Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 10 (5.3.1915)
- Date
- 1915-03-05
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Berlin, 5. März 1915 unser! ent bei um ite Pro Wolle richten^ rdunger . Zahl ide ml — nich Verein m Gele len. — )en ein lir vor n Ulli;t uui Vehmu s ihiici l lieber Sorgder, di> ische, ruf den )ortiger Brünr Oester ir der unserer Kriegs enossen bis cm?d. Sr erledig! ie wob Znb ftclDcnci: wnrken swillei a. M. w selbr ittowis nr sin nk verirr di er ar n, UN ' oppelte oidmer egrnße aft. >15. djfc i-1 o, sor ist, de' e Aus x ©Öl te en! Ober er inr zembe ngheir' >7 .«in ui Ar sch. -- Der Gemeindevote. Beilage zur „Allgemeinen Leitung des IudentuinK". korrrlpon!irn?m und Nachrichten. Deutschland. ### Berlin, 2. Mörz. Wie die Tagespresse berichtet, brachte in >er Sonnabendsitzung der Bgl d g e t k o m m i s s i o n des Abgeordletenhauses ein s o r.t s ch r i t t l i ch e r Abgeordneter zur Sprache, )aß nach dem Reichsgesetz über die Einbürgerung von 1913 Geistliche md Neligionsdiener, rvelche Anslärider sind und deren- Anstellung )urch eine Staatsbehörde genehrnigt wird, ohne weiteres als eingebürgert gelten, wenn nicht ein Vorbehalt nach dieser Züchtung genacht wird. In dem ursprünglichen Entwurf dieses Gesetzes hieß es .Geistliche und Neligionsdiener einer Kirche". Ans Antrag des Zenrums, dessen Wortführer der Abg. Grober war, wurde das Wort .Kirche" gestrichen, so daß sich diese Gesetzesbestimmung auch ans die >t e l i g i o n s g e n o s s e n s cha s t e n bezieht. Ein Preußischer Resterungskominissar hat damals erklärt, so führte der fortschrittliche Abgeordnete weiter aus, daß niemals dasjndischeNeligions- Bekenntnis ein Hindernis^ ir r die E i n b ü rger u n g oäre. Jetzt ist bekannt geworden, daß am 10. Dezember 1913 der Vorgänger des jetzigen Preußischen Ministers des Innern ein Zirkulär erlassen hat, wonach bei Anstellung jüdischer Geistlicher der vorerwähnte V o r b e h alt i m m e r g e m a ch t werden solle. Der fortschrittliche Redner Hielt eine solche generelle Weisung als mit dem leiste des Reichsgesetzes für unvereinbar; dieses lasse den Vorbehalt rnr als Ausnahme zu-, durch eine solche Zirknlarverfügnng werde aber -iese Ausnahme zur allgemeinen ausnahmslosen Regel. Ein Komnissar des Ministers des Innern antwortete darauf, daß dieser Vorichalt allerdings allgemein erfolge, und zlvar im Interesse der jüdichen Gemeinden, damit zunächst die Anstellung erfolgen könne, wählend die Einbürgerungsfrage noch geprüft werden müsse. Der sortchrittliche Abgeordnete wies darauf hin, daß dieses Vorgehen durchaus nicht im Interesse der jüdischen Gemeinden liege, weil sie geeignete jcutc nicht anstellen könnten, deren deutsche Staatsangehörigkeit in zrage gestellt sei; kein angesehener Prediger würde sich daraus einassen, unter solchen Umständen eine Stellung anznuehmen, die ganz msicher sei, denn werm er nicht eingebürgert würde, müsse er der 'tusweisnng gewärtig sein, zumal die Regierung andererseits daraus falte, daß Ausländer nicht als Geistliche und Neligionsdiener sunsteren. Der Redner müsse daher nach der Auskunft des Regiernngsommissars erst recht die Verfügung, des Ministers v. Dallwitz als legen das Reichsgesetz verstoßend erachten. Wie wir Horen, wird die Angelegenheit noch Gegenstand weiterer Prüfung im Ministerium sein. *4* Berlin, 2. Mürz. Dem soeben erschienenen Bericht aber das achte Geschäftsjahr (1914) der Witwen - und Waisen-; a s s e der Rabbiner Deutschlands entnehmen wir folgende Einzelheiten: Die Zahl der ordentlichen Mitglieder betrug Ende 1914: 19. Durch den Tod verlor die Kasse zwei ihrer Mitglieder: Herrn Rabbiner Dr. Moritz Guttmann in Cnlm und Herrn Distriktsrabbiner Dr. Goitein-Bnrgknndstadt. Die Witwe und die Kinder des Erstgenannten traten sofort in den Bezug der ihnen anstehenden Witwen- und Waisenrente ein. Herr Dr. Goitein war erst kurz vor seinem Tode der Kasse beigetreten. Das Kuratorium hatte seine Ausnahme genehmigt, obwohl es von seiner schweren Erkrankung, unterrichtet war; da jedoch der Tod noch innerhalb des 'atzungsgemäß vorgesehenen Karenzjahres eintrat, konnte den Hinterbliebenen kein Anspruch an die Kasse zugestanden werden. Das Kuratorium der Kasse hielt am 16. Februar eine Sitzung zu Berlin ab. Tie Sitzung im zweiten Halbjahr mußte der durch den Krieg bedingten Verhältnisse halber anssatten. Mit Ablauf, des Geschäftsjahres legte Herr Handelsrichter Hugo Heilmann aus Berlin 'ein Amt als Kurator nieder. Eine Ersatzwahl wird vorznnehmen 'ein. An der Sitzung vom 16. Februar nahmen zugleich als Ver- 'reter des Aussichtsrates die Herren Benas Levy und Paul Beit Simon aus Berlin teil. Letzterer gab im Namen des Aufsichtsrates die Erklärung ab, daß die Bücher und Bestände der Kasse für 1913 geprüft und richtig befunden worden seien. In den Aufsichtsrat wurde von seiten der jüdischen Gemeinde zu Berlin Herr Tr. Georg Minden neu abgeordnet. Die Jahresbeiträge der ordentlichen Mitglieder wurden auf Grund der Zuschußtabelle dergestalt erhoben, daß wiederum wesentliche Herabminderungen eintraten. Tie von der Kasse selbst zu den versicherungstechnischen Sätzen geleisteten Zuschüsse betrugen Zwischen 44 M. und 465 M. Bon den Gemeinden zahlen die meisten einen Teil, einige sogar den ganzen Jahresbeitrag für ihre Rabbiner aus eigenen Mitteln. Tie tatsächlich eingelansenen Eintrittsgelder und Jahresbeiträge der ordentlichen Mitglieder betrugen 4068.16 M. Die Vergütungen hierauf aus den Zinsen des Stammvermögens der Kasse waren auf insgesamt 3915.15 M. festgesetzt. Die als gebührenpflichtig in Betracht kommende Versicherungssumme beläuft sich demgemäß auf 7983.31 M. An Rückständen verbleiben auf dem Konto der ordentlichen Mitglieder 254 M. Die Beiträge der außerordentlichen Mitglieder sind auf 440 M., die von Gemeinden und Verbünden gewährten Subventionen auf 1715 M. zurückgegangen. Unter den Ausgaben befinden sich 2 500 M. an Auszahlungen für Hinterbliebene als Witwen- und Waisenbezüge. Die Zunahme des Vereinsvermögens betrug 16 471.90 M. Das Gesamtvermögen belief sich am Jnhresschlnß — den Effektenbestand zu den Kursen vom 29. Juli 1914 berechnet — ans 417 345.20 M. Ter Bericht schließt mit folgenden Worten: Die Vorlage eines so wohlgeordneten und befriedigenden Geschäftsberichtes selbst in diesem schweren Kriegsjahre wäre nicht möglich gewesen, hätten nicht unsere tapferen Truppen die Heimat vor Feindes Einfall und Verwüstung treu behütet. Gott gebe ihnen den endgültigen Sieg und unserem geliebten Vaterlande baldigen glückbringenden Frieden! Berlin, 2. März. Als Ergänzung des in der vorigen Nummer erschienenen Berichts unseres ^-Korrespondenten über die Sitzung der Repräsentantenversammlung vom 21. Februar wird uns von befreundeter Seite geschrieben: Auf die so ehrenden, und herzlichen Worte, mit denen Direktor Dr. Minden vor Eintritt in die Tagesordnung des dahingeschiedenen langjährigen ersten Vorsitzenden der Nepräsentantenversammlnng, L o n i s Sachs, gedachte, erwiderte der Neffe des Verstorbenen, Dr. M. G i n s b e r g, in einer längeren schönen Rede etwa folgendes: „Es ist mir ein Herzensbedürfnis, sowohl im Namen der Frnn Rosa Sachs wie überhaupt in dem der Familie Sachs-Ginsberg für alle Zeichen der Liebe zn danken, die Sie meinem Onkel Louis Sachs bezeugt haben. Vor allem drängt es mich, unserem Gemeindevorstand', insbesondere Herrn Geheimrat Stern, sowie Ihnen, meine Herren Kollegen von den Repräsentanten, und unserem Freunde Tr. Minden herzlichst zu danken. In diesen Dank möchte ich auch besonders die Herren Rabbiner Dr. W a r s ch a u e r und Tr. Blumenthal einbeziehen, die in so seingeistiger und zn Herzen gehender Weise - uns Trost und Ausrichtung bei dem schweren Unglück, das uns betroffen hat, gebracht haben. Ich darf es wohl zutreffend aussprechen, daß mein Onkel Sachs als Opfer des Krieges dahingegangen ist. Er war auss tiefste bedrückt darüber, daß Ethik und Kultur, diese Grundsäulen der Menschheit, zusammenzubrechen scheinen. Durchdrungen von der Notwendigkeit, für den uns aufgezwungenen Krieg jedes Opfer zn bringen, unserer gerechten Sache zum Siege zn verhelfen, war es ihm mit seinem weichen, milden Herzen doch gar zn schrecklich und grausam erschienen, daß Mitmenschen, die Blüte der Volker, sich gegenseitig bekämpfen und vernichten, daß die Begriffe vom Werte des einzelnen Menschenlebens eine völlige Umschätzung erfahren mußten. Das ist ihm, wie ich ihn kannte, schmerzlich zu Herzen gegangen, hat ihn bedrückt und gequält und schließlich sein jähes Ende herbeigeführt. Tenn neben seinem männlichen Selbstbewußtsein, das er bewiesen, und das wir so sehr an ihm geschätzt hatten, waren gerade Milde, Güte und Mitgefühl die Eigenschaften, die seinem ganzen Leben Inhalt und Richtung gaben. Die viele Arbeit, die der Entschlafene freudig geleistet hat, werden andere gleichgesinnte Männer weiter fortsetzen müssen, die Aemter können ja nicht verwaist und unbesetzt bleiben/ Aber wahrhaft unersetzlich wird er bleiben für alle diejenigen Armen und Bedrückten, alle materiell und seelisch Leidenden, die sich an ihn so oft und nie vergeblich gewandt haben. > Ich darf es ruhig aussprechen: er war ein Fürst im Wohltun und i