Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 58 (1894)
- Issue
- Heft 16 (20.4.1894)
- Date
- 1894-04-20
- Page
- Seite 192 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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»Und es tnb es war in Mitten der Nacht. Hört ihr den bangen Wehruf erschallen? Memphis erliegt der stürmenden Noth, Aermliche Hütten, prunkende Hallen Füllt mit Entsetzen grausiger Tod, Denn mit Vergeltung bringender Hand Schreitet der Herr durch Aegyptenland. Und es war in Mitten der Nacht. Aber mit stolz erhobenem Haupte, Lendengeschürzt, den Stab in der Hand, Wandert das Volk, das seufzte und glaubte, Israel wallt ins verheißene Land. Leuchtend voran in Mitten der Nacht Wandelt der Wolke flammende Pracht. Und es war in Mitten der Nacht. Zwischen der Fluth krystallenen Wänden Ziehen die Söhne Jakobs daher. Klirrend, mit waffenstarrenden Händen Folgt der Aegypter wüthendes Heer. Aber der Herr blickt zürnend herab. Und es versinkt im Wellengrab. war in rMitten der Von Gustav Jacobsohn. -nd es war in Mitten der Nacht. Nacht überall! — In Fesseln geschlagen Düsteren Götterwahnes die Welt! Da! wo die Höh'n des Sinai ragen, Ward sie von Himmelsglanze erhellt. Denn aus umhüll'ndöm Dunkel bricht Strahlend des Zehnworts göttliches Licht. Und es war in Mitten der Nacht. > Israels Kinder brachen die Treue, > Abfall und Sünde hat sie bethört,! Schrieen, bedrängt,, zum Ew'gen voll Reue, j Und der Erbarmer hat sie erhört: j Samuel ward in Mitten der Nacht! Israels Leuchte, Führer und Wacht i | Und es war in Mitten der Nacht! Fern ihrem Land, an Babylons Flüssen; * Weinen die Kinder Rahels so bang, j Aber, ob auch, der Heimath entrissen,; Schrillend die Zionsharfe zersprang, i Israel hofft! den düsteren Ort! Hellt der Propheten tröstendes Wort. Macht." Und es war in Mitten der Nacht, Die sich gesenkt auf Juda's Gefilde, Kaum noch der Freiheit Morgen getagt. Da erhoben sich Göttergebilde, Da hat Makabbi sein Leben gewagt. Und von Lichtglanz, wieder entfacht. Strahlte das heilige Haus durch die Nacht. Und es war in Mitten der Nacht. Weithin über die Länder gestreuet War unser Stamm, von Drängern umschwirrt. Doch wie ein Licht, das Wanderer erfreuet. Die sich im nächtigen Walde verirrt. War Maimonides nah und fern Irrenden Führer, Hoffenden Stern. Und es war in Mitten der Nacht, Die sich gelagert mit gräßlicher Oede Auf unser Volk in Deutschlands Gau'n, Als mit der Fackel geläuterter Rede Scheuchte hinweg das nächtliche Grau'n Moses Mendelssohn, als seine Macht Israel führte zum Licht durch Nacht. Wiederum ist's in Mitten der Nacht, Und wir sitzen in traulicher Runde All' um die Sederschüffel gereiht. Sagen und singen und lauschen der Kunde Göttlicher Hilfe in finsterer Zeit. Schien sie auch fern, so war sie doch nah. Preiset den Herrn, Hallelujah! Fitterarische Mittheilungen. M. S. Patriarchenbilder in Sabbath-Vorträgen für die Jugend. I. Abraham. Gehalten von Dr. Adolf Kur re in, Rabbiner, Prediger und Religionslehrer am Gymnasium. 1894. I. Kauffmann in Frankfurt a. M. In unserer Zeit der religiösen Verflachung sind alle diejenigen Veranstaltungen, Lehrmittel, Unterrichtsmerhoden freudig zu begrüßen, welche auf eine Stärkung der religiösen Werthschätzung abzielen. So ist der Jugendgottesdienst ins Leben gerufen worden, um Schule und Gotteshaus in nahe Beziehung zu einander zu bringen. Und wiederum will das vorliegende Werk sich in den Dienst dieser Institution stellen und hilfreiche Hand bieten. Der Herr Verfasser geht von der ganz richtigen Auffassung aus, daß die Kenntniß der biblischen Geschichten an sich nicht genügt, daß vielmehr unsere Jugend in das Seelenleben der unserer Geschichte das Gepräge gebenden Persönlichkeiten vertieft werden muß. Eine Fülle von Midraschimstellen hat der Verfasser angezogen, um zu diesem erstrebenswerthen Ziele zu gelangen. Aber nicht blos für den Jugendgottesdienst, sondern auch beim biblischen Geschichtsunterricht kann das treffliche Merkchen mit Erfolg benutzt werden. Mit regem Interesse sehen wir der in Aussicht gestellten Herausgabe weiterer Hefte entgegen. — Geschichte der Herzoglichen Franzschule in Dessau, 1799—1849. Von Ludwig Horwitz, Kantor in Dessau. Durch diese als Separatabdruck aus den Mittheilungen des Vereins für Anhaltische Geschichte und Alterthumskunde" herausgegebene Schrift, die auf archivalischen Quellenstudien beruht und von regem Fleiß zeugt, hat sich der Verfasser unseren Dank erworben. Solche Schriften bilden die Bausteine, die zu einer allgemeinen Geschichte der Pädagogik erforderlich sind; solchen Detailarbeiten, die mehr oder weniger lokale Färbung an sich tragen und für das große Publikum nicht berechnet sind, wird der Geschichtsschreiber seine besondere Aufmerksamkeit widmen. Denken wir an Moses Mendelssohn, dessen Wiege in Dessau gestanden, an Ludwig Philippson, der ebenfalls ein Deffauer Kind war, an Gotthold Salomon, der an der Franzschule unterrichtet hat, daß also die Dessauer Gemeinde einen bevorzugten Platz in der Geschichte des Judenthums unseres Jahrhunderts einnimmt, so dürfte das Werkchen von Horwitz ein mehr als lokales Interesse für sich beanspruchen. M. s* ----- Rabbiner Dr. Kohn in Jnowrazlaw hat soeben unter dem Titel „Sozialismus und Antisemitismus im Lichte des Judenthums" eine sehr geistvolle und gediegene Predigt (gehalten am 31. März d. Js.) veröffentlicht. Der Reinertrag ist den Armen der Stadtgemeinde ohne Unterschied der Konfession gewidmet. Dieselbe ist zu beziehen durch die Buchhandlung von H. Olawski in Jnowrazlaw und vom Verfasser. Speechsacrl. ^^er in dem Aufsatze „Die Juden im Kaukasus" S. 163 in der letzten Zeile mit einem Fragezeichen vermerkte Frauenname „Loreugapuell" ist kein anderer als der Hiob Kap. 42, V. 14 erwähnte Name der Tochter Hiobs. NILN pp Hochachtungsvoll Köln, 9. April. Rabbiner Dr. Frank. * Hochgeehrter Herr Redakteur! dfen Nummer 14 im Artikel über „die Juden im Kaukasus" und die ftß Tati-Sprache zählt der Autor die hebräischen Worte, welche in der letzten Vorkommen, und zum Worte „zereu bemerkt er: „Vielleicht der Jüngere". Liegt es nicht viel näher, das Wort von abzuleiten, welches im Hebräischen auch Nachkomme bedeutet? Starikon st antin off, 11. April. Hochachtungsvoll Mich. R obinowicz. Geehrter Herr Redakteur! Mch bitte um Verbesserung zweier Druckfehler auf S. 164 Nr. 13; es Hg soll heißen: Ehebedingungen (tnoim) und dann Hängelocke (pii’a); diese Druckfehler könnten sonst zu allerlei Mißdeutungen Anlaß geben Ganz ergebenst Brünn, 8. April. Dr. W. Grünseld. Druck und Vertan von Rudolf Mosse in Berlin. Veranttvortliä) für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.