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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-03-05 · Heft 10 (5.3.1915) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 10 (5.3.1915)
Date
1915-03-05
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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im Geben, und niemand schützte er so gering, dah er sich nicht verpflichtet fühlte, dem Menschen näherzukommen als - Freund und Berater. Und wie einen Fürsten haben Sie ihn zu Grabe getragen, mit allen Ehren, die Sie vergeben konnten, in jene Gefilde geleitet, aus denen es keine Rückkehr inehr gibt. Für diese Ehrungen danken nur Ihnen, die wir unser Familienoberhaupt verloren haben. Und nur danken v'w)iu'u auch dafür, das; sie mi* den Weg zu seiner letzten Ruhestätte weniger schwer gemacht haben, denn Sie haben diesen Weg bestreut mit dem Lorbeer der Anerkennung und mit den Blumen der Liebe und Treue; und wenn wir für dies alles nicht nur mit Worten, sondern durch die Tat danken wollen, so wollen wir dies im Sinne des Verklärten tun, indem wir arbeiten nach unseren Kräften für das Vaterland, das G-emeindewohl und für unsere Glaubensbrüder. So denken wir Ihnen den Zoll unseres Tankes abtragen zu sollen und das Andenken unseres Entschlafenen am besten zu ehren." E. S. Berlin, 2. Mürz. In den von der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums veranstalteten Montagsvorlesungen sprach am 15. v. -iH. Tr. Alphon s S u s; n i tz t i über „Palästina unb die Halbinsel Sinai als Kriegsgebiet" (mit Lichtbildern). Redner ging zunächst ans die jetzt so brennende belgische Frage ein und wies nach, das; das Deutsche Reich unter äußerem Bruch des Bölkerrechts ans Selbsterhaltnng nicht anders handeln tonnte. Belgien, dessen Rentralität doch mindestens fraglich mar, Hütte Teutschlands billige Bedingungen wie Luxemburg annchmen und sich so unsagbare Leiden ersparen können. Der Grundsatz: fiat justitia pereat mundus ist logisch und sittlich haltlos, denn ein Zustand, bei welchem die Welt zugrunde geht, ist kein gerechter, lieber Belgiens Schicksal ist die ganze Wölk in Aufregung geraten, dieselbe Welt, welche sich über das jahrtausendelang von der Kriegssnrie heimgesnchte Palästina fast kaum aufgeregt hatte, und die auch heute das Iudenelend in Rußland ziemlich kalt läßt. Aber im ^ntertum kannte man fein Völkerrecht, und das Recht des Stärkeren galt. Palästina, durch seine Lage Grenz- und Turchgangstand, lvar über dreitausend Jahre von den Mächtigeren bedrängt und Schauplatz blutigster Kämpfe. Ilm den Zugang zum Meere zu haben, und den Handel zu heben, galt dieses Land schon voll Anfang geschichtlicher Kunde den Aegyptern, Assyrern, Babyloniern, Syriern und zuletzt den Römern als erstrebenswerte Beute, welche sie deshalb lange mir abwechselndem Glück besaßen. Die Annahme, daß erst die Juden den Handel nach Palästina gebracht hätten, wird durch die neueste Geschichtsforschung glänzend widerlegt. Durch die nahe Verbindung des Königs Salomo mit Aegypten war Israel zu hoher politischer Blüte gelangt. Diese hatte aber wegen der beginnenden Schwäche Aegyptens und der inneren Zwistigkeiten in Israel keine lange Dauer. Mi.t welcher auisgesnchten Grausamkeit die -Feinde inr gelobten Lande hausten, schildert recht anschaulich und in ergreifender Weise der 7!). Psalm. Die ferneren kriegerischen Verwicklungen Palästinas bis zu,m gänzlichen Untergang des jüdischen Staatswesens, welche das Land nie recht anfkommen ließen, verstand Redner meisterhast zu schildern. Im Gegensatz zu Palästina ist die Sinai Halbinsel nie Schauplatz ent» scheidender kriegerischer Ereignisse gewesen. Dieses Land, 59 000 Quadratkilometer umfassend, also doppelt so groß wie Belgien, zählt aber nur etwa 10 000 Bewohner (Beduinen) und ist eine-echte Wüstengegend. Hier hätte der erste Zusammenstoß zwischen türkischen mtb englischen Truppen stattfinden müssen, aber die Engländer zogen sich ans den Snezkanal zurück. Die Oasen dieser Wüste sind teilweise von entzückender Pracht und Fruchtbarkeit. Andererseits gibt es aber auf der Halbinsel Sinai Strecken von.mehr als 100 Kilometern, wo kein Tropfen Wasser ist. Aber dein einzig dastehenden organisatorisck)en Genie von Moses gelang es doch, die Israeliten jahrzehntelang hier zu» halten und siegreich die Angriffe der Feinde abzuwehren. Bou dieser Wüstengegend aus sind die Israeliten nicht unmittelbar nach Palästina eingedrungen, sondern, erst auf weitem Bogen. Auch die Engländer hätten durch diese rauhe, steinige, steile, an Schluchten mtb Engpässen so reiche Landschaft unmöglich einen Einfall nach Palästina manchen können. Hier' könnte ein kleines einheinrisches Heer einern überlegenen Gegner den erfolgreichsten Widerstand leisten. Blanche Erleichterung schafft freilich die Technik. Eine türkische Eisen» bahn wird neuerdings gebaut, aber bei der Schwierigkeit des Terrains ist mau seit vier Monaten nicht über die Vorarbeiten hinansgekoimnen. Zum erstenmal bekämpfen sich Türken und Engländer; sollte jenen das! Waffenglück günstig sein, was' im Interesse Deutschlands uub des Anfj schwungs des vorderen Orients liegt, so mürbe der Ausspruch Goethes i (nach der Schlacht von Balmy 1792) zur Wahrheit werden: „Vor; hier und heute geht eine neue Epoche der Weltgeschichte ans." Obwohl kein geborener Deutscher, beherrscht der Redner meisterhaft die Sprache und verstand in anschaulicher, packender, geistreicher Weise die Gegenwart aus dent Ä l ter h Mit zit be leiichte n. Or. 8. E. Berlin, 2. März. Ter rührige Verein z n r P s l e g e h e b r ä i s ch e r G e s ä n g e (Dirigent: Kapellmeister Albert Keller mann) gab am 22. v. M. ein Konzert im Blüthuer-Saal z u m B e st e n d e s R o t e n K r e uzes von B e r - l i n. Eine Uraufführung: „Phantasie über zlvei hebräische Motive für Orgel" von I a m e s 2 i m o n, lvelche Herrn Prof. H e r m a n n Deckert Gelegenheit gab, lvieder seine Meisterschaft in der Beherrschung des „königlichen Instruments" zu zeigen, leitete das Konzert stimmungsvoll ein. Frau F r i e da L a n ge ndorff von der Dresdener Hofoper lvar eine stimmgewaltige Interpretin dreier alter, von S n l z e r bearbeiteter Melodien, lvelche hier zum erstenmal zürn Bvrtrag gelangten („El ei chaj“, „El no1’olom“ und „Al horischonim“). Der Bereinschor sang unter der temperamentvollen Leitung seines Dirigenten einen „ I i g d a l" von L e w a n d o lo s k i, einen sephardischen „Ban adam“ des Bnkarester Kantors M. Evhen-Linarn sowie zlvei größere Kompositionen und zlvei Bearbeitungen sabbatischer Hansgesänge von Albert Ke l lernt nun, bei denen der wohldisziplinierte Chor durch prachtvollen Stimmklang erfreute. Die entsprechenden Soli waren bei Frau Langendorfs (Mezzosopransolo im Kellermmmschen wirkungsvollen „Adonoj s’choronu") und Oberkantor W i l h e l m K l e i n (Tenorsoli im Keil e r m a n nschen interessanten „v'roKoli liaschana" und eigenartigen, hier zuril erstenmal ausgeführten „von adam") gut ausgehoben. Eine Psalmodische Atelodie für Violine, Harfe und Orgel" steuerte Bogumil Zepter bei, den wir an dieser Stelle nicht vermutet hatten; das charakteristische, zum erstenmal aufgeführte Wcrkchen zeigt den „heiteren Komponisten" von einer neuen Seite. An Stelle der Harfenistin, welche erst in letzter Stunde abgesagt hatte, übernahm Herr Paß mit jugendlicher Kühnheit die Harsenpartie, die er ans dem Flügel mit lobenswerter Sicherheit lviedergab. Die Violine spielte hierbei sowie bei „zwei hebräischen Melodien" („Mögen owoss“ und „Hajom Eamezenu“, für Violine und Orgel von A l b e r t K c l t e r m a n n) Herr Louis van Laar mit schönem Ton und seelenvollem Vortrag. Den beiden letztgenannten hübschen „Melodien" wünschen wir eine recht große Verbreitung; sie sollten in das ständige Repertoire aller Viblinisten ausgenommen werden. 22 Antornenhtttte, 26. Februar. Für die in einer hiesigen Grube beschäftigten 60 jüdischen Arbeiter aus Polen gab die Synagogengemeinde am letzten Freitag ein rituelles Abendbrot! Der Vorsitzende des Vorstandes, Herr Mar Schindler, ließ es sich nicht nehmen, an dem schön hergerichteten Mahle teilzunehmen, und erklärte den schwer Betroffenen, daß für ihre rituelle Beköstigung an sämtlichen Pessachtagen gesorgt sei. Ter Vorstand hat für diesen Zweck einen größeren Betrag bereitgestellt. S£2 Breslau, 26. Februar. Das stellvertretende Generalkommando des VI. Arrneeko/rps hat unterm 19. Januar und 9. Februar d. I. folgende Verfügung erlassen: „Alle beförderungsfähigcn, den Festungs- und Reservelazaretten zugehenden Verwundeten und Kranken mosaischer Konfession, bei denen eine längere Lazarettbehandlung vorauszusehen ist, sind, damit ihnen eine regelmäßige Seelsorge zuteil werden kann, dem Festungslazarett Breslau (Israelitisches Krankenhaus) zu überweisen. Diese Verfügung bezieht sich nicht auf die. Lazarette, in denen die regelmäßige Seelsorge der jüdischen Verwundeten und Kranken durch einen am Ort oder in der Nähe wohnenden Rabbiner ausgeübt wird." Durch die vorstehende anerkennenswerte Verfügung des stellvertretenden Generalkommandos ist unseren Verwundeten Gelegenheit geboten, ganz ihren religiösen Wünschen entsprechende Verpflegung und Seelsorge zu erhalten. W. Aus der Provinz Posen, im Februar. Posen. Im 52. Lebensjahre starb unser Gomeindemitglied M a g n u s D u b r i - n c r. Mt ihm ist ein braver, rechtschaffener Alarm dahingegangen. Seine große Herzensgüte, sein liebenswürdiges Wesen wurde stets von allen anerkannt und gewürdigt. Die Beisetzung fand unter großer Beteiligung statt, die Leichenrede hielt Herr Gemeinderabbiner

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