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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-10-29 · Heft 44 (29.10.1915) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 44 (29.10.1915)
Date
1915-10-29
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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trefflicher Rat und sein urnfassendes Wissen gewannen ihm die Herzen aller derer, welche die gemeinsame Arbeit mit ihm'zusammenführte. Mit liebevoller Hingebung und tmermüdlicher Schaffenskraft widmete er sich den Aufgaben der Bauverwaltung unserer Gemeinde, deren Organisation durch ihn auf eine neue Grundlage gestellt wurde. Ganz besondere Verdienste aber hat sich der Heimgegangene ttnt die Ausgestaltung der Synagogenbauten der Gemeinde erworben; unter seiner tatkräftigen Mitwirkung wurde das Gotteshaus in der Fasauenstraße erbaut. Auch an den Arbeiten für die Errichtung des neueu Krankenhauses hat er lebhaften Anteil genommen. Seit 1908 gehörte der Entschlafene auch dem A u s s ch tt s; d e s D e u t s ch - I s r a e l i t i s ch e n G e m e i n d e b u n des an, an dessen Arbeiten er sich mit Eifer und Verständnis beteiligte, wie er auch für die Bestrebungen anderer Organisationen, die die Hebung des Judentums bezwecken, stets reges Interesse bekundete. Das Andenken dieses hochgeschätzten Mannes wird bei allen, die ihn kannten und niit ihm zusammenwirkten, in Ehren fortleben. Die Beisetzung findet am Freitag, den 20. d. Dt., 1 Uhr mittags, aus dem Friedhof in Wcißcnsec statt. Berlin, 26. Oktober. , Das Mitglied des Kuratoriums der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums, Herr Geheimer Regierlrnasrat Prozessor Dr. H er m a n n E o h e u , wird während des Wuuter Semesters vom 2. November an jeden T i e n s t n g a b e u d Vorlesungen über „Die Grundbegriffe der jüdischen Religion" von 8 0 Uhr, mit anschließenden Uelmugeu von 9—10 Nhr, Hallen. Außerdem toird -Herr Geheimrnt Eohen nach Vereinbarung der Stunden in derselben Weise seine llebnngen über ,.Maimonides More, Teil I" und über die „Fdeenlehre in Platons Dialogen" beginnen. Ferner hat -Herr Dr. I. Freund eine Vorlesung über „Die Emanzipation der Juden in Deutschland" augetündigt, die er vom 3. November an/ jede n M i t t no ch a b e n d von 8—9 Uhr, halten wird. Tie Vorlesungen sind öffentlich und unentgeltlich. Meldungen wegen der Zulassung können int Sekretariat. Artilleriestraße 14, vormittags von 11—1 Uhr erfolgen. ### Berlin, 20. Oktober. Das nunmehr ttnter deutscher Berwaltung stehende W i l n a erinnert an eine auzseheuerregende kulturhistoriiche Begebenheit aus dem 17. I a h r h u n d e r t, über welche polnische Geschichtsschreiber folgendes berichten: Ein Angehöriger des gräflichen Hauses Potocki, geboren zu Wilna, beschäftigte sich schonin seiner frühesten. Jugend mit theologischen Studien. Er prüfte die Dogmen aller bekannten Religionen ttnd unternahm Reisen in verschiedene Länder Europas, um sich mit gelehrten Männern über religiöse Fragen zu unterhalten. Nach längerem Aufenthalt in Paris, wo er mehrere Disputationen mit den Professoren der Sorbonne abhielt, ging er nach Italien, wo er sich längere Zeit anfhielt, viel mit gelehrten Juden verkehrte und den Entschluß fasste, in den Bund der israelitischen Religion einzutreten. Allein die Rabbiner, die den Zorn des Papstes fürchteten, gingen auf seinen Wunsch nicht ein und rieten ihm, in seinem eigenen Interesse Italien schleunigst .zu verlaßen. , Er ging hieraus nach Holland, wurde in Amsterdam Jude, erhielt den Namen Abraham und widmete sich fortan mit großem Eifer dem Studium des jüdischen Schrifttums. Na-ch einigen Fahren verlies; Abraham Potocki Amsterdam und unternahm, als polnischer Jude verkleidet, eine Reise in die alte Heimat. In feiner Geburtsstadt Wilna angelaugt, wurde er aber erkannt und ans Veranlagung seiner eintlnßreichen Verwandten in den Kerker geworfen. Er protestierte gegen die ihm angetane Schmach, leugnete auch, ein Graf Potocki zu sein, aber nachdem er schrecklichen Martern unterzogen worden war, gestand er alles Vorgefallene ein und wurde auf Betreiben der eigenen Familie zum Feuertode verurteilt. — L e l e w c l in feiner Biographie des Grafen Potocki lWilna 1805) teilt die Worte irit, die der Verurteilte angesichts des Todes an die Beiwyhner des grausiger! Schauspiels gerichtet hat: „Glaubet nicht, daß es eine Gerechtigkeit sei, die ihr ansübt. Die Wahrheit ist bei Gott -- ich sterbe für meine lleberzengung." Und mit dem'Rufe: „Höret ihr alte, der ewige Gott ist der Einig-Einzige", stürzte er sich in die Flammen. Die Juden Wilnas setzten später seine Arche auf ihrem Gottesacker bei, uud noch heute lebt die Erinnerung an den Ger zedeck Abraham Potocki unter den Juden Wi'lnaß fort. W. Posen, 22. Oktober. Ein weit über Posen hinaus bekannter, hochgeschätzter Mitbürger, der Geheimrat Dr. Hermann Hirschborg, feierte in diesen Tagen bei voller geistiger und körperliche Frische seinen a.ch tz i g st e n Geburtstag. Geheimrat Dr. Hirschb-erc der Sohn -eines Jemenser Kaufmanns, trat 1854 nach dom Staats eramen als Militärarzt in das Posener Sanitätskorps ein, wurd 1860. Assistenzarzt/ 1866' Stabs- und. Batai4lo.nsa.rzt, und.187 i mach aktiver Teilnahme an den Kriegen 1864, 18.66 im fr 18J0/.7J stellvertretender Oberstabsarzt. Im Kriege mit Frankreich erwar «r sich das Eiserne Kreuz; vier Jahre zuvor, 1866, war er ium den Noten Adlerorden mit Schwertern geehrt worden. Nachdem c aus dein Militärdienst geschieden war, ließ sich Dr. Hirschberg al Arzt in Posen nieder, wurde 1876 Kreiswundarzt des Stadt-'un Landkreises Posen, 1888 Kreissyndikus des Kreises Posen-Ost. ' 19< schied er als Geheimer Medizinalrat.aus diesem Autte. Vou da a übte Geheimrok Hirschberg -eine weitreichende Zivitpraris ans, die i hellte lioch versieht. Seine ärztlichen Erfahrungen hat er in Medizin scheu Zeitschriften an zahlreichen Fällen seiner Praxis weiteren Kreist zugänglich gemacht;, seilte Veutühnngen ltm den Aerztestar.d sührstu ih in den Vorstand des Vereins Posener Aerzke; er ist zurzeit zweite Vorsitzender des Vereins der Aerzke des Regierungsbezirks Post: Geheimrat -Hirschberg bietet henke noch -ein Bild unermüdlich Schaffensfreude. Besonders erfreuen - sich die Wohlsahrtseinrichtnucz der eifrigsten Förderung durch ihn. Doch nicht minder groß ist. sei: Anteilnahme auf allen geistigen Gebieten, die deit alten, überaus rüstige Herrn' noch in alle hier veranstalteten bedeutenden Borträge führ Die Anteilnahme an den städtischen Angelegenheiten Posens trug ih; 1886 die Wahl zunt Stadtverordneten ein, eilt Amt, das er sechs Iaht -lang.mit der ihm eigenen Pflichttreue versah. Der Staudesverein dl Aerzte hatte eine besondere Ehrung seines wohl ältesten Mitglied-, vorgesehen. Zahlreiche Glückwünsche privater Personen und Körperschaften waren Herrn Geheimrat Hirschberg ein Beweis, daß sei: Lebensarbeit von Segen war. — Bresttau, 22. Oktober. „DieIuden in Polen lind ih Leiden", bildeirm das Thema, über das als Augenzeuge Feldrabbin Dr. S. L e v i am 18. d. M. im Verein für jüdische G i s ch i ch t e und .L i t e r a t n x einen Vortrag hielt. Der Saal d . Lesfing-Loge war überfüllt. Die Zuhörer harrten trotzdem in dran voll fürchterlicher Enge bis zum Schluß aus und lauschten gespam: den Worten des Redners, der ihnen Land und Leute in dem Gebie. schilderte,. das wir gewöhnt sind, Russisch-Polen zu nennen, uv' ihnen vor Augen führte, welch guter Kern in den seit Iah hunderten so schwer mißhandelten polnischen Juden lebt und ' vergehen droht, wenn ihnen jetzt nicht Hilfe wird. Daß sie nicht organisieren sind, ist ein unberechtigtes Vorurteil; die russische -)i gierung hat ihre Zerrissenheit gewollt, hat die Bildung zusamme hängender Gemeinden gehindert. Ueberall, wo die Deutschen hi gekommen sind, haben sich die Juden bereit gezeigt, deren Ma nahmen Zltr Besserung der Verhältnisse zu fördern. Bewundernwerk ist ihr Bildungsdrang. Schule ttnd Synagoge bilden d. Grundlagen ihres Gemeinwesens, und wenn sie auch zum größt! : Teil von den staatlichen Schulen ausgeschlossen waren, so. gibt : doch unter ihnen kein Kind, das nicht vom sechsten Jahre ab linke richt empfängt, und zwar nicht nur in religiösen Gegenstände . sondern auch in Lesen, Schreiben und Rechnen. Sehr ausgebitk: ist, neben einem starken Familiensinn, ihr Sinn für Wvhltätigte °. Krankenhäuser und Altersheime in vorzüglicher Ausstattung a : es allenthalben. Die Friedhöfe sind wohlgepslegt. Tie Unterstütze : der Armen gilt als Pflicht. Große intellektuelle Kräfte sind m Händen, wenn sie jetzt auch durch das Talmudstudium vielfach dc wirtschaftlichen Leben verlorengehen. Nun hat die Schicksalsstm - dieses Volkes geschlagen. Die polnischen Juden stehen am Wen Punkt ihrer Geschichte. Tatkräftige Hilfe muß ihnen zuteil ' werfr wenn sie ttnd mit ihnen ein großer Menschheitswert, unschätzln e Güter an Wissen, erhalten bleiben sollen. Zu solcher Hilfe sorde: : der Redner, der noch, durch eine Anzahl von wohlgelungenen Lid: bildern seine Ausführungen erläuterte, die tief ergriffenen Hö ' ans. Reicher Beifall wurde ihm gezollt, reicher noch wird sich der Redr gelohnt sühlett, wenn seinen Worten die Tat folgt und Million ■ tut schuldiger Menschen die heiß ersehnte Rettung bringt. — Hamburg, 22. Oktober. Zu den besuchtesten Abendheimen; > hört das i s r a e l i t i s ch e i n d e r H a r t n n g st r a ß e 9/11. Es lS z den. Vorzug, in hübschen, nett ausgestatteben Nättmen untergebracht ä sein, wo'die etwa 60 Gäste täglich bequem Platz, haben, um somel-

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