Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 32 (15.3.1838)
- Date
- 1838-03-15
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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No. 32« II. Jahrgang. Zeitung des Zudenthums. Ein unpartheiisches Organ stw alles jüdische Interesse (Mit Körrig!. Sächsischer clllergrrädigfter ILonccffion.) Leipzig, den 15. März 1834. Zeitungsnachrichten London, 22. Februar. (Privatmitth.). Wie man in London Aehntiches, wie die projectirte jüdischtheologische Facultat, anfängt? Diese Frage will ich Ihnen doch beantworten. Bekanntlich konnten weder Juden noch andere Dissenters in England, wegen altherkömmlicher Eidesleistungen, studiren. Um diesem Mangel abzuhelfen, errichteten Lord Brougham und die Mitglieder des Eomite's der Society for the diffusion of useful knowledge die londoner Universitv, an welchem Institute die Religionsverschiedenheit kein Unterschied war. Die University ward auf Actien errichtet, und konnte mehre Monate lang nicht ins Leben treten, weil die Theilnahme nicht hinreichend groß war. Da erkannte Jsaac Lion Goldsmid Esq., daß der Augenblick gekommen sei, um seinen Glaubensgenossen zu dienen, und ihnen den Weg zum Studium und Dociren zu öffnen — er nahm allein- Actien zum Belauf von 20,000 Liv. Sterl. (133,333} Thlr.). — So bewirkt man in England das Gute, und da ist es allerdings nicht zu verwundern, daß Männer, wie Brougham u. A., die Emancipation verlangen, und das englische Volk selbst die Juden emancipirt, noch vor der Gesetzgebung, durch Wahl zu Sherifs und Aldermen. Wir, in England, sehen Ihren Bemühungen um die Facultär zu, und — bedauern die Männer, die so unfruchtbaren Boden bearbeiten. Breslau, 28. Febr. (Privatmittb.). Herr Dr. Wilhelm Freund bemüht sich in Schlesien um Beitrage für Lessings Denkmal, auf Grund der Ri esser'schen Schrift. Er hat bereits 146 Thlr. 8 Gr. erhalten, worunter auch von einer christlichen Dame -^Friedrichsd'or, von demHandlungsdiener-Institute in Breslau 59| Thlr. Przemysl (in Galizien), 14. Febr. (Privatmitth.). Den erfreulichen Beweis, welchen Einfluß die neueste Rabbinenwahl in Tarnopol auf Galizien geübt, liefert die hiesige jüdische Gemeinde, welche den bekannten hebräischen Schriftsteller Samson Bloch zum Rabbinen wählen will, nachdem diese Stelle, durch das Absterben des vorigen, altersschwachen Rabbinen, einige Jahre unbesetzt blieb. Herr Bloch ist als Uebersetzer des Schriftchens „Rettung der Juden" von Menasse ben Israel, ins Hebräische unter dem Namen Teschuat Israel, sehr bekannt, besonders aber noch durch sein großes in musterhaftem Style abgefaßtes Werk S ch el> i 1 e Olam, eine groß angelegte Geographie, von welchem die ersten zwei Bande Asien und Afrika umfassen. Auch bei dieser Gelegenheit sehen wir, daß es nicht immer in der Unverbesserlichkeit der Orthodoxen, sondern mehr an dem Mangel an einem Vorschritt liegt; denn auch die Ueberfrommen lassen bei gehöriger Anreizung von Außen ihre festgewurzelten Vorurtheile allmalig fahren, und folgen nicht ungern, wenn erst ein Beispiel gegeben ist. Proßnitz (in Mahren), 15. Febr. (Privatmitth.). Da über die hiesige israelitische Gemeinde gegenwärtig wenig zu berichten ist, so wird es den verehrten Lesern vielleicht nicht unangenehm sein, eine literarische Neuigkeit aus unserer Stadt zu erfahren. Der aus dem Li kure Itim bereits als Schriftsteller hinlänglich bekannte Oideo n 1> rech er gibt jetzt bei Landau in Prag das alte berühmte Buch Kusari heraus, begleitet von einem ausführlichen hebräischen Commentac, der besondere Beziehung auf die neu sich gestaltende jüdische Religionsphilosopbie nimmt. Brody, 17. Febr. (Privatmitth.). In Bezug auf das von unserer österreichischen Regierung publicirte Gesetz, daß in Zukunft in Galizien nur philosophisch gebildete und studirte Rabhinen angestellt werden sollen, hat Brody sich zuerst entschlossen, durch Sendung eines Rabbinats-Eandidaten aus seiner Mitte auf die leipziger Universität diesem fördernden Gesetze nachzukommen. Ein junger, in der hebräischen Literatur bewanderter Tatmudist, Namens Jakob Goldenthal, dee früher im Kerem Chemed mitgearbeitet hatte, besuchte seit zwei Jahren, auf Veranlassung des oft erwähnten Gesetzes, die leipziger Univrrsität, und derselbe wurde vor Kurzem, als der erste Rabbinats - Eandidat aus Galizien, mit dem Titel: „Philosophiae Doetor et bouanim artium Magister“ beehrt. Herr Goldenthal ist so eben mit der Herausgabe des äußerst interessanten, noch nie gedruckten moralphilosophischen Werkes Mosene Zedek des arabischen Philosophen Algazali, welches in drei Abschriften auf der Rathsbibliothek in Leipzig vorhanden ist, beschäftigt, welche Ausgabe, in der hrbr. Uebersehung des Ben- Chisdai, außer der historisch-kritischen Einleitung noch eine adäquate Uebertragung enthalt. Wie es hier allgemein heißt, wird Dr. Goldenthal in Kurzem als Kreisrabbiner nach Galizien vielleicht berufen werden. Paris, 19. Febr. Der Moniteur algerien enthält eine königliche Ordonnanz, vermöge welcher Mordechai David Amar, früher Mitglied des Municipalrathes, zum israelitischen Adjunkt des Maire von Algier mit einem Gehalte von 2000 Fr. ernannt wird. Berlin, 24. Febr. Nach einer Nachricht über die Reise des Herrn von Katte in Habessinien wird dieser bald seinen Reisebericht veröffentlichen, worin er im siebenten