Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 24 (16.6.1893)
- Date
- 1893-06-16
- Page
- [Seite] (sequence 20)
- Language
- German
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Miscetl en. ----- Börne äußert sich in der 56. seiner gesammelten Kritiken über dramatische Dichtungen betreffs des sog. „Jüdelns" seitens der Schauspieler in einer antisemitischen Tendenzposse: „Die Aufführung dieser Posse zu Berlin fiel in jene Zeit, wo einige Hauptstädter, die sich für das deutsche Volk hielten. Alles von sich abstießen, was sie gleich den Juden für undeutsch erklären wollten. Wie es entnervten Menschen eigen ist, daß sie in den Geberdungen des Zorns und des Hasses sich gefallen, weil sie solche Aeußernngen als Zeichen des Kraftgefühls geltend haben möchten, so haben auch jene Schwächlinge einen Haß gegen Juden, der oft ihren eigenen Herzen fremd war, den Besseren aufzudringen gesucht . . . Vielleicht war diese, einem männlichen und verstandesreifen Zeitalter so unangemessene Ausschweifung mehr als ein Kinderspiel. Vielleicht haben die Unruhigen, um ein von ihnen aufgeregtes Volk bis zur Zeit des vorbedachten Gebrauchs in Uebung zu erhalten, jene feindliche Stimmung künstlich hervorgebracht. Vielleicht haben auch die Freunde der Ordnung, um eine junge Bürgerwelt austoben zu lassen und zahnenden Kindern etwas in den Mund zu geben, worauf sie ihre Grimassen verbeißen können, jenes ränkevolle Treiben nicht ungern gesehen. So viel aber ist gewiß, daß die Juden als Zielscheibe irgend eines politischen Witzes hingestellt oder als Schlachtopfer einer Staatslist auserlesen sich ansehen mußten. Die Empfindlichkeit der Juden wäre selbst dann zu billigen gewesen, wenn auch das Stück selbst nichts enthielte, was einen unverdienten Spott oder Groll gegen sie auszuwecken geeignet wäre. Wer weiß es nicht, wem braucht man es erst zu erzählen, wie dieses Volk auch darin stets mit Ungerechtigkeit behandelt worden ist, daß man alle in Zeit und Raum zerstreute Schlechtigkeiten, solche, welche Juden verschiedener Gegenden und verschiedener Zeiten eigen oder angedichtet waren, gesammelt und stets aus den einzelnen Kopf jedes nächst dastehenden Juden gehäuft hat." .d '• -- Varnhagen von Ense über die Judenfrage. Ein sehr merk-! würdiges Wort hat schon vor 56 Jahren Varnhagen von Ense in einem? ungedruckten Briefe an Gustav Kühne über die sogenannte Judenfrage ] gesprochen. Er sagt in diesem, Berlin, 3. Juni 1837 datirten Briese j Folgendes: Wie Jemand in unserer Zeit über Juden denkt, was er von i ihnen weiß und versteht, was er ihnen gönnt und uns zuwenden möchte,! das ist mir eines der wichtigsten Kennzeichen sowohl für das'Innere des j Menschen als auch für seine weltliche Fähigkeit. Ein Feind und Hasser der Juden kann große und edle Eigenschaften haben, allein er hat dabei auch gewiß einen dunklen Fleck im Herzen oder im Verstände, und sein Wirken im Leben wird auch nicht ohne Stellen sein, wo es lahm mit ihm geht." Den Herren Ahlwardt und Stöcker ins Album zu schreiben! Die Nr. 25 der „Mittheilungen aus dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus" (Expedition Magdeburgerstraße 13, Zeitungsliste 4173) hat folgenden Inhalt: Zur Wahlbewegung. — Jüdische Lehrer.— Zur Kennzeichnung der Geschäftsführung des „Mitteldeutschen Bauernbundes" und des Böckelschen Antisemitismus. — Ahlwardt und sein Verhältniß gux deutschen Lyrik. — Vermischtes. — Der Antisemitismus. Von E. Lombroso. — Vom Büchertisch. d Geschäftliche Notizen. * Eine große Sorge für unsere Hausfrauen sind die mit Leihung des Waschhauses und Trockenbodens verbundenen Unannehmlichkeiten. 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