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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-04-23 · Heft 17 (23.4.1915) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 17 (23.4.1915)
Date
1915-04-23
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 reit den Sonnabenden mit ollem Nötigen versorgt werden müssen. Daß es nach seiner Ansicht überhaupt nicht nötig fei, so streng am „Sabbat" festzuhalten, wollte der Kommandant dem Bittsteller aus Grund einer Bibelstelle Nachweisen können, wonach Josua die Stadt Jerichow an einem Sonnabend besetzt habe. — Der Firma Rudolf Petersdorff, Hierselbst, ist folgendes Dankschreiben des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg zugegangen: Herrn Rudolf Petersdorff, Posen. Me mir gemeldet worden ist, haben Sie die aus der „Hindenburg- Spende deutscher Stadte" für die Ostarmee bereitgestellten Pelze im Aufträge der Städte anfertigen lassen und dabei Ihren Geschäftsbetrieb sowie Ihre eigene Arbeitskraft unermüdlich und uneigennützig in den Dienst der guten Sache gestellt. Sie haben damit den erstrebten Zweck, den kämpfenden Truppen «eine Erleichterung in den Beschwernissen des W i n te r fe ldzuges zu schaffen, wesentlich fördern helfen, wofür ich Ihnen meinen und der mir anvertrauten Truppen Dank auszusprechen nicht unterlassen möchte, gez. v. Hmdenburg, Generalfeldmarschall. — Herr Rentier Gustav Goldschmidt, der sich gegenloärtig bei seinen Kindern in Eberswalde aufhält, feierte in diesen Tagen in körperlicher und geistiger Frische feinen achtzigsten Geburtstag. Herr Goldschmidt hat von Jugend an dem Kranken- und Beerdigungswesen in unserer Gemeinde unschätzbare Dienste geleistet und steht hier in Ehren und Achtung bei jedermann. W. Schroda, 16. April. Hier verschied infolge eines Schlaganfalls nach kurzem schweren Leiden der Kaufmann Isidor Baruch im Alter von 56 Jahren. Der Verstorbene hat eine lange Reihe von Jahren dein Repräsentantenkollegium angehört und war die letzten Jahre Vorsitzender des Vorstandes. Mit großem Eifer und klarem Blick hat der Heimgegangene sich den Interessen der Gemeinde gewidmet und sich insbesondere durch jederzeit bereite Wohltätigkeit ausgezeichnet. Das Andenken an den zu früh Dahingegangenen, den vorbildliches Wesen, praktischer Sinn und rege Tätigkeit auszeichneten, nürd in der Gemeinde, in welcher er eine große Lücke hinterlassen, unvergessen fortleben. Der Verstorbene gehörte auch über 16 Jahre der Stadtverordnetenversammlung an. Als Mitglied dieser Körperschaft und verschiedener Deputationen hat er seine große Lebenserfahrung und seine praktischen Kenntnisse gern in den Dienst der Stadt und der Allgemeinheit gestellt und an der Entwicklung des Gemeinwesens regen Anteil genommen. Wo es galt, praktische, gemeinnützige und wohltätige Zwecke und Vereine zu unterstützen und zu fördern, da war er uir Stelle und gab gern und reichlich und hat sich seit Kriegsbeginn besonders der Erfrischungsstation auf dem Bahnhofe angenommen. M. Hamburg, 16. April. Der Verein zur U n t e r st ü tz u n g kurbedürftiger Israeliten (Theresien-Stiftung) hielt seine (Generalversammlung unter Vorsitz des Herrn Dr. F. Marburg ab. Der Vorsitzende bob bei Erstattung des Jahresberichts hervor, daß der Verein im verflossenen Jahre 80 kurbedürftigen Israeliten Aufenthalt in einem Badeort oder Luftkurort gewähren konnte. In den meisten Fällen wurde eine wesentliche Besserung des Gesunddeitszustandes, oft auch eine gänzliche Heilung erzielt. Die größte Zahl der Patienten entfiel auf die Plätze Segeberg, Soden, Nauheim und Oeynhausen. Auch im verflossenen Jab re mußte wegen ungenügender Mittel eine größere Anzahl von Gesuchen unberücksichtigt bleiben. Aus der Abrechnung ergab sich, daß der Verein an jährlichen Beiträgen 2758 M. und an einmaligen Beiträgen 4105 Mark vereinnahmte. Außerdem erhielt er von dem Vorstand der Dentsch- J'sraelitischen Gemeinde eine einmalige Zuwendung in der Höhe von 1000 Mark. Diesen Einnahmen stehen sehr bedeutende Ausgaben gegenüber. Mein für Unterstützungszwecke wurden 8677 Mark verausgabt: hierzu kommen die Unkosten für Anzeigen, Porto usw. in der Höhe von 442 Mark sowie für Botensalär 165 Mark. Die mit einem Fehlbetrag von 163,93 Mark abschließende Abrechnung wurde als richtig anerkannt und genehmigt. Der Vorsitzende widmete dann noch dem wegen Fortzugs von Hamburg aus dem Vorstand ausscheidenden Herrn Erwin Magnus ehrenvolle Worte der Anerkennung für seine langjährige Tätigkeit im Vorstande der Theresien-Stiftung und damit im Interesse der leidenden Menschheit. Die Wahl für das ausscheidende Vorstandsmitglied wird nach einem vom Vorstand einzureichenden Wahlaufsatz vom Repräsentantenkollegium der Deutsch- Israelitischen Gemeinde vollzogen. N. Viersen, 16. April. (Beitrag zu dem KapA» über die Tapferkeit jüdischer Soldaten.) „Geehrte FJ Lion! Hierdurch teile ich Ihnen ergebenst mit, daß in| Gatte am 30. vorigen Monats von einem Granatsplitter m| Bein verwundet ist. Diese Nachricht wird er Ihnen wohl fr.-i-ij selbst gegeben haben. Er wurde zuerst dem. Kriegslazarett in £. oJ überwiesen, und hörte ich heute, daß er in ein deutsches Krü lazarett in die Heimat abtransportiert worden wäre. In we;.jie| Stadt, vermag ich nicht anzugeben. Sie werden es aber wohl b! J erfahren, und bitte ich, dann mir möglichst umgehend Nachricht utJ kommen zu lassen. Bor einigen Tagen kam ein großes Paket iit| Stiefeln und Gamaschen an Ihren Gatten an. Um die Rücksend;u)| der Sachen zu ersparen, habe ich die Stiefel an meinen Kompag. ul offizier, die Gamaschen an einen Wehrmann verkauft. Ich bitte \ I um gefl. umgehende Mitteilung, wie hoch sich die Preise dieser Sarnl stellen, damit ich Ihnen das Geld einsenden kann. Die übri nl Kleinigkeiten und den Inhalt des von Ihnen an Ihren Gatten \ sandten Paketes habe ich, Ihr Einverständnis voraussetzend, an st ul Kameraden verteilt, die bestens danken. Ferner möchte ich Jh. ul noch mitteilen, daß Sie stolz auf Ihren Gatten sein können. 1 war einer meiner tapfersten Leute, welche ich zurzeit als Ersatz I halten habe. Er hat sich stets zum Patrouillengehen gemeldet i I mir dort gute Dienste geleistet. Auch bei dem Sturm am 27. Jam r auf einen feindlichen Schützengraben und bei der Abwehr des feir> lichen nächtlichen Angriffs hat er sich sehr ausgezeichnet. Als me A persönliche Gefechtsordonnanz hat er im heftigsten Kugelregen neu n mir ausgehalten, auch beim Ueberbringen von Meldungen an l Bataillon hat er sich mutig und kühn durch den Kugelregen gewr; j Ich hoffe, daß die für ihn durch mich eingereichte Auszeichnung r I tapferes und mutiges Verhalten vor dem Feinde nicht ansblei!. n! wird. Ihrem Gatten wünsche ich gute Besserung, und es \vi\ix\ mich freuen, bald etwas darüber zu hören. Mit ergebenstem Gr's; Holthosf, Hauptmann und Kompagnieführer." — Es handelt sich u den Wehrmann Josef Lion, 10. Kompagnie, 25. gemischte Landwe u brigade, 7. Armeekorps, 16. Infanterieregiment, Sohn des He: n Hermann Lion, Dülkener Straße, hier. _ S£2 Vlotho, 16. April. Am 11. d. M. trug man hier t u Senior der jüdischen Lehrerschaft Herrn Isidor Gutmann (Va i des Seminardirektors Dr. Gutmann, Berlin) im hohen Alter von ■ > Jahren zu Grabe. Das selten große Trauergesolge, in dem sich für. liehe Ortskollegen, jüdische Kollegen der Nachbarschaft und Herr N. biner Dr. C o b l e n z-Bielefeld befanden, gab Kunde von der wo verdienten Wertschätzung, deren sich der Heimgegangene in seiner o meinde und weit über deren Kreis hinaus erfreute. Der Vorstei r der Repräsentanten, Herr Samson Hehnemanu, widmete r •- früherer Schüler dem Entschlafenen im Trauerhause tief empsuudu e Worte. Am Grabe würdigten Lehrer Frank-Vlotho den Verblw neu als vorbildliche Lehrerpersönlichkeit und Lehrer M a h e Witten (der Schwiegersohn des Verewigten) als edlen Mensel > und treusorgeudeu Familienvater. Ehre seinem Andenken. §2. Bochum, 16. April. Der 22. Gemeindetag der westfälisel ' Shnagogengemeinden, der am 5. Juli v. I. in Hamm stattfand, fa : einstimmig folgenden Beschluß: „Da in zwei Jahren der Gemein verband 25 Jahre besteht, soll der nächste Gemeindetag in zwei Iah - i: in Bielefeld besonders festlich begangen werden. Die Amtszeit der m Jahre 1915 satzungsgemäß ausscheidenden Mitglieder des Ausschui : ist bis zum Jahre 1916 zu verlängern." Als dieser Beschluß gei;t wurde, ahnte man noch nicht, daß die Eiuberusung eines Gemein tages im Jahre 1915 schon mit Rücksicht aus den Krieg sich kaum v möglichen lassen würde. Heute herrscht wohl bei allen Verbau gemeinden Übereinstimmung darüber, daß, selbst wenn der obige - schluß nicht vorläge, der diesjährige Gemeindetag nicht stattsiitt n konnte. Das Recht der Verschiebung steht dem Verbände, wie sich o einem Bescheid des Registerrichters in Münster ergibt, auch ohne den m Genehmigung zweifellos zu. Demgemäß wird also der nächste (. meindetag im Jahre 1916 in Bielefeld stattsindeu. Ueber die Entnu , hing des Verbandes im verflossenen Jahre ist das Veste ' berichten. Die Jahresbeiträge sind außerordentlich pünktlich o zahlt worden. Nur eine kleine Gemeinde befindet sich im Rin stände. „So waren wir", heißt es in einer Zuschrift des Verband, „in der Lage, in Uebereinstimnmng mit dem D. I. G. B. auch d zur Fahne einberufenen Lehrern der von uns subventionierten G meinden einen Teil ihres Gehaltes weiterzahleu zu können. Mitglieds

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