Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 41 (11.10.1918)
- Date
- 1918-10-11
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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er immer größere Dimensionen annimmt und Zu einem Hauptschlage nach dem Kriege rüstet. Die- Lüge und Verleumdung ist am Werke; trotz der unzähligen Blutopfer, für die -alle Friedhöfe des Landes und .aus den Schlachtfeldern Zeugenschast .ablegen, wivd immer «lauter der Versuch gemacht, die im Grunde genommen tolerante Bevölkerung Ungarns gegen ihre jüdischen Brüder ausszuhetzen. Stehen doch heute schon Bischöfe, Professoren, Politiker im Heerbanne der Antisemiten, die unter denverschiedenstenVorwänden, mit den verschiedensten Mitteln die ungarischen Juden angreifen und «mit Hilfe ihrer Verbindungen ihre Worte, wenn auch einstweilen noch verhüllt, in «die Propaganda der Tat umzusetzen suchen. Gegen diese Pest muß sich das Judentum mit aller Kraft wehren, muß es alle feine Kämpfer vereinigen, mit den Waffen des Lichtes, mit der überzeugenden Kraft feiner Wahrheit, aber auch mit der vollen Entrüstung seiner angegriffenen Ehre ankämpfen. Unverzagt und ununterbrochen, im festen Vertrauen auf den Schild Davids, mit der alten Begeisterung der Makkabäer, gerüstet aber auch durch die Erwerbung der Kenntnis aller jener früheren Vorkämpfer Israels, die schon längst die Lügenhaftigkeit und Gehässigkeit der unbegründeten Angriffe und Beschuldigungen nachgewiesen haben. Diesen Kampf müssen wir ausneh-men mit offenem Visir, vertrauend auf das Gericht des ewigen Richters, dessen Barmherzigkeit und Langmut wir in den verflossenen Festtagen so warm angefleht haben. Von MH und Lern. — Die W i s s en s cha s t l i ch e Der ei n i g u n g jüdischer Lehrer und Lehrerinnen zu Berlin veranstaltet am Sonnabend, den 12. Oktober, abends 8 Uhr, in der Aula der Knabenschule Große Hamburger Straße 27 eine Gedächtnisfeier für Herrn ann Cohen, zu der Gäste herzlich willkommen sind. Vortragsfolge: 1. Largo von Händel für Gesang, Geige und Klavier (Herr Oberkantori Wilhelm F r i e d m a n n, Herr Konzertmeister Max R o s e n t h a i, Fräulein Rosa H t rschfe lid); 2. Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. Kellermann: Hermann Cohen als Erzieher; 3. Romanze aus dem V-nroU-Konzert von Wieniawsti« (Herr Konzertmeister Ros ent hat); 4. Caro Mio Ben von Guido Pap in i (Herr Oberkantor Wilhelm Friedman n). — Die bekannte Verfügung, welche die Rückkehr der beurlaubten jüdisch-polnischen Arbeiter aus Polen an ihre Arbeitsstellen in Deutschland verbot, ist soeben wieder aufgehoben worden. Bestehen bleibt nach wie vor die allgemeine Verfügung, die die Neuzulassung von jüdischen Arbeitern aus Polen nach Deutschland untersagt. — Auf dem Grabe von Dr. M a r H i r s ch legten am 27. v. M., «denr 5V. Jahrestage der Gründung der Deutschen Gewerkvereine (Hirsck)-Duncker), Vertreter des Zentralrats und der Hauptvorstände in der Ehrenreihe des jüdischen. Friedhofes in Weißensee einen Kranz nieder. — Ein eigentümliches Legat wird seit vierzig Jahren in einem Berliner Gymnasium verwaltet. Ein im Jahre 1877 verstorbener jüdischer Kaufmann namens Königsberger hat dem betreffenden Gymnasium ein Legat von 400 Talern hinterlassen, deren Zinsen zur Unterstützung eines Gymnasialabiturienten verwendet werden sollen. Der Erblasser hat an das Legat den Wunsch geknüpft, daß der betreffende Abiturient, dem die Unterstützung zuerrannt wird, sich aus den jüdischen Friedhof begebe und dort «auf das Grab des im Deutsch- Französischen Kriege gefallenen Sohnes des Testators, eines früheren Schülers des betreffenden Gymnasiums, einen Eichenkranz niedergelegt. — Vizefeldwebel Paul Hei mann, Sohn des Herrn Felix Heimann in Berlin-Pankow, ist zum preußischen Leutnant befördert worden. — Stadtrat Geheimrat Professor Dr. Albert M o s s e erhielt den königlichen Kronenorden zweiter Klasse, Stadtrat Eugen Panofsky den Kronenorden dritter Klasse, Stadtrat Ludwig Hamburger den Roten Adlerorden vierter Klasse. — Aus Posen wird, uns geschrieben: Das Verdienstkreuz für Kriegshilfe erhielten: Herr 'Rudolf Peter sdorff, Inhaber der gleichnamigen Warenhäuser in Posen, Königsberg und Breslau, und Kaufmann Gustav Z i m nt t. Referendar Dr. L e l e w e r, Sohn des Kaufmanns Herrn Aüoritz Lelewer in Posen, ist zum Gerichtsasfessor im Bezirk «des Oberlandesgerichts in Posen ernannt worden. — Frau Martha A s ch hat anläßlich des am 5. Oktober wiederkehrenden Todestages ihres Ehemannes, des Stadtverordneten Simon Asch, dem Oberbürgermeister Herrn Dr. W i l m s einen namhaften Betrag für wohltätige Zwecke zur Verfügung gestellt. — Eiserne Kreuze zweiter Klasse erhielten: Kriegsifveiwilliger Gefreiter Georg Krzhztowskr, Goßn des verstorbenen Hausbesitzers. Herrn Moritz KrzWowA in Posen: Unteroffizier Nathan Persem aus SamtW; Kesteiter Henry Hirsch (Schrimm); FüMer ~'p<! Leutnant der Reserve im VIII. ArrmekorAm vom 1. Oktober 1918 wurde Wi'lly Sa M/U lp>w/iD iABromöerg befördert. — Am 9. d. M. jährte . sich -der IM. GebürD verstorbenen Breslauer jüdischen Gelehrten Dr, Benedikt Zuckermann. Mathematiker von Beruf, hat Zuckermann sich neben eifriger talmudischer Schriftstellerei insbesondere große Verdienste um das jüdische Kalenderwefen erworben.. — Vizewachtmoister Hermann Rosenheim, Sohn des Herrn Sigmund, Rosenheim. m .Wesel, hat das Eiserne Kreuz erster Klasse erhalten. — Martha Strauß, Tochter des Lehrers Strauß in Gelnhausen, erhielt für treue Dienste inder Verwundetenpslege «die Rote-Kreuz-Medraille 3. Klaffe. — Oberarzt Dr. Isaak H o r o v i tz, Sohn des verstorbenen Rabbiners Dr. Horovitz in Frankfurt a. M., erhielt, das Eiserne Kreuz erster Klasse. — Aus Heidelberg wird geschrieben: Der Vorsitzende des Synagogenrats der hiesigen . israelitischen Gemeinde, Herr Ernst Car I eba d}„ feierte. kürzlich seinen 80. Geburtstag. Herr Carlebach, Inhaber des bekannten Hof-Büchantiquariats, gehört seit mehr als 40 Jahren dem Synägogenrat an, an dessen Spitze er seit fast der gleichen Zeit steht. Mit großer Kenntnis der einschlägigen Verwaltungsgesetze leitet der greise j Jubilar die Geschäfte der Gemeinde. — In der letzten Bürgeraus- . schußsitzung zu Müllheim in Baden wurde die Frage des Schlachtens der Schlachttiere besprochen. Da bei 3000 Einwohnern nur 150 Israeliten hier wohnen, war, ihnen nur ein Tier zum Schächten zugesagt. Mit diesem Bescheide waren, dieselben nicht zufrieden. Sie wandten sich an das Ministerium des Innern, das ebenfalls die Meinung vertrat, daß ihnen lediglich ein Tier zustehe. — Der Straßburger Shnagogenvorstand hat in seiner letzten Sitzung den Beschluß gefaßt, daß die Israelitische Kultusgemeinde einen Zuschlag von drei Prozent des Jahresbeitrages aller Gemeindemitglieder erhebt und zu Zwecken des Aufbaus von Palästina zu verwerten gedenkt. — Die Univerfitätsassistent Dr. Alexander Baron hat sich an der Budapester medizinischen Fakultät als Privatdozent für orthopädische Chirurgie habilitiert. — Die Pester Chewra Kadischah veranstaltet, zur Hebung der Krankenpflege einen Kursus für israelitische Krankenpflegeri-nnen. Die Ausbildung dieser Pflegerinnen erfolgt unter Leitung der- Professoren und Aerzte des Israelitischen und «des Adele-Brödy-Kinderspitales und währt ein Jahr. Die Teilnehmer des unentgeltlichen Kursus verpflichten sich, drei Jahre den Weisungen -der Chewragemäß Spitals- oder sonstigen Krankenpflegerdienst zu leisten. Der neue Kursus, zu dem Mäochen und kinderlose Witwen zugelasfen werden, begann am 1. Oktober. — Laut Meldung des „Nowy Dzienmk" (Krakau) vom 14. September hat der Direktor des Gymnasiums VII in Krakau, Schulrat Mieolay Adazanovski, am 11. d. M. folgenden Erlaß bekanntgegeben: „Da es zu unserer Kenntnis gelangte, daß Gymnastalschülier mosaischer Konfession sich bei Privatlehrern versammeln und dort Bibel und Hebräisch «lernen, so wird dieses anmit unter Androhung von Difziplinarstrafen eventuell des Ausschlußes von der Anstalt verboten." — Unterschrift: Direktor des Gymnasiums VII: Mcolay Mazanovsky. — Infolge einer offiziellen Erklärung der griechischen Regierung werden diejenigen Juden in Saloniki, die früher ottomanische Untertanen waren und infolgedessen ihre 'bürgerlichen Rechte verloren hüben-, den Beschränkungen, die seinolichen Ausländern auferlegt sind, nicht unterliegen. — Das hebräische Wochenblatt „Hazefirah" tritt für die Gründung von Gewerbe- und Handwerkerschulen für die jüdische Jugend in Palen ein. Die Absolventen der jüdischen Gymnasien hätten in Polen früher stets Medizin oder Jura studiert, da sie nur dann die Ntöglichkeit hatten-, in Rußland zu wohnen. Dieser äußere Grund, -der eine Uebersüllung im Aerzte- und Advokatenstande herbeiführte, falle jetzt fort. Außerdem werde das neuerstehende Palästina einen starken Bedarf nach geschulten Handwerkern und Gewerbetreibenden haben, dem man rechtzeitig durch Schulen entgegenkommen müsse. — Wie der „Kurjer War^- szawski" erfährt, hat «die Jüdische Gemeinde in Warschau die Nachricht erhalten, daß demnächst aus Amerika 900 000 Mark Unterst ü tz u n g s g e l d e r f ü r I ud e n eingehen werden. , , Verantwortlicher Redakteur: Albert «atz in Berlin-Pankow, Florastraße SS. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max I u n g e, Berlin-Sriedenau. Druck und Verlag von Rudolf Moffe.