Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 47 (19.11.1915)
- Date
- 1915-11-19
- Page
- Seite 557 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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m Die Frage nach dem Ich in den Psalmen, einmal Preisaufgabe der Berliner philosophischen Fakultät, ist von L. in dem Psalterego in den Jch-Psalmen gelöst, wie Professor Cornill. der zu. dem gelehrten Werke die Einleitung schrieb, durch sein auf diesem Gebiete im besonderen maßgebendes Urteil seinerzeit anerkannt hat. In das Gebiet der Psalmenforschuug gehören noch L.s „Psalterklänge", die mit Recht als eine vorzügliche eigenartige homiletische Einführung in die Psalmdichtung zu bewerten sind. Wir wollen nur einige Titel von L.s weiteren Schriften erwähnen. ..Zur Kritik des Buches Esther". ..Messiasapvkälypse", „Kaddischgebet". ..Das Sifrerätsel", „Erster Priesterornat im Talmud". ..Vernunftkritik der Bibel". „Religion und Wissenschaft", „Würdigung der Geschichte". „Talmndische Ethik des Alphabets" usw. In diesen Schriften zeigt sich L.s Eindringen in die alte midraschische Literatur im Bunde umfassender Kenntnis der neueren wissenschaftlichen Exegese. In der Zeit, als der Antisemitismus seine schlimmsten Blüten trieb, veröffentlichte L. mehrere apologetische Schriften, deren vornehme Sachlichkeit besonders zu rühmen war; gegen Stöcker die Schrift: „Kotthold und Moses", gegen Friedrich Delitzsch „Der JHWH-Fund und Babel in der Bibel". Aus seiner langjährigen Lehrtätigkeit erwuchsen folgende pädagogische Schriften: „Kurzgefaßte Religionslehre". .,Moseslehre" (2 Auflagen). „Chinuch bar Mizwoh für die Konfirmanden". ..Nachbiblische Geschichte" (4 Auflagen; ins Englische von Hecht übertragen und Lehrbuch der Sabbatschulen Amerikas). Poetisch-pädagogisch sind zu bewerten die Festspiele: „Lebende Megilla", „Chanukawnnder" (von Rahmer in der „Familienzeitung" veröffentlicht und seitdem wiederholt in Schulen mit Beifall aufgeführt). An letzter Stelle gehört hierzu das bedeutende Oratorium „Moses", das den Sieg des Judentums über alle negativen Mächte und niedrige Lebensauffassungen verherrlicht. Nahezu 150 Gelegenheitsreden sind von L. veröffentlicht. Sie verdienen den Namen ..Meisterreden". Die größte Zähl derselben wurde bald bei dem Erscheinen vergriffen, um als ewige Erinnerung von denen, die jene Reden hörten, ausbetvahrt zu werden. Bleibenden Wert, weil zugleich Denkmäler moderner Exegese, haben die Predigtsammlungen: „Unser Gottesbekenntnis" (4 Reden). „Der Priestersegen" (8 Reden), „In schwerer Trübsal" (5 Reden aus dem Cholerajahre). „Ein Feststrauß dem Ewigen" (5 Reden), „Psaltertöne", „Zur Genrütsbildung". Pessach- und Sabbatreden, „Menetekel"; zuletzt mehrere Reden in den Sammelbänden von Ackermann und Hickl über „Unsere Keduschah". Reich an moralischen Erfolgen war die Arbeit L.s an dem Ausbau des Vortragswesens in den Literaturvereinen und Logen. Er gründete mit G. Karpeles den „Hamburger Verein", und die Gabriel-Riesser-Vereinigung zur Förderung der Wissenschaft des Judentums, in der alle Zeitgrößen zu Worte! kamen, ist seine alleinige Schöpfung, die er geistig leitet und in der er fast alljährlich spricht. Es gibt kaum eine große deutsche und österreichisch-ungarische Stadt, die L. nicht ehrenvoll zu Vorträgen berufen hätte. Seine Vorträge „Ethik der hebräischen Sprache". „Akiba", „Sarah Sullam", „Salomo und Sokrates" und „Naturgeschichte der Religion", die in den Jahrbüchern der Geschichts- und Literaturvereine zum Abdruck gelangt sind, zeigen den selbständigen Denker und originellen Forscher. Zahllos sind die populär-wissenschaftlichen Abhandlungen in periodischen Zeitschriften. Nicht trat zu rühmen, sondern als Bekundung für die! Wahrheit des alten Wortes in den Pirke Aboth: „Achtet auf die j Söhne der Armen, denn von ihnen erwächst die Belehrung", sei erwähnt, daß L., ein Sohn armer Eltern, seit seinem elften Lebensjahre für Vater, Mutter und Geschwister gesorgt, mit der größten Not gekämpft und durch Stundengeben sich selbst das Studium ermöglicht hat. Die Leiden seiner Studienzeit hat er in einem humoristischen Büchlein geschildert: „Aus meinem Jugendleben." Was gab Leimdörfer die Kraft, alle Hindernisse zu überwinden und zu solcher Größe, zu solchem segensreichen Schaffen sich emporzuringen? Seine im alten Judentum, im Elternhause wurzelnde Frömmigkeit, seine friedliche, nnlde, vornehme, bescheidene Sinnesart, sein Mut und seine Treue, sein Fleiß, seine Opferfrendigkeit! Gottes Gnade hat sein Wirken gesegnet! In seiner Familie aber findet L. den Nährboden seiner Schaffenskraft. Ihm zur Seite steht eine edle Gattin, eine Verwandte von Professor Adolf Neubauer, Orford, s. A., Vorsteherin des humanitären Frauenvereins in Hamburg, und übt eine sprichwörtlich gewordene Gastlichkeit. Ihn erfreuen zärtliche Kinder, die von den Eltern hervorragende Begabung für Wissenschaft und Kunst geerbt haben und deren Können ht weiteren Kreisen mit Achtung und Anerkennung genannt wird. Wir schließen mit dem Wunsche, daß es Dr. L., der jetzt das seltene Fest seines 40 jährigen Räbbinatsjubilaums begeht, beschieden sein möge, als Stolz seiner Gemeinde, als Zierde Israels noch viele, viele Jahre wie heute in frischer Kraft zum Heile der Mitwelt und zur Ehre Gottes zu wirken. Max Lllienthal (1815 - 1882). Z u m hundertsten Geburtstag seiner Geburt. Von Gotthard Deutsch. (Fortsetzung.) 3n New Bork gab es damals, soweit ich eruieren -konnte, sechs Synagogen, zunächst die alte portugiesische Gemeinde, von den im Zähre 1654 gelandeten ersten Einwanderern gegründet,^ die schon 1729 ihre eigene Synagoge besäßen'. Dazu Rabbiner Dr. Leimdörfer, Hamburg. Zur Feier seines Hojährigeu Amtsjubiläums.