Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 27 (3.3.1838)
- Date
- 1838-03-03
- Page
- Seite 107 (sequence 3)
- Language
- German
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107 Rabbinismus und der gesunkenen jüdischen Theologie Hand anzulegen: damit der protz Schimpf und Schmach durch so viele Geschlechter erhaltene Mosaismus nun rein und glanzvoll Ln strahlender Glorie wieder vor allerWelt geführt werde. Um so mehr muß es nun den Gemeinden des Herzgth. Posen, vornehmlich der resp. Gemeinde Lissa's, als der zweiten Provinzialstadt, vom heiligsten Interesse sein, für dies großartige Unternehmen nach Kräften zu wirken, weil hier Orts eine attgemeine theologische Bildung stets vorherrs schend war, uud von jeher ausgezeichnete Individuen hervorgegangen, welche in- und außerhalb Deutschlands hohe Rabbinatsämter bekleideten, — jetzt aber diese früher weltberühmten Lehrstühle im Untergange begriffen sind, weil — keine Aussichten zur Vervollkommnung nach den gegenwärtigen Ansprüchen offen stehen. Verehrungswürdige! Lasset uns daher nicht lange anstehen, und den frommen Regungen des Herzens durch-klügelnden Verstand nicht Einhalt thun, vielmehr Glück, Einigkeit und Einheit Israels bis zu den spatesten Nachkommen, durch ein geringes Opfer — das ja nur in Geld besteht — eifrig begründen helfen. Sind zwar die Vermögensumstande hier nicht so allgemein blühend, um mit andern Gemeinden wetteifern zu können, so mag dies Niemanden abschrecken lDlU eine Beisteuer — jedoch vorläufig nur mittelst Subscription — zu reichen, welche durch die Menge indeß bedeutender wird, und eben in der Menge, in der Allgemeinheit das Verdienst hat, damit alle erkennen, daß der Ort sei, woher die Lehre, und da 2^tÖYY, woher Gottes Wort kommt. Lissa, im Januar 1838. Eduard Frank, Lithograph. Der Hauptinhalt der in trefflicher Sprache abgefaßten Schrift Geiger's „über die Errichtung einer jüdisch-theol. Facultät," ist folgender. — Die hohe Stufe, welche die deutsche Wissenschaft und die deutsche Bildung einnimmt, hat sie den Universitäten zu danken. Die jüdische Theologie stand bis jetzt außerhalb der ganzen wissenschaftlichen Anschauung. Es liegt in der confessionellen> Stellung, daß der christliche Forscher das Judenthum nur immer vom christl. Standpunkte faßt, ihm höchstens in der Propädeutik ein Plätzchen einräumt, wo er es als antiquirte Erziehungsmaßregel ansieht. Die jüdische Theologie kann nur als Wissenschaft wahrhaft erzielt werden durch Männer, die, ohne praktische Beschäftitigung, nur ihr leben. Nur so kann auch das Judenthum die ihm in der Reihe der Religionen gebührende Stellung rinnehmen. Von der andern Seite ist aber die Ausbildnng der Geistlichen und Lehrer für die Gemeinden zu berücksichtigen. Die hohen Forderungen, die jetzt an den Rabbinen gestellt werden, sind bekannt. Wie soll er sie zu befriedigen lernen? Besucht der jüdische Jüngling die Universität, wie soll er sich des Andranges der christlichen Ansicht erwehren? Das, was ihm Noth thut, wird nicht gelehrt, was er hört, da muß er erst davon abstrahiren. Iu acht jüdischer Homiletik und jüdisch-religiösem Jugendunterricht erhält er keine Anleitung. Was für Schwierigkeiten er im practischen Leben zu erwarten, und wie er sie zu überwinden hat, dazu bedarf er rüstiger Vorbereitung. Wer begeistert ihn, mit Enthusiasmus für eine benachtheiligte Glaubensparthei zu wirken? Es ist gewiß zu bewundern, daß wir, bei dem Mangel alles Dessen, noch eine Anzahl verdienstvoller Theologen aufzuweisen haben. Hieran fügt der Vers, noch einige herzliche Worte, alle Besorgnisse schwinden zu lassen, da die Oeffentlichkeit über dieses Institut wachen wird — „vorläufig gilt es zu thun!" — Diese letzten Worte sind es denn, die wir der besondern Berücksichtigung empfehlen! (Fortsetzung folgt.) Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen 1 Gr. Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petir-Schnft oder deren Raum ausgenommen. Die Verlagshandlung. Literarische Anzeige. rtos nun Hagadat-Pesacli Das ist: Was über den Auszug aus Mizrajim (Egypten) von den israelitischen Hausvätern am ersten und zweiten Abende des Pesach-FesteS bei Tische vorgelragen wird,, und welche, Ceremonien dabei beobachtet werden. Aus dem Hebräischen neu übersetzt und zum Gebrauche für weibliche Zuhörerinnen, ingleichen für Hausfrauen, die, ohne männlichen Beistand, selbst diese Vorträge halten wollen, bearbeitet, und mrt einer Einleitung versehen von vr. I. Heinemann. Berlin, beim Herausgeber und in allen Buchhandlungen zu haben. Geheftet Sgr.). Bei I. M. Gebhardt in Grimma erschien und ist durch alle Buchhandlungen ju beziehen: Delitzsch, Fr., Wissenschaft, Kunst, Zudenthum. Schilderungen und Kritiken, drosch. 1 Thlr. 12 Gr. Aus dem reichhaltigen, durchaus originellen und interessanten Stoffe dieses Werkes ser nur beispielsweise hervorgehoben: Das Verhältnis. der Synagoge zur Kirche durch alle Zeiträume Hindurch, — die jüdische Poesie und ihre mannigfachen Richtungen, — ^ie Geschichte der semitischen Sprachen als Sprachen der IudeiW — die juden-christl. hebräische Literatur — Themen, welche mit Einwebung anziehender Uebersetzungsproben und überraschender Notizen und Excerpte auS vielen noch handschriftlichen Werken historisch und kritisch von dem bereits rühmlich bekannten Verfasser behandelt worden find. —