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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-07-28 · Heft 30 (28.7.1893) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 30 (28.7.1893)
Date
1893-07-28
Page
[Seite] (sequence 20)
Language
German
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Misoellen. Religio nsstatistik. Die soeben zur Ausgabe gelangte 27. Lieferung des „Handwörterbuchs der Staatswissenschaften" (Jena, Gustav Fischer) bringt unter anderen eine Abhandlung von Professor Leris über „Religionsstatistik". Danach beträgt die Anzahl der auf der ganzen Erde lebenden Juden: 7,403,000. (Ihnen stehen gegenüber bei einer Gesannntbevölkerung der Erde von 1480 Millionen 153 Millionen Protestanten und 233 Millionen Katholiken). Von den europäischen Ländern mit zusammen 6,800,000 Juden hat Rußland die größte Anzahl, nämlich 3,600,000. Es folgen dann Oesterreich-Ungarn 1,863,640, deutsches Reich 568,000, Rumänien 400,000, Niederlande 97,000, Türkei 80,000 (125,000?) Frankreich 56,000, Großbritannien und Irland 46,000, Italien 40,000, Bulgarien und Ostrumelien 24,000. In den übrigen Ländern Europas bleibt die jüdische Bevölkerungsziffer unter 10,000. Auf die anderen Erdtheile entfallen 603,000, und zwar auf Amerika ca. 500,000, Asiatische Türkei 195,000, Asiatisches Rußland 45,000, Afrika 296,000 (Tripolis und Marokko 200,000, Algier und Tunis 88,000), Australien 20,000. Löbtau er Taufscherze. Unsere Leser werden sich gewiß noch an die Mittheilung erinnern, nach welcher der antisemitische Gemeinderath des Dresdner Vororts Löbtau eine Straße „Ahlwardtstraße" getauft hat. Der den jeweiligen Strömungen sich anpassende Gemeinderath hat nach Ahlwardt's Auftreten im Reichstage die Straße schnell wieder „umgetauft". Nun ist demselben Gemeinderath neuerdings ein kleines Malheur passirt. Er hatte nämlich kürzlich beschlossen, die Heinestraße, die, wie man allgemein annahm, ihren Namen nach dem Dichter Heinrich Heine führte, in Poststraße umzutaufen. Wie sich jetzt aber herausgestellt hat, ist die Heinestraße s. Z. aber gar nicht nach dem Dichter Heine benannt worden, sondern nach einem bekannten Dresdener Maler Heine. Dieses Mißgeschick hat natürlich überall große Heiterkeit hervorgerufen, um so mehr, als an dem „Arierthum" des Malers Heine Niemand zweifelt. — B e r t h o l d A u e r b a ch hat einmal in einer Stunde aufgeschlossener harmloser Plauderei dem früheren Leipziger Rabbiner Dr. Goldschmidt erzählt, wie ihm als Knaben der dichterische Beruf durch eine Anregung der Phantasie sich zuerst erschlossen habe, die er der Bibel verdankte. In der Religionsstunde der Talmudschule in Hechingen hatte man an einem heißen Sommernachmittag den Abschnitt durchgenommen, in welchem sich der Vers befindet (Genesis 27,27): „Siehe, der Geruch meines Sohnes ist wie des Feldes Geruch, womit ihn der Ewige gesegnet." Der junge Berthold grübelte bereits während der Lehrstunde darüber nach, wie denn der „Geruch des Feldes" beschaffen sei. Kaum war aber die Stunde geschlossen, so litt es ihn nicht länger in den Mauern des Städtchens, der wissensdurstige Bachur eilte hinaus auf das freie Feld, in die weite Gottesnatur. Hier im Anschauen der herrlichen Gaben erschloß sich Berthold Auerbach nach eigenem Geständniß zum ersten Male jene durchgeistigte Naturanschauung, an die sein Dichten zum Theil geknüpft war, und die bedingt war durch seine echt jüdische Erziehung. — Wie der Midrasch sagt, stammte der „Geruch jenes Feldes" aus dem Paradiese, und ein Paradies erschloß sich damals dem der engen Klaus fortan entrückten Bachur. Die Nr. 31 der „Mittheilungen aus dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus" (Expedition Magdeburgerstraße 13, Zeitungsliste 4173) hat folgenden Inhalt: Güterschlächterei im Kreise Kolberg-Körlin. — Jüdische Geschichtslehrer. — Stöcker gegen Ahlwardt. — Von den Nachwahlen. — Von den antisemitischen Führern. — Vermischtes. — Vom Büchertisch. - Briefkasten. Druckfehlerberichtigung. In Nr. 30 der „Allg.Z. d. I." muß es im Leitartikel „Ein Vors chlag rc." heißen: S.352,1.Sp., Z.22 v. o. Ober- Staatsanwalt (statt oberste St.), Z. 4 v. u. Betreibung (statt Beurteilung). Zum IS. September suche ick für mein Getreidegefchäft einen gut empfohlenen jungen Wann. der mit der Branche, Korrespondenz und Buchführung vertraut ist. Ebenso findet ein junger Mann. Sohn achtbarer Eltern, sofort Stellung als Lehrling. Mohrin NM. Julius Wolfs. Aeth. Gele, GjsenM, Spirituosen, Meine. Rout. Reisender dieser Branchen, mos. Konfession, der die Provinzen Preußen, Pommern. Schlesien und Posen mit größtem Erfolge bereiste, auch der polnischen Sprache mächtig ist. sucht unter den bescheidensten Ansprüchen per sofort oder später in einem leistungsfähigen Hause Engagement. Gefl. Offerte:: unter J. O. 6674 an Rudolf Mosse, Berlin SW., erbeten. Ein ordentlicher, fleißiger, strebsamer Ketscher und MnrMacher. 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