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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-04-19 · Heft 17 (19.4.1898) · p. Seite 195

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 17 (19.4.1898)
Date
1898-04-19
Page
Seite 195 (sequence 3)
Language
German
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195 sämmtliche Mitglieder des Verwaltungsrathes, die Herren Narcisse Leven. Großrabbiner Zadoc Kahn und Professor Salom. Reinach (Paris), Albert L. Cohen, I. G. Lousada und Claude Montefiore (London), Rechtsanwalt I. Plotke-Frankfurt a. M., Dr. Edmund Lachmann-Berlin und Franz Philippson-Brüssel anwesend waren. Als Vertreter des Direktoriums nahm Dr. Sonnenfeld-Paris an den Berathnngen Theil. Die letzteren gruppirten sich um den seitens des Vorsitzenden, Herrn Narcisse Leven, zur Verlesung gebrachten Bericht über die Thätigkeit der Gesellschaft während des Jahres 1897. Derselbe lautet günstiger als in den vorhergehenden Jahren, namentlich was die Kolonisationsthätigkeit in der Republik Argentinien betrifft. Diese hat große Fortschritte gemacht, und die Kolonisten haben bereits, entgegen den anfänglich gehegten Befürchtungen, festen Fuß gefaßt, so daß keine Gesuche mehr um Rückbeförderung an die Gesellschaft gelangt sind. In den Berichten der Inspektoren wird hervorgehoben, daß durch den Fleiß der Kolonisten wilde Landstrecken Argentiniens in gesegnete Flächen und unfruchtbare Ländereien in ertragfähiges Ackerland umgewandelt worden seien. Das Direktorium in Buenos Aires hat dem Verwaltungsrath einen Plan vorgelegt, wonach im nächsten Jahre niehrere Kolonistenkinder, die sich für das Studium eignen, die Normalschulen des Landes besuchen sollen, um dann nach ihrer Rückkehr in die Kolonien ihre Landsleute zu unterrichten. Auch über die Gesundheitsverhältnisse der argentinischen Kolonisten lautet der diesjährige Bericht günstig. Die 22 Kolonien hatten am 31. Dezember v. I. 1339 Männer, 1381 Frauen, 2387 Knaben, 1908 Mädchen, also eine Gesammtbevölkerung von 7015 Seelen, die sich auf 1364 Familien vertheilen. In den verschiedenen Kolonien wurden insgesammt 22 731,5 Hektar Weizen, 13806,5 Hektar Flachs und etwas Gerste, Roggen, Futterklee und Mais gesäet. Im Ganzen wurde ein Flächenraum von 40854 Hektar besäet. Ueber die Kolonisationsthätigkeit in Palästina, Cypern, Kanada, in der Kolonie „Hirsch" wurde gleichfalls ein günstiger Bericht erstattet und hervorgehoben, daß die Kolonisten mit Eifer an ihre Arbeiten gehen. Die Thätigkeit der Gesellschaft in Palästina ist von derjenigen wesentlich verschieden, welche sie in der Republik Argentinien ausübt. In Konsequenz der vorher gefaßten Beschlüffe hat der Verwaltungsrath entschieden, dort nur denjenigen Kolonisten Hilfe zu leisten, welche im Lande bereits ansässig sind und augenscheinlich Aussicht auf Erfolg haben; er gewährte ihnen Vorschüsse gegen hypothekarische Sicherheit. Auf Einladung der russischen Regierung hat der Verwaltungsrath der Gesellschaft einen Beitrag zur Begründung einer Ackerbauschule im Gouvernement Cherson geleistet, welche vorwiegend für Söhne jüdischer Kolonisten bestimmt sein soll. Ferner hat er auch erhebliche Summen zur Vergrößerung der Ackerbauschule in Odessa sowie mehrerer Handwerkerschulen in Rußland, gespendet. Endlich hat der Verwaltungsrath der Gesellschaft achtzehn russische Knaben in die Gartenbauschule zu Ahlem bei Hannover geschickt, deren glänzende Erfolge in der methodischen und praktischen Heranbildung tüchtiger Ackerbauer von allen Seiten anerkannt wurden. Die Alliance israelite universelle gewährt der Jewish Colonisation Association nach wie vor kräftige Unterstützung. Ihre Ackerbauschulen, namentlich die in Jaffa, erzieht tüchtige Ackerbauer, welche in den Kolonien wahrhafte Dienste leisten können; die Ecole orientale in Paris bereitet Lehrer für die Schulen vor. Die Jewish Colonisation Association trägt zu den Kosten dieser Schulen bei und hat für die Ackerbauschulen in Jaffa und Djedeida (Tunis), für die Ecole orientale in Paris und für die Handwerkerschule in Jerusalem Subventionen gewährt. Ferner hat der Verwaltungsrath einen Kredit bewilligt, um in Palästina oder Kleinasien sechzehn Zöglinge, welche die letztgenannte Anstalt verlaffen haben, anzusiedeln. Endlich hat der Verwaltungsrath beschlossen, zur Errichtung einer Ackerbauschule in Galizien beiznsteuern und zu diesem Zweck mit der „Baron Hirsch-Stiftung" in Wien in Verbindung zu treten. Selbstverständlich ist der Verwaltungsrath von zahlreichen Vereinigungen um Hilfe angegangen worden, glaubte aber, nur Denjenigen seinen Beistand leihen zu sollen, deren Thätigkeit in ihren Rahmen gehört. Er hat dem Board of Guardians for the relief of the jewish poor in London, welcher die Auswanderung russischer Juden nach anderen Ländern als Nordamerika begünstigt und dieselben vorwiegend nach Afrika zu leiten sucht, eine Gabe bewilligt itttb ferner eine Jahressubvention an die Jewish Association kor the protection ok woraen and girls, welche den Schutz der Kinder der Auswandererfamilien zur Aufgabe Hat. Den Schluß der Generalversammlung der „Jewish Colonisation Association" bildeten Worte ehrenvoller Erinnerung an den vor einigen Wochen verstorbenen Präsidenten der Alliance israelite universelle S. H. Goldschmidt. Dr. Lachmann dankte Namens der Versammlung Herrn Generalkonsul Philippson für die gastfreundliche Aufnahme in Brüssel und sprach den Wunsch aus, daß die nächste Generalversammlung in Berlin stattfinden möge, während Mr. Alfred Cohen sich diese Ehre für London erbat. * Die rumänische Judenheit hat ein schweres Geschick getroffen. Das Schulgesetz, dessen Bestimmung nach der Erklärung seiner Urheber der Ausschluß der Juden aus den Gymnasien, Lyceen u. s. w. sein soll, dieses Gesetz ist von der Kammer mit 107 gegen 7 Stimmen, von dem Senat einstimmig angenommen, von dem König sofort unterzeichnet und von der Regierung bereits promulgirt worden. Große Festlichkeiten begleiten die Annahme des Gesetzes, der Premierminister fetirt die Abgeordneten, der Unterrichtsminister die Senatoren, die Beamten des Unterrichtsministeriums, die sämmtlichen Minister. Und der Premier Sturdza versichert, seit 25 Jahren erstrebe er die Annahme dieses Gesetzes, das die Fremden aus den Schulen weist, und seine Durchführung erscheint dem Premier als die glorreichste That seines politischen Lebens. Auch die Juden müssen die Bedeutung dieses Gesetzes anerkennen, aber für sie ist es eine tief traurige. Bestimmt doch diese lex, daß auf den sämmtlichen Sekundärschulen, Gymnasien, Lyceen, höheren Töchterschulen und auf den Universitäten nur Einheimische, rumänische Staatsbürger, zugelassen werden, daß dagegen Fremde, d. h. Juden, nur soweit die Unterrichtsanstalten besuchen dürfen, als noch Plätze frei bleiben, nachdem alle einheimischen Anmeldungen angenommen sind. Nun sind diese Anstalten jetzt sämmtlich überfüllt, in den einzelnen Klassen 80—100 Schüler; nach dem neuen Gesetz dürfen jedoch in keiner Klaffe mehr als 50 Schüler sein. Man hat unerhörterweise dem Gesetz sogar rückwirkende Kraft gegeben, um so am 1. September, an dem es in Kraft tritt, alle oder fast alle jüdischen Schüler aus den Schulen weisen zu können. So wird vielen Hunderten jüdischer Knaben in Rumänien unmöglich gemacht werden, sich höhere Bildung zu erwerben und höheren Berufen zu widmen. Es ist dies der zweite Schlag, der die rumänischen Juden trifft; 1893 wurden sie ebenso brutal aus den Primärschulen verdrängt, und nur das Aufgebot aller Kräfte und die äußerste Anstrengung der geringen vorhandenen Mittel ermöglichte den Betroffenen, sich eigene Schulen zu schaffen und ihren Kindern die Wohlthat einer ordentlichen Elementar-

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