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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-08-11 · Heft 32 (11.8.1893) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 32 (11.8.1893)
Date
1893-08-11
Page
[Seite] (sequence 20)
Language
German
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Miscellen. — Peter Hebel und die Juden. Georg Bleibtreu erzählt in, seinen Sabbathstunden Folgendes: Peter Hebel war das Kind armer Leute, die im Taglohn arbeiteten und sich kümmerlich ernährten. Sein Vater - starb sehr früh, und nur der angestrengten Thätigkeit der Mutter war es zu verdanken, daß der aufgeweckte Junge regelmäßig eine Schule besuchen r konnte. Derselbe war vorzüglich beanlagt, dabei sehr fleißig und im Betragen musterhaft, was edle Menschen veraulaßte, ihn auf bessere Schüler: :: zu bringen und studiren zu lassen. Knapp genug ist's ihm oft gegangen, doch half ihm sein heiterer Sinn, alle Schwierigkeiten zu überwinden und seine Studien zu beenden. Im Jahre 1755 wanderte er als fröhlicher! Student mit dem Ränzel auf dem Rücken von Erlangen aus nach Hause.! Sicher ahnte Niemand und er wohl am wenigsten, daß aus demselben der! nachmals so berühmte Kalendermann, der treffliche Theologe, der unver-; geßliche Prälat Peter Hebel werden sollte. Munter und guter Dinge j schritt er seine Straße fürbaß, und war auch das Kleingeld bei ihm rar, | so verlor er doch den Humor nicht. In seinem Kopfe kreuzten sich Ge-! danken mannigfacher Art, er ließ die rauhe Vergangenheit im Geiste vorüber-! ziehen und malte sich Luftschlösser für die Zukunft aus. Wenn er sich so einen idyllischen Ort dachte, inmitten ein Pfarrhaus mit hübschem Garten, j das er bewohnen könne, umgeben von einer züchtigen Hausfrau, geliebkost j von pausbackigen Kindern, dann ward ihm das Herz zum Zerspringen j voll und entuüchtert empfand er wieder Zweifel, ob er je ein derartiges I Glück erlangen werde, ob er es verdiene? Seine Vorsätze waren gut, ein! Ideal hatte er: einer Gemeinde ein würdiger Seelsorger zu werden und j seine Zukunft da aufzubauen, wo er Menschen glücklich machen könne. > So wanderte Hebel dahin und stand auf einmal vor den Thoren Seegringens, einem damals Ansvachischen Grenzorte. Er wollte eintreten, doch eine rauhe Stimme herrschte ihn an: „HaltJud'! Zoll bezahlen!" Hebel blickte i sich um, sah auch den Fragenden an und war starr, daß er damit gemeint! sein sollte. „Nun, wird's bald, verdammter Jud'. Du willst um den Zoll! betrügen? Wart', ich will Dir!" Und Fäuste ballend erhob er sich, ein! großer Hund sprang die Treppe herunter, bereit, den müden Wanderer > anzufallen. Fort waren die vorhin aufgebauten Luftschlösser, die rauhe j Wirklichkeit ließ ihm die Zukunft in einem minder schönen Bilde erscheinen:! doch ermannte er sich rasch und sprach: „Ich bin kein Jude". „So, auch > noch leugnen! Mit Dir wollen wir schon einig werden," sagte der ein-! äugige Zöllner und versuchte, den vermeintlichen Juden mit Hilfe seines Hundes zu packen. Mit einer Miene, in der Wehmuth und Schalkheit! mit einander stritten, sagte Hebel: „Laßt's nur gut sein, ich gehe mit." Würde er für einen Juden gehalten, so wollte er auch erleben, wie es einem solchen ergehen sollte. In seine alte Lustigkeit verfallend, sagte er zu seinem Widerpart: „Ich spreche, wie Ihr Euch sofort überzeugen sollt, allerdings; Hebräisch und das nicht gerade schlecht. Werde ich nun für einen Hebräer gehalten, weil ich diese Sprache gelernt habe und mich darin ausdrücken | kann, obgleich ich kein Jude bin, so ist das sehr schmeichelhaft für mich." 1 Schelmisch sah er den halb verduzten Zöllner an, und als dieser stehen blieb, sagte Hebel: „Ich gehe zwar mit Euch, aber Judenzoll bezahle ich j nicht, führt mich zum Richter!" Lächelnd folgte der Arrestant dem ehemaligen! Unteroffizier, und lächelnd nahm er all die Schimpfnamen entgegen, die ihm von Groß und Klein zu theil wurden. „Hep, hep!" schrie die hoffnungsvolle Jugend — und „Jud', Jud'!" rief man ihm aus den Fenstern nach. Hebel konnte nur lachen und kam endlich zum Dorfrichter, der ihn des! verweigerten Leibzolles wegen mit einer Prügelsuppe bewirthen und frei beherbergen wollte. Jetzt hieß es, den Spaß in Ernst umzukehren, wenn er nicht durchgeprügelt werden wollte. Er legte seine Universitätszeugnisse und seinen Reisepaß vor und blickte den Gestrengen fragend an. Dieser aber gab sich nicht ganz gefangen, weil er sich für Einen ausgegeben habe, der er nicht war. Hebel wußte ihm aber den Meister zu zeigen, und der struppige Zöllner mußte zugeben, daß der Fremde bestritten habe, ein Jude! zu sein. Mit allerhand Schimpfreden als Wegzehrung wurde er entlassen.! Hebel hatte nach Seegringen einen schönen Durst gebracht; dieser war ihm vergangen und fort giug's zum andern Thor hinaus. Auf einer Anhöhe blieb er stehen, überschaute den Ort und sprach: „Seegrmgen — Deiner will ich! gedenken!" Und Hebel hielt Wort. Den Schauplatz seiner schalkhaften Erzählungen verlegte er immer nach Seegringen. Kam irgendwo eine Albern- ' heit vor, die er zu Papier brachte, so geschah dies in Seegringen, und so gilt! Seegringen heute noch als Ort, in dem vorzugsweise die Albernheiten volle! Blüthen treiben. Diese allerdings unliebsame Begegnung war Ursache,; daß Peter Hebel sich der Juden besonders annahm, wovon seine Erzählungen beredtes Zeugniß geben. — Die Nr. 33 der „Mittheilungen aus dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus" (Expedition Magdeburgerstraße 13, Zeitungsliste 4173) hat folgenden Inhalt: Die sozialdemokratische Partei und der Antisemitismus. — Zur Stichwahl in Alsfeld-Lauterbach-Scholten. — Der neue Herr. — Nachruf. — Zur Abwehr. — Aus dem antisemitischen Lager.— Aus Frankreich. — Briefkasten. Äri der Uedaktiv» ringegangene Äiichrr. (Ein näheres Eingeben ans einzelne Werke bleibt Vorbehalten.) S. Buber. Midrasch Agadah. Agadischer Kommentar zum Pentateuch. Wien 1894. A. Fanto. — Midrasch Mischle. Sammlung agadischer Aussprüche der Sprüche Salomonis. Wilna 1893. Gebr. Romm. M. Bloch. Der Vertrag nach mosaisch-talmudischem Rechte. Anhang zum Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest für das Schuljahr 1892-1893 Budapest 1893. I. Winter und A. Wünsche. Die jüdische Litteratur seit Abschluß des Kanons. Lief. 12 und 13. Die Midraschin:. Von den Herausgebern. Die poetische Litteratur. Von Prof. Dr. Sulzbach. Trier 1893. Siegm. Mayer. D. Hofsmann. Mischnajoth. Hebräischer Text mit deutscher Uebersetzung und Erklärung. Theil IV Lief. X V. Berlin 1893. H. Jtzkowski. Jakob Stein. Geschichte der israelitischen Lehrerkonferenz Hessens. Cassel 1893. Gebr. Gotthelft. G. Bades und M. Mailes. Hasaron. Magazin für jüdische Geschichte, Litteratur und Wissenschaft. (Hebr.) Heft 1. Krakau 1893. I. Fischer. W. Rubens. Das Talnmdjudenthum. Kritischer Streifzug. Zweite Ausgabe des Buches „Der alte und der neue Glaube im Judenthum". Zürich 1893. Verlags-Magazin. — Ernste Plaudereien über die Judenfrage. Erlebnisse, Geständnisse und Vorschläge eines germanisirten Talmudjuden. Berlin 1893. Richard Wilhelmi. I. Hamburger. Jubelfest-Predigt zur goldenen Hochzeit I. K. H. des Großherzogs und der Großherzogin von Mecklenburg-Strelitz. Neustrelitz 1893. Hellwigffche Hofbuchdruckerei. Geschäftliche Notizen. * Baden-Baden, dieses eleganteste aller fashionablen Bäder, übl nach wie vor seine unverminderte Anziehungskraft auf ein distinguirtes Reisepublikum aus. Abgesehen von der allgemein bekannten, von den Römern schon gewürdigten Thermalquelle, hat sich das liebliche Schwarzwaldstädtchen seit lange als der bevorzugte Liebling Solcher erhalten, die von dem aufreibenden Treiben der Großstadt und des öffentlichen wie gesellschaftlichen Lebens sich für einige Zeit zu herrlicher, frischer Gebirgsnatur flüchten und im köstlichsten Waldesodem für ihre geschwächten Nerven neue Spannkraft finden wollen. Die ausgezeichnete geographische Lage Baden-Badens, das vortreffliche Klima, die Mannigfaltigkeit seiner entzückenden unmittelbaren Umgebung, diese seltene Vereinigung von allen Reizen der Gebirgsnatur im engsten Umkreise, die man wo anders oft nur mühsam und auf große Entfernungen zusammensuchen muß, zieht Jahr für Jahr Tausende von Gästen aus den besten Gesellschaftsklassen aller Nationen dorthin, wo Natur und Kunst sich vereinen, um ihre Vorzüge verschwenderisch auszuschütteu und einen wahrhaft idealen Aufenthalts ort zu schaffen, der der Sammelpunkt des gediegenen Wohlstandes ist. Das Vorurtheil, Baden-Baden sei während der Monate Juli und Auguß ganz besonders heiß, ist ebenso ungerechtfertigt, wie das hinsichtlich de: theuren Preise. Was das erste betrifft, so läßt der frische, würzige Hauch, der, ineilenweit über Tannenwaldungen hinstreifend, das Thal der Oos durchweht, die Empfindung unerträglicher Wärme überhaupt niemals auf' komme::, und hinsichtlich des letzteren hat uns ein mehrwöchentlicher Aufenthalt in dem elegantesten der dortigen guten Hotels, dem Hotel Minerva, vom Gegentheil überzeugt. Seit der Eröffnung dieses im vornehmsten Stile geführten Hauses, das mit Recht den Zusatz „allerersten Ranges" verdient, wird dasselbe von den allerbesten Gesellschastsschichten bevorzugt. Seine ausgezeichnete Lage inmitten seines eigenen herrlicher- Gartens, unmittelbar an der zauberischen Lichtenthaler Allee, diesem Korse der Bäderstadt, seine mit allem Komfort moderner Ansprüche versehene innere Ausstattung, die außergewöhnliche Sorgfalt seiner Leitung, die jeden: Einzelnen den Aufenthalt daselbst zu dem denkbarst angenehmen macht, die exquisite Küche des Hauses unter der Leitung von Meister Escofsiers bewährtesten Schülern! der erlesene Keller, Alles hat sich vereint und dem Hotel Minerva schnell eine erstaunliche Beliebtheit bei allen Denen zu erwerben gewußt, welche die Vorzüge eines Hotels vornehmsten Genres und zu gleicher Zeit die Ruhe und Behaglichkeit eines distinguirten Privathauses zu genießen wünschen. Den verwöhntesten wie bescheidenen Ansprüchen trägt das Hotel Minerva Rechnung, und in entgegenkommendste: Weise werben bei längerem Aufenthalte — besonders mit Familien — vortheilhafte Arrangements abgeschlossen.

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