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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-10-29 · Heft 44 (29.10.1915) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 44 (29.10.1915)
Date
1915-10-29
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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als sie in den Stunden von 6)4 bis 934 Uhr allmählich erscheinen. Mit Appetit wird erst das warme, zusammengekochbe, wohlschmeckende Essen eingenolnmen, zu dem auch eine Tasse Tee undeine Schnitte Brot gehört, alles zusammen für 15 Pfennig. Sodann, widmen sich die Männer und Frauen, unter denen viele treue Stammgäste seit Eröffnung des Abendheims sind, eifrigst der Lektüre. Für Zeitungen, Bücher und Zeitschriften ist genügend gesorgt. Auch unterhaltende-Spiele, wie Schachspiel, Dame und andere mehr,' sind vorhanden. Je schwieriger sich die Kohlen- und Petroleumfrage für die unbemittelten Kreise gestalte^ desto mehr ist für den kommenden Winter mit ei leer steigenden Inanspruchnahme der Abendheime zu rechnen. In dem genannten Abendheim ist bereits der Wunsch zum Ausdruck gebracht worden, eine Abteilung in St. Pauli zu eröffnen. Es kommen in der Tat jetzt auch von dort und anderen entlegenen Gegenden Leute — darunter übrigens auch alte von 80 und mehr Jahren —, denen der Weg in der rauhell Winterzeit schwer werden dürfte. Die Damen, die dieses Liebeswerk ins Leben gerufen haben und nicht müde werden, es mit aller Hingebung und Sorgfalt fortzusühren, werden gewiß geril bereit feilt, hier und da ein Zweigheim zu schaffen, wenn sie die erforderliche Unterstützung durch Spenden und durch Hilfskräfte sinden würden. <U7> Köln, 22. Oktober. Der hiesige Verein für j ü d i s ch e Geschichte und Literatur versendet soeben an seine Mitglieder nachstehendes Rundschreiben: „Der Unterzeichnete Vorstand macht Ihnen die ergebene Mitteilung, daß unser Verein die .im vergangenen Winter unterbrochene Tätigkeit in diesem Jahre wieder ausnehmen wird und dabei auf die freundliche und tätige Mitarbeit seiner Mitglieder sicher rechnet. Wir werden die Reihe unserer'Vorträge am Montag, den November, eröffnen, und zwar mit einem Vortrage des Herrn Tr. Simchowitz über „Biblische Helden- -und Kriegslieder". Gegen 'ohtö'C des Monats wird Herr Justizrat Dr. Bodenheimer über .Die Lage und Zukunftshofsnung.der Ostjuden" berichten und dabei die Eindrücke seiner in die östlichen Kampfgebiete unternommenen Reisen uns mitteilen. Auch die weiteren Vorträge sollen vom Geist und den Ereignissen der großen Zeit getragen sein, die mitzuerleben wir vom Schicksal berufen sind. Wir geben uns der festen Hoffnung hin, daß alle Mitglieder unseres Vereins durch regen Besuch der Vortragsabende es uns ermöglichen werden, dem Verein für jüdische Geschichte ■unb Literatur auch weiterhin die Stellung zu erhalten, die er sich im Gemeindeleben Kölns in mehr als zwei Jahrzehnten erworben hat." M. B. Kreuznach, 22. Oktober. Am Sonntag, den 17. d. M., fand, begünstigt durch herrliches Wetter, nirf dem hiesigen Truppenübungsplatz die Vereidigung der neu eingezogenen Landsturmlente, unter denen sich auch 30 jüdische befanden, statt. Dem feierlichen Akt, der von dem Hauptmann Herrn v. Bülow vorgenoinmen wurde, gingell Ansprachen voran, dio die in Amtstracht erschienenen Geistlichen, die Herren evangelischer Pfarrer Lind, katholischer Pfarrer Morgen unb Rabbiner Dr. Taw rog i, über die Bedeutsamkeit des Soldateneides an die Rekruten richteten. Vor und nach der Feierlichkeit, die ans die Soldaten und die versammelten Bürger einen tiefen Eindruck machte, intonierte die Kapelle des hiesigen Landstnrmbataillons. — Laudshut, 22. Oktober. Der vom Felde ins Lazarett Waisenhaus) in Landshuk (Niederbahern) gebrachte Unteroffizier Bernhard Sichel, Volksschullehrer, Sohn des Herrn S. Sichel in Mergentheim, ist am 12. Oktober im Alter von 25 Jahren daselbst verstorben. Der Chefarzt wollte trotz Einspruchs des Vaters die Sektion vornehmen. Dies wurde dem Distrikts-Rabbinat Regenslnrrg telephonisch mitgeteilt. Auf Anrufen des Chefarztes bestand dieser auf der Sektion. Auf ein telegraphisches Gesuch des Distrikts- Ra bbinaks an das Kriegsministerinul in München kam die telegraphische Antwort, daß der Chefarzt auf die Sektion verzichte. Die Leiche wurde am 13. Oktober, nachmittags 5 Uhr, mit militärischen Ehren zum Bahnhof übergeführt. Sämtliche jüdische Herren in Landshut gaben auf Veranlassung des Herrn Adolf Schönm a n n, Vorstand der israelitischen Religionsvereinigung, dem Da Hingeschiedenen das Geleite. Die Beerdigung fand unter zahlreicher Beteiligung in Mergentheim statt. — Litdwigshaferr, 22. Oktober. Gelegentlich eines Besuches der Königin von Bayern im Neservelnzarett Goethe-Schule ist dem schwerverwun'deten Kriegsfreiwilligen Leo Mendel aus Hamburg die hohe Ehre zuteil geworden, von Ihrer Majestät in leutseligster Weise mit einer Ansprache ausgezeichnet zu werden. Die Königin sowie ihre Tochter Prinzessin Hildegard richteten aufmunternde Worte an den tapferen Helden, der sich sowohl das Eiserne Kreuz als auch das Mecklenburgische Derdienftlreuz aus dem Felde der Ehre erworben hat. Zum Andenkeu erhrelt er das Bildnis des Kaisers, des Königs Ludwig und der Königin nebst einem Liederbuch un-d Zigarren. Mit den herzlichsten Genesungswünschen verabschiedeten sich die Majestäten, in deren Gefolge auch der Regierungspräsident von Speyer und der Oberbürgermeister von Ludwigs,Hafen waren, die alle an den jungen Helden liebenswürdige Worte richteten. Bad Nauheim, 22. Oktober. Die israelitis che Kind c rh eil statte blickt mit Schluß der diesjährigen Knrzeit aus eine 25jährige segensreiche Tätigkeit zurück. Die Anstalt wurde im Jahre 1891 von einigen Frankfurter Wohltätern gegründet, von denen der bekannte Menschenfreund Herr Michael M o s e s - Mainz heute noch an der Spitze der Verwaltung steht. In den letzten Jahren wurde er wegen Arbeitsüberhäufung (er hat in Soden, Baden-Baden, Nordrach usw. ähnliche Anstalten gegründet) von Herrn Josef Bender - Frankfurt a. M. wirksam unterstützt. Im Jahre 1898 erhielt die Anstalt, die er mit einer ganz kleinen Bettenzahl begonnen hatte, durch bk hochherzige Stiftung der Frau Baronin Mathilde v. R othschild ein eigenes schönes, praktisch eingerichtetes Heim in der Frankfurter Straße, das in den letzten Jahren während der Kürzest nahezu 300 Kinder verpflegte. Für die Kriegsdauer hat die Anstalt ihre Räume einschließlich des Jsolierhauses in selbstloser Weise dem Neservelnzarett überlassen. Um ihrer übernommenen Pflicht, armen, kranken Kindern zu Helsen beziehungsweise ihnen eine Badekur zu ermöglichen, Nachkommen zu können, hat die Anstalt diesmal einen Teil des Frauenheims zur Unterbringung der Kinder benutzt, und es konnten daher in diesem Jahre die Kinder nur in beschränkter Anzahl ausgenommen werden. Es wurden 97 Kinder verpflegt, meistens Herzkranke, skrofulöse und blutarme, die sich gut erholten und kräftigten. Die ärztliche Behandlung war auch diesmal in den bewährten Händen Tr. v. Hirsch, der schon 22 Jahre als ärztlicher Leiter der Anstalt vorsteht. L. Frankfurt a. M., 24. Oktober. Hier verschied nach längerem Leiden Herr Liepman Philip Prins ans Amsterdam, der seit länger als 30 Jahren am hiesigen Platze seinen Wohnsitz auf-geschlagen hatte und der, ein bekannter jüdischer Wissenschaftler, als Privatmann eine der größten jüdischen Büchereien besaß. Auch hatte er schriftlichen Verkehr mit den bedeutendsten jüdischen Gelehrten seiner Zeit, so mit Professor Bacher-Budapest, David Kaufmann und den großen Russen. Im Jahre 1900 edierte er „Taschlum Abudraham", die Aboda des Jose ben Jose, und andere Piutim mit Kommentar des Abndraham. Für die Wilnaer Talmudausgabe vermittelte er den Ankauf eines Talmudexemplars mit handschriftlichen Randglossen des Rabbi Jakob Emden. Das Exemplar befand sich im Besitze einer alten Amsterdamer Druckerei. Unvollendet befindet sich in seinem Nachlasse eine Erklärung zu dem berühmten Kommentar des Nambau auf den Pentateuch. Wissenschaftliche Aufsätze von ihm findet man in holläudischen, deutschen und hebräischen Zeitschriften in großer Allzahl. Auch setzte er einige der fragmentarisch hinterlassenen Werke des verstorbenen Rabbiners Dr. Lehm a n n - Mainz erfolgreich fort. Vor seinem Wegzüge aus Amsterdam bekleidete Prins'dort viele Ehrenämter in Gemeinde und Staat. Vor der Ueberführung der Leiche nach Amsterdam sprach der Rabbiner der hiesigen Gemeinde, Herr Dr. Nobel, einige ergreifende Worte und verlieh dem Dahingeschiedenen den Morenutitel (Rabbinerdiploin), eine in jüdischen Kreisen übliche Ehre für verstorbene, fromme, gelehrte unb wohltätige Männer. Obeedorf-Bopfingen, 22. Oktober. Vor den Feiertagen ging bei dem hiesigen. Rabbinate von Stuttgart aus das dringende Gesuch ein, für etwa hundert in der Festung Namur befindliche jüdische Soldaten Machsorim und Talessim zur Abhaltung des Ieldgottesdienstes umgehend zu beschaffen. Der Wohltütigkeitssinn der hiesigen Gemeindemitglieder hatte anch in kurzer Zeit aus eigenem Vorrat und dem der Nachbargemeinden unter der Beihilfe rühriger Knabenhände eine große Zahl der gewünschten Ritualien aufgebracht. Biele Spender hatten es sich dabei nicht nehmen lassen, den Kriegern durch eigenhändige Einzeichnung ihren innigen Wunsch für das kommende Jahr anszudrücken. Jetzt ist nun von dem Vorstand der „Jüdischen Militärgemeinde der Provinz Namur", Herrn Rothschild, einem Stuttgarter, der herzliche Dank für diese Liebessendung dem Oberdörfer Rabbinate zugegangen.

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