Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 53 (31.12.1915)
- Date
- 1915-12-31
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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3 Übung ihres Berufes in ihrem lvirtschaftlichen Fortkommen unterstützen sollen. Der Verein kann zinsfreie Darlehen iit Höhe bis }c 500 M. geloähren.?tns dein vorliegenden Bericht des Rechmm-gs-- führers Herrn Marc. L. Jaffo entnehmen mir über die Tätigkeit der Kasse tu den ersten fünf Jahren ihres Bestehens bis 5U.m Ausbruch des Krieges folgende auch die Allgemeinheit'-itckeressiererrde Einzelheiten. In diesen fünf Jahren wurden an 212 Personen Darlehell in Höhe von 57 200 M. — durchschnittlich ca. 270 M. — gewährt, alt etw.-a 45 Prozent Kleinhändler, 55 Prozent Hattdlverker, Kaufleute nflv. Rückz-ahlullgen erfolgten in Höhe von 37 400 M. -und die direkten Verluste betrugen 2200 M. Mt Beginn des Krieges hat sich allerdings die Sachlage sehr verschoben, da eilt großer Teil der Darlehnselnpfänger eingezogett ist, die Nückzahlungen lmr gering und lltanche Verluste wohl zu erwarten sind. Jedenfalls hat die Kasse sehr segensreich gelvirkt und lltallche sonst unhaltbare Existenz lvieder in die richtigen Bahnen gebracht. Nach Beendigung des Krieges wird der gute Zweck der Kasse lvoht noch mehr zur Gettltllg kommen. Karlsruhe u B., 24. Dezember. Die neuliche Ncitglieder- Versammlung des Vereins sür das F r i e d r i ch - 2 n i se n - H o s p i z in Bad Dürrheim hat beschlossen, die Anstalt während dieses ganzen Winters iur Interesse unserer heilnngs- und erholuugsbedürftigeu Jugend offen zu halten. Gegenwärtig sind -dort über zlvanzig Pfleglinge. Als kürzlich die Großherzogin Luise ihrett 77. Geburtstag feierte, sartdte aitch unser Hospiz seine Glückwünsche. Hierauf traf alsbald folgendes Antworttelogramm ein: „Dem Friedrich-Lnisen- Hospiz Dürrheim sage ich für alle freundlichen Wünsche ztl meinem Geburtstage herzlichsten Dank. Der Segen des Allmächtigen geleite auch fernerhin das Hospiz in allen seinen gemeinnützigen Bestrebungen in der großen, aber schweren Zeit, deren Eindrücke uns alle gemeinsatn bewegen. Großherzogin Luise." Stratzbrrrg i. E., 24. Dezember. Zur O b e r r a b b i n e r > frage in Straßburg bringt die „Straßb. Post" vom. 16. d. M. folgende bemcrkensloerte Aussührnugen: Der Umstand, daß die Wahl eines Oberrabbiners von Straßburg. schon jetzt und nicht, wie anfänglich gemeldet wurde, erst nach Beendigung des Krieges erfolgen soll, hat bereits zu mehrfachen Aetcherungen in der Presse Veranlassung gegeben. Das Leitmotiv dieser Veröffentlichungen ist das Verlangen, daß „man die Pforten zur Bewerbung nur den Oberrabbinerposten Straßburgs für Bewerber aus dem ganzen Deutschen Reich öffnen müsse". So schrieb erst vor kurzem ein mit „Juda ll s" zeichnender Einsender im „Hamburger Familienblatt", und so lautet auch die Parole des Herrn M. im Sprechsaalartikel in Nr. 946 der „Straßb. Post": Es mag seilt, daß der Schreiber der in Rede stehenden Artikel (Die Annahme, daß die Veröffentlichung in dem Hamburger Blatt und die in der „Straßb. Post" von ein und demselben Verfasser herrührten, ist unzutreffend. Die Red.) durchaus in gutem Glauben gehandelt hat und niemandem zu nahe treten wollte. Dennoch wird er sich wohl leicht darüber Rechenschaft geben können, daß man in den weitesten Kreisen der israelitischen Bevölkerung Elsaß-Lothringens feine Auslassungen mit tiefem Bedauern gelesen hat undals zu dieser Zeit des Burg? friedens durchatls nicht im Einklang stehend betrachten kann. Es ist vollkommen verfehlt und den Tatsachen schnurstracks zuwiderlaufend, wenn Ulan hinsichtlich der Juden des Reichslandes von emem Gegensatz zwischen Einheimischen und Eingewanderten spricht. Einen solchen Gegensatz gibt es nicht. Unsere Konsistorien haben von jeher altdeutsche Rabbiner angestellt tmd gelviß noch niemals die Bewerbung eines Kandidaten abgelehnt, weil er altdeutscher Herkunft war. Unsere Gemeindeverwaltungen haben ohne Bedenken bei Besetzung von Gemeindeämtern dem Altdeutschen, weil er besser qualifiziert war, den Vorzug gegeben vor Einheimischen, lind wenn es sich um die Wahl eines Konsistorialmitgliedes oder eines Berwaltungsmtigliedes handelte, hat die Staatsangehörigkeit des Kandidaten nie und nimmer für die Wühler einen Hinderungsgrnnd gebildet. Kurzum, die Beziehungen zwischen den eingeborenen und den eingewanderteu Israeliten in Elsaß-Lothringen sind immer die denkbar besten gewesen, aus dem einfachen Grunde, weil ans keiner Sette ein Anlaß zu llnsttlnnligkeiten vorhanden war. Soll null darin eine Aenderung ein'treten? Sott gerade jetzt, wo es keine! Parteien mehr, sondern nur noch Deutsche gibt, ausgerechnet bei; uns das bisherige friedliche Verhältnis anfhören? Wir können! nlit dem besten Willen nicht -annehmen, daß citt solches Bestreben irgendwelche Förderer finden wird. Die Rabbiner nt Elsaß- Lothringen, die für den Oberrabbinerpostell in Betracht kommen, haberr ihre Studien in Deutschland gemacht und silld ebensogute Deutsche, wie wenn ihre Wiege in Altdentschland gestanden Hütte. Findet sich unter ihnen einer, der den Anforderungen entspricht, die man an die Bewerber um das Straßburger Oberrabbiu-at zrt stellen berechtigt ist, so lverden auch die eingewanderten Israeliten Straßbnrgs und des Unterelsaß dessen Wahl mit Freuden befürworten. Ist dies aber nicht der Fall, so wird auch titcht ein einziger eingeborener Elsässer den Behörden es zutn Vorwurf anrechnen, wenn sie einen Altdeutschen wählelt. Es kom-mt eben llicht aus die Staatsangehörigkeit, sondern einzig und allein auf die Tüchtigkeit und Würdigkeit der Bewerber an. Das ist eine ganz selbstverständliche Sache, und die Zllsnmmensetznng des Konsistoriums und der Bertvaltungskoullnifsion in Straßburg bürgt dafür, daß jederman-n volles Vertrauen habetr kann. Darttut sollte die Oeffentlich keit mit dieser Frage llicht tnehr behelligt lverden. Ein Rabbiner. Gesterreich-AnrMN. K. Wien, 24. Dezember. Dieser Tage ist hier der Mitbegründer und gewesene Generaldirektor der Länderbank, Hofrat Sam tust Ritter v. Hahn, im 79. Lebensjahre gestorben. Ritter v. Hahn kam in jungen Jahren zuerst zur Staatsbahn und daun zier Südbahuaesellschaft, wo er kommerzieller Direktor lvurde. Ende der sechziger Jahre lvurde Hahn zur obersten Leitung der von ihm mitbegründeten- Länderbank berufen. Bolle 17 Jahre hat er die Stelle des Generaldirektors dieser Bank bekleidet. Au der lvirtschaftlichen Erschließung des Balkans hat Hahn hervorragenden Anteil genommen. Der Verstorbene, eine bedeutende Persönlichkeit anf dem finanziellen Gebiete, war aitch Nufsichtsrat der Nationalbank sür Deutschland. Für seine segensreiche öffentliche Wirkung im Interesse des Staates lvltrde Ritter v. Hahn -vom Kaiser zu wiederholten Malen ausgezeichnet. Ritter v. Hahn war u-nd blieb bis zu seinem letzten Atemzuge ein treuer Sohn seines Glaubens; er war Mitglied fast sämtlicher religiöser 11nbhumanitärer Vereine und Anstalten unserer Knltusgemeinde und nahm an allen Vorgängen des Gemeindelebens und des Judentums innigen und lebhaften Anteil. Groß war die Zahl der Trauergüste, die diesem hervorragenden Manne das letzte Geleit gaben. Unter der fast unübersehbaren Trauerschar erblickte man Minister, Politiker, Fiuanzrnänner, Vertreter der Künstler- und Handelsgenossenschaften, .das gesamte Rabbinat und den Vorstand der Kultusgemeinde und ihrer Vereine und Anstalten. Ritter v. Hahn hinterläßt eine Witwe und drei Töchter: Baronin H e r m i n e Popper v. Podgrady, K l a r a v. Mars ch a l l - H a h n und Fraal M argarete Panzer. Sein einziger Sohn ist ihm vor einigen Jahren in jugendlichem Alter im Tode vorangegangen. — Vor kurzem ist hier Frau A n n i c a B e n v e n i st i, eine durch ihr wohltätiges und menschenfreundliches Wirken bekannte, in den besten Wiener Gesellschaftskreisen hochangesehene Dame, im 81. Lebensjahre gestorben. Sie war in jungen Jahren Witwe geworden und widmete sich, nachdem ihr ältester Sohn, der Teilhaber der bekannten Kohlensirma F r i e d l ä n d e r - F u l d in Berlin, und ihre Tochter, Frau Sophie Rllsso, vor wenigen Monaten gestorben waren, ausschließlich mildtätigen Werken. Sie stand 36 Jahre lang an der Spitze des Vorstandes im israelitischen Taubstummeninstitut, war lange Jahre leitendes Vorstandsmitglied/der israelitischen Volksküche ltnd gehörte dem Vorstande des Wiener Frauellwohltätigkeitsvereins an. Sie wurde unter großer Beteiligung zu Grabe getragen. Dr. Artur K ll r a n da, der langjährige Freund und Berater dieser edlen Fratt, hielt am Grabe einen rührenden Nachruf. Ergreifend lvar es, wie ein taubstummer Zögling das Kaddischgebet sür die Verblichene vortrng. Irsnkrrich. 22 Paris, im Dezember. In einetn der letztett Kätttpfe ist der Offizier Henri Frank gefalletl. Dieser lvar der Vertreter von Baron Rothschild in Palästina und hat sür die jüdischetl Kolonien viel geleistet. — In der antisenlitischeu Presse lvird noch imniex* die Hetze gegen die rlkssischell Juden, die sich in Frankroich aufhalten, fortgesetzt, unb besotlders sind es die Pariser Nationalisten, die sich dabei hervortun. Die „Hlmranito" protestiert gegen diese Hetze,