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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-07-19 · Heft 29 (19.7.1901) · p. Seite 345

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 29 (19.7.1901)
Date
1901-07-19
Page
Seite 345 (sequence 11)
Language
German
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345 halten viele, meist beschränkende Bestimmungen für die Inden. In den Memoiren der Glücke! von Hameln,') die mein verewigter Freund David Kaufmann heransgegeben, werden Detmold und Bückebnrg wiederholt genannt. Glücke! erzählt, das; ihr „Aelter-Vater" Nathan Mehlreich, ein sehr reicher, wackerer und vornehmer Mann, ans Detmold vertrieben worden sei. Besser scheint es den Juden in Schaumburg-Lippe gegangen zu sein, nachdem die beiden Linien sich getrennt hatten und Graf Philipp von der Lippe im Jahre 1640 zum Erben der Grafschaft Schaumbnrg eingesetzt wurde. In der Residenzstadt Bückebnrg lebten ebensalls schon um die Mitte des 17. Jahrhunderts Juden. Unter ihnen befand sich auch der Mann, bis zu dem der Ursprung der Familie Heinrich Heines nachweislich hinaufreicht. Er hieß Isaak Heine. Sein Grabstein ist bis setzt nicht anfgefnnden worden, da auf dem alten israelitischen Friedhof zu Bückebnrg sich nur einige Steine befinden, die so tief eingesunken sind, das; sie erst im Sommer ausgehoben werden können. Auch das Bückebnrger Archiv enthält nichts über den Mann. Es finden sich daselbst erst Nachrichten über Inden etwa ans der Mitte und über die Familie Heine erst Ende des 18. Jahrhunderts 2) vor. Der Sohn jenes Isaak war David Simon He ine, über den wir erst Näheres erfahren, nachdem er mit seinem Sohne, also mit dem Enkel Isaaks, Hehmann, nach Hannover übersiedelt war. David Simon hatte „den damals seltenen, nur erlesenen Familien eigenen Vorzug", bereits über eine» Familiennamen zu verfügen, der gleichsam latent geführt, wohl in der Gasse keine Anwendung fand, aber überall da zu Tage trat, wo der Träger mit dem öffentlichen Leben urkundend in Berührung kam. Es ist dies der Name Heine. Woher derselbe stammt, ist nicht recht ersichtlich. Ten Namen Heyn führte schon 1334 ein Jude in Straßburg. h Professor Moritz Heyne führt den Namen in einem Briefe an mich'') darauf zurück, daß der Großvater Heines eine volksmäßige Umformung seines Vornamens als Geschlechtsnamen angenommen habe. Heimann sei für deutsches Bewußtsein eine gekürzte Form von Heinemann, und das letztere wieder hyperkoristisch neben Heine gebraucht. Er hätte dies um so unauffälliger thnu können, als diese Form eine sehr weit verbreitete und der Bedeutung nach eine so farblose gewesen sei. Nun hat aber schon Heymans Vater. David Simon, in öffentlichen Urkunden den Namen Heine geführt; dieser kann also nicht von einer Umformung des Namens Heimann herrühren. Im Stadtarchiv zu Hannover befinden sich die Steuerbücher von 1710 an. In diesen sind auch die Namen der Juden verzeichnet. 1734 ist dort zum ersten Mal „Simon Heine" genannt. Aus dem Memorbnch der jüdischen Gemeinde von Hannover erfahren wir Näheres über diesen Mann, der aber hier nicht den Familiennamen, sondern denjenigen führte, y Die Memoiren der Glücket von Hameln 1645—1719, herausgegeben von Professor Dr. David Kaufmann, Frankfurt a. M„ 1896, S. 29. 357 u. a. O. Es ist nur wenig bekannt, daß Moses Mendelssohn selbst einmal nach Bückebnrg ziehen wollte. Der als Feldherr berühmte Graf Wilhelm zu Schaumbnrg-Lippe war ja einer der größten Verehrer seiner philosophischen Schriften. Als Mendelssohn der Gedanke kam, sich in Bückebnrg niederznlassen, hatte ihm dieser Fürst bereitwilligst Schuh und Wohnrecht erlheilt. Moses Mendelssohns gesammelte Schriften V. 364, 367, 445. h Straszburger Urkundenbnch. V. Nummer 33, Zunz, Namen der Juden, 54. y Heinrich Heine lLeipzig 1899), II ff. unter dem er in seinem Kreise besser bekannt war, nämlich David Simon Bückebnrg.') Er ist am 23. Ab 5504, also am 1. August 1744 gestorben; aber sein Grabstein ist auf dem „alten Judenkirchhof" zu Hannover, wo sich Grabsteine vom Jahre 1654 an befinden, bis jetzt nicht anfgefunden worden. Das Memorbuch erzählt uns Näheres über den frommen und wohlthätigen Mann, der das Gesetz der Nächstenliebe Nahen und Fernen gegenüber erfüllt, der vor allem Diejenigen, die dem Studium der Lehre oblagen, förderte und unterstützte, der die religiösen Satzungen heilig hielt und hierin von seiner Gattin unterstützt ward, in einer Eintragung, die ich im Gedenkbnch für David Kaufmann S. 504 im Original veröffentlicht habe. In den Fnßstapfen seines Vaters ging auch sein Sohn Heymann Heine oder Chajjim Bückebnrg. Tie oben erwähnten Steuerbücher führen im Jahre 1745, also nach dem Tode David Simons, „Simon Heine verwittwete Jüdin" ans; im Jahre 1775 führen die Steuerrollen die beiden Name» „Heymann Heine" und „Hertz Heine" an. Ob die Beiden Brüder gewesen sind, ist nicht bekannt; aber es ist nicht unmöglich, da der jüngste Sohn Heymanns gleichfalls den Namen Hertz Heine geführt hat. Anch über Chajjim Bückebnrg oder Heymann Heine wissen wir nur wenig. Am 27. Tebeth 5522, also am 22. Januar 1762, wnrde in Hannover der daselbst noch heute bestehende Wohlthätigkeitsverein unter dem Namen „Verein zum Studium der göttlichen Lehre, zum Krankenbesuch und zur Wohlthätigkeit" (O'ION '^1)1 -I'P'I 7N171 112^71 ^2? begründet. -) Unter den 18 Männern, die diesen Verein ins Leben riefen und die den geachtetsten und ältesten Familien der Gemeinde angehörten, befand sich auch Chajjim Bückebnrg?) Scharr dieser Umstand charakterisirt seine Stellung in der Gemeinde. Nach der Generaltabelle der in Neustadt - Hannover wohnenden Inquilinen vom Jahre 1755 bewohnte er dasHans Langenstraße 33, das ihm gehörte. Nach Allgabe der Kämmereiregister zahlte er jährlich 6 Reichsthaler Grundsteuer, an Servieegeldern hatte er jährlich 16 Reichsthaler zu zahlen. Die Zahl seiner Söhne wird in dem Jnqnilinenbuche im Jahre 1775 ans sechs angegeben. Eine Tochter wird nicht genannt. Auch hielt er sich zwei Mägde. Ein armer Mann war also Heymann Heine nach den Allgaben dieser Quellen nicht?) Dafür spricht anch der Umstand, daß ein Mann wie Leser Gans, einer der h Ein Salman Bückebnrg, der in Berlin lebte, kommt auch scholl im Stammbaum der Familie van Geldern vor. Er hatte eine Tochter von Salomon Gans zur Frau. Vgl. Kaufmann, l. o. 300. -') Dr. S. E. Meyer, Geschichte des Wohlthätigkeitsvereins der Gemeinde Hannover. (Hannover 1862) S. 5. ff. ) I.oe. eit. S. 19. *) Adolf Strodtmann in seinen! Buche, H. Heines Leben und Werke (Hamburg 1884), I. S. 3 nennt Heymann Heine einen „minder mit Glücksgütern gesegneten Händler, der, wie es scheint, ans Bückeburg stammte". Er folgt dabei den ziemlich unzuverlässigen Mittheilnngen voll Dr. Hermann Schiff, in dessen kleiner Schrift: „Heinrich Heine und der Neu-Jsraelitismus" (Hamburg 1866) S. 6, wo sogar der Name des Mannes falsch genannt wird, nämlich „Lob Heine in Altona". Dagegen ist es sehr komisch, wenn Maximilian Heine, der Bruder des Dichters, in seinen in meinem Besitz befindlichen handschristlichen Memoiren über den Großvater folgenden Satz schreibt: „Um die Mitte des achtzehnten Jahrhunderts lebte mein Großvater, der Hofagent Meyer Heine, in Hannover, dessen Voreltern zu Zeiten des dreißigjährigen Krieges in den Lippe - Schaumburgischen Landen ansässig waren."

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