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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-10-05 · Heft 40 (5.10.1917) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 40 (5.10.1917)
Date
1917-10-05
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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Interessen so lveit hinter den-polnischen zurücktreten lassen, daß er ihnen gemachte M>rwnrf der Iirtewsfonlosigkei't in jüdischen FragenwvM berechtigt ist. Seit genau 50 Jahren dauert das Liedesslverden der offiziellen jüdischien Kreise nur die Men an. Bor einem halben. Iah.rhnnldevt', es war am 24. September 1807, hat die Repräsentanz der hiesigen Kultusgemeinschaft in einer feierlichen Sitzung einstimmig die Einführung der polnischen Unterrichtssprache an Stelle der bis -dahin herrschenden deutschen beschlossen. Diesem Beispiele folgten auch die Kulklsgemeinsä-aften Przemysl, Iaroslau und Zvlkiew, welche auf Aufforderung der Statthalterei sich für die Einführung der polnischen Unterrichrssprache in ihren Schulten äußerten!. Hier wurde ein polnischer Kultnrvevein unter der jüdischen Jugend, gegründet und die Herausgabe eines polnischen Blattes für Israeliten beschlossen. So sah es nn jüdischen Lager uns. Ganz anders war es bei den Polen. Zur selben Zeit beschloß der Lelnberger Gemeinderat mit großer Mehrheit ein Gemeindestatut, in welchem der Grundsatz ausgesprochen wurde, daß das Berrnögen der Stadt Lemberg ausschließlich Eigentum der christlichen Einwohner der Stadt sei. In Kolomea, das damals unter 15 000 Einwohnern mehr als 8200 Juden zählte, beschloß der Stadtrat sogar, keine Juden mehr in das städtische Krankenhaus aufzunehmen. Wer weiß, was man heute hier beschließen würde, wenn man nicht die Oeffentlichkeit scheuen würde! Außerhalb unseres Kronlandes weiß man kaum, daß Lemberg, die Hallptstadt und Universitätsstadt, in den öffentlichen Schulen besondere Iudenbänke hat. Immerhin ist der „Fortschritt" unverkennbar; man faßt wohl noch solche Beschlüsse, aber man protokolliert sie nicht mehr. Von Ash und Lern. —. Seinen 00. Geburtstag beging am 28. September der bekannte Berliner Rechtsanwalt und Notar Iustizrat Albert P inner. Namentlich auf dem Gebiete des Aktienrechts gilt er als Autorität. Zahlreich sind seine Abhandlungen über schwierige und wichtige aknenrechtliche Fragen. - - Frau Direktor Anna Mankiewi-tz hat das Beroiensttreuz für Kriegshilfe erhalten. — Der Maler E. M. Lilien ist in das k. und k. Pressequartier abkommandiert worden und geht dieser Tage an die türkische Front ab. — Rabbiner Tr. Philipp de Haas in Kattowitz hat das Berdienstkreuz für Kriegshilse erhalten. — Herr Iustizrat Saling er in Oppeln wurde mit der Roten Kreuz-Medaille ausgezeichnet. — Die Synagogengemeinde Gleiwitz hat durch den plötzlichen Tod ihres Borstandsmitgliedes Herrn Isidor Rund einen schweren Verlust erlitten. — Aus Kobhlin wird uns geschrieben: Rach über 2 5jühriger Tätigkeit in unserer Gemeinde verschied plötzlich beim Unterricht unser Lehrer Isidor Leppek. Er war seinen Schülern wie auch uns allen ein helleuchtendes Beispiel vornehmster Pflichterfüllung. Unter seinen Kollegen war er vesvnders geehrt und geachtet. Ter Dahingeschiedene erreichte ein Alter von 49 Jahren. Biele auswärtige Kollegen waren zur Beerdigung erschienen. — Die jüdische Gemeinde in Friedrichstadt zählt gegenwärtig kaum 50 bis 00 Seelen und nimmt von Jahr zu Jahr ab; sie zählte 1852 noch 000 Seelen und hatte eine dreiklassige Schule, während die Kinder jetzt die allgemeine Stadtschule besuchen. Als beim Uebergange an Preußen 1806 Freizügigkeit eintrat, haben die Inden nach und nach diesen Ort verlassen und sind meistens nach Hamburg übergesiedelt. Das Gotteshaus mit allen religiösen Einrichtungen wird von den Juden im ganzen vormaligen Herzogtum Schleswig unterhalten. Der Kölner jüdische Schutzmann Philipp Aron erhielt eine öffentliche Belobigung und eine Allszeichnung wegen einer mutigen Rettungstat, bei lvelcher er durch das Einhalten scheu gewordener Pferde einem Kinde das Leben rettete. Dieser Vertreter der Hermandad ist zugleich ein rühriger Ehelvrahvorsteher, der die Ehewra AHamas dteun leitet, die er in wenigen Jahren von 20 ans 140 Mitglieder gebracht hat und die besonders in den kleinbürgerlichen Kreisen der Gemeinde bei Sterbennd Trallersätten sich nach altjüdischer Weise in vortrefflicher Art betätigt. - - Das Ehepaar Hermann Basen in Duisburg-Ruhrort feierte das Fest der goldenen Hochzeit. Seitens der Gemeinde, deren langjähriger Vorstand der Jubilar war, fand eine Feier statt. Die Ehejubiläumsmedaille wurde überreicht. Herr Leeser Elsberg in Warendorf vollendete in körperlicher lind geistiger Frische sein 80. Lebensjahr. Derselbe ist seit dem Jahre 1882 Erster Vorsteher der dortigen israelitischen Gemeinde. — Aus Zweibrücken wird berichtet: Das älteste weibliche Mitglied der israelitischen Gemeinde, eine der ältesten Einwohnerinnen der Stadt, Fr. Berta Kahn, Witlve des vor einigen Jahren verstorbenen, in weiten Kreisen bekannten. Weinhändlers Siegmund Kahn, beging vorletzten Montag in voller Rüstigkeit ihren 80. Geburtstag. Seit Jahrzehnten Erste Vorsitzende des Israelitischen Frauenvereins, hat sie durch vornehme Charaktereigenschaften, Herzensgüte und uneigennütziges Wirken viel Segen gestiftet. Aus ihr Frauenleben ist das Lob der Sprüche Salomonis in besonderem Maße anwendbar. — Der Kaiser hat dem Kommerzienrat Adolf S t e i n h a r t e r, Antiquitätenhändler in München, das preußische Verdienstkreuz für Kriegshilfe verliehen. — An Stelle des zurückgetretenen israelitischen Kultusvorstnndes in Bergzabern, Herrn L. Dreysuß, wurde der Schuhhändler Herr Jakob Frank als Kultusvorstand ernannt. — Die in Wien weilenden orthodoxen Rabbiner ans Galizien und der B u k o w i n a haben beschlossen, den kommenden Erew-Roschchodesch Eheschwan als allgemeinen jüdischen Fast- und Bittag für den Frieden zu bestimmen. An diesem Tage sollen sich die Juden in den Gotteshäusern versammeln und Gebete für einen baldigen Frieden verrichten. Ein diesbezüglicher Aufruf wird in den nächsten Tagen veröffentlicht werden. — Als 35. Mitteilung der Phonogrammarchivkommisston der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien wurden „Phonographierte Gesänge und Aussprachproben des Hebräischen der jemenitischen, persischen und syrischen Juden" von A. Z. Idelsohn ryit vielen Rotenbeilagen veröffentlicht. — Aus Budapest wird geschrieben: Die Feierlichkeiten aus Anlaß des vierzigjährigen Bestehens des nach Kaiser und König Franz Josef 1. benannten ^andesrabbinerseminars begannen am 24. v. M. mit einer Gedächtnisfeier für die verstorbenen Wilhelm Bacher, Moses B l o ch, David K a u s m a n n , Martin S ch w e i tz e.r, Joses Simon und Baron Josef H a t w a n y bei deren Grabstätten auf dem Kerepeser Friedhose. Der Banns von Kroatien hat den Advokaten Dr. Robert S i e b e n s ch e i n zum Präsidenten der kroatischen Advokatenkammer ernannt. Dr. S. ist der verdienstvolle Präsident der Agramer israelitischen Kultusgemeinde. — Nachdem die rumänische Negierung Jassy verlassen hatte, brach in der Stadt ein schrecklicher Judenpogrom aus. Eine größere Menschenmenge stürmte die Läden der jüdischen Kaufleute und Plünderte sie vollständig aus. Als die ausgehungerte Bevölkerung hier verschiedentlich größere Mengen versteckter Lebensmittel Vorsand, wurden sämtliche Inden, die den Rasenden in die Arme liefen, niedergeschlagen oder gehängt. Mehr als 200 Juden haben hierbei ihr Leben eingebüßt. — In Petersbilrg wurde aus Vorschlag von Senator Grusenberg mit einem Grundkapital von 250 000 Rubel eine Genossenschaft „Das freie jüdische Theater" gegründet. — Die allgemeine Versammlung des jüdischen Soldatenrates in Odessa, an der auch die neuausgebiweten jüdischen Offiziere teilnahmen, beschloß, einen „Verband jüdischer Offiziere" aller Fronten zwecks Erforschung der Lage der jüdischen Offiziere und der Verteidigung der jüdischen Ehre zu bilden. — Das „Bereinigte Verteilungskomitee der Fonds für die vom Kriege betroffenen Juden" in New Zjork, dessen Präsident Herr Felix Nt. W a r b u r g ist, hat von dem State- Departement in Washington die Erlaubnis erhalten, Hilfsgelder für die Juden der okkupierten wie auch anderer in der Kriegszone liegenden Länder zu überweisen. Demgemäß sandte, das Komitee dem holländischen Gesandten in Washington zur Weitergabe an seine Negierung in Holland, die dann wiederum das Geld an die Bestimmungsorte gelangen lassen wird, folgende Betrüge: 150 000 Dollar für Polen und Litauen, 100 000 Dollar für das von Oesterreich besetzte Gebiet Polens, 50 000 Dollar wurden zum Lebensunterhalt und zur Bekleidung der Kinder in den hebräischen Schulen in Warschau bestimmt, 40 000 Dollar für Rumänien, 45 000 Dollar wurden als Monatsrate für Palästina zur Verfügung gestellt, außerdem 4000 Dollar für die Volksküchen und 1000 Dollar für das Gesundheitsamt in Jerusalem. In Anbetracht der Notlage in Palästina beschloß das Komitee, außerhalb der Monatsraten weitere 50 000 Dollar zu überweisen. Verautwortliwer Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow. Florastraße 5S. Verantwortlich für den Anzeigend il: Max Junge, Berlin-Friedenau. . Druck und Verlag pon Rudolf Mosse. .

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