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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-12-31 · Heft 53 (31.12.1915) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 53 (31.12.1915)
Date
1915-12-31
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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iiiib-eiit das Blatt schreibt: Frankreich erscheint durch sie wie das Land, das die Juden verfolgt -und guälk. Wir hoffen, daß Herr Malvy sein Manöver nicht fortsetzt, das dem Prestige Frankreichs nach außen schaden könnte." — Ter Großrabbiner von Frankreich, Alfred Levy, hat in allen Synagogen einen Aufruf verlesen lassen, -der die Juden anffordert, für die nationale Anleihe zu zeichnen. — Die Gemeinde Havre, die nicht groß ist, hat bereits durch den Krieg schwer gelitten. Es sind mehrere Offiziere (Eugen Bauer und -Albert Mor-do) und Soldaten (Louwich, David Nock, Fredoric Bern st e i n) getötet und mehrere Kriegsteilnehmer (darunter Dr. Roger Dreyfus und sein Bruder Roland Dreyfus) verwundet worden. (Israel. Wochenblatt-Zürich.) Von Kah und Lern. — Zum Besten ihrer Kriegshilfe, des Mütter- und Kinderheims des Frauenvereins und der Hinterbliebenen gefallener Krieger, veranstalten die Berliner Logen II. O. B. B. am Sonnabend, den 8. Januar, im großen Saale der Philharmonie ein Wohltätigkeitskonzert unter dem Titel ,,Biblische Poesie in Wort und Ton". Ihre Mitwirkung haben zugesagt: Tilla Durieux, Frieda Lnngeudorff, Grete Zolles, Oberkantor Magnus Davidsohn, Biolinvirtuose Alfred Wittenberg und der verstärkte Chor der neuen Synagoge unter Leitung des Kapellmeisters Albert K e l l e r m a n n. Gintrittskarten bei Frau Minna S ch w a x z, Charlottenburg, Schlüterstraße 58, und bei Herrn M. Manes, 1^. 118, Stolpische Straße 37. — Ter Neprüsentant der Berliner jüdischen Gemeinde, Herr Aron Hirsch, hat im eigenen und seiner Firma Namen .zur Linderung der Kriegsnöte den Betrag von 10 000 Mark dem Magistrat überwiesen, der dem Wunsche des Spenders entsprechend den Betrag noch vor Weihnachten an Berliner Bürger zur Verteilung gebracht hat. -- Professor H c r m ci n n Oppenhei m, dem bekannten Nervenarzt, der hier ein Lazarett leitet, wurde in Anerkennung seiner ärztlichen Tätigkeit das Eiserne Kreuz am weißen Bande verliehen. — Dr.-Jng. Erich P h i - lippi, Kriegsreferent und Sektionsleiter beim Kriegsministerinm, erhielt das Eiserne Kreuz zweiter Klasse am weiß-schwarzen Bande. - Der Chefarzt am Bereinslazarett „Israelitisches Krankenheim", Berlin, Elsässer Straße 85, Sani tatsrat Tr. Adler, erhielt das Eiserne Kreuz zweiter Klasse am weißschwarzen Bande. Herrn Siegfried frier in Berlin, Genthiner Straße 16, wurde vom Kaiser von Oesterreich das Ehrenzeichen zweiter Klasse verliehen. — Am 15. d. M. beging Herr Gustav Simon (Charlottenburg) das Jubiläum seiner 25jährigen Tätigkeit als Beamter der jüdischen Gemeinde. -- Rudolf Schildkraut hat seinen Vertrag mit dem Deutschen Theater gelöst. Der Künstler wird zunächst kein festes Engagement annehmen, sondern nur gastieren, und zwar zwei Monate in Men und Budapest. Im März wird Schildkrant zusammen mit Bnssermann in einem noch nicht bestimmten Stück im Lessing-Theater anstreten. — Das bayerische Militärverdienstkreuz erster Klasse mit Schwertern erhielt der Oberapotheker Hugo E i l e n b e r g , Sohn des Generalagenten M. Eilenberg in Posen. -- Gefreiter Benno A b r a h a m aus Bromberg und Ludwig K a a tz aus Pleschen, Sohn der vor kurzem verstorbenen Frau Röschen Kaatz ans Schwersenz, sind zu Leutnants in Preußen befördert worden. ~~ Der Kaufmann S. Nothmann in Meseritz hat acht Söhne im Felde stehen. — Buchhändler Richard Ehrlich in Rogasen hat die Rote-Kreuz-Medaille dritter Klasse erhalten. — Aus Leipzig wird berichtet: Der Privatdozent für Assyriologie an der Universität in Göttingen Tr. Phil. E r n st Klaube r, der als k. u. k. Leutnant der Landwehr gefallen ist, vermachte der hiesigen Universität die Summe von 80 000 Kronen mit der Bestimmung, daß die Zinsen für die Zwecke der assyriologischen Abteilung des Semitischen Instituts verwendet werden. - Bei der Wahl von drei Repräsentanten und zwei Stellvertretern am 18. und 14. Dezember in Köln in der dritten Klasse lourden die Kandidaten der konservativen Partei gewählt, und zwar Repräsentanten: Jakob David, Simon Lachs und Dr. Albert G r ö d e l; Stellvertreter: Julius H i r s ch und Salomon Simo n. — Aus Alsheim in Rheinhessen wird geschrieben: Zur Beisetzung der irdischen Reste des auf dem östlichen Kriegsschauplatz gefallenen Gustav Gabriel läuteten die Kirchenglocken; sämtliche Vereine nahmen mit umflorten Fahnen teil und legten Kränze nieder. Herr Rabbiner Dr. Holzer (Worms) führte mit beredten Worten aus, daß der Heldentod dieses für sein Vaterland und seine Religion begeisterten , jugendlichen Kriegers einen sichtbaren Ansdruck der Harmonie von Deutschtum und Judentum darstelle. — Der Privatdozent Professor Tr. Kurt G o l d st e i n in Frankfurt a. M. ist zum Abteilungsvorsteher am Neurologischen Institut der Frankfurter Universität ernannt worden. ' — Ans Heidelberg wird uns geschrieben: Fabrikbesitzer E d w i u Reis, Inhaber der Kunsüvollfabrik Reis n. Co. in Friedrichsfeld, Mitglied des diesigen Synagogenrats, hat dem Gr. Bezirksamt ■ Heidelberg 25 000 Mark für den Verein „Volkswohlfahrt" übergeben ' und dem hiesigen Oberbürgermeister eine Stiftung von 50 000 Mark, aus deren Zinsen Stillprämien gegeben werden sollen. — Der verstorbene Borsteher der israelitischen Gemeinde, Hoflieferant in Baden- Baden, Herr Julius M a y e r, hat letztwillig folgende Legate bestimmt: für die israelitische Gemeinde Baden-Baden 20 000 Mark, an die Stadtgemeinde für Arme aller Konfessionen 5000 Mark, für den israelitischen Armenverein, den israelitischen Frauenverein, das 1 israelitische Erholungsheim für Frauen und Mädchen, das Friedrichj Luiseu-Hospiz in Bad Dürrheim je 2000 Mark. Außerdem eine An- [ zahl kleinerer Schenkungen. — Ans Budapest wird uns geschrieben: Bei den letzten städtischen Neuwahlen wurde ' an Stelle des in den Ruhestand getretenen Bizebürgermeisters Julius Nozsavölyi Tr. Franz Dari zum Bizebürgermeister gewählt. Bizebürgermeister Deri ist ein überzeugter , Jude und hat daraus niemals ein Hehl gemacht. Bor neun Jahren wuirde Deri als Ehrenmitglied in der Budapester Chewra Kadischa! ausgenommen. In seiner Erwiderung auf die Begrüßungsrede ver- ' sicherte er, sich stolz als Jude zu bekennen und niemals seinem Volke untreu zu werden, das seit uralten Zeiten mit seinem Blut, seinem Wissen und seinem Können auf dem Altar der Kultur der Menschheit , Opfer gebracht hat. — Der Religionslehrer Moses Dreifuß ans Jaroslau steht seit Beginn des Krieges als Reserveoffizier an der Front, wurde während dieser Zeit zum Oberleutnant befördert und , für tapferes Verhalten mit dem Signum laudis ausgezeichnet. Er entstammt einer sehr geachteten gntjüdischen Familie. — Herr Kaufmann Salomon Friedberg ist zum Bürgermeister in Petrikau ernannt worden und hat dieses Amt bereits angetreten. — Unter dem Vorsitz des Herrn Max G i n s b e r g hat sich in Lodz ein Komitee gebildet, das die Einrichtung von zunächst zwei jüdischen Wärm- und , Teestuben in die Hand zu nehmen hat. Außer einigen Geldspenden! jüdischer Wohltäter hat auch die jüdische Gemeinde 1000 Rubel für | diesen Zweck zur Verfügung gestellt. Zu wünschen wäre es, schreibt j j das „Lodzer Volksblatt", daß das Komitee seine Tätigkeit zunächst der >! Vorstadt Ballut zuwendete, wo die Armut der jüdischen Bevölkerung j | vorherrschend ist. — Wegen Ausfalls einer bisher der Warschauer! i jüdischen Gemeinde zngestossenen Beitragssumme von 72 000 Rubel au§ i dem sogenannten Tatjana-Fonds hat sich die jüdische Gemeinde , : an das städtische Bürgerkomitee mit dem Ersuchen gewandt, ihr einen | I monatlichen Zuschuß von 72 000 Rubel zu gewähren. Es besteht die j I Hoffnung, daß diesem Antrag der jüdischen Gemeinde, deren Einnahmen |; unter den jetzigen Verhältnissen viel zu wünschen übrig lassen, ent-; j sprachen wird. — In den letzten Jahren wurde wiederholt darüber j Klage geführt, daß an den hauptsächlich von französischen Ordensgeist- - j I liehen geleiteten Schulen in der Türkei systematisch Proselyten geworben j i wurden. Das neue türkische Reglement über die Privatschulen enthält!! nun im § 37 folgende gesunde Bestimmung: „Es ist nicht erlaubt, die! Schüler zur Teilnahme an dem Religionsunterricht einer fremden Konfession anzuregen oder zu verpflichten, deren religiösen Hebungen beizuwohnen. Es ist weder erlaubt, die Schüler zu verhindern, an den Kursen teilznnehmen, weil sie den religiösen Zeremonien nicht beii wohnen, wie es auch nicht geduldet werden darf, daß die Schüler selbst I aus eigenem Antrieb dem Gottesdienst einer anderen Konfession als | der ihrigen beiwohnen." — Das Amerikanisch-Jüdische Hilfskomitee teilt mit, daß die Beiträge für die durch den Krieg notleidenden Juden am 28. Oktober insgesamt die Summe von 1184 746,18 Dollar erreicht 1 haben. Ans der letzten Sitzung des Verteilungskomitees wurden folj gende Beträge bewilligt: 100 000 Dollar für die Juden in den von t den Deutschen und Oesterreichern okkupierten Gebieten Russisch-Polens;! 75 000 Dollar für die notleidenden Juden in Rußland; i 50 000 Dollar für die notleidenden Juden in Galizien; 1000 Dollar \ für die Juden in Kreta. \ Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastratze 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: MaxJunge, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Mosfe.

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