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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-01-06 · Heft 1 (6.1.1911) · p. Seite 11

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 1 (6.1.1911)
Date
1911-01-06
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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gebliebene Korrespondenz befindet, und richten deshalb an alle Besitzer von Heine-Briefen, an die wir - per!önlich .nicht herantreten konnten, die öffentliche Bitte, einem der, Unterzeichneten eine Mitteilung oder die betreffenden Briefe selbst, zukommen zu lassen. .Wir versichern ausdrücklich, daß die Rücksendung'-innerhalb' 'weniger Tage erfolgen wird, und daß wir'jede geMnsÄke 'GarÜntitz JÜr' "die "uns zur Verfügung gestellten Dokumente übernehmen.. ]*'/ / 7 Geheimer Hvfrat Prof. Dr. Walzel-. Leipzig. Kurzestxaße 7. , - . Dresden-A<, Marschnerstraße 27. — Heinessämtliche Werke. Band 8, 7, 8, Tempelverlag in Leipzig, a 3 Mark. ^-r-'r/ ■■ ■ : : - v 1 Von der hübschen Tempelausgabe (Tempel-Klässiker),die in diesen Blättern schon mehrfüH erwähnt, und gelobt wurde, sind faüßer sechs neuen Bänden der' Editionvost Goethes Werken und deiner sehr hübschen Darbietung ''Hs... NibetungWedeS drei weitere rHeinebände erschienen, durch' die diese neue.Heineausgabe ihrer Vollendung nahegerückt ist, nur der eme Bänd, der die Biographie nebst ausgewählten Briefen bringen soll, steht noch aus. Die jetzt ausgegebenen Bände 6, 7, 8 enthalten nnter der Ue berschrist „Frankreich" 'L, II., die Abhandlungen „Französische 'Maler, französische Zustände, über die französische Buhne.Lutetia; ferner die Prosaschriften, Elementargeister, Romantische Schule, Religion und Philosophie in /Deutschland. — Streng genommen enthalten also diese drei Bände nicht eigentlich Jüdisches, und wenn wirklich eine neulich getane' Aeußerung, daß Heiüe nicht zu uns gehöre/ weil er zum Christentum ubergegängen seis^o wären wir m diesem Blatte nicht verpflichtet, kaum berechtigt, von den neu erschienenen Bänden zu sprechen. Aber" diese Behauptung ist nicht richtig. Heine Hat viel für die Juden geschrieben, er hat so viel jüdische Stoffe poetisch verherrlicht, daß. wir uns ihn schon, aus diesem Grunde weder von christlichen"? noch - von jüdischen ' Eiferern / nehmen lassen wollen. Ueberdies kommt in der einen der oben erwähnten größeren Studien „Zur Religion' und Philosophie in Deutschland" eine' Stelle über Moses Mendelssohn vor, - die, da sie" gewiß den wenigsten unserer Leser bekanntest,^hierher gesetzt werden mag. Sie lautet:1 „Mendelssohn hat jedoch vor allein übrigen (es war vorher von den Ausklärn^xn kurz die Rede) eine große soziale Bedeutung, l Er war der Reformator der' deutschen Israeliten, seiner Glaubens- / genossen, er stürzte das Ansehen des Talmudismus, er begründete r den reinen Mosaismus. Dieser Mann, den seine Zeitgenossen'den deutschen Sokrates nennen, der wegen seines ^Seelenadells und feiner Geisteskräfte so ehrfurchtsvoll bewundertes, war der Sohn eines armen Küsters, der Synagoge von Dessau. Äußer diesem Geburtsübel hatte ihn die Vorsehung auch noch mit einem Buckel belastet, gleichsam um dem Pöbel in. recht greller Weise die Lehre zu .geben, daß man den Menschen.nicht nach seiner äußeren Erscheinung, sondern nach seinem innern Äöerte' richten' solle. Oder hat ihn die Vorsehung eben aus gütiger Vorsicht, einen Buckel zugeteilt, damit er manche Unbill des Pöbels einem Uebel zuschreibe, worüber ein Weiser sich leicht trösten kann? — Wie Luther dqs. Papsttum,/so stürzte Mendels' svhn den Talmud, Und zwar in derselben Weise, indem er nämlich die Tradition verwarf, die Bibel für die Quelle, der Religion erklärte und den wiDigsten Teil derselben übersetztes 'Er zerstörte hierdurch den jüdischen, wie Luther den christlichen Katholizismus.7 In der Tat, der Talmud 'ist der Katholizismus der Juden. Er ist ein gothischer Dom, der zwar mit kindischen Schnörkeleien überladen, aber doch durch seine himmelkühne Riesenhaftigkeit uns in Erstaunen setzt. Er ist eine Hierarchie von Religionsgesetzen, die oft die putzigsten, lächerlichsten Subti^itäten betrsffech aber so sinnreich einaudet: über- und untergeordnet sind, einander stützen und tragen, und' so furchtbar konsequent zusammenwirkech daß sie ein grauenhaft strotziges, koloffales Ganze bilden." —/ Nachdem Heine' dann witzig zu beweisen gesuchtdaß der Talmud schon aus dew-' Grunde üicht mehr nötig sei, weil die Juden ohnedies die Herrschenden geworden seien, eine Herrschaft wie sie z. B. ^vtzefünden wird, daß der Abgesandte des Papstes alljährlich dem Pariser Bankier Rothschild Zinsen, den ^Tribut Roms" bringe, schließt er den merkwürdi gen. Abschnitt mit folgenden Worten: ' . .. f c ((/*(■/fr i df;j „Moses Mendelssohn verdient daher großes Lob, -daß - er diesen jüdischen Katholizismus wenigstens in Deutschland gestürzt hat. Denn was überflüssig, ist, ist schädlich. Die Tradition verwerfend, suchte er jedoch das mosaische. Zeremönialgesetz als religiöse Verpflichtung aufrechtzuerhalten, war e8Feigheit oder- Klugheit? War es eine demütige Nachliebe, die ihn abhielt, die zerstörende Hand an Gegenstände zu legen,-die.seinen Vorvätern amheiligsten waren, und. wofür soviel Märthrerblut und Märtyrertränen geflossen-? Ich glaube nicht. Wie die Könige der Materie so müssen auch die Könige des Geistes unerbittlich sein, gegen Familiengefühle; auch, auf dem Throne des Gedankens darf man keiner sanften Gemütlichkeit nachgeben. Ich bin vielmehr der Meinung, daß Moses Mendelssohn in dem reinen Mosaismus eine Institution sah, die dem Deismus gleichsam als eine letzte Verschanzung dienen.konnte. Denn der Deismus war.sein innerster Glaube, und. seine tiefste. Ueberzeugung." Wenn mH/alles, in dieser Stelle völlig richtig ist, — wie denn überhaupt die ganze Abhandlung von/kleinen historischen Fehlern wimmelt, — so ist die Würdigung von Mendelssohns Wirken eine so.geistvolle^und sympathische, daß sie unfern Lesern gewiß, hochwillkommen ist. — Santo Lemo: .von Isaac, Drame historique en 5 actes. Sur i’Exode des Juifs d’Espagne (avec Supplement Musical). 1 Imprimerie de La Patrie, Paris. Wenn in Akte geteilte Eeschichtslektionen, politische und religiöse verschiedenen Personen in den Mund gelegte Auseinandersetzungen ein Drama bilden, so verdient auch dieses Werk diesen Namen. Wir haben von einem Drama freilich eine andere Auffassung und können in dem Büchlein nur eine breite und völlig ündramatische Erinnerung an die Vertreibung der Juden aus Spanien 1492 sehen. Torquernädä und seine Genossen, König, Königinnen und Prinzen, auch Kolumbus; von jüdischer-Seite Jsaac Abarbanell und feine zahlreiche Familie kommen vor. Die Tochter des Abarbanell, Sara, ^wird von dem Prinzen Don Carlos geliebt und zum Weibe begehrt, natürlich unter der Bedingung, daß.sie zürn Christentum übergehe. 'Sie ist dazu geneigt/ der Vater aber gibt die Erlaubnis nichts Schließlich stirbt Sara auf-der Flucht, , nachdem sie Carlos noch einmal 'gesehen, -Kolumbus, dem/Abarbanell .Geld zu seinem großen Unternehmen vorgestreckt, wendet sich mitleidig zu den Flüchtigen. Das Edikt, das die Vertreibung der Juden befiehlt, wird öffentlich bekanntgemacht,, es. füllt über zwei gedruckte Seiten. Abarbanell hält vor-dem Königlichen Rate eine Verteidigungsrede, die mindestens ebensolang ist. Das sind Geschichtslektionen, aber mit geschichtlicher Kenntnis;.' mit warmer jüdischer Ueberzeugung und . schwächlicher Phantasie allein kann mau unmöglich ein wirkungsvolles Drama gestalten. . L. G. . - ' ' A. /:7 — Die jüdische Kiste. 399 Juwelen, echl gefaßt von Alexander Moszkowski. Berlin 1911. Verlag der Lustigen Blätter. Preis 1.50 Mark. -- -- Die Freunde des ersten Teils dieser lustigen Sammlung haben sich gewiß auch aus unseren Kreisen'rekrutiert.; der zweite?Teil. richtet sich speziell an unsere Glaubensgenossen, da er ja ausschließlich von ihnen handelt. .In einer großen Reihe von Abteilungen: aus-dem Ghetto; zu Gesund!; unter Aussicht des Rabbinats; Geschäftes Geschäft; die Abtrünnigen; von berühmten Juden; übernatürlich;, rund um den Eßtisch; Schlagfertig und "spitzfindig; Zärtlichkeiten; Das große Einmaleins; Toleranz;Gut Wort; Entartete Sprossen; Köppchen; ausgefallene Sachen/ werden Witzworte und Anekdoten 'in bunter Reihe mitgeteilt. ' Der Sammler erhebt, durchaus nicht den Anspruch lauter Neues.-zu bringen, sondern stellt recht.viel Altbekanntes, mit manchem Neuen zusammen. Die Scherze gehören j$.u denen, bei denen man behaglich schmunzeln, mitunter auch laut lachenkann, Verletzendes findet sich selten, und auch Unanständiges kommt wenig vor, wenn auch einzelne der kleinen Erzählungen etwas frei sind. Die Lektüre des amüsanten Büchleins, zu dessen Verständnis ein bißchen Jargonkenntnis gehört, lvenn auch die Ansprüche nicht allzu groß sind, wird gewiß jedem Freude machen. Es sei.daher unseren Lesern bestens empfohlen. L. G.

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