Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 85 (1921)
- Issue
- Heft 11 (27.5.1921)
- Date
- 1921-05-27
- Page
- Seite 123 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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123 führung der Keren Hajessob-Aktion in Amerika, sowie zur Aufrechterhaltung der Einheit und Autorität der Gesamtorg'L'msation von Erfolg begleitet sein, werden. Der Delegier tentag erwartet, daß die zionistischen Führer alles tun werden, um die Einigkeit innerhaljb der Weltorganisation wieder herzustellen und über alle Einzelfragen zur Verständigung zu gelangen. An die amerikanische Konvention. Antrag des Hapoel-Hazair (vom Hauptausschuß ausgenommen). Angesichts der Ereignisse in Jaffa, die zeigen, welche Gefahren dem Jischuw von meiner weiteren Verzögerung -des Aufbaus drohen, appelliert der Delegiertentag Ln brüderlicher Gesinnung 'dringerrd an die Konvention der amerikanischen Zionisten, -die Einigkeit im amerikanischen Zionismus herzustellen und sofort eine energische Kampagne für Keren Hajessod einzuleiten. Keren Alijah. Der Delegier tentag lboaustragt den G. A., unverzüglich Mittel für die Berufsvo>rberei-tun-g- und Uebersiedlung von Chaluzim zu beschaffen. Die Verwaltung dieser Gelder soll einern unter .der Aufsicht des G. A. stehenden Komitee übertragen werden, in welchem den mit der Chaluzarbeit direkt ^beschäftigten- Organisationen entspr-echender Einfluß zuzusichern ist. Resolution zur Arbeit in Deutschland. (Antrag Bluwenseld und Genossen.) ' In der Ueberzeug-un-gdaß Keren Hajessod alle jüdischen Gruppen für die Arbeit zum Aufbau Palästinas einheitlich zusammenfassen muß und kann, billigt der Delegier: tent-ag die bisherige Politik des Geschäftsführenden Ausschusses gegenüber dennichtzionistischen Organisationen. Die Voraussetzung und. Folge dieser Politik ist die zielbewußte Stärkung einer entschiedenen zionistischen Gesinnung, die möglichst viele Zionisten, in Deutschland zu echtem Pioniertum erzieht. Diese Gesinnung gebietet vor allem, daß der Geschäftsführende'Ausschuß — Lei dem die zentrale Leitung aller zionistischen Arbeiten liegen muß — 1. alle Einrichtungen -trifft, um unsere Jugend menschlich, geistig und fachlich aus ein nationaljüdisches Leben in Palästina vorzubereiten, 2. die Einwanderung n a ch P a l ä st i n a mit allen Kräften fördert, 3. die Erkenntnis der nationalen Notwendigkeiten auf dem Gebiet der Palästinaarbeit und der Galutarbeit, insbesondere auch der sozialen Arbeit durch einheitliche Führung der Presse und der Propaganda stets klar zum Ausdruck bringt. . *! Der Verband der neutralen jüdischen Jugendverbände Deutschlands hielt Pfingsten seine Führertagung in Kassel ab. Bon den anwesenden 200 Delegierten, die sämtlichen jüdischen Richtungen angehörten, wurde einstimmig eine Resolution angenommen, daß in Palästina den in ihren Heimatländern entwurzelten Glaubensgenossen eine auf der Religion der Väter .aufgebaute jüdische Heimstätte erstehen müsse, die berufen sei, belebende religiöse und geistige Impulse dem Judentum und der ganzen Welt zuströmen zu lassen. An alle deutschen Juden wird der Appell gerichtet, sich an den Sammlungen für den Aufbau Palästinas opferbereit zu beteiligen. Durch eine geeignete Organisation müsse es den deutschen Juden jeder Richtung ermöglicht werden, sich an dem großen Sammelwerk zu beteiligen. — Ein ausführlicher Bericht folgt in der nächsten Nummer. * Aufruf. Der Verein „Lehrlingsheim Pankow", der in diesem Jahre auf ein Bierteljahrhundert. erfolg- und segensreicher Tätigkeit zurückblickt, infolge des Niederganges unserer wirtschaftlichen Verhältnisse aber die von ihm unterhaltene Anstalt in ihrem Fortbestand bedroht sieht, wendet sich an unsere begüterten und edeldenkenden Glaubensgenossen mit nachstehendem Ausruf, dessen Beachtung wir auch unseren Lesern aufs wärmste empfehlen. Unsere Jugend dem Handwerk zuzuführen, zur produktiven Arbeit zu erziehen, ist eine der wichtigsten Forderungen unserer Zeit, der sich niemand verschließen darf. Möge darum dieser im Interesse unserer arbeitenden Jugend an die Oeffentlichkeit gerichtete Ausruf nicht wirkungslos bleiben: „Wir lenken hierdurch Ihre Aufmerksamkeit aus den von uns geleiteten De rein ,chehrlm-gDheim Pankow", der in dieser schweren Zeit zur Weitersührunig seines der lsozi.alen Ertüchtigung unserer Jugend dienenden Werkes der tatkräftigen Unterstütz'ung und Förde.MNg seitens unserer Glaubensgemeinschaft bedarf. Der Verein „Lehrlingsheim Pankow-" steht im Dienste einer hehrtzn Idee. Er verfolgt zielbewußt di-e seit Moses Mendelssohn von den Edelsten und Besten pr-op'a,gierten Bestrebungen, unsere Jugend dem Handwerk zuzufkühren, und blickt in diesem Jahre auf einen Abschnitt von fünfundzwanzig Jahren erfolgreicher Tätigkeit zurück. Der unserem Verein bei seiner Begründung vorgezeichneten Richtung folgend, haben wir die in dem verstrichenen Dievteljahrhundert unserer Obhut ander traute Jugenih zu Produktiver Arbeit erzogen und so die Behauptung unserer Gegner, daß die Juden körperliche Arbeit scheuen und das Handwerk meiden, duirch die Tat widerlegt. Wir haben Hunderte von jungen Gesellen nach vollendeter GehMsenPrüsung entlassen, die heute, -als selbständige Meister tätig, eine geachtete Lebensstellung einn-chmen. Die Zahl derer, di,e ihre Kind,er uns -aniv-erirauen wollen-, ist in den letzten Jahren gewaltig gestiegen. Unsere Glaubensgenossen in dien abgetretenen Landes teilen wollen ihre Kinder auch ferner als Deutsche erziehen und überhäufen uns mit Aufnahmegchuchen. Allein in dieser .Zeit höchster Inanspruchnahme ist unsere Anstalt infolge der Umwälzung, die in den wirtschaftlichen Verhältnissen unseres Vaterlandes sich so p>lötzili,ch vollzogen hat, v.om Untergänge bedroh,t. Aus Mangel -an Mitteln, bei der herrschenden Teuerungdie sprunghast gewachsenen Kosten der Haushaltung. decken zu Wunen, sind wir leider gezwungen, alle -an uns gerichteten Ausnahmegefuche abzulehnen. Diesem Uebeil -aber müssen wir abzuhelsen suchen, wollen w-iir nicht die Auflösung unseres Lchr-lingsheims herbeisühren, das bis jetzt so segensreich gewirkt und auch noch in Zukunft eine große Aufgabe im deutschen Judentum zu lösen hat. Deshalb wenden w-ir uns an Sie mit dem dringenden Ersuchen: Helfen Sie uns, ein Institut zu erhalten, das der Verbreitung!des Handwerksdient und.dadurch die Stellun-g der deutschen Juden in materieller und sittlicher Beziehung zu heben geeignet -ist. Wir richten an- Sie die herzliche Bitte, uns einen größeren Beitrag zu gewähren und unserem Vereinals Mitglied beizu treten. Das Kuratorium des V e r-eins „Le hr l ing shei n: P-ank ow" Hans La ch nr a n n - M o s s e Jerusalemer Straße 46-49, Vorsitzender. Dr. Zwillenbe r g, Markgrafenstr. 28, Schriftführer. G e o r g Lachm a nn Bendlerstraße 8, Schatzmeister. Oskar Tietz, Markgrafenstr. 28, stellvertr. Vorsitzender. Dr. A l t m a n n, Schönhaiuser Allee 162, stellvertr. Schriftführer. Nax Fraenkel, Dr. S. Feist, , M-a-aßenstraße 36. Weiubergsw-eg 13. ^Direktor Oskar Oliven, Dorotheenstr-ahe 36. P a Ul L ö lv e n st ein, Riankestraße 23. Ernst Wallach, Taubenstraße 16—18. Pros. Dr. Paul Friedrich Richters, Kl-eiststraße 19. Ed>u-ard Growald, Re-ichskanzlerpl-atz 1. A d o l s So m m e r f e l d , Schellingstraße 5. * Don -der Ortsgruppe Berlin des Jüdischen Frauenblundes erhalten wir folgenden beachtenswerten Artikel: Wie helfen wie den erwerbsunfähigen Angehörigen unseres gebildeten Mittelstandes? Unablässig ist die jüdische Wohlfahrtspflege — die öffentliche wie die Private — bemüht,, dem Unglück zu steuern und bte Not zu lindern, da, wo sie sichtbar wird und ihr Ruf zu uns dringt. Wer aber kennt die verborgene schweigende Trostlosigkeit, in der sich viele gebildeteMenschen befinden. Früher vielleicht selbst hilfsbereit, sind sie jetzt auf Hilfe angewiesen, denn ihr Vermögen bzw. ihr Einkommen kann mit der fortschreitenden Teuerung nicht Schritt halten. Wir denken hauptsächlich an Angehörige der freien Berufe und an solche ältere Personen (meist sind es Frauen), die zu einem Erwerb