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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-01-23 · Heft 10 (23.1.1838) · p. Seite 40

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 10 (23.1.1838)
Date
1838-01-23
Page
Seite 40 (sequence 4)
Language
German
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40 Correspondenzen, Auszüge, Repliken. Aus Croatien, December 1837. Schulwesen. Nach den Referaten „über das. Schulwesen in Ungarn" in No. 35. und 61. dieser Zeitung könnte man glauben, daß außer der ofener, St. mikloser, preßburger, canischaner und kreutzer Schule gar keine mehr in ganz Ungarn vorhanden sei. Indessen ist dem nicht so. Es gibt in Ungarn, außer den erwähnten, noch mehre andere zum Theil treffliche Schulen. So besteht, nach den uns eingegangenen Berichten, in Arad, in Eiscnstadt, Rechnitz, Warasdin, Temesban, Galotta, Miskotz rc. in jedem der genannten Orte eine israelitisch-deutsche Lehranstalt. In Csakathurn, wo im verfioffenen Jahre ein schöner Tempel erbauet, und die Gottesverehrung nach der neuen Weise eingeleitet wurde") ist eine Iugendschule im Entstehen. — In Agram ist der Jsraeliten- Gemeinde gestattet worden, ein Schul- und Gotteshaus bauen zu dürfen. Sie hat bereits einen angemessenen Platz hierzu gekauft, und der Bau desselben, soll nach Art deS csakathurner Tempels mit den Frühjahre beginnen. — Canischan hat. außer der Knabenauch noch eine Mädchenschule,* **)) von der aber der Herr Referent in seinem Berichte gar keine Erwähnung machte; wiewol er von der dortigen Knabenschule Meldung that. — Die Brader Schule kann , unter der Aufsicht des rnhmlich bekannten dortigen Rabbiners nicht anders als trefflich sein. Gern würden wir hier von dieser Schule ein Ausführlicheres berichten, allein aus Mangel an näherer Kenntniß derselben, müssen wir es unterlassen. — Von der eisenstadter und rechnitzer Schule läßt sich freilich nicht viel Rühmliches sagen. Die Ursache hiervon ist Uneinigkeit. Daher scheint auch beider Bestehen sehr wankend zu sein, wiewol in Eisenstadt der Herr S. Dawidsohn, und in Rechnitz' die Herren L. Königsberg und A. Pick sich bemühen, solche aufrecht zu erhalten. Die waraSdiner Schule besteht bereits zwölf Jahre; sie ist nunmehr ordentlich systematisirt und ihrer Trefflichkeit wegen bekannt. . ' , Die Oberaufsicht über dieselbe hat die Oberstudien-Direction zu Agram und in Loco der einsichtsvolle Local-Schuldirector Herr Ladislaus Ebener. Wie sehr man mit der Verwaltung seines Amtes zufrieden ist, beweist ein Hofkanzlei-Decret, das ihm Sr. k. k. Majestät als einen Beweis Ihres-Allerhöchsten Wohlgefallens in diesem Jahre zu ertbeilen geruheten. Zur Bewahrheitung dessen theilen.wir hier einen Auszug Dieses Decretes, den wir aus der Preßburger Zeitung (No. 52.) entlehnen, mit: „Croatien. Agram. Sr. k. k. Majestät haben mittelst königl. ungarischen, an die warasdiner Gespannschaft erlassenen Hofcanzlei-Decrets No. 2000, L. 70. ddto Wien am 2. Mai'1837, dem Herrn Ladrslauö Ebener, des warasdiner Comitats Gerichtstafel-Beisitzer, der Stadt Warasdin Senator, und der Hauptschule, wie auch der Mädchen - und Israeliten - Schule ebendaselbst Local-Director. das allerhöchste Wohlgefallen allergnädigst zu bezeigen geruhet, und zwar in Berücksichtigung dessen: daß er sich in vielfacher Beziehung um daS gesammte Schulwesen der Stadt Warasdin, wie es in jenem Hofdecrete umständlicher dargetban ist, besonders verdienstlich ausgezeichnet hat. Auch die directen Leiter und Vorsteher dieser Schule verdienen hier eine' ehrenvolle Erwähnung. Diese sino der ist. Gemeindevorsteher Herr S. Mosinger und Herr Joseph Leitner. Erste rer bemühet sich, nicht nur das Gemeinde- und Schulwesen mit Umsicht und lobenswerthem Eifer zu verwalten; sondern wendet auch^ alles an, um auch bei seiner Gemeinde, die Gottesverehrüng zu läutern, und sie nach der neueren Form einzuführen. — Möge Herr Mosinger in seinem rühmlichen Unternehmen mit Eifer, wie bis nun. fortfahren, und den *) Von der Einweihung dieses Tempels ist in der Agramer Zeitung ein Aufsatz enthalten. **) Diese ist zwar eine Privatanftalt und da es deren in Ungarn sehr viele gibt, so dürften diese zum Beweise dienen, wie sehr man bereits das Dcdürfniß des Unterrichtes in Ungarn fühlt. Kampf gegen die Vorurtheile und Mißbrauche muthig kämpfen, die Zeit wird sie ihm besiegen helfen. Letzterer ist ein kenntnißreicher, und in dem Schul- und Unterrichtswesen sehr eingeweiheter Mann. Die an dieser Schule zu unterrichtenden Lehrgegenstände, besonders die hebräischen, wie auch Ziel und Vortragsweise derselben, sind von ihm vorgegeben. — Aber auch alle jene Gemeinden Ungarns, die noch keine öffentliche Schulen haben, fühlen bereits das Bedürfniß derselben so lebhaft, daß wo! (wir glauben dies mit Bestimmtheit behaupten zu dürfen) kein Jahrzehend verstießen wird, wo nicht jede Gemeinde ihre eigene, zeitgemäßere Schule haben werde. Das was noch am meisten einer baldigen Einführung derelben im Wege steht, ist, daß die Reichern, die, wie bekannt, überall den größten Einfluß haben, sich wenig, oder gar nicht um das Allgemeine in dieser Hinsicht bekümmern, und zwar aus dem Grunde, weil sie sich für'ihre Kinder Hauslehrer halten. — Außer diesem wichtigsten Hindernisse dürften auch.wol noch die Pnvatlehrer, deren es in Ungarn in fast jedem Städtchen einen oder zwei gibt, und die sich durch Privatunterrichtertheilung erhalten, dem Emporkommen öffentlicher Schulen hinderlich sein. Zur Räumung dieser Hindernisse, wie auch den Mangel der öffentlichen Schulen noch fühlbarer zu machen, erlauben wir unö ^wei Mittel, die nach unserer Meinung die wirksamsten sein dürften, in Vorschlag zu bringen, nämlich: daß die Regierung geruhen wollte, den Befehl zu ertheilen, daß die Ortsbehörde, bei ihrer Judengemeinde weder einen Privatlehrer dulde, noch einen Hauslehrer zu halten gestatte, wenn in dem Orte noch keine öffentliche Schule besteht, oder wenn die Privat- und Hauslehrer der bereits bestehenden Schule Eintrag thun, oder dem Gedeihen derselben hinderlich werden könnten. Dieses Mittel ist bereits bei der warasdiner Israel-Gemeinde in Anordnung gebracht worden, und der Erfolg hat eS als daS sicherste bewährt; denn nur durch strenge Beachtung dieser Maßregel, ist es den dortigen Gemeindenu. Schulvorstehern gelungen, den Bestand ihrer Schule zu sichern. Bei.allgemeiner und strenger Beachtung dieser Maßregel") möchten sich binnen sehr wenigen Jahren — wir sind davon fest überzeugt — mehr als zwanzig Schulen in Ungarn erheben, und der hochherzigen und umsichtigen Männer, solche zu leiten und zu unterstützen, besitzt, wie der Herr Referent richtig bemerkt,, eine jede Gemeinde hinlänglich. Um aber das Vorwärtsstreben, nicht nur von außen sondern auch von innen zu bewirken, glauben wir die fleißige Lesung dieser Zeitung, als das sicherste Mittel zu empfehlen. Wir gestehen, daß, seitdem wir dieses Blatt lesen, wir vieles, bei unserer Nation höher zu schätzen begannen, was uns vorhin, wenn auch nicht geringschätzig, doch gleichgiltig schien. Sollte es also bei andern Lesern, nicht auch dieselbe Wirkung hervorbringen!? Wir rathen, und empfehlen daher einem jeden unserer Glaubensbrüder die Lectüre dieser Blätter an. Damit sie aber auch den Unbemittelten , wie auch jenen, denen eS, trotz der großen Wohlfeilheit, noch zu theuer ist, zugänglich gemacht werde, wäre es zu wünschen, daß eine jede Gemeinde sich 4 bis 5 Exemplare auf Kosten der Gemeindecasse verschaffe, um sie alsdann unter den Gemeindegliederg unentgeldlich circuliren zu lassen. — Hat man doch in England zu unserer Bekehrung in einem Jahre 14, 887 Pfd. Sterling hergegeben, warum sollte also auch nicht jede Gemeinde,"üm ihre Mitglieder aufzuklären jährlich 20 Fl. C.M. verwenden? ") Schwerlich aber ließe sich dieses Mittel in Galizien amvenden; denn in sehr vielen dortigen Städten vermißt man noch nicht einmal die Privat- und Hauslehrer. Diese müßten also erst vorangehen, um den Mangel nnd Nutzen deö allgemeinen und öffentlichen Unterrichtes fühlbar machen. Eine Ausnahme machen Drody, das stets in Hinsicht der Bildung, wobltbätiger und nützlicher Anstalten in Polen den ersten Rang behauptet; dann Tarnapol und Lemberg. In PrzemySl, JaroSlaw, RzeS« zow, Tarnow, und Dochnia dämmert es erst, in den meisten andern Städten ist es noch völlig dunkel. — — Wenigstens war es vor drei Jahren so, als ich Polen bereiste. Redattair: Di. L. Philippson. — Verlag eon Baumgartners Buchhandlung. — Druck'von I. B. Hirschfeld.

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