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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-03-20 · Heft 12 (20.3.1914) · p. Seite 8

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 12 (20.3.1914)
Date
1914-03-20
Page
Seite 8 (sequence 20)
Language
German
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kommender! auswürtigen Juden an, damit nur solche zugelassen werden, die wirklich in Handelsgeschäften reisen. - In Tanger (Marokko) erschien vorigen Monat die erste Nummer der spaniolischen Zeitschrift „Kos Israel" („Stimme Israels"). Das Blatt stellt sich die Aufgabe, die Interessen der marokkanischen Inden, die zum größten Teile Spaniolen sind, nach jeder Dichtung hin zu vertreten und eine Organisation der marokkanischen Inden vorzubereiton. Die Redaktion weist in ihrem Appell ans die erfolgreiche Tätigkeit der spaniolischen Juden im Orient hin SeUerpIauUerei. Wenn Purim mit seinem ausgesprochenen jüdisch-heiteren Gepräge vorüber ist, die Megillorollen wieder aus em Jahr in den Schrein gestellt werden, beginnt für uns eine Zeit, in der das menschliche Gemüt im Bewußtsein des herannahenden Frühlings freudig erregt wird. Der Frühling naht - und wir nähern uns dem Pessachseste. Es dürfte wohl kaum eine echt jüdische Hausfrau geben, die nicht schon gleich nach Purim mit dein gründlichen Reinmachen ihrer Behausung beginnt. Die Herren der Schöpfung finden es das ganze Jahr hindurch nicht so ungemütlich als in dieser Reinigungszeit und wissen nicht, in welcher Ecke der Wohnung sie Ruhe finden tonnten. Aber tröstet euch, ihr Männer, mit Anbruch des 14. Rissans habt ihr es wieder gemütlich in eurem Heime, welches euch während der Sederabende noch einmal so traut wie sonst scheint. —- Ja, wie schön, wie herrlich schön ist es, wenn man den Seder im Kreise seiner Lieben feiern kann. - Es dürfte wohl kaum im Jahre auch nur eine Stunde geben, in der ein in weiter Ferne weilender jüdisch denkender und empfindender Jüngling so sehr die Fremde fühlt als gerade am Pefsach, speziell während der Sederabende. Mein väterlicher Freund, der bei mir wohl eine derartige wehmutsvolle Stimmung ahnen mochte und diese im Keime ersticken ivollte, lud niich vergangenes Jahr ein,, die ersten Pessachabende im Kreise seiner lieben Familie zu verbringen. Daß ich dieser Einladung mit Freuden Folge leistete, wird inan sich wohl denken können. Wir feierten den Seder in gehobener, angenehmer Stimmung und, nachdeur der vorgeschriebene Teil der Hagvdoh gesagt lind vom Hausherrn wunderschön erklärt worden war/wurde das Beste der Küche aufgetragen. Wir waren beim Letzten Gang des wirklich hervorragend guten Diners angelangt, als ich mich plötzlich vor Schrecken einer' Ohnmacht nahe fühlte! Ja, was war das, sehe ich recht, oder ist es nur ein Traum? Dian stellte Butter auf den Tisch! Butter bei einer fleischigen Mahlzeit! Ich war einfach sprachlos. Die Hausfrau, die sich an meinem Schrecken zu lveiden schien, rief mir zu: „Bedienen Sie sich nur ganz ungeniert, denn Butter auf Mazoh gestrichen, schmeckt einfach wunderbar." Bevor ich 8- | und meint, daß es höchste Zeit sei, daß auch die Juden in Marokko l endlich aus ihrer Lethargie erwachen und ihre Interessen selbst verj ^'ckl?n. Aach dem „Jüdischen Jahrbuch" übersteigt die Zahl der! gilben auf der ganzen Welt die Zahl von. 13 Millionen. Davon treffen i auf Europa 9 950 1 75, auf Asien 484359, Afrika 404 846. Anrerita! - 191 061, Australien 19 419, im ganzen also 13 049 860.! Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin - Pankow, Florastraße 58. j Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Fahrnländer. Neukölln. ^_ _ Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. j einer Antwort mächtig war, fuhr dieselbe in ihrem Gespräche fort: „Es tut mir herzlich leid, daß ich Sie so erschreckte, mein lieber Gemahl wird Ihnen, dir ich rasch zur Küche muß, über diese Butter Aufklärung geben, oder wollen Sie diese von mir hören? Wenn ja, so gedulden E sich nur einen Augenblick, ich bin gleich wieder da." - In der Tat war meine liebenswürdige Wirtin nach kaum einigen Minuten wieder ins Zimmer getreten. — „So," sprach sie, „eigentlich müßte ich Ihnen zürnen und Ihnen keine Aufklärung geben, weil <-ie auch nur den kleinsten Gedanken aufkommen ließen, wir j führten keinen ganz koscheren Haushalt." „Ja aber," — siel ich ihr, i auf bic Butter zeigend, ins Wort-„Gemach, lieber Freund,; lassen «ie mich nur anssprechen. — Es scheint mir, als hätten Sie keine Ahnung davon, daß es jetzt in der Nahrungsmittelbranche eine neue Erfindung gibt; es ist das ein vegetabiler Butterersatz und wird unter dem Namen „Tomvr" in den Handel gebracht. — Versuchen <-ie einmal dies „Tomor" und Sie werden sehen, daß Sie keinen Unterschied zwischen der feinsten Süßrahmbutter und! „Tomvr'" finden." - „Ja, woher wissen Sie aber, verehrte Frau, daß „Tvmor koscher ist und auch zu Fleischspeisen verwendet werden; darf?" erlaubte ich mir, schon etwas kleinlauter zu erwidern. —! -Ich dürfte Ihnen eigentlich zum Zweiten Male wegen Ihres Mißi trauens keinen aufklärenden Bescheid geben, aber ich will Ihr Ge- 1 wissen nicht länger beunruhigen. „Tomvr" wird unter Aussicht . und Leitung eines von Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. B. Wolf. Köln, airgestellten und inspizierten Beamten hergestellt und! darf sowohl für Fleischals auch Milchspeisen verwendet werden." j „Ja, dies ist aber eine herrliche Erfindung", erwiderte ich, „und j ich bin durch diese^ Neuigkeit für den ansgestandenen Schrecken reich-! lich belohnt." ,,^ic hätten eigentlich schon bei den Fischen einen! solchen Riesenschrecken bekommen müssen", sprach die liebenswürdige! Dame, „da auch diese mit „Tomor" zubereitet waren, denn wie wäre es möglich gewesen, ohne „Tomor" eine solch wunderbare Butterj sance herzustellen. — Daß Ihnen das Kalbfleisch vorzüglich mundete,! sagten «io ja vorhin selbst, und sehen Sie, lieber Freund, auch dieses war mit „Tomor" znbereitet." Auf dem Wege zu meiner Wohnung und daheim angelangt, mußte ich noch lange an diese unschützbare Erfindung und über die Vorzüglichkeit dieses „Tomvr" denken. - Wahrlich, wer „Tomor" auf Mazzoh streicht, kann kaum mehr von der Mazzoh sagen: „Das ist 1 das Brot des Elends." 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