Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 11 (17.3.1905)
- Date
- 1905-03-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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69. Jahrgang. No. II. -Wff ä«^4 Berlin, 17. März 1905. eitung desAudenlums Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements.Preis: Durch Buchhandel, Post oder direkt von der Expedition in Berlin unter Streifband bezogen vierteljährl. 3 ITC. Redakteur: Gustav Rarpeles. - Begründet von Rabbiner ©*• Ludwig Philippson. Verlags-Expedition: Berlin, Jerosalemerstr. 46/49. Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judentums", Berlin SW., Jerusalemer Straße $6/^9, J« richten. Verlag von Rudolf rNosse, Berlin. Dir Milchrhr. Berlin, 14. März. ^L^ie junge Wissenschaft der Statistik erfreut sich in den letzten Jahren bei uns besonderer Pflege. Jeder Einsichtige wird dies nur billigen können, auch wenn die Resultate, zu denen man hie und da gelangt, zunächst wenig erfreulich für die Gesamtheit sind. Ja, gerade dann erst mit Recht, da der soziale, moralische und erziehliche Wert, den solche Zahlengruppierungen in sich tragen, nur aus den Erfahrungen und Resultaten, die auf diesem Wege erreicht werden, hervorgeht. Wir können dies am besten aus' einer Untersuchung ersehen, die einer der tüchtigsten und begabtesten Mitarbeiter auf dem Gebiete unserer- Sozialethik, Herr Sanitätsrät Dr. Mar etz ki, über die Mischehe angestellt hat. Maretzki ist aber auch ein durchaus freisinniger Mann und sein Votum ist gerade für diese Frage von Wichtigkeit. Wir folgen seinen statistischen Untersuchungen. In Oesterreich sind in den Jahren 1896 bis 1900'.jährlich 5923 rein jüdische Ehen-geschlossen worden und 130 Mischehen (70 chr.-jüd. und 60 jüd.-chr.), also nur 2 Prozent der jüd. Ehen. Die meisten Mischehen find in Wien, häufig in Triest und dem Küstenlande, während sie in Galizien und der Bukowina gar nicht Vorkommen. — In Ungarn sind in derselben Zeit 6684 rein jüd. Ehen geschlossen und 250 chr.-jüd. und 198 jüd.-chr. Mischehen, also 6,03 Prozent aller jüd. Ehen. Jeder 35. jüd. Mann, heiratet eine Christin, jedes *64. jüd. Mädchen einen Christen. Die meisten Mischehen liefert Budapest, 179 jährlich, so daß bei 1195 rein jüd. Ehen jeder 15. Jude eine Christin, jede 14. Jüdin einen Christen ehelicht; die Zahlen sind in den folgenden Jahren gestiegen (1902 203 Mischehen). — In Italien ist die Mischehe sehr häufig; die reicheren Familien verheiraten ihre Kinder an Christen. Ebenso verbreitet sind die Mischehen in Schweden, Dänemark, Australien und Frankreich; in letzterem Lande führen Männer aus der höchsten Aristokratie sehr reiche jüdische Mädchen heim. Auch in England haben sich jüdische Mädchen aus den sozial hochstehenden Schichten der Gesellschaft mit Männern aus hohen, aristokratischen ^Kreisen vermählt. — In Kopenhagen sind von 1880—1903 358 rein jüd. Ehen und 234 Mischehen geschlossen worden, so daß diese 39,5 Prozent aller Ehen betragen; sie zeigen eine Tendenz zur Zunahme, denn in den 12 Jahren 1880—1891 machen sie 35 Prozent, in den Jahren 1892-1903 schon 43,6 Prozent aller Ehen aus. Im Deutschen Reich sind die Zahlen 'der Mischehen 1901 und 1902 wie folgt: 1901 1902 3878 3965 rein jüd. Ehen 316 295 chr.-jüd. Ehen 342 331 jüd.-chr. „ Für das Jahr 1903 stellen sich die Zahlen nach den neuesten statistischen Ermittelungen noch schlimmer. Es sind 497 Ehen zwischen Juden und Evangelischen, 138 zwischen Juden und Katholiken und 3831 rein jüdische zu verzeichnen. In Preußen sind in den Jahren 1876—1900'60 800 rein jüd., 3817 chr.-jüd. und 3987 jüd.-chr. Ehen geschlossen worden. Die Zahlen haben seit dem Bestehen der Zivilehe stetig zugenommen : 1875—79 239, 1895—99 433 Mischehen. Auf Berlin entfällt der größte Teil: 1875-79 ---101,1895-99^ 201, 1898—1902 bei 607 rein jüd. Ehen, 212 Mischehen, jeder 6. Mann und jede 6. Frau, heiratet einen Christen. In Preußen ist die Zahl der jüdischen Mischehen in der Zeit nach 1880 nach den amtlichen Berichten bedeutend gestiegen, bis 1901 beinahe -verdoppelt, während die absolute Zahl der rein jüdischen Ehen in weit geringerem Grade .zugenommen hat. In Berlin wurden 1902 210 Mischehen geschlossen (86 chr.-jüd., 124 jüd.-chr.), in München wurden 1875—96 ----- 136 Mischehen geschlossen (44 chr.-jüd. und 92 jüd.-chr.), in Frankfurt a. M. im Jahre 1901 ---- 30 Mischehen (24 chr.-jüd. und 9 jüd.-chr.) Während in Berlin mit der steigenden Zahl der christlichen Bevölkerung die Eheschließungen entsprechend zunehmen, haben sich die jüdischen Ehen trotz Zunahme der Juden nicht in demselben Maße vermehrt. Die Verheiratungen haben bei den Evang. 15,19 Prozent, Kath. 23,92 Prozent, Juden 10,4 Prozent zugenommen. Während in der ersten Zeit mehr Christinnen Juden heirateten, hat sich das Verhältnis im Laufe der Jahre umgekehrt, wie folgende Tabelle zeigt: In Preußen In Berlin Mischehen irn Jahre chr.- jüd. jüd. chr< überhaupt chr.- jüd. jüd.- chr. überhaupt 1885 1011 1100 2111 435 . 590 1025 1890 ' 1258 1505 2763 528 841 1369 1895 1530 1757 ‘ 3287v 684 903 1587 1900 1810 2242 4052 717 1090 1807 Erheblicher find die Zahlen, welche das statistische Jahrbuch der Stadt Berlin angibt. Im Jahre 1900 lebten in Mischehe in Berlin jüd: Mann mit christl. Frau 945, Charlottenburg 107, Wilmersdorf 31, Schöneberg .71, Rixdorf 7, Lichtenberg 3, Weißensee 9, Pankow 9, in Summa 1182, Zunahme von 1890—1900 ----- 27,88 Prozent. Jüd. Frau mit