Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 38 (19.9.1919)
- Date
- 1919-09-19
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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—4 wurde. Während der Demonstrationen wurden zahlreiche Rufe und . Schmähungen gegen die Deutschen und Juden ausgestotzen und unter anderem auch die D-emonstration als Revanche dafür bezeichnet, daß man die Wiener Sokoln verhindert . hatte, zum Znaimer Sokolntage abzureisen. Zu später Stunde, 12 Uhr nachts, waren die Demonstrationen noch nicht zu Ende. Von MH und Fern. — Im Gotteshause der Jüdischen Resormgerneinde findod am Sonntag-, .21. d. M., 10 Uhr vormittags, in Anlehnung an den Gottesdienst die feierliche Weihe der Ehrentafel statt, die zur Verewigung der Namen der im Kriege gefallenen Gemeindemitglieder bestimmt ist. Die Ehrentafel, ein Werk des bekannten Berliner Bildhauers Oswald P l-e ß n e r, ist eine Stiftung der Frau Franko Minden, der Gattin des Vorsitzenden der Jüdischen Reformgemeinde, Geheimer Regierungsrat Tr. Georg Minden. - Dr. Toby Cohn, der bekannte Berliner Nervenarzr, ist zum Professor ernann..- worden. Cohn war lange Jahre Assistent! Wernickes in Breslau und Mendels in Berlin, ehe er sich hier als Nervenarzt niederliest. Seit 25 Jahren übt Cohn in vielbesuchten Aerztekursen eine rege Lehrtätigkeit aus, die sich hauptsächlich auf N^rvendiagnostik und Elektromedizin erstreckt. Er schrieb einen „Leitfaden der El-ektrodiagnostik und Elektrotherapie", der fünf Auflagen erlebte und in mehrere Sprachen übersetzt wurde. — Der Vorstand des Vereins der Beamten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin hat sich in mehreren seiner Sitzungen mit der Frage des Anschlusses an eine große Organisation beschäftigt. Es ist beabsichtigt, den Anschluß an eine der großen Beamtenorganisationen zu suchen, deren Mitglieder Reichs-, Staats- und Gemeindebeamte sind. Unabhängig davon erstrebt der Verband den Zusammenschluß aller Beamten der jüdischen Gemeinden Deutschlands zu einem Verband jüdischer Beamten, und werden in der „Jüdischen Beamtenzeitung" alle Beamten und Lehrer der jüdischen Gemeinden aufgefordert, dem Verbände berzutreten. — Dem Verband der Ostjuden in Deutschland ist es gelungen, mit namhaften amerikanischen Organisationen, die sich der Wiederherstellung von Verbindungen mit dort lebenden Verwandten widmen, in Fühlung zu treten. Der Verband ist bereih hier lebenden Ostjuden dabei 311 helfen, ihre Beziehungen mit ihren in Amerika sich aufhaltenden Angehörigen wieder aufzunehmen. Auskunft wird im Bureau des Verbandes, Berlin N, Gvrmannstraße 29, zwischen 11 und 1 Uhr vormittags erteilt. — Ans Posen wird uns geschrieben: Dem Sanitätsrat Herrn Dr'. Caro, dem langjährigen Leiter der inneren Abteilung des Jüdischen Krankenhauses (Rohrsche Stiftung) in Posen, ist in Anerkennung seiner wistenschastlichen Leistungen aus dem Gebiete der inneren Medizin der Professor titel verliehen worden. Ebenso ist dem bekannten langjährigen Leiter der hiesigen Anstalt für llufallverletzte und Facharzt für Orthopädie Dr. Karl M a r c u s in Anerkennung seiner wissenschaftlichen Leistungen aus dem Gebiet der Orthopädie dasselbe Prädikat verliehen worden. — Seinen 70. Geburtstag beging in diesen Tagen in völliger geistiger und körperlicher Frische der frühere langjährige Verleger des „Schrodaer Kreisblattes", Herr Jacob Bernstein in Schroda. Seit einigen Jahren im Ruhestand lebend, bekleidete er viele öffentliche Ehrenämter. So ist er noch heute Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde; 12 Jahre lang, war er Stadtverordneter, bis zur Auflösung der Stadtverordnetenversammlung. Dem Jubilar wurden von allen Seiten große Ehrungen zuteil. — Die jüdischen Gemeindevereine in Sachsen hielten in, Leipzig unter Vorsitz des Herrn Oskar B l ü m le i n eine Vertreterversammlung ab. Die Versammlung, sprach sich für gLeichberechtigtes Mitbestimmu.ngsre.cht der ausländischen Gemeindemitglieder aus, da das Tätigkeitsgebiet der jüdischen Gemeinden mit politischen Fragen nichts zu tun habe. — Aus Paderborn wird berichtet: Hier erscheint ein Wochenblatt „Leo", dessen Leser nach vielen Zehntausenden zählen, die sich hauptsächlich aus der Landbevölkerung und Bürgerschichten zusammensetzen. Der „Leo" schlägt, besonders in der letzten Zeit, in allen Fragen, welche Juden betreffen, einen so giftig-antisemitischen Ton an, daß diese Stellungnahme auch in den führenden. Zentrums^ kreisen unangenehm empfunden wird. Wie wir erfahren, hat sich auch die Ze n tr ums sr akti 0n in fcer, Nationalversammlung mit dieser Haltung des „Leo" beschäftigt und beschloß, aus die Redaktion des „Leo" einzuwirken, die hetzerischen Artikel zu unterlassen. Trotzdem von namhafter Seite entsprechende Versuche gemacht wurden. setzt das Wochenblatt seine gehässige Hetzarbeit in unveränderter Weise fort. — Aus Kassel wird uns geschrieben: Die feierliche Einführung des zum Landrabbiner gewählten Herrn Rabbiner Dr. Walter aus Bromberg fand beim letzten Freitagabendgottesdienst in der hiesigen Synagoge statt. Im Vorramn des Gotteshauses begrüßten Rechtsanwalt Dr. K a tz e n st e i n namens der Synagogengemeinde und Justizrat Dr. Rothfels namens des Vorsteheramtes der Israeliten den neuen Rabbiner, der mit Worten des Dankes antwortete. Daraus bestieg Dr. Walter die mit Grün geschmückte Kanzel und hielt eine tiefempfundene Antrittspredigt. Der Chor unter Leitung des Lehrers E ck 0 l d verschönte die würdevolle Feier. — Die „Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" in Frankfurt a. M. hat beim Reichswehrministerium für die jüdischen Angehörigen der Reichswehr Dienstbesreiung und, soweit angängig, Heimaturlaub an den bevorstehenden Herbstfeiertagen beantragt. — Im „Maison Rouge" zu Straßburg, hielt Professor Shlvain L e v y einen Vortrag, in welchem er die Verdienste der „Alliance Jsraelite Universelle" hervorhob. Er schilderte die von der. Alliance den Witwen und Waisen gespendete Hilfe und äußerte dabei, daß die Friedenskonferenz dank der Alliance die Rechte aller Juden anerkannt habe und dies auch in die speziellen Friedensverträge ausgenommen wurde. Die Alliance-Schulen in der Türkei haben trotz aller Schwierigkeiten Subventionen von der Regierung erhalten. Der Sekretär der Alliance B i g a r >d appellierte an die Straßburger Indern die Alliance moralisch und finanziell zu unterstützen. — Sylvain Levy ist zum Professor der Philologie an der Straßburger Universität ausersehen. — Das „Journal du Peuple" wendet sich in einem „Un bluff enorme. Le droit des Minorit6s“ über schriebe neu Artikel sehr scharf gegen die Bestimmungen über den Schutz der Minoritäten im Friedensvertrage mit Polen und bezeichnet sie angesichts der unaufhörlichen Pogrome als eine Komödie. — Aus Wien wird uns berichtet: Auf dem Bahnhof Villach, wo die Italiener die Kriegsgefangenen den deutsch-österreichischen Behörden übergeben, haben sich schreckliche Szenen abgespielt. Die Kriegsgefangenen stürzten sich aus ihre jüdischen Kameraden unter völliger Passivität der Volkswehr. Ueber 20 Opfer dieser antisemitischen Barbarei befinden sich im Spital. Abgeordneter Stricker hat beim Staatsamt für Heerwesen energische Maßnahmen, verlangt, die ihm sofort zugefagt wurden. Eine Untersuchung gegen die Schuldigen ist eingeleitet worden. — In dem unter Führung von Ljanosow gebildeten neuen provisorischen antibolschewistischen Ministerium für Nordwestrußland befinden sich drei Juden: M a r g 0 l i s, radikaler Demokrat, ist Minister für Handel, Industrie und Munition; Korn, gemäßigter Sozialdemokrat, und I s ch i n s k i, unparteiischer Sozialist, sind Minister ohne Portefeuille. Das Programm der provisorischen Regierung ist ein demokratisches. — Aus Konstantinopel wird gemeldet: Die lokalen Behörden des Jemen haben von neuem mit Judenverfolgungen begonnen. Bis zur Abreise der türkischen Vertreter aus Sanaa, der Hauptstadt Jemens, die unsere Brüder geschützt haben, haben der Imam Uahia und seine Freunde nicht gewagt, ih>nen ein Leid anzutun. Jetzt werden die Witwen und Waisen gezwungen, die mohammedanische Religion anzunehmen; außerdem werden alle jüdischen Häuser, die mehr als ein Stockwerk haben, zerstört, weil verlangt wird, daß die jüdischen Wohnungen niedriger als die Wohnungen! der Nichttuden gebaut werden. Der letzte Erlaß des Imam Tcchia verlangt von der Jüdischen Gemeinde von Sanaa eine Kontribution von 10 000 ägyptischen Pfund; solange diese Summe nicht voll bezahlt wird, werden die Rabbiner und die führenden Persönlichkeiten der Gemeinde in Haft gehalten. — Die amerikanischen Blätter melden, daß Nathan Strauß zum ersten Bürgermeister von Jerusalem ausersehen ist, sobald diese Stadt nach dem Wortlaut des britischen Vertrages eine jüdische Gemeinde geworden sein wird. -- In Argentinien organisieren sich Gruppen von jüngeren jüdischen Landbcmern mit einem Kapital von 15 000 Francs für jede einzelne Gruppe, um in Palästina Laudwirtschast zu betreiben.__ Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastratze 58« Verantwortlich für den Anzeigenteil: MaxFahrnländer, Neukölln. Druck und Verlag von Rudolf Moffe. Der heutigen Nummer liegt ein Prospekt des Palästinensischen Hilssvereins „L e m a a n Z i 0 n", Frankfurt a. M., bei, auf welchen wir unsere LJer hierdurch besonders aufmerksam machen.