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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-01-06 · Heft 1 (6.1.1893) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 1 (6.1.1893)
Date
1893-01-06
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Misoei len. Der Papst der Juden. Einem hohen Würdenträger der Kirche gebührt das Verdienst, der Welt die denkwürdige Thalsache enthüllt zu haben, daß die Juden, wohlverstanden, die Juden von heute, einen Papst besitzen, der an Machtfülle nicht hinter dem Träger der Tiara zurücksteht, ja, was politischen Einfluß betrifft, denselben sogar weit übertrifft. Monsignore Leon Meurin, 8. 1 , Erzbischof von Port- Louis, hat soeben ein Buch veröffentlicht, worin diese Enthüllung zu lesen steht. Dieses Buch führt den Titel: „Die Freimaurerei, eine Synagoge des Satans" «Paris, Victor Retaux & fils, 1893). Mit großem Aufwands klügelnden Scharfsinnes und mystischer Gelehrsamkeit sucht Monsignore Meurin den Nachweis zu führen, daß die jüdische Kabala die Lehre, Seele und die geheime Stärke der Freimaurerei bilde. Seine Auslegung der Sagen, Symbole und Gebräuche der Freimaurerei können uns aber nicht zu einer Diskussion oder Widerlegung reizen, so unsinnig sie auch sind. Unser Interesse wird von der die mystische Volte schlagenden Zahlendeutung des Verfassers lahmlegt, bis dieser es für gut befindet, die praktischen Sünden der Freimaurerei bloßzustellen. Da erfahren wir denn, daß der Freimaurerbund nur zum Zwecke besteht, den Juden die Weltherrschaft zu sichern. Die Juden sind thatsächlich die Herren dieser Erde, es fällt kein politisches Blatt zur Erde, ohne daß eine jüdische Hand sich geregt, es weht nicht der leiseste politische Wind, ohne daß jüdische Backen ihn entfacht. Die Revolutionen sind das Werk der Juden, und für alle Kriege müssen sie verantwortlich gemacht werden. Da es aber nicht angeht, daß die Juden sich frei und offen dazu bekennen, die Welt am Schürzenzipfel $u halten, so dient ihnen die Freimaurerei, um ihre Thaten zu maskiren. Judenthum und Loge sind nämlich nach des Verfassers Ansicht identisch. Beide haben ein gemeinsames Oberhaupt, einen Papst-Kaiser, dessen Erlässe, Briefe, Befehle um die ganze Erde wandern und überall blindlings befolgt werden. Dieser Allgewaltige residirt in der Stadt Charleston (Amerika) Der letzterer starb vor wenigen Wochen, hieß Albert Pike. Nun I rüstet man sich allerorten zur Neuwahl. Aber auch dieser Papst muß fremdem Willen gehorchen. Er muß ein überzeugter Verehrer und treuer Knecht des Engels der Finsternisi, des Satans, sein. Satan übermittelt i ihm direkt seine Wünsche, die dann durch die Exekutivgewalt der Logen « und der Juden in Szene gesetzt werden. An einer anderen Stelle seines * Buches erzählt der Verfasser ausführlich (nach dem Berichte von Augenzeugen), wie der Teufel in Gestalt eines jungen, blonden, schönen Mannes in den Logeri 51t erscheinen pflegt, wo man ihm dalin göttliche Ehren erweist. Ter Verfasser bedauert, nichts Authentisches über die Art des Verkehres zwischen dem Oberteufel unb dem Judenpapst — an welchem Verkehr er nicht zweifelt — zu wissen. So geschrieben und gedruckt zu Paris im Jahre des Heils 1893 von Monsignore Löon Meurin, 8. T, Erzbischof von Port-Louis. ¥ M a g nesia. Zu Allfaug des Schuljahres 1892—93 hat das Central-Komitee der Alliance auch in Magnesia eine neue Schule eröffnet. Der Direktor, Herr Mitrani, hat dem Komitee interessante Mittheiluugen über diese Gemeinde zukommen lassen. Anbei einige Auszüge daraus: Die israelitische Gemeinde zählt ungefähr 350 Familien. Wie fast allenthalben in der Türkei sind es die Israeliten, die die ärmere Bevölkerung der Stadt bilden. Sie sind auf ben äußeren Th eil der Stadt, die Anhöhe, beschrankt. Die meisten ihrer Häuser sind alte Bauten, die einander gelehnt, sowohl der Sonne wie allem Unwetter- Einlaß gewähren Fast alle wohlhabenden Israeliten sind die Besitzer der von ihnen bewohnten Häuser: sie haben sie den Christen abgekauft, die sich in den neueren Stadttheilen niedergelassen haben. Man findet daher in diesem Stadttheil alle Juden von Magnesia. Sie haben da, in der Mitte, ihre vier Synagogen, und ganz in der Nähe erhebt sich unsere Schule. Tie meisten Israeliten ernähren sich nothdürstig von der Hand in den Mund, sei es durch Hausiren oder durch die lokale Industrie. Es giebt auch einige kleine Händler, die da ihre Waaren aus Smyrna beziehen und in einem gewissen Wohlstand leben, aber nicht einen Juden giebt es, der ein kleines Vermögen besäße, wie dies anderwärts der Fall ist. Qu einem Wort, die Inden sind hier im Allgemeinen arm. Dennoch sieht man in den Straßen kaum einen einzigen jüdischen Bettler. Es giebt hier vielleicht mehr Elend wie anderswo, doch stürbe der Antte hier lieber Hungers, als daß er die Hand ausstrecke. Er will sein Brod durch eigene 'Arbeit erwerben, und wenn ihm aus irgend einem Grunde die Kräfte versagen, und er das Nöthige nicht aufbringt, wendet er sich wohl an die Mildthätigkeit aber nicht an die öffentliche, sondern an irgend eine edle Seele, die für ihn — ohne ihn zu nennen — etwas zusammenbringt. Diese Würde, dieser Stolz im Elend haben mich tief gerührt, und es wird das Central-Komitee interessiren, diesen Charakterzug ztt kennen. — Ein interessantes Legat. In den israelitischen Gemeinden des Elsaß gelangte kürzlich folgende Bekanntmachung seitens des Konsistoriums zur allgemeinen Kenntniß: „In Ausführung eines Vermächtnisses der bei Lebzeiten in Straßburg wohnhaft gewesenen Eheleute Michel und Fanny Weil, wird hiermit den Israeliten Elsaß- Lothringens zur allgemeinen Kenntniß gebracht, daß am 17. Januar 1893 ein Preis und am 2 August 1893 ein anderer Preis, jeder von 800 Mk., zu vergeben sind, und zwar solchen Personen oder Familien, welche in den vier verflossenen Jahren durch Beweise großer Tugend, guter Führung, Gefühle von Großmuth und Menschenliebe diesen Preis verdienen. Die Bewerber um den nächsten Preis haben ihre Gesuche sofort in den ersten Tagen des Monats Januar und diejenigen des zweiten Preises vom 1. Juni bis zum 15. Juli 1893 dem Konsistorium in Kolmar zu übermitteln. Das Israelitische Konsistorium." ¥ ----- Die Form des Buchstaben Jud(<) ist bekanntlich nichts als ein runder, etwas starker Punkt. Nun sagte einmal ein Witzling: Dieser Buchstabe ist deshalb blos ein Punkt, weil ein Punkt den Juden am besten charakterisirt. Man drehe nämlich einen Punkt wie man will, es bleibt Punkt, man stelle ihn wohin man will, es bleibt ein Punkt, man nehme von ihm fort, es bleibt ein kleiner Punkt, man mache ihn größer, es wird ein großer Punkt. — So auch der Jude, man drehe ihn wie man will, es bleibt ein Jud, man stelle ihn wohin man will, es steht ein Jud da, man mache ihn kleiner, es bleibt ein „kleiner Jud", matt mache ihn größer, es bleibt ein „großer Jud". J. F. Die Nr. 1 der „Mittheilnngen aus dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus" «Expedition Magdeburgerstraße 13, Postzeitungsliste 4173) hat folgenden Inhalt: An unsere Mitglieder. — Wünsche der Redaktion au die Leser der „Mittheilnngen" fürs neue Jahr. — Aufdämmernde Erkenntniß. — Zur Abwehr. — Antisemitische Volksversammlung in Grattsee. — Die Parteien und der Antisemitismus. — Aus der antisemitischen Partei. — Wie's gemacht wird. — Kleine Mittheilnngen ttnd Korrespondenzen. — Briefkasten. Kri der Redaktion eingegangenr Kttchrr. (Ein näheres Eingehen auf einzelne Werke bleibt Vorbehalten? S. Heller: Die echten hebräischen Melodien. Herausgegeben von D. Kaufmann. Trier 1893. S. Mayer. M. Rawicz: Der Traktat Sanhedrin ins Deutsche übertragen und mit erläuternden Bemerkungen versehen. Frattkfttrt a. M. 1892. A. I. Hofmatm. M. Braun: Geschichte der Juden und ihrer Litteratur. Theil l. Breslau 1893. W. Jacobsohn & Co. I. Winter und A. Wünsche: Die jüdische Litteratur seit Abschluß des Kanons. Lief. 9. Trier 1892. Siegm. Mayer. W. Bacher: Die jüdische Bibelexegese vom Anfang des zehnten bis zum Ettde des fünfzehnten Jahrhunderts. Ebendas. W. Bacher: Die hebräische Sprachwissenschaft vom 10. bis zum 16. Jahrhundert. Ebendas. E. Dreher: Der Materialismus, eine Verirrung des menschlichen Geistes, widerlegt durch eine zeitgemäße Weltanschauung. Berlin 1893. üncflmftcit der Redaktion. A. M. in ih Wir können Ihnen aus authentischer Quelle mittheilen, daß der Renegat Dr. Leopold Earo mit der hochachtbaren Familie des Rabbiners Caro in Wloclawek auch nicht in der entferntesten Verwandtschaft steht.

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