Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 41 (12.10.1917)
- Date
- 1917-10-12
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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4 Israelitischen Krankenvereins und stellte größtmögliche Förderung von seiten dieser beiden Körperschaften in Aussicht. Gefreiter Hugo C a h n (Mainz) gab dem Tank der Soldaten gegenüber dem Krankenverein und den beiden jüdischen Gemeinden Ausdruck. Landsturmmann Königsberger (Berlin) tat dar, wie man als guter Soldat gleichzeitig bewußter Jude sein könne. Nach Schluß der Feier wurden die Loldaten bewirtet und reichlich mit Zigarren und Tabak versehen. Gin Gang durch die Räume zeigte gute, heizbare Zimmer; and) für jüdischen und anderen Lesestoff hat man ausreichend gesorgt. Der seitherige -lebhafte Zuspruch zeigt, daß hier einem stark empfundenen Bedürfnisse Rechnung getragen wurde. An dem Zustandekommen dieser so segensreichen Ginrichtungen hat der hier in Garnison liegende Unteroffizier Julius Lew i n aus Frankfurt a. M. hervorragenden Anteil. Gestkrrrich-Angam. z. Wien, 5. Oktober. Tie Abgeordneten Bernhard S t e r n und Genossen hatten am '25. o. M. einen Antrag, betreffend die Nichtavhaltung einer Plenarsitzung des Abgeordnetenhauses am 26. v. M., mu jüdischen Versöhnungstag. eingebracht. In dem Antrag wurde erklärt, daß durch die Abhaltung einer Sitzung Die Mitglieder des Hanfes jüdischer Religion an der Ausübung ihrer religiösen Pflicht gehindert seien. Der Präsident wurde ersucht, für diesen Tag keine Plenarsitzung auszuschreiben. Ter Antrag war u. a. auch vom Fürsten L u b o m i r s k i sowie von den Abgeordneten P. S t o - j a n und P. B a l o u s e k und anderen katholischen Geistlichen unterschrieben. Für den Antrag trat die ganze Rechte ein; er wurde trotzdem abgelohnt. Einen anderen Allswog hatte, lvie die „Lesterreichische Wochenschrift" erinnert, eine ähnliche Affäre in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Auch damals war eine Plenarsitzung des Abgeordnetenhauses a,n jüdischen Versöhnungsfeste geplant und > der Abgeordnete Tr. Bloch meldete dem Präsidenten einen Antrag, daß an jenem Tage die Plenarsitzung auszusallen habe. Präsident des Abgeordnetenhauses war Tottor K a t h r e i n, ein strenger Katholik, Führer der Teutschklerikalen. Präsident Kathrein sagte zum Abgeordneten Tr. Bloch wörtlich: „Ich lasse es bei einem solchen 'Antrag nicht zu einer Abstimmung kommen, sondern werde einfach für diesen Tag keine Plenarsitzung anberaumen." Dagegen offenbarte der deutschnationale Präsident Tr. Groß seine Stellung dadurch, daß er über den Antrag abstimmen ließ, und es ergab sich, daß für die Respektierung des jüdischen Bersöynungstages ausschließlich slawische Abgeordnete gestimmt haben. Ter Antrag fiel, weil das österreichische Deutschtum auf den Antisemitismus eingeschworen ist. — Am 22. o. Bl. mittags wurde auf Anordnung des Sicherheitsbureaus im Einvernehmen mit dem hiesigen k. u. f. Militärkommando sowie der Militärpolizei für den ersten Bezirk eine Perlustrierung der auf dem Schvttenring und namentlich in der Umgebung zweier Kaffeehäuser versammelten galizischen Flüchtlinge zur Feststellung ihres Militärverhältnisses und zur Hintanhaltung von Winkelbörsengeschüften vorgenommen. Insgesamt wurden zweiundzwanzig Personen angehalten und dem Amte überstellt. Zwei von ihnen wurden wegen Abschlusses von Börsenwintelgeschästen beanstandet und dem magistratischen Bezirksamt für den ersten Bezirk zugeführt. Einer dieser Angehaltenen war Militärperson und hatte sich überdies einer Urlaubsüberschreitung (!) schuldig gemacht. Ter Mann wurde nach erfolgter Einvernahme der Militärpolizei übergeben. Ferner wurden zwei Militärpersonen beanstandet, und zwar eine wegen ungerechtfertigten Tragens von Zivilkleidern; auch dieser Mann wurde der Militär-Polizei übergeben; die zweite wegen ungenügender militärischer Ausweispapiere. Diese Person wurde dem Ergänzungsbezirkskommando Wien zur Ueberprüsung seiner Dokumente zugeführt. — Das sind die Sorgen unserer Polizei! Ganz abgesehen davon, daß man vor eine Neuheit gestellt ist, daß nämlich gegen Flüchtlinge aus einem bestimmten Kronland eine Razzia veranstaltet wird, muß man über das imposante Resultat polizeilicher Arbeit staunen. Man denke nur, was das Aufgebot von Agenten und Wachleuten schließlich erreicht hat! Ter eine oder der andere wurde der Militärbehörde übergeben, weil er das todeswürdige Verbrechen begangen hat, entwede seiner: Urlaub zu überschreiten oder aber als Soldat Zivilkleider zu tragen. Tie Sühne derartiger Verbrechen zu ermöglichen, ist wirklich nicht die Aufgabe eines Sicherheitsbnreaus. Wie wäre es, wenn die Wiener Polizei ihre Leute dazu verwenden wollte, die beängstigende Unsicherheit in den Straßen des nächtlichen Wiens zu mildern oder gar darauf zu achten, daß weniger Keller- und Wohnungseinbrüche verübt werden. Es wird immer schöner! Von Ash uns Mn. — Auf eine Anfrage über die Kohlenversorgung erteilte Staatssekretär Dr. Helsferich eine Antwort, nach welcher die Synagogen hinsichtlich der Versorgung mit Hausbrandkohlen und eventuell der Einziehung zu viel eingelagerter eine gleiche Behandlung mit den übrigen Verbrauchern seitens der zuständigen Gemeinden und kommunalen Verbände erfahren sollen. — Dem Präsidenten der Allgemeinen Elektrizitütsgesellschaft, Dr. Walther Rathenau, ist der Stern zum Kronenorden Zweiter Klasse verliehen und an seinem 50. Geburtstage mit einem Handschreiben des Kriegsministers übermittelt worden. — Vizewachtmeister, Stud. jur. Carl Katzenstein, Schwiegersohn des Wäschefabritanten Herrn Sigmund S a l i n g e r, Bleibtreustraße 27, wurde, zum Reserveleutnant der Artillerie befördert. Herr Eugen Oppler hat anläßlich seines Ausscheidens aus der Firma Schweitzer u. Oppler zugunsten des Personals 50 000 Mark gestiftet. — Kommerzienrat Louis Schlesinger, der Begründer der Ledergroßhandlung Louis Schlesinger, Dratestraße 1, beging am 8. d. M. seinen 70. Geburtstag. — Zum Vorsitzenden des Schiedsgerichts für die Schuhwaren-Herstellungs- und Bertriebsgesellschaft Berlin ist der Syndikus der Berliner Handelskammer, Rechtsanwalt Dr. Oskar M eher, ernannt worden. — Auf dem Friedhofe in Weißensee fand unter großer Beteiligung die Bestattung öes Fliegerleutunnts Dr. August Bk o s e r, Sohnes des Kommerzienrats Adolf Moser, Inhabers des Bankhauses Georg Fromberg u. Co., mit milij tärischen Ehren statt. Tie Trauerrede ijtat Rabbiner Dr. Weiße. -- Unser verehrter Mitarbeiter Herr Rabbiner Tr. Ludwig P i ck beklagt den Tod seiner Gattin, Frau Johanna Pick, die nach längcrem Leiden am 20. September verschieden ist. Die Heimgegangene, eine Eschet Ehajil im wahren Sinne des Wortes, erfreute sich bei allen, die ihr gottgefälliges Leben und Wirten kannten, ungeteilter Achtung und Wertschätzung. Sie ruhe in Frieden. — Der in Eharlottenburg verstorbene Pianist Hugo Goldfarb hat seiner Vaterstadt Preußisch- Stargard 50 000 Mark hinterlassen. Ans den Zinsen sollen leidende Bürger ohne Unterschied der Konfession unterstützt werden. — Fräulein Steffie S i m o n, Tochter des Kommerzienrats G. Simon, ist die Rote-Kreuz-Medaille verliehen worden. — Die Rote-Kreuz- Medaille erhielt ferner Frau Elisabeth A l e x a n d e r - K a tz, die Gattin des Justizrats Dr. Richard Alexander-Katz. — Rechtsanwalt Dr. Max Jsaac erhielt für seine Tätigkeit in der Kriegsentschädiglmgs-Kommission das Berdienstkreuz für Kriegshilfe. — Frau Elsbeth Lehmann in Potsdam erhielt die Rote-Kreuz-Medaille dritter Klasse. - - Die am Refervelazarett 1 zu Ostrowo beschäftigte jüdische Schwester Ella Bielski, Tochter des Herrn Salo Bielski, ist mit der Roten-Kreuz-Medaille ausgezeichnet worden. — Das Berdienstkreuz für Kriegshilfe wurde dem Zahnarzt Ignatz Schwersenz in Hohensalza. verliehen. — Aus Breslau werden uns folgende Zeichnungen auf die 7. Kriegsanleihe mitgeteilt: Seitens der Synagogengemeinde zu Breslau 500 000 Mark, nachdem bereits auf die früheren Anleihen 1 400 000 Mark gezeichnet waren; Israelitische Krankenverpjlegungsanstalt gn Breslau 150 000 Mark, nachdem bereits aus die früheren Anleihen 340 000 Mark gezeichnet waren; Louis-Burgfeld- Stiftun'g zu Breslau 25 000 Mark, nachdem auf die früheren Anleihen bereits 250 000 Maxi gezeichnet waren. — Vizefeldwebel Cohn (Stettin) im Pionierbataillon Nr. 5 wurde zum Leutnant des Landwehr-Pionierbataillons 2. Aufgebots befördert. — Unserem geschätzten Mitarbeiter Rabbiner Dr. Seligkowitz in Cöthen ist vom Herzog von Anhalt der Verdienstorden für Kunst und Wissenschast verliehen worden. — Der Rentier Max M e h e r st e i n in Göttingen wurde mit dem Verdienstkreuz für Kriegshilfe ausgezeichnet. — Aus Frankfurt a. M. wird geschrieben: Theodor Mann h e i m e r , Landsturuunann, z. Z. in französischer .Gefangenschaft, Sohn der Witwe Mannheimer, Bäckerweg 24, erhielt die badische silberne Verdienstmedaille am Bande der Militärischen Karl-Friedrich-Berdienstmedaille. Verantwortlülier Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow. F orastr che 58. Verantwortlich für den Anztigenteil: Max Junge, Bertin-Friedenan. - Druck und Verlag vvn Rudolf Mosse.