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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-04-28 · Heft 17 (28.4.1916) · p. Seite 198

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 17 (28.4.1916)
Date
1916-04-28
Page
Seite 198 (sequence 6)
Language
German
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198 eingehende Vorbereitungen getroffen — da brach der Weltkrieg aus, und der ganze Geschäftsgang des Instituts geriet mm natürlich ins Stocken. „Wird es nach dem Krieg seine Tätigkeit neu aufnehmen können? Oder ist Harburger sein letzter Hochmeister gewesen? Das ist eine der Fragen, 'die jetzt den Kreis der Fachleute bewegen. Ihre Beantwortung steht dahin. Das aber wissen wir, daß Harburgers ruhige und sichere Persönlichkeit die Verhandlungen in einem Sinne geleitet hätte, von der man für die Berücksichtigung der deutschen Interessen das Beste erwarten durste. Und deshalb bedeutet sein Tod nicht nur einen Verlust für die Wissenschaft, sondern auch für das Vaterland." Mit diesen Worten schließt Professor Tr. Reinhard v. Franks (Protestant), des fachgenössischen Ordinarius an der Universität Tübingen, warmherziger Nachruf, der unmittelbar nach Harburgers Ableben in den „Münchner Neuesten Nachrichten" erschien. Wie oben verschiedene Angaben über die berufliche Bedeutung des zu srüh Verblichenen dieser feinsinnigen Würdigung entstammen, so entlehne ich ihr auch einen kleinen Abschnitt zur Kenntnis seiner Persönlichkeit. Als Mitglied führender in- und ausländischer wissenschaftlicher Gesellschaften „stand Harburger in Beziehung zu vielen internationalen Persönlichkeiten, und es war ihm eine Freude, neben seinen inländischen gelegentlich auch seine ausländischen Bekannten bei sich zu sehen. Kam dann das Gespräch auf wissenschaftliche Fragen, so zeigte es sich, daß ihm seine Gattin nicht nur als Hausfrau, sondern auch als verständnisvolle Mitarbeiterin zur Seite stand. So werden die Stunden herzlicher und anregender Gastfreundschaft im Hause Harburger allen, die sie genießen durften, unvergeßlich bleiben." Jetzt hat der Tod dies schöne Gemeinschaftsleben zerstört. Der musterhafte Hausvater hinterläßt in diesem gemütlichen Heim in der vorderen Karlstraße, wo so viÄe geistige Größen Münchens seit länger als einem halben Jahrhundert ihren Sitz aufgeschlagen, eine innigvertraute Gattin und eine Tochter; der Sohn, Dr. iuris und Rechtspraktikant, steht beim Heere. Am 2. März, nachmittags, wurde die Leiche des hochangesehenen Gelehrten und Staatsbeamten auf dem Münchener Lstfriedhof feuerbestattet. Bei der Abschiedsfeier, die sich zu einer die Verdienste des Verstorbenen würdig ehrenden Trauerkundgebung gestaltete, waren anwesend der Justizminister mit seinen Ministerialräten, der Präsident des Obersten .Landesgerichts und derjenige des Oberlandesgerichts mit dessen Senatspräsidenten und Räten, der Präsident des Amtsgerichts München I und viele Richter; sodann der Rektor Magnificus der Universität mit dem gesamten Lehrkörper der juristischen Fakultät und andere Professoren, Offiziere und Mitglieder des Akademischen Gesangvereins München. Harmoniumspiel und Violinsolo leiteten die ernste Handlung ein. Darauf hielt Reichsrat v. Heinzelmann, der Präsident des Münchener Oberlandesgerichts, die Gedächtnisrede, an deren Ende er für den von ihm vertretenen hohen Gerichtshof einen Kranz auf die Bahre niederlegte. Darin folgten, zugleich mit Nachrufen, die Vertreter der Universität, der juristischen Fakultät, der Kriminalistischen Sektion, der Orientalischen Gesellschaft, der Aktivitas und des Philisterverbandes des Akademischen Gesangvereins. Es war, alles in allem, eine offizielle Totenfeier, wie sie nur Hochschullehrern ersten Ranges und Rufes, Richterbeamten aber sonst wohl nie ailsgerichtet werden. Zumal einem Manne jüdischen Blutes. Einem Manne, welcher seiner ganzen Natur nach zwar nicht auf diese Seite seiner Persönlichkeit ausdrücklich hinzuweisen pflegte, aber auch nirgends verheimlicht hat, wo etwa seine Herkunft in Frage kam. Und diese Herkunft mußte er ja doch schließlich während seiner ganzen von vielen beneideten Laufbahn in seinem Doppelamt, dem richterlichen .wie dem akademischen, spüren. Denn ebensowenig wie er, ungeachtet aller ehrenden Stellungen, je einen Gerichtshof als Vorstand zu leiten anvertraut erhielt, ist er in der Universitätshierarchie zum ordentlichen Professor befördert worden. Er, den nicht nur die Forschungsgenofsen wie einen Fürsten ehrten, sondern auch die Fürsten mit hohen Orden auszeichneten. L. F. Die LrMnglche haiMchrittrulammlung. Von L u d w i g Gei ger. nfang November 1915 wurde — ein eminentes Friedenswerk in dieser kriegerischen Zeit — der zweite Band der Lessingschen Buch- und Handschristensammlung veröffentlicht. Eine Würdigung dieser ungemein reichhaltigen Privatsammlung, eine Aufzählung aller der Schätze der deutschen Literatur des 16. bis 20. Jahrhunderts — denn es find ebensowohl Briefe der Humanisten, der Reformatoren, der Gelehrten und Fürsten des 16. bis 18. Jahrhunderts vorhanden als die wichtigsten Schriftstücke von Schriftstellern des 18. und 19., bis aus die aus dem 20. Jahrhundert stammenden Dankschreiben, die C. R. Lessing, der Hauptsammler, für seine kostbaren Neudrucke von „Nathan dem Weisen", „Minna von Barnhelm" und der Geschichte der Lessingschen Familie von den ersten Schriftstellern und Künstlern erhalten hat — kann natürlich an dieser Stelle nicht gegeben werden. Daß ich aber in dieser Zeitung von der genannten Sammlung spreche, hat seinen Grund in den außerordentlich zahlreichen Briefen von und an Juden und in den mannigfachen Schriftstücken, die über jüdische Dinge handeln. Dieser Reichtum erklärt sich dadurch, daß der Sammler einen großen Teil seiner Schätze aus der Sammlung von Julius Friedlaender, dem verstorbenen Direktor des Berliner Münzkabinetts, übernahm, dieser aber durch seinen Vater Benoni und durch seinen Großvater David Friedlaender sowie durch Ankäufe und Geschenke eine außerordentlich große Zahl von Schriftstücken zusammengebracht hatte, die sich ans die Mendelssohn- Friedlaenüersche Epoche bezogen. Der Katalog, den Herr Gotthold Lessing, der Sohn des Sammlers, zunächst einem auserwählten Kreise hat zugehen lassen (der Katalog ist jetzt im Buchhandel auch erhältlich), gibt nicht etwa bloß ein Verzeichnis der in seinem Besitz befindlichen Briese, sondern es werden darin die meisten, bisher unbekannten, inhaltlich wichtigen Schriftstücke teilweise oder vollständig abgedruckt und so kann man der nachstehenden Veröffentlichung den mit größter Sorgfalt gearbeiteten Katalog zugrunde legen. Zunächst ist Moses Mendelssohn zu nennen, von dem die Originale der Briefe an Kant, Friedlaender, Marcus Herz, die Abschriften der Briese an Lavater, im ganzen 21 Briefe, vorhanden sind (die meisten derselben waren freilich schon gedruckt). Für eine von mir geplante große Ausgabe des Briefwechsels Mendelssohns dürfte die Vergleichung mit den Originalen von dem allergrößten Werte sein. Briefe an Mendelssohn sind 38 vorhanden darunter ein bisher gänzlich unbekannter Brief Wielands. Von christlichen Schriftstellern seien Biester, Eberhard, Garde, I. D. Michaelis, I. G. v. Zimmermann genannt. Bei allen diesen Schriftstücken will ich mich mit einer kurzen Erwähnung begnügen, da ich diese Briefe anderweitig zu benutzen gedenke. Als eine dritte Gruppe der Mendelssohniana müssen die Notizen über den Berliner Wellweisen bezeichnet werden. Sie rühren von den allerverschiedensten Personen her lind bilden einen herzerfreuenden Chorus der Teilnahme, Anerkennung und Bewunderung. Nur wenige Notizen hieraus mögen hier folgen. Sehr häufig schicken die Korrespondenten Friedlaenders oder anderer Grüße oder geben Urteile über Mendelssohn-

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