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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-02-05 · Heft 6 (5.2.1915) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 6 (5.2.1915)
Date
1915-02-05
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 der uneigennützigsten Weise zum Segen des Instituts geopfert hat. In ergreifender Weise schildert der Redner dann, „was der Verstorbene uns war, wie er zu uns war und wie wir es ihm danken sollen." Mit Gebet und Gesang schloß die erhebende Feier, die allen Teilnehmern in dauernder Erinnerung bleiben wird. 22 Berlin, 2. Februar. Der F ü r s o r g e v e r e i n fürhilflose jüdische Kinder E. V. eröffnete am Sonntag, den 31. vorigen Monats, mittags 12 Uhr, fein neuerbautes, in Niederschöahausen, Moltkestraße 8/9, belogenes S ä n g l i n g s h e i m mit einerernsten Feier. Rabbiner Dr. E s che lba eher hielt die Weiherede, in der er der Verdrenste des Vorsitzenden Sanitätsrats Dr. W. Le vH und seiner Gattin gedachte, einen Ueberblick über die Geschichte des Vereins gab und für die Förderung seiner Arbeit den Behörden der Stadt und der jüdischen Gemeinde, ferner Herrn S. Jacob, der Lehrerin Fräulein W o r m a n n, den Herren C a s P a r i u s, Aron und Dr. Lamm dankte. Er schloß mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf unser Kaiserpaar, dessen Wirken es ermöglicht habe, in diesen schweren Kriegslagen ein Werk friedlicher Fürsorge ins Leben zu rufen, das dem Heranwachsenden jüngsten Geschlecht dienen solle und damit dem Vaterlande. Als Ehrengäste konnten begrüßt werden die Herren Kommerzienrat Heinrich Eisner, der als Vorsitzender des Vorstandes der jüdischen Gemeinde deren Glückwünsche überbrachte, Kabinettsrat Dr. v. Vehr-Pinnow, Vorsitzender des Kuratoriums des Kaiserin-Auguste-Viktoria-Hailses, die Stadtverordneten Ulrich und Professor Ritter, sowie Professor Dr. Finkelstein von der städtischen Waisendeputation, Professor Dr. Plaschke von der Repräsentantenversammlung, Justizrat Meyer, Ni e ck l e n b u r g, Direktor G r u n w ct l d. Stimmungsvoller Gesang begleitete die Feier, an der Zahlreiche Gönnerinnen und Freunde des Vereins teilnahmen. Das Heim, in landhausartigem Stil von Baumeister E n d e r s mustergültig errichtet, liegt als Zweigeschossiger Bau in kieferbestaudenem Garten und bietet Raum für 40 Pfleglinge.! Sein bewährter Leiter ist Kinderarzt Dr. Mendelsohn. — Für j die Dauer des Krieges soll bei Ausnahmen in geeigneten Fällen von! der Konfession abgesehen werden, namentlich, wenn es sich um! Kinder von Kriegern handelt. So darf das Heim gerade in jetziger Feit als eine wertvolle Bereicherung der Groß-Berliner Fürsorgeeinrichtungen betrachtet werden. In feiner hygienisch-technischen Einrichtung ist es vorbildlich. 22 Berlin, 2. Februar. Das K r i e g s h i l f s k o m i t e e der Zionistischen Vereinigung für Deutschland veranstaltet am Dienstag, 0. Februar, im großen Saal der Königlichen Hochschule für Musik einen W o h l t ä t i g k e i t s a b e n d. Ihre Mitwirkung haben bisher zugesagt: Königliche Kammersängerin Fräulein M a r i a n n e Alfer m a n n , Königlicher Kammersänger Herr H e r m min Iadlo w k e r, Violinvirtuose Herr Alfred W i t t e n b e r g, Herr Tr. M a r t i n Bube r. Memel, 29. Januar. Im hiesigen Verein f ü r j ü d i s ch e geschichte und Literatur sprach am 24. Januar unser Rabbiner, Herr Tr. Stein, über den Gedankengang der Psalmen, eine Rede in ernster Zeit. Die Psalmen lassen sich am besten nach drei Gesichtspunkten gruppieren. Erstens: lieber die Welt und ihre Ereignisse. Psalm 104 ist als vollendetes abgerundetes Naturgemälde des „Kosmos" einzig dastehend. Die Freude an der Natur erfüllt den Psalmisten, die Innigkeit, mit der sie betrachtet und aufgefaßt wird. Die Auffassung der Natur als eine unendliche Einheit, in der alle einzelnen Teile harmonisch ineinandergreifen, eines dem andern zum Dasein dient, eines des andern Dasein erhält, und die völlige Abhängigkeit der Natur vom einigen Gott, dem Schöpfer des Weltalls, werden anschaulich dargetan. Zweitens: Tie Psalmen über das Menschenleben im besonderen. Der Psalmist gibt in den Psalmen 15 und 24 eine kurze, kräftige Darstellung des wahren Menschentums: „Wer redlich wandelt. Recht tut und Wahrheit in seinem Herzen spricht." Religiöse Gedanken und Gefühle, welche an den Gegenständen des Lebens und dieser Welt im Verhältnis zu Gott und Sittlichkeit stehen, bringt der göttliche Sänger in dichterisch-künstlerischer Form zum Ausdruck; er überwindet die Zweifel, welche das sich in Kämpfen bewegende Leben dagegen erhebt. Ter Mensch hat den Drang zum Wahren, Guten und Schönen. Dieser Dreiklang wurde von dem Redner in philosophischer Art ausgedeutet und durch Zitate aus den Werken bekannter Philosophen belegt. Beispiele aus der Werkstatt des Künstlers, Plastikers und Musikers verbildlichten das Ganze: „Wo Liebe und Wahrheit einander begegnen, küssen j sich Gerechtigkeit und Frieden." Drittens: Ueber das Völkerleben. In mannigfaltigen Abstufungen in zahlreichen Psalmen siegt überall die Zuversicht über den Zweifel, und die Lehre von der gerechten Vergeltung durch Gott triumphiert. Hier verbreitete sich der Redner über den gegenwärtigen großen Wendepunkt in der Weltgeschichte, in dem unser ruhmreiches deutsches Vaterland einen gerechten Kamps führt. Die schnöden Ziele und die bösen Triebe unserer Feinde in Ost und West schildernd, gedachte er unter anderem insbesondere des von Rußland den Inden zugefügten Unrechtes und rief den Gott der Gerechtigkeit an, der unser Deutschland und feine Verbündeten siegreich ans dein Völkerringen hervorgehen lassen werde. Dann schilderte Redner den deutschen Idealismus, die deutsche Kraft und deutsche Kultur. Innerlich geläutert und gekräftigt werde Deutschland einem glücklichen Frieden entgegengehen. „Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten." Der Redner schloß feinen formvollendeten, denkwürdigen Vortrag mit einem erhebenden Gebet für Kaiser und Reich, das die ganze Versammlung stehend anhörte. Die zahlreiche Zuhörerschaft zollte dem Vortragenden reichen Beifall. 6. Beirthen O.-S., 29. Januar. Eine in hiesiger Stadt unv Gemeinde hoch angesehene Persönlichkeit, Herr S a l o G o l d st e i n, ist am 26. Januar im 70. Jahre aus dem Leben geschieden. Die Verdienste des Verstorbenen in seiner Eigenschaft als langjähriger Stadtverordneter und als Mitglied des Repräsentantenkollegiums j der hiesigen Shnagogengemeinde sollen hier nicht besonders gewürdigt i werden. Seine Verdienste aber als vieljähriger Erster Vorsteher I des hiesigen israelitischen Krankenpflege- und Beerdigungsvereins! (Chewra Kaddischa) werden unvergänglich und unvergeßlich bleiben. > Die Errichtung unseres jüdischen Altersheims, die Begründung des | Krankenschwesterninstituts sind seiner eigenen Initiative entsprungen, wie alle seine Anregungen und Werke auf dem Gebiete der Charitas das Gepräge seines edlen, vornehmen Charakters trugen und für viele ähnliche Institutionen vorbildlich waren. Mit Salo Goldstein ist einer der Besten aus unserer Gemeinde dahingeschieden. In ihr wird sein segensreiches Wirken unvergessen bleiben. 8eelwr zadik liwrocho. — Breslau, 29. Januar. Das theologische Seminar Fraenckelscher Stiftung versendet soeben seinen Jahresbericht für das Jahr 1914, dem eine längere wissenschaftliche Arbeit des Dozenten Dr. Horowitz „Der Einfluß der griechischen Skepsis auf die Entwicklung der Philosophie bei den Arabern" vorangeht. Die Lehrverfassung der Anstalt hat im Berichtsjahr eine Aenderung erfahren, hervorgerufen durch die Tatsache, daß sich in stets! wachsender Anzahl Abiturienten höherer Lehranstalten, die das j Mindestmaß der theologischen Vorbildung noch nicht besitzen, zur; Aufnahme in das Seminar melden. Die Unterweisung dieser; Hospitanten ist seit Beginn des Sommersemesters 1914 in einen i organischen Zusammenhang mit dem Unterricht der ordentlichen - Hörer gebracht, und mit ihrer Ausbildung ist ein neuer Dozent! in der Person des Rabbiners Dr. Albert Lew ko Witz betraut! worden, der schon am ersten Mobilmachungstage zur Fahne einberufen und Mitte November mit dem Eisernen Kreuz dekoriert! worden ist. Von ehemaligen Hörern der Anstalt hat sich eine > Anzahl sowohl der deutschen wie der österreichisch-ungarischen! Militärverwaltung als Feldgeistliche zur Verfügung gestellt. . Sieben Hörer wurden zu den Waffen berufen, und einer davon, ■ Dr. Alfred Zweig aus Eichenau O.-S., ist gefallen. Leerstehende Räume im Anstaltsgebäude hat das Kuratorium zur Benutzung , für einen Kriegskinderhort überwiesen. An einigen Nachmittagen der Woche sind die Auditorien der städtischen Schulverwaltung zürn Unterricht für einige Knabenklassen zur Verfügung gestellt. Das Serninar zählt gegenwärtig 21 Hörer. Dein derzeitigen Rektor des-; selben, Dozent Dr. Braun, ist am 2. Juni 1914 vorn Kultusminister der Professortitel verliehen worden. Die Kaiser-Geburts-; Lagsfeier fand in Verbindung mit der Gedächtnisfeier für den i Stifter des Seminars, Kommerzienrat Jonas Fraenckel, am 27. Januar statt, wobei der Kandidat Dr. Paul Lazarus als i Rabbiner entlassen wurde, der bereits einen Ruf als zweiter Rabbiner nach Essen a. d. Ruhr erhalten hat. W. Posen, 29. Jamrar. Der Verein der wohltätigen F r e u n d e hielt am 16. d. M. seine diesjährige ordentliche Generalversammlung ab. Den Vorsitz führte Herr Fischer. Vor Beginn der eigentlichen Tagesordnung gedachte der Vorsitzende in warmen Worten der int Vereinsjahre dahingeschiedenen Mitglieder, deren Andenken die

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