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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-01-23 · Heft 10 (23.1.1838) · p. Seite 38

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 10 (23.1.1838)
Date
1838-01-23
Page
Seite 38 (sequence 2)
Language
German
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Sinne des Wortes zu. Der Erste würde sein, welcher sich ganz vergessend, nur für seine Brüder leben, und der Letzte, der Stolze, der sich über diese dünken wird. . Paris, 8. Der. (Verspätet). An der Spitze des Comic« der Wähler des 5ten Bezirkes von Paris steht Herr G. Baruch Weil, der Aeltere, welchen die französ. Zeitungen als eines der ausgezeichnetsten Glieder dieses Comite besonders auszeichnen. In der Sitzung, wo die Candidaten zum Conseil general vorgeschlagen wurden, hielt derselbe eine Rede voller Klarheit, Mäßigung und Anstand. — Aus Constantine meldet man, daß die Zahl der Bewohner, die nun 10,000 wieder übersteigt, eine Menge von Juden einfchließt, deren Thätigkeit sehr nützlich ist und die »othwendigsten Dinge fabricirt. Frankfurt am Main, 29. Der. Der bekannte Dr. Riesser, welcher fortwährend in dem naheliegenden kurhessischen Städtchen Bocken heim wohnt, hat dieser Tage eine trefflich geschriebene Broschüre erscheinen lassen, deren Ertrag zur Beisteuer für Lessing's Denkmal bestimmt ist, und welche den Titel führt: „Einige Worte über Lessings Denkmal, an die Israeliten Deutschlands gerichtet." Der Verfasser bezweckt durch, diese Schrift die Theilnahme seiner Glaubensgenossen an dem Lessings-Denkmale besonders anzuregen. (Leipz. Allg. Zeit.) Magdeburg, 7. Jan. (Privatmitth.) In wenigen Tagen wird ausgegeben: „Die Juden, ihre Bestrebungen und ihre Denuncianten. Von vr. Ludwig Philippson. Verlag der Creutz'schen Buchhandlung." Dieselbe ist ganz besonders gegen die kürzlich kn Berlin erhobenen Dcnunciationen der „modernen Juden" als „Revolutionäre" gerichtet, und Dürfte daher die Aufmerksamkeit des Publikums in großem Maße verdienen. politische Controle. Analyse der Red« des Ministers Winter. (Eingesandt von einem Juristen in Mannheim.) (Schluß.) „Da die Juden," so fährt der Minister fort, „in „Baden mehr Rechte als in irgend einem andern „deutschen Lande haben, so sollten sie nicht noch „mehr verlangen." Hierbei möchten wir uns' aber zweierlei Bemerkungen erlauben. Erstens hatten die Juden in Baden bisher noch nicht gewußt, daß die Regierung die rechtliche Möglichkeit ihrer Zulassung zum Staatsdienste anerkennt. Seit dieser Anerkennung hat sich freilich die Lag« der Sache bedeutend verändert. Und viel, unermeßlich viel haben die Juden Badens durch ihre Petitionen erreicht, wenn auch künftig Alles auf die oben ausgesprochene Anerkennung, beschränkt bleibt. Zweitens behaupten die badischen Juden, daß sie gesetzlich auch zu Gemeinderäthen und Bürgermeistern.wählbar sind, weil nämlich kein Gesetz ihnen diese Wählbarkeit entzieht. Die Bitte um Gleichstellung war daher bisher immer doppelter Art: erstens eine Rechtsausführung, daß den Juden manche Rechte, zu deren Ausübung sie bisher nicht zugelassen wurden, zustehen; zweitens die Bitte um Beseitigung derjenigen Gesetze, welche der vollen Gleichstellung noch im Wege stehen. Nur auf Letzteres kann die obige Aeußerung des Herrn Ministers bezogen werden. Uebrigens mildert er selbst wieder jene Aeußerung durch den Zusatz, daß die Zeit vielleicht nicht mehr fern sei, welche auch die noch bestehenden Ungleichheiten ebnen würde. Es können sich daher die badischen Juden der Hoffnung einer baldigen vollständigen Gleichstellung hingeben. Es kann aber auch jetzt schon die badische Gesetzgebung rücksichtlich der Jude» den andern deutschen Staaten als Vorbild dienen, und zu der Ueberzeugung führen, daß alles Gerede von der Gefährlichkeit der Emancipation, von der Unverträglichkeit der jüdischen Religion mit dem vollen Staatsbürgerrecht nur eitele Trugbilder, entsprungen aus Vorurtheil und Intoleranz, sind. .Ich schließe mit Melkers treffendem Glcichniß: — „Die Sonne uns der Sturm" sagt er, „stritten darüber, wer von ihnen mächtiger sei. — Sie kamen überein, ihre Stärke an . einem Wanderer zu versuchen; wer diesem den Mantel entreißen.könne, solle für ben Mächtigem gelten. Der Sturm begann zuerst, seine Kraft zu entfalten. Mit aller Heftigkeit tobte er gegen den Wanderer heran. Aber nur immer fester zog dieser den Mantel an sich, während der erste milde Sonnenstrahl ihn veranlaßte, den Mantel abzulegen. Haben wir doch, so schließt der Redner, ein Jahrtausend hindurch alle Acten der Verfolgung gegen die Juden geübt! Sie klammerten sich nur immer starrer und fester an das Judenthum. Versuchen wir es jetzt mit der Milde! Lassen wir gleich einer Sonne, die wärmenden Strahlen christlicher Liebe über sie leuchten — und sie werden den Mantel destarren Judaismus ablegenl"

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