Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 13 (29.3.1901)
- Date
- 1901-03-29
- Page
- Seite 2 (sequence 16)
- Language
- German
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2 dieses wahrhaft wohlthätigen Zweckes wäre ein reger Besuch dringend zu wünschen. BilleLs ä 1 Mark sind bei Herrn A. Sand Mnmenstraße 62) zu haben. --- Petershagen, 23. März. Nach 30 jährigem segensreichen Wirken in der Shnagogengemeinde zu Hanun i. W. als Prediger. Lehrer und Neligionslehrer der höheren Lehranstalten tritt Herr- Julius M und he im am 1. Inli c. in den wohlverdienten Ruhestand. Nicht nur in seiner Gemeinde, sondern weit über deren Grenze hinaus hatte sich der gewissenhafte Beamte stets allgemeiner Beliebtheit und Werthschätzung zu erfreuen. Als dessen Nachsolger wurde Herr Moritz Lorge, Lehrer zu Petershagen a. d. Weser, gewählt. HI. Leobschütz, 14. Mürz. Nach vierjähriger Panse feierte der hiesige Brüdervereiu sein Stiftungsfest in Form eines gemeinsamen Mahles. Die Feier kann in allen ihren Theilen als eine wohlgelungene bezeichnet werden. Die zahlreichen Ansprachen und zwei vom Berichterstatter verfaßte Tafel lieber wurden dem Ernste der Vereinsbestrebungen und der fröhlichen Ausgabe des Abends gerecht. Ein Glanzpunkt des Festes war die sichtbar vom Herzen strömende und darum die Herzen ergreifende Rede des Iustizraths Kassel. Seine Darlegungen gipfelten in dem Wunsche, daß einst unsere Kinder mit derselben Achtung. Ehrfurcht und Liebe voll uns zu sprechen berechtigt sein mögen, wie wir sie unseren braven Vätern und Vorvätern schulden, deren hellleuchtende Tugenden gewesen seien: Ueberzeugungstrene. Arbeitsfreudigkeit und Einfachheit. Prediger Abraham knüpfte seine den Bedürfnissen der hiesigen Gemeinde angepaßteu Ausführungen an das Wort: Auf drei Dingen beruht die Welt: auf der Thora, ans dem Gottesdienst und auf werkthätiger Nächstenliebe. Seine Anregungen fielen ans fruchtbaren Boden. Noch sei erwähnt, daß unter allseitiger Theilnahme eine erhebliche Summe für wohlthätige Zwecke gespendet wurde. /. Elberfeld, 17. März. Der Mendelssohn-Verein (Verein für jüdische Geschichte und Litleratm) feierte am 3. d. M. das Fest seilles zehnjährigen Bestehens durch ein Konzert mit daranfsolgeudem Ball. Seit vielen Wochen schon fanden die umfassendsten Vorbereitungen statt, die dank den rastlosen Bemühungen des Vorsitzenden. Herrn Hermann Straus; ein Resultat erzielten, welches bell Verein all seinem Festabend im denkbar schöllstell Lichte erscheinen ließ. Herr Strauß eröffnete das Programm mit einer kurzen, aber inhaltsvollen Ansprache. Er ließ die zehn Jahre des Vereins Revue passiren und betonte ganz besonders, daß unser verehrter Rabbiner, Herr D r. Allerbach, viel dazu beigetragen habe, in den weitesten Kreiselt der Gemeinde für die idealen Bestrebungen des Ver, eins Interesse zu erwecken, indem er selbst fein umfangreiches Wissen durch Vorträge und sonstige Belehrungen zu allen Zeiten bereitwilligst in den Dienst der guten Sache stellte. Lebhafter Beifall des zahlreichen Publikums bewies, wie sehr Herr Strauß das Nichtige getroffen hatte. Daun folgte ein von unserem vaterstädtischen Dichter Stto Hausmann nach dem Entwurf des Herrn M. Stern eigens zu diesem Zwecke verfaßter Prolog, der die auferstandene Prophetin Devorah die Geschichte ihres Volkes rekapitnliren läßt. Im Besitze der ihr voll Gott verliehenen Sehergabe blickt sie weit in die fernste Zukunft hinein und verweilt schließlich bei Moses Mendelssohn, der das Jndenthnm aus dem Ghetto der geistigen Unfreiheit eUöst habe. Sie ermahnt endlich die lebenden Gellerationell, auf den Bahnen des Rechts und der Gerechtigkeit weiter zu wandeln, und wenn auch noch manch finsterer Geist zu bannen sei, im Geiste Mendelssohns winke schließlich doch der Sieg. Das herrliche Werk wurde von Fräulein Helene Stern in ganz vorzüglicher Weise zum Vortrag gebracht. Hieraus ergriff Rabbiner Dr. An erb ach das Wort; seine Ausführungen gipfelten in dem Hinweis ans die Nothwendigkeit der Kenntniß der jüdischen Geschichte und Litteratur; die Aufgabe des Judenthnms sei religiöser Natur und nicht st a a t s b i l d e u d e r. Wie sehr Dl. Auerbach aus dem Herzell der Anwesenden gesprochen hatte, zeigte sich all dem lebhaften Beifall, der sich in spontaner Weise mehrfach geltend machte. Nach einigen musikalischen Vorträgen, einem Damentoast von Herrn M. L. Wetzstein und einen! Hoch auf den Vorstand des Mendelssohn-Vereins von Herrn A. Epstein wurde der kleine Einakter: „Schelmenstreiche" oder „Fix—fertig-abgemacht" zur Aufführung gebracht. — Nachdem die Feststimmung wieder in ruhige Bahnen zurückgekehrt war, brachte Herr Strauß eingelaufene Telegramme und Glückwunschschreiben zur Verlesung, um bald darauf für die Tanzlustigen den zweiten Theil des Programms zu eröffnen. So dauerte das Fest bis in den frühen Morgen hinein; es war wirklich schön und wird Jedermann in bester Erinnerung bleiben. A Wiesbaden, 24. März. Der 30. Jahresbericht des hiesigen Israelitischen U n t erstn tz n ngs ve r eins konstatirt zunächst, daß es dem Vorstände dank dem Vermächtnisse der sel. Geschwister Hanth in diesem Jahre gelungen ist. das Budget wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Die Einnahmen betrugen 16423.64 Mark, die Ausgaben 16120 Mark, das Veveinsvermögen 27 203.63 Mark. Der Vorstand besteht aus den Herren: Moritz Heimerdülger. Vorsitzender, Moritz Elsberg. Kassirer, Bernhard Baer. Mayer Baum, Seligm. Blmnenthal, Salh Hamburger. Simon Heß, Abraham Marxheiiner. M. D. Strauß, Benedict Strems, Schriftführer. Homburg v. d. H., 21. März. Der Jahresbericht des Israelitischen Hotzvereins (gegründet 1818) und zugleich des Vereins zur Ausstattung israelitischer Mädchen bezw. Ausbildung für einen Lebensbernf. Beglündung eines Geschäfts oder einer Häuslichkeit weist einen erfreulichen Aufschwung nach. Er gedenkt natürlich an erster Stelle des Mannes, der diese beiden Vereine jahrelang erfolgreich geleitet hat, des am 14. Dezembern. I. verschiedenen Louis Lehmann. Die Thätigkeit der beiden Vereine hat sich so ziemlich in den vorjährigen Grenzen bewegt, der Finanzstand ist andauernd günstig. Speziell den Holzverein betreffend, wurden an 10 hiesige Reflectanten 340 Ctr. Kohlen, desgl. an 7 auswärtige 70 Ctr. Kohlen — also im Ganzen 410 Ctr. Kohlen und 3 Klafter Brennholz geliefert. Der Holzverein hat 1754.04 Mark eingenommen und fast ebensoviel allsgegeben. Ter Vermögellsstand beträgt 10873.42 Mark. Der Verein zur Ausstattung israelitischer Mädchen hat 2001.86 Mark eingenommen und denselben Betrag ansgegeben. Das Vermögen beläuft sich ans 23 900.46 Mark. I4-. München, 26. März. Am 12. März fand anläßlich des Geburtstages des P r in z r e ge n t en Luitpold in der hiesigen Synagoge. die festlich geschmückt und beleuchtet war. ein Festgottesdienst statt. Nach Absingung von Psalm 21 bestieg Herr Rabbiner Dr. Werner die Kanzel und führte in meisterhafter Weise aus, worin denn die Bedeutung des Tages liege. An der Hand des Textes Psalm 21, Vers 2, führte er aus, daß. wenn sich Geist und Herz vereinige den greisen Herrscher zu feiern, so sei doch erst jene Feier eine würdige, die noch dann fortdauere, wenn der laute Jubel des Tages verrauscht, der Lichterglanz des Festes erloschen sei, dieses sollen wir ans dem vorbildlichen Leben des Priuzregenten lernen, der selbst an seinem Jubeltage seinen Ministern das Wort hingeschrieben habe: 8all,s publica mtMlna lex 6-ck; wir feiern würdig den Fürsten, wenn wir alle unsere Kräfte in den Dienst des Vaterlandes stellen. Mit gespannter Aufmerksamkeit lauschte die Gemeinde den Worten des Redners und mit tiefer, heiliger Inbrunst betete sie mit ihm für das Wohl des greisen Landesfürsten. Die Absingung voll Psalm 72 und der Negentenhynine schloß die erhabende Feier. Die Komposition der Psalmen, die vom ersten Kantor Herrn Emanuel Kirschner herrnhreu, wurde wegen ihres hohen künstlerischen Werthes allgemein bewundert. An der Feier nahmen nicht nur Mitglieder der Gemeinden, sowie die israelitischen Beamten zahlreichen Antheil, sondern es hatten sich auch lvie bei jeder patriotischen Feier, Abordnungen der königlichen und städtischen Behörden zu derselben wie zu den Gottesdiensten veränderen Konfessionen eingefunden. da in Bayern unter der Regentschaft des erhabenen Prinzregenten amtlich die israelitische Kon-! fession den anderen nicht nachgestellt wird. Dasselbe war auch der Fall, als an demselben Tage die Feier der Grundsteinlegung zum Denkmal für den Prinzregenten stattfand. Zn derselben wurde Herr- Rabbiner- Dr. Werner in gleicher Weise lvie die Mitglieder des Episkopats und des evangelischen Oberkonsistorinms geladen und nahm neben denselben an der Feier theil. b. Stuttgart, 20. März. Anläßlich des 70 jährigen Jubiläums des hiesigen G ewerbev er eins wurde Herrn Moritz Lewi. Buchhändler und Antiquar, der sich viele Jahre als Mitglied der Vereinsleitung große Verdienste erwarb, vom König von Württemberg mit dem Verdienstkreuz des Kronenordeus dekorirt. Der König überreichte persönlich bei dem Festakt den Orden. Auch wurde Lewi vom Verein selbst mit seinen Amtsgenossen Staatsanwalt v. GanPP. Finanzasseffor Dr. Trüdinger, Stadtgemeinderath Stühle u. N. zum Ehrenmitglied ernannt. — Kirchenpfleger Heinrich Lewi in