heil ganz und gar mit dem einer erleuchteten und festen Regierung verwachsen ist; wir kennen also die Fahne, unter der wir zu fechten haben, es ist die der Ordnung, des Staates! Es ist mein innigster Wunsch, daß dies meinen Glaubensgenossen wie den hohen Regierungen immer mehr zum Bewußtsein komme. — In Graudenz haben einige Unruhen gegen die Juden stattgefunden, man soll genöthigt gewesen sein, den General vLN Natzmer in Königsberg um einiges Militair anzugehen, da der Pöbel mit Plünderung drohte *) Ich habe in Obigem angedeutet, was hiervon zu halten. Es rührt allein von jener Pclrthei her, die seit geraumer Zeit den schönen Frieden unsres Vaterlandes zu stören sucht. Gott und dem Könige sei Dank — es wird ihnen nicht gelingen! Und wenn dies auch mit einigen vorübergehenden Nacktheiten für uns verbunden wäre, so wollen wir gern auch dieses Opfer bringen. Es wird sich abermals ergeben, wie nothwendig es ist, alle äußeren unterscheidenden Com- ®) Die Leipz. Mg. Zeitung brachte unter dem 15. April einige ähnliche Nachrichten. Wir bitten unsere Correspondenten, oder einen Graudenz er, um die genauesten Details. Red. promissen, durch welche die Gesellschaft die Juden immer noch isolirt, und immer von Neuem zu isoliren sucht, zu entfernen! Berlin, 28. Febr. (Privatmitth., durch Zufa.tl verspätet.). Der Geheime Commerzien-Rath, Ritter Wilhelm Beer, als Selenograph rühmlichst bekannt, ist von der Schlesischen Gesellschaft für vaterländische Cultur, so wie von der Gesellschaft für Naturkunde in Dresden zu ihrem corresp. Mitgliede ernannt worden. Pesth, 6. April. Die pesther Zeitung macht darauf aufmerksam, welchen Nachtheilen sich Pesth aussetze, wenn sie dem Beispiele ihrer Schwester-Stadt Ofen nicht folgen, und die drückenden Beschwerden beibehalten würde, denen die Israeliten dort im Handel, Gewerbe und Aufenthalte noch immer unterworfen sind. Canada. Bei dem großen Interesse, das gegenwärtig diese englische Colonie in Anspruch nimmt, wird es nicht ungemessen sein zu erwähnen, daß nach der Zahlung im Jahre 1831 in Unter-Eanada bei 511,917 Seelen sich 403,472 Katholiken, 108,445 Protestanten, und nur 107 Juden sich in den Bevölkerungslisten eingeschrieben fanden. Jndeß sind dies nur eingebürgerte Ansässige, worunter viele Ankömmlinge noch nicht eingerechnet sind. Frankfurt a.M., 25. April (Eingesandt*).) Ein in No. 44. der Allg. Zeit, des Jud. gegebener eingesandter Artikel von hier vom 28. Marz hat hier viele Heiterkeit und doch wieder ein gewisses unheimliches Grauen erregt. So sollten die Herren Justinus Kerner und Eschenmayer doch Recht haben mit ihren Behauptungen, die Nachtwelt rage in die unsrige herein, es gingen Geister unter uns um, die Abgeschiedenen blieben auf ihren alten Sitzen, ohne daß wir armen Menschen mit unserm blos für die Dinge dieser Welt ausreichenden Sehorgane dieselben bemerkten? Was wir doch bei dem vor Kurzem erfolgten Tode eines unsrer Rabbinatsmitglieder, des Herrn Silbe rkron so unnütz wegen der Anstellung eines Stellvertreters stritten! Gewiß versieht der Mann noch seine frühem Amtsverrichtungen, gibt noch seine Entscheidungen in casuistischen Fragen, bereitet noch zu Eidesleistungen vor, und verrichtet im nöthigen Falle noch Trauungen. Warum nicht, wenn sein College, Herr Lazarus L. Waltau — der übri- •) Wir erlauben und, iw Voraus zu bemerken, daß diese Mittheilung nicht etwa" vom Herrn Or. Cr eize nach auögegangen, und wird, so eS gefordert, der Abfasser sich nennen. Redact.