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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-04-06 · Heft 14 (6.4.1894) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 14 (6.4.1894)
Date
1894-04-06
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 Moritz Dorn erstattete seinen Jahresbericht, dem wir entnehmen, daß dör Verein seine Netto-Einnahmen von 4200 auf 6000 M., seine Mitglieder von 1647 auf 2031 vermehrte. Dieser Bericht wurde mit lebhaftem Beifall zur Kenntniß genommen, den: Central-Komitee Decharge erthsilt und die turnusmäßig ausscheidenden Mitglieder sämmtlich wiedergewählt. Die beiden vorzunehmenden Neuwahlen fielen aus die Herren I. Guttmann und Dr. Oppenheimer. Ein Antrag des Central-Komitees auf gemeinsames Vorgehen mit den andern Vereinen, die denselben Zweck verfolgen, wurde nach eingehender Befürwortung durch die Herren Dr. Hildesheimer und Bambus einstimmig angenommen und die Statuten-dementsprechend geändert, so daß sich der „Esra" in Zukunft an der Gründung neuer jüdischer Kolonien in Palästina betheiligen kann. Eine Reihe von Anträgen, die darauf hinausgingen, den Verein zu lebhafterer Agitation anzusporneri, wurde dem Central-Komitee zur Berückstchtigung überwiesen. Der Verein kann mit seiner Entwickelung wohl zufrieden sein, von 700 M. Uebei> schuß 1887 auf 6000 M. im Jahre 1893 bedeutet einen kräftigen Fortgang, und da sich die jetzigen Mitglieder (am 1. Arpril er. 2300) auf 228 Städte vertheilen, so bedeutet diese Zahl ein großartiges Netz einerd Organisation, die der „Esra" durch ganz Deutschland ausgebreitet hat. mf. Königsberg i. P., 23. März. Am IS. d. Mts. fand die voü der Religionsschule der Synagogen-Gemeinde veranstaltete öffentlich^ Prüfung ihrer Zöglinge in den Räumen des ehemaligen altstädtischey Gymnasiums statt, zu der der Dirigent, Rabbiner Dr. Bamberger^ durch ein Programm eingeladen hatte. Der Bericht — es ist der 28 te dieser Art — bringt dieses Mal eine kurze Abhandlung des Dirigenter! über den „Jugendgottesdienst". Es sind jetzt gerade 25 Jahre vergangen, seitdem Dr. B. in dem dritten Bericht der Religionsschule — März 1869 — den Plan besonderer gottesdienstlicher Einrichtungen für die Schuljugend aufgestellt hat. Obwohl die betreffende Abhandlung damals durch die jüdische Presse die weiteste Verbreitung gefunden hatte^ gingen noch volle 15 Jahre dahin, ehe dieser Gedanke allgemein zur Ausführung gelangt ist. Erst dadurch, daß der im Jahre 1884 gegründete Rabbinerverband den Jugendgottesdienst in sein Programm ausgenommen hat (Arbeitsplan 6.), hat sich diese Einrichtung eingebürgert, sodaß wir sie heute in den orthodoxesten, sonst jeder Neuerung abgeneigtes Gemeinden ebenso finden wie in reformistisch gesinnten Gemeinschaften unseres Glaubens. — In der Gemeinde Königsberg hat sich die Beibehah tung der selbstständigen Religionsschule, für die der Religionsunterricht an den einzelnen Lehranstalten doch nur ein nothdürftiger Ersatz ist, durchaus bewährt. Auch für die hier stattfindende Beibehaltung der öffentlichen Prüfung liegen bei einer Religionsschule noch andere Gesichtspunkte als rein pädagogische vor, und beweist der zahlreiche Besuch zur Genüge, daß durch die öffentliche Prüfung der Kinder das Interesse der Gemeindemitglieder für die Pflege des Religionsunterricht genährt wird, sie soll auch - und gerade die Gegenwart macht dies zum besonderen Bedürfniß — dem größeren nichtjüdischen und jüdischen Publikum im bescheidenen Rahmen ein Bild der jüdischen Religion bieten, des Inhaltes unserer Lehre wie des Geistes) in dem wir unsere Jugend belehren, der da ist ein Geist höchster Sittlichkeit, reinster Menschenliebe. — Die Schule schließt.!^ gegenwärtiges achtundzwanzigstes Schuljahr mit 334 Schülern und Schülerinnen, und zwar 180 Knaben und 154 Mädchen. Die wöchentliche Stundenzahl im Hebräischen beträgt 66 Stunden. Außer einer Schulbibliothek besitzt die Gemeinde noch eine Bibliothek mit 2000 Nummern, die eine reiche Sammlung von hebräischen, aramäischen undrabbinischen Schriften wissenschaftlichen Inhalts enthält. — Bon dem mit der Religionsschule verbundenen Bekleidungsverein für arme Zöglinge liegt der 21. Bericht vor. Unter den Mitgliedern für 1893/94 befinden sich auch christliche Wohlthäter, so ein Graf zu Dohna, das das angesehenste Adelsgeschlecht Ostpreußens repräsentirt. Aus der Provinz Posen, 22. März. Wie aus Wreschen berichtet wird, hat sich unter den Damen der dortigen jüdischen Gemeinde ein Komitee gebildet, welches beabsichtigt, zur inneren Ausschmückung der Synagoge Beiträge innerhalb der Gemeinde zu sammeln. Die Sammlung hat es schon zu einer recht ansehnlichen Summe gebracht. Zum Besten dieses Fonds hielt Herr Rabbiner Dr. John Kohn am 10. d. Mts. im Rauerschen Saale einen zweistündigen, sehr interessanten Vortrag über „Moses Mendelssohn und seine Werke." — Ebenso hielt am 15. d. MV. der dortige israelitische Armenoerein, der bereits 27 Jahre segensreich wirkt, am Nachmittag im Forfchungshause eine ordentliche Generalversammlung ab, die nur mäßig besucht war. Der GenwinderabMer Herr Dr. Ko hn hielt eine Ansprache, in welcher er an die Bedeutung des Tages, des Geburts- und Sterbetages Mosis (7. Adar II) anknüpfte und über die Pflicht der Wohlthätigkeit sprach. Aus dem Geschäftsbericht ist zu entnehmen, daß die Kasse durch Spenden 565.50 M., durch Jahresbeiträge 1186.25 M, durch Zinsen 38.50 M. einnahm, wozu der vorjährige Bestand von 1278.46 M. kommt, sodaß die Gesammteinnahme 3068.71 M. beträgt. Verausgabt wurden an Pensionäre 697.50 M., an außerordentlichen Unterstützungen und Vertheilungen 295.10 M., an Botenlohn 43 M., an durchreisende Arme 463.05 M., zusammen 1498.65 M. (Der Bestand ist also gegen das Vorjahr um 291.60 M. gewachsen.) Bei der Neuwahl des Vorstandes wurden die Herren Zucker, Türk, A. Jaffe, C. Radziejewski per Akklamation wieder- und an Stelle des verstorbenen Mitgliedes Heimaun Mirels und des Kaufmanns Ziegel, der eine Wiederwahl ablehnte, die Kaufleute M. Sokolowski und I Gumpert neugewählt. Oa. Aus Schlesien, 29. März. Bei der von Seiten der Repräsentanten der Synagogen-Gemeinde zu Hirschberg jüngst vollzogenen Vorstandswahl, welche unter der kommissarischen Leitung des Ersten Bürgermeisters, Herrn Richter, im dortigen Magistratszimmer stattfand, wurden die infolge Ablaufs ihrer Wahlperiode ausscheidenden Vorstandsmitglieder, Rentier S. Münzer und Stadtrath E. Weißstein für die nächsten 6 Jahre einstimmig wiedergewählt. — Soeben erfahre ich, daß in dem in unserer Nachbarprovinz gelegenen Pleschen in der Nacht zum 26. d. Mts. die in der Leichenhalle des israelitischen Friedhofs angebrachte Spendenbüchse des „Krankenverpstegungs- und Beerdigungsvereines" gewaltsam erbrochen wurde. Da die Büchse an der Innenseite der Halle eingemauert ist und von außen nur einen schmalen Spalt zum Einwerfen der Spenden hat, so entfernten die Einbrecher mehrere Mauersteine mit Gewalt, um zur Büchse zu gelangen. Ihre Bemühungen waren aber vergebens, da die Büchse erst am vorherigen Tage geleert worden war. Ueber die Thäter fehlt noch jede Spux. K. Hannover, 29. März. Bei der heute vollzogenen Wahl eines Vorstandsmitgliedes an Stelle des verstorbenen Geheimen Kommerzienraths Louis Ephraim Meyer wurde, unter selten reger Betheiligung der stimmberechtigten Gerneindemitglieder, der Sohn des Verstorbenen, Herr Emil Louis Meyer, der eifrige Vorsitzende des hiesigen Vereins für jüdische Litteratur und Geschichte, mit 300 von 434 abgegebenen Stimmen gewählt. Der allgemein anerkannt biedere Charakter des Gewählten sowie seine großen Fähigkeiten und sein guter Wille zu wirken, bürgen, daß er, treu der Tradition seiner Familie, mit warmem Herzen und voller Hingabe für das Interesse der Gemeinde eintreten und im Sinne und Geiste seines verstorbenen edlen Vaters wirken wird. M. Frankfurt am Main, 1. April. Der hiesige Verein zur Beförderung des Handwerks unter unseren Glaubensgenossen hat soeben den fiebenundvierzigsten Jahresbericht ausgegeben und es kann im Anschluß daran zunächst die erfreuliche Thatsache registirt werden, daß das Streben, die aus der Schule entlassene israelitische Jugend soviel wie möglich dem Handwerk, dem Ackerbau und den technischen Berufen zuzuführen, von Jahr zu Jahr immer größeren Umfang gewinnt. Der Verein besitzt in der Caroline Goldschmidt- Stiftung einen Fonds, um angehenden Meistern zur Selbstständigkeit zu verhelfen. Er ist in der Auswahl indeß sehr vorsichtig und tritt nur da helfend ein, wo die Begründung einer dauernden Existenz aller Voraussicht nach sicher ist. Unser Verein hat in dieser Berichtsperiode einen merklichen Aufschwung genommen und eine größere Wirksamkeit als je entfaltet. Während Ende 1691, einschließlich der Stipendiaten aus der H. S. Goldschmidt-Stiftung, 93 Lehrlinge unter seiner Obhut standen, find jetzt deren 122 zu verzeichnen. Eine neue Einrichtung sind die 6 Inspektoren aus der Zahl der hiesigen Mitglieder, um den Fleiß und das Betragen der in Lehre stehenden Zöglinge zu überwachen. Bon den Lehrlingen, unter denen sich noch die Berufsarten Bildhauer, Glaser, Gürtler, Schuhmacher, Lithograph, Schriftsetzer und Schneider (39) vertreten finden, sind 30 in Frankfurt a. Main heimathsberechtigt, aus anderen preußischen Orten stammen 40, aus Hessen-Darmstadt 19, aus anderen deutschen Staaten 11, auf Galizien, Ungarn und Rußland entfallen 5. Kost und Wohnung haben bei den Eltern 50 Lehrlinge, bei den Lehrmeistern 40, auswärts 18. Das Vermögen des Vereins bestand zu Beginn des Jahres aus 66,164 Mark, worunter sich die Zuwendung

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