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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-06-23 · Heft 25 (23.6.1893) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 25 (23.6.1893)
Date
1893-06-23
Page
[Seite] (sequence 20)
Language
German
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Mrsoellen. * Noch einmal Fritz Reuter und die Juden. Unter den nach Fritz Reuters Tode in seine gesammelten Schriften aufgenommenen humoristischen "Arbeiten befinden sich auch die 1855 und 1856 entstandenen [ „Briefe des Herrn Inspektors Brüsig an Fritz Reuter" und vice versa. Im achten dieser Briefe theilt Reuter in schalkhafter Weise, gleichsam um Rath fragend, dem biederen Inspektor folgenden „Fall" mit: „In einer kleinen Stadt — bitte, ich irre mich, es ist eine Kreis- > stadt — lebt ein edler Israelit. Ter Mann beschließt, dem Zuge seines Herzens, welcher ihm als des Schicksals Stimme gilt, zu folgen und in der schweren Noth der Zeit, oder in der Zeit der schweren Noth ein Uebriges zu thun und sich seiner — bald hätte ich Mitchristen geschrieben j — leidenden Mitmenschen zu erbarmen. Er überlegt sich Alles wohl, j wie das seines Volkes bedächtige Art ist, er fragt sein Herz, er fragt fern Geschäft, beide nicken mit dem Kopfe und sagen: In Gottes Namen!! Thu's! — Er thut's! Er holt 100 Thaler pr. Courant hervor und giebt sie zu einer Suppenanstalt für die Armen der Stadt. — Halt! Herr Inspektor, Sie wollen sagen, was Sie wahrscheinlich schon oft gesagt haben: „Jude ist Jude, er hat seinen Vortheil dabei." Die Sache : ist noch etwas anders. Der Mann denkt: Soweit wär's gut, aber die! preußischen Thaler können die armen Teufel nicht fressen, sie müssen! Suppe dafür haben, aber wo diese Suppe kochen? Ich habe da zwei j Küchen, ich will sie hergeben diese beiden Lokale, ich will mir die Last auf den Hals laden und die Gefahr, daß man bei Gelegenheit mir die! silbernen Löffel stiehlt. — Große Freude in der christlichen Versammlung!! „Haben Sie's schon gehört? der Co." — Ja, ja, weiß es schon. > Hat 1OO Thaler gezeichnet. „Ja, er hat aber auch seine Küchen zu diesem! wohlthätigen Zwecke angeboten." Allgemeine Freude und Anerkennung. Da erhebt sich der dreimal im Feuer des Glaubens und der Liebe ge-! läuterte hierarchische Goldquast und spricht: „Meine Herren, ich stimme! für Ablehnen! Nie werde ich als christlicher Superintendent zugeben, daß 1 christliche Arme aus einer Judenküche gespeist werden!" Trotzdem heftiger Widerspruch von vier Mitgliedern des Komitees, weswegen dieselben in > den Verdacht des heimlichen Mosaismus gerathen. Dieselben gehen ab i und zürnen inwendig. Jndieirte Judenverfolgung." — Bräsig schreibt! in seiner Antwort über den „Fall": „Unser Herr Pastur is noch einer! von die Alten. Vor die Stallsutterung und die vielen Betstunden is er! nich. Als Tekonomiker is er richtig, un als Pastur ein Menschenfreund, j Er is der Meinung, daß die Israeliten im Ganzen genommen, millgäwerner wären als die Christen, und daß ihre Kocherei sehr rendlich! mit „Milchern" un „Fleischern" wäre, auch das Essend behilflich, wie er dies an seiner eigenen körperlichen Beschaffenheit erfahren habe, da j er lange Jahre als Gimnast bei so einem mosaischen Samariter j 's Middwochens Freitisch gehabt habe. Nun frage ich Ihnen aber: - Hat dieser Supperdent was gegen die 100 Rthlr. preuschen Crant dieses ' mosaischen Glaubensgenossen gehabt, oder hat er diese for probat erklärt? dieses wäre, wie uns' Herr Pastur sagt, eine exemplarische Beitragung zu die Moralität von's 19. Jahrhundert." ----- In einem Artikel „Die Sagen des sächsischen Königshauses" finden wir in der „Nordd. Allg. Ztg." folgende Bemerkung: Es war inzwischen die Zeit gekommen,^ daß fast ein jeder der deutschen Fürsten sich einen Adepten oder Hofastrologen. hielt. So auch Kurfürst Augustus. Der Rabbi Mardachai de Stelle spielte um 1575 eine gar wichtige Nolle am Dresdner Hofe, — eine ähnliche fast, wie Leonhard Thurnepßer in Berlin. Wir besitzen, angeblich von ihm, eine „Weissagung von der Zukunft des Hauses Wettin", mit handschriftlichen Zusätzen von Kurfürst August selbst vermehrt. Sie beginnt mit dem bekannten kabbalistischen Gallimatthias, prophezeit dann August s baldigen Tod — er erfolgte jedoch erst 1586 — verkündet dann das Elend des 30 jährigen Krieges, — „das Land wird fast verzagen wollen," — und weiter eine glänzende Erhebung zu Ende des 17. Säculi. Haus Sachsen wird die Königskrone erringen und behalten; „ehe aber Adonaj sein Reich mit dem Untergange dieser aus Feuer und Salz — aus plutonischen und neptunijchen Gebilden — bestehenden Welt anfährt, wird eine geringe jedoch vor Gott sehr große Person sich einstellen, welches der letzte Regent vom Kurstamme sein wird." Das von uns bereits wiederholt empfohlene Sammelwerk „Freiheit, Liebe, Menschlichkeit" enthält folgendes hübsches Gedicht von Julius Stettenheim: I in Konzert. „Du bist wie eine Blume, — Ein wundervoller Text, Das ist das Lied der Lieder, Das hat mich schier behext! Ich finde auf dem Programme Des Dichters Namen nicht. Es ist gewiß von Goethe, So deutsch, so tief, so schlicht." „Das Liedchen ist von Heine," „Ein Jude machte das Lied? Jetzt sind' ich's ganz abscheulich. Ich bin Antisemit." — Die Nr. 26 der „Mitteilungen aus dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus" (Expedition Magdeburgerstraße 13, Zeitungsliste 4173) hat folgenden Inhalt: Die Antisemiten bei der Reichstagswahl. — Zur Wahlbewegung. — Jüdische Lehrer. — Prozeß Paasch irnd Genossen. — Vermischtes. — Der Antisemitismus. Von C. Lombroso. — Briefkasten. Herzliche Bitte um Hilfe! Ein Beamter (Familienvater), durch langwierige Krankheiten in sehr bedrängte Lage gerathen. sucht einen hochherzigen Menschenfreund, welcher geneigt wäre, ihn durch Gewährung eines Darlehens vor dem Untergänge zu retten. Lebensverficherungs - Policen über 2700 Mark würden als Unterpfand hinterlegt werden können. Rückzahlung in Raten von 100 Mark vierteljährlich. Beste Empfehlungen sowie ein durchaus makelloses Borleben stehen dein Bedrängten zur Seite. Gütige Adressen werden unter J.F. £992 all die Annoncen-Expedition von Rndolf Messe, Berlin SW., erbeten. B> h e i n i s c h e Tuch-Niederlage in Aachen 86 Friedrich-Strasse 86 -^ Specialität: •<- Cheviots und Kammgarne versendet direct an Private franco durch ganz Deutschland. Grosse Auswahl. —Billigste Preise. Muster auf Anfragen gratis. Gisschränke neuester Konstruktion liefert zu den billigster Prelsen die Fabrik vor TheodorWeigele BERLIN 8., Alte Jacobstrasse 50. Jlluslrirte Preisliste gratis und franco Stottern griindl. 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