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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-08-27 · Heft 35 (27.8.1915) · p. Seite 416

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 35 (27.8.1915)
Date
1915-08-27
Page
Seite 416 (sequence 8)
Language
German
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416 tätige Einzelpersonen durch eine entsprechende Spende als Paten für eine Gemeinde angenommen. Der Name der Patengemeinden und der selbständigen Patenpersonen soll auf einer Gedenktafel in der Synagoge ihrer Kriegsfilialgemeinde verewigt werden. — Alle sonstigen gütigen Beihilfen von Gemeinden und Privaten zur religiösen Hilfe für unsere ostpreußischen Gemeinden werden in einem „Allgemeinen K r i e g s h i l f s f o n d s für jüdische Gemein dehilse in Ostpreußen" gesammelt und vom Verbände für den Zweck ausgegeben werden. Für die „Hilfsgemeinden" und Spender wird beim Verbände ein besonderes „Gedenkbuch der Kriegs- Helfer 1915" geführt werden. Auch die Patenschaften werden die Biithilfe des Synagvgenverbandes noch weiter nötig machen. Wo mehrere Gemeinden bei 'einer Kriegsfiliale beteiligt sind, ist es schon wegen der geordneten Verbindung ihrer Tätigkeit notwendig. Aber auch sonst wird die Leitung des ganzen Hilss Werkes durch den Synagogenverband im Interesse einer zweckmäßigen Durchführung der geplanten Maßnahmen und für eine genaue Kontrolle über die Verwendung der bewilligten Gelder ausrechterhalten werden müssen. Es wird sich darum empfehlen, daß auch die Patengemeinden ihre H i l f s g e l d e r an den Synagogenverband senden, von dem sie in Bedarssraten an die bestimmten Kriegsfilialen auszuzahlen sind. Die Patengemeinden erhalten dann Abrechnung vom Synagogenverband und regelmäßigen Bericht über die Entwickelung ihrer Kriegsfilialen. Das große Werk des religiösen Wiederaufbaues der zerstörten jüdischen Gemeinden kann nur gelingen, wenn alle leistungsfähigen jüdischen Gemeinden unseres Reiches, wenn alle deutschen Juden dabei mithelfen, dankbar eingedenk des Glückes und der Gnade, die ihnen zuteil geworden ist, daß des Krieges Verheerungen, Raub, Mord und Brandschatzung, wie Ostpreußen sie erdulden mußte, s i e nicht betroffen, daß ihre religiösen Güter unversehrt geblieben und daß ihre Herzen sich in ihren Gotteshäusern froh zum liebenden Allvater im Himmel erheben können, mit Dank und Preis für die Hilfe, die er unserem deutschen Vaterlande hat zuteil werden lassen. Ein Liebesvpfer wird von allen glücklichen Glaubensgenossen hier gefordert, ein Beitrag zur Ausrichtung eines religiösen Kr iegsdenkmales in OstPreußen. Ein vaterländisches Werk soll damit geschaffen werden. Möge unser Aufruf dazu in allen jüdischen Gemeinden offene Herzen finden! Mar S?sboirli s.p. Von Rabbiner Dr. B e r t h o l d E d e l st e i n, Budapest-Ofen. n Max Szabolcsi (lies: Ssaboltschi) ist ein Mann dahin- \ gegangen, der sich um das ungarische Judentum ganz ' besondere Verdienste erworben hat. Geboren im Jahre 1857 in Tura (Komitat Szabvlcs), einer nngarischen Gegend nahe zur galizischen Grenze, wo der Unterricht im Hebräischen, in Bibel und Talmud noch im Jargon stattfand und das Ungarische bei den Frommen vollständig verpönt war, wurde er ein Vorkämpfer für die Rechte der ungarischen Sprache in Schule und Gotteshaus — auch der Strenggesinnten —, ein feuriger Verkünder des ungarischen Nationalitätsgedankens unter den Juden, ein Magyare israelitischen Bekenntnisses. Die Blutbeschuldigung von Tisza Eszlar im Jahre 1882 ließ den bis dahin kaum beachteten Jüngling aus dem Dunkel der Verborgenheit hervortreten. Von Natur mit scharfer Beobachtungsgabe ausgezeichnet, stellte der um seine unschuldig verdächtigten Glaubensbrüder besorgte junge Berichterstatter Nachforschungen auf eigene Faust an und wurde bald gewahr, daß es mit den Zeugenaussagen nicht ganz geheuer sei und manch verdächtiges Zeichen aus ein Präparieren der Zeugen im Sinne der Anklage Hinweise. Er teilte seine Beobachtungen der Verteidigung mit und führte sie auf manche dankenswerte Spur. Doch damit nicht zufrieden, verstand er es auch, durch Aneisern und Aufrütteln seiner vornehmeren Glaubensgenossen eine regere Abwehrtätigkeit ins Leben zu setzen. Nachdem diese falsche Beschuldigung selbst von seiten der Anklage fallen gelassen war und der Prozeß mit Freispruch endigte, erkannte Szabolcsi seinen Lebensberus darin, sich in den Dienst des Judentums zu stellen und, mit Hilfe einer wuchtigen Feder, dem ungarischen Israel ein Verteidiger gegen Angriffe, ein Kämpfer für sein Recht, für religiöse Gleichstellung zu werden. Er erwarb eine damals junge, auf schwachen Füßen stehende, konfessionelle Wochenschrift: „Eghenlöseg" (lieg: Edjenlöscheg), erfüllte sie mit seinem Geiste, mit seiner schwärmerischen Liebe zum Judentum, sammelte eine ansehnliche Schar von talentvollen, gebildeten Jünglingen um sich, von denen heilte mancher eine bedeutende Rolle im gesellschaftlichen und politischen Leben Ungarns spielt, und begann seine Lebensarbeit: feindliche Angriffe abzuwehren, dem Judentum Ehre und Ansehen zu erkämpfen, der jüdischen Religion Anerkennung sowohl vor den Nichtjuden als auch in den Augen der eigenen Glaubensbrüder zu verschaffen. Fast zehn Jahre lang führte er den Kampf um die gesetzliche Gleichstellung unserer Religion mit den übrigen anerkannten Glaubensbekenntnissen, bis uns die Rezeption im Jahre 1896 gesetzlich verbürgt wurde. Doch lag ihm auch die innere Erstarkung der ungarischen Judenheit am Herzen. Besonders in seinen letzten Lebensjahren galt sein Bestreben dem Erringen des Selbstbestimmungsrechtes der israelitischen Glaubensgemeinschaft: Orthodoxie und Neologie sollten sich im Rahmen einer Autonomie zusammenfinden, damit-sie — unbeschadet ihrer religiösen Ueberzeugung — dem Staate gegenüber als ein Ganzes erscheinen und ihre religiösen und Gemeindeangelegenheiten selber regeln und verwalten können. Leider verhinderte der Ausbruch des Krieges die Verfolgung dieser Angelegenheit. Aber nicht bloß diese an und für sich bedeutungsvolle Arbeit bildet den ganzen Inhalt seines Lebens. Er konnte auch tatkräftig eingreifen, wo es sich um das Wohl und Wehe seiner Glaubensgenossen handelte. Er begnügte sich nicht mit der Macht, die ihm seine Feder verlieh, sondern griff mit wohltätiger Hand und mit zu Wohltaten anspornender Begeisterung selber zu. Was er während der berüchtigten Judenverfolgungen in Rußland an den hier durchziehenden Flüchtlingen leistete, wie er selber Tag und Nacht für die Milderung ihres Elends sorgte, bas allein schon verschaffte ihm eine Fülle von Segnungen und sichert ihm ein dankbares Andenken. Unvergänglich sind seine Verdienste um die Förderung der geistigen Bestrebungen des ungarischen Judentums. Er begeisterte sich für alles Schöne und Gute und suchte auch sein: Glaubensgenossen dafür zu begeistern. Wo es galt für bei; kulturellen Fortschritt der ungarischen Judenheit zu arbeiten für jüdisches Wissen und jüdische Literatur einzutreten, konnte man auf Szabolcsi und sein Blatt rechnen. Ja, keine größere jüdische Vereinigung für kulturelle oder literarische Aufgaben kam ohne die Anregung oder Förderung seines weitverbreiteten und vielgelesenen, ausgezeichnet redigierten „Egyenlösag" zustande. Er selber gab, außer mehreren kleineren Schriften, eine Umarbeitung des großen Geschichtswerkes von Graetz in ungarischer Sprache heraus, die in mehr als 10 000 Exemplaren im Lande Verbreitung fand.

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