Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 8 (20.2.1914)
- Date
- 1914-02-20
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3224737-3229123-3229132--70190-3282522- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
78. Jahrgang. Nr. 8 Berlin, 20. Februar 1914 Der Gemrtndetzotr. Drlllyr zur „ANgrmetnrn Lrllung deK Subtntumg“. korrelpondm?m und Kachrichtm. LkUtschlsnL. y Berlin, 15. Februar. In der heutigen Sitzung der Repräs c n tant envers a m m lung nahm Herr Louis Sa ch s vor Eintritt in die Tagesordnung Anlatz, des schweren Unglückssalles zu gedenken, von dem das Mitglied der Versammlung, Herr Geheimer Iustizrat Dr. Herman Veit Simon betroffen worden ist, indem sein 24jähriger Sohn infolge eines Sturzes von der Treppe gestorben ist. Jin Namen der Versammlung sprach der Vorsitzende dem schwer heinlgesuchten Vater sein lebhaftes Bedauern und aufrichtiges Beileid ans. — Aus den geschäftlichen Mitteilungen sei erwähnt, datz linier anderem ein Brief eingelaufen ist, in dem bestimmte Vorschläge über die Verwendung des alten Krankenhauses, das durch die Gross mmg des neuerbauten frei wird, gemacht werden. Die Zuschrift ebenso wie ein eingelausener Antrag Lewiuski betreffend die Ehrenbeautteu werden dein Vorstand zu weiterer Erwägung überwiesen. — Gs werden sodann wiederum eine Reihe von Zuwendungen augeuommeu. F r a u G e h e i m r a t K l a r a G o l d b e r g e r hat aus dem 9cachlatz ihres verstorbeneil Gatten, des Geheimen Kommerzienrats Ludlvig Atax Goldberger, der Armenkommissiou MW Mark für verschämte Arme, ferner 460 Mark zur Verwendung für Blinde, sowie dem Hospital 500 Mark zur Erwerbung der imuterlvährenden Btitgliedschast ihres Gatten zu gewendet. - Die verblichenen Eheleute I u lins Bl n g u u s und 9Jt a r g a r e t e M a g u u s geb. M ohne r haben der Gemeinde letzkwillig 3OO0 Mark vermacht. Der Annahme dieser Zuwendungen stimmt die Versammlung bei, ebenso dem Annahmebeschluß des Vorstandes der Altersbersvrgnnasanstalt betreffend die Zuwendung des Herrn Komin e r z i e n r a t s L e v L u st i g in Höhe von 12 000 Mark zur Errichtung einer Georg-v. - Garo-Stistung an der Altersverforgungsnnstalt. Frau Margarete Grabowsky geb. Arnhold hat der Altersversorgmrgsanstalt ein Kapital von 12600 Mark zur Errichtung einer Julius- und Margarete-Grabotysky-Stifttlug einschließlich der Steuer von (300 Mark zur Verfügung gestellt. Die Stiftung wird angenommen, desgleichen die Zuwendung der Testaluentsvollstrecker des Hermann Hoffmanttschen Nachlasses im Betrage von 20 OOO Mark zur Errichtung einer H e r m a u n - H o f f m a u n - Stiftung bei der Arnrenkounnissiou. - Zur Beratung über die Aufstellung der Büsten von Moses Mendelssohn und Abrahaut Geiger war eine Kounuission ein ge setzt worden, die zu den Vorschlägen gelaugte, die Büsten entweder an beit beiden Seitenwäuden mit Fenster oiif Säuleupostamenten oder an der gegenüberliegenden Wand zur Seite der Büste des Großen Kurfürsten auszustelleu. Im übrigen war die Kommission der Ansicht, datz ltach ihrem Ermessen die Mendelssohn-Büste an ihrer jetzigen Stelle im Sihungssaale des Gemeiudevorstandes einen sehr würdigen Platz einnimmt, und es sich daher empfehle, sie dort zu belassen, und daß auch die Geiger-Büste mit Rücksicht darauf, daß eine Ausführung in Gips bereits im R eprasentantensitzungssaale vorhanden ist, als Pendant zur Mendelssohn-Büste int Borstandsraum aufzustellen sei. Der Ausschuß III teilt die letztere Auffassung, und seinem entsprechenden Anträge stimmt die Versammlnug nach längerer Debatte zu. Herr Dr. Blinden teilte bei der Gelegenheit zugleich tnit, daß, wenn. die Sache auch noch nicht spruchreif sei und vielleicht noch ein Jahr dauern werde, einige weitere Büsten gestiftet werden würden. Herr Mor. Ala nhei me r tritt mit warmem Eifer für die Aufstellung im Repräsentanteusaal ein, jetzt stände die Mendelssohn-Büste im geschlosseueu Raum wie in einem Staatsgesängnis, man würde es in der Gemeinde nicht der-! stehen, loenn die Büste dieses großen Mannes nicht an einem ösfent- , l ichen Platze, der zugänglich sei, Ausstellung finden würde. Herr Ge-! werberat Plotke hält auch ans ästhetischen Gründen den Ausschußj antrag für richtig. Der Repräfentantensnal sei schon jetzt mit Büsten; überfüllt, die Mendelssohn-Büste würde hier nicht zur Geltung! kommen. Herr Professor Kali scher schlägt vor, die Büste des j ersten Moses von Michel Angelo hier im Neprüsentantensaale aufzustellen. - Es folgte hierauf die Beratung der Vorlage betreffend! A e u r e g e l u n g des S y st e m s für die W a h l e n zur! R e p r ü s e n t a n t e n v e r s a m m l u n g. Ter Reserettt, Herr Justizrat Jgn. Cohn, legte zunächst Gewicht darauf, festzustellen, daß die Frage der W a h l r e f o i m die Gem e i ndetö rp e r s ch asten .s ch o n seit Ja h r e n beschüstigt habe, die Reformbedürftigkeit des jetzigen Wahlsystems seit Jahrety^nerkattnt worden sei und die Frage nicht etwa erst neuerdings inkol. h.wu Einflüssen außerhalb der Versammlung in Fluß gekommen' sei. In einer anläßlich der letzten Repräsentantenwahlen verbreiteten Broschüre seien Repräsentanten und Vorstand heftig, aber absolut unberechtigt angegriffen worden, darum müsse besonders betont werden, daß das jetzige Resultat das Ergebnis jahrelanger Erörterungen und Beratungen sei und wicht -etwa veranlaßt durch jene Angriffe und jene Broschüre. Der Hauptvorwurf gegen das geltende Wahlrecht sei der, daß dabei die.Minoritäten nicht zu ihrem Rechte gelangen. Der Herr Referent gibt dann eine kurze Ueberficht über beit Gang der Erörterungen, insbesondere über die verschiedenen Phasen des Schicksals der Frage des Proportionalwahlsystems. In Frage konnten bei der Reform des Wahlsystems zwei Möglichkeiten kommen, entweder die Einführung von Bezirkswahleil oder die Einführung des Propoctiouallvahloerfahreus. Gegen die Bezirkswahl seien im Ausschuß mancherlei Bedenken geäußert worden. Es könnte dabei, wie es anderswo ja zugehe, Wahlkreisgevmetrie getrieben werden, bei der starken Fluktuation der jüdischen Bevölkerung würde die Bezirkseinteilung große Schwierigkeiten verursachen, und schließlich sei auch die Ansicht geäußert, die er sich nicht zu eigen machen wolle, das; die Einführung der Bezirkswahl eine Aendernng der staatlichen Judengesetzgebung von 1847 erforderlich machen würde. So gelangte man zur Ablehnung der Bezirkswahl, tmd übrig blieb somit nur das Proportionalwahlsystem, das ja auch bei bcn letzten Wahlen von allen Richtlutgen mtd Parteien erörtert und propagiert worden sei. Die Frage, ob dieses Wahlsystem sich auch für religiöse Parteien eigne, sei von einer Autorität wie P rose s s o r R v s i u bejaht worden. Der Herr Referent verliest die bezüglichen Ausführungen Rosins darüber. Borstand und die Gemischte Deputation hätten sich danach im Prinzip für die Einführung der Proportionalwahl zu den Repräsentaittemvahleu ansg-esprochen, und die Versammlung möge sich dem entschließen. Weiter entstehe mm die Frage, ob das System der e i tt s a ch e n oder g e b u u d e u e n Liste vorzuziehen sei. Bei dem System oer einfachen Liste, die die Streichung der Namen uitd Ersetzung durch beliebige andere zulasse, könnten sich, wie die Erfahrung gelehrt habe, allerlei Schwierigkeiten und Mißstände ergeben, die bei der gebundenen Liste, wo keinerlei Abänderungen durch den Wähler zulässig sind, fortfielen. Deshalb empfehle sich, das System der streng geluutdenen Liste anzunehmen. Ans den weiterett Darlegttttgett sei ttoch erwähnt, daß nach den Vorschlägen der Gemischten Deputation, denen der Vorstand zttgestimmt hat, it n r W a h l v o r s ch l ä g e z tt - lässig s e i tt s ollen, di e v o tt m inde st c u s 3 0 0 tu a h l - b e r e ch t i g t e n G e nt c i tt b e nt itgl. ie d e r tt <\\ w t e v s ch rie - b e u s i n d. Jtt der Debatte wünscht Herr £ S c a v X ietz , um zu verhitldern, daß gleiche Namen ans mehreren Listen erscheinen, daß bei der Einreichung der Wahloorschläge zugleich die Zustimmungserklärnng derjenigen beigefügt n>erden sollen, die auf die Liste gesetzt sind. Herr Justizrat B r e s l a u e r verweist daraus, daß heute hier itur die „G r u tt d s ä tz e" angenommen werden sollen, -gewissermaßen Richtlinien für die Ausarbeitung des ztl revidierenden Statuts, daher wäre die Anregung des Vorredners noch verfrüht, sie käme erst in Betracht bei der Ausführung der Grundsätze. Im übrigen sei überall so Sitte, wie es Herr Tietz wünsche. Herr P r o f e s s o r T ü r t : Er halte die Erledigung der Angelegenheit in „Hurra-Stimmung' nicht für altgebracht. Der Herr Referent habe die Bezirkswahlelt ziemlich kurz abgetan. Bei der Einteilung der Bezirke brauche ja nidjl ungerechte Wahtlreisgeometrie getrieben zu werden, die Einteilung könne ja von einer ans Anhängern aller Richtnngell und Parteien bestehenden Kommission erfolgen. Zudent seien die Vororte ohne weiteres die gegebenen Bezirke, imb die Einteilung käme tun für Bertilt selbst noch in Frage. Daß bei der Einführung der Bezirkswähl eilte Aenderung des Jndcngefetzes von 1847 nötig sein würde, glaube er bestimmt nicht. Ist doch die Negierttug selbst dafür, daß eine Aenderung des Wahlrechts vorgeuommen werde. Er werde ja,