Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 22 (2.6.1893)
- Date
- 1893-06-02
- Page
- [Seite] (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Miscellen. — Von der gro ß herzigen Schenkung eines edlen Menschenfreundes . wird aus Galveston in Teras geschrieben: „Heute am 20. Mai wurde ” hier das Testament des vor Kurzem verstorbenen deutsch-schweizerischen -- Millionärs unb Bankiers Henry Nosenberg geöffnet. Aus dem Testamente geht hervor, daß Rosenberg sein großes Vermögen zur Hälfte zur Verwendung für gemeinnützige, 'erzieherische und religiöse Zwecke, bestimmt hat. Das Gesammtvermögen Rosenbergs betrug zwei Millionen Dollars. 400,00<» Dollars hat er seiner Wittwe und Verwandten vermacht, dem Waisenamt Bitten, Kanton Glarus, Schweiz, für wohlthatige und erzieherische Zwecke 50,oo<> Dollars, der Gemeinde Bitten 30,000 Dollars, dem protestantischen und dem jiidischen Waisenhause in Galveston je 30,000, dem deutschen Frauen-Hilfsverein der lutherischen Gemeinde 10,000 Dollar, für ein Frauenheim 3u,ouo Dollars, 50,000 Dollars für ein Denkmal für die Helden der texanischen Revolution von 1836, 30,000 Dollars für öffentliche Trintbrunnen und den Rest, etwa eine Million, zur Gründung einer Freibibliothek in (.Galveston. Eine Hochschule härterer der Stadt schon zu Lebzeiten geschenkt. Rosenberg tarn vor fünfzig Jahren als arrner Junge nach Galveston rmd hat dort sein Glück gemacht. Aus Dankbarkeit hat er jetzt die Stadt so glänzerrd bedacht. Rosenberg war ein Tenlscher von echtern Schrot und Korn, und das Deutschthum von Teras verliert in ihrn einen seiner edelsten Angehörigen. * A ntisemitis ch e Märchen. Ein Budapester ungarisches Blatt veröffentlichte dieser Tage eine unter ben Paloczen verbreitete „Legende" über den verewigter! Kronprinzen Rudolf, eine Geschichte, die an Unsinn und Pietätlosigkeit nachgerade Unglaubliches leistet. Es heißt darin, der Kronprinz sei gar nicht gestorben, sondern „weil er die Ungarn gegen die Juden vertheidigte, in den Keller eines in Wien lebenden ungeheuer reichen Juden gesperrt worden." Ein bei dem Juden bedienstetes Mädchen und dessen Liebster, ein Schlosser, hätten alsdann deu Prinzen befreit und seien mit ihm nach Belgien „zu dem Großvater des Prinzen" geflüchtet, wo nun der Kronprinz darauf warte, daß die Ungarn ihn heimzuholen kämen. Solche schamlose Liigen tonnen allerdings nur Antisemiten auftischen! Henrik Ibsen sollte sich in diesen Tagen auch über den — Antisenlitismus äußern. Mit seiner Rundfrage über diese unerfreulichste Zeiterscheinung wandte sich Hermann Bahr auch an.Ibsen in Ehristiania. der schriftlich antwortete: „lieber den Antisemitismus kann ich nicht? sagen, weil die ganze Bewegung mir völlig unverständlich und unbegreiflich ist. Mit recht vielen Grüßen Ihr ganz ergebener Henri Ibsen." Antisemitismus und Preußenfresserei. In einer? baierischen Antisemitenblättchen finden wir folgende Verse: Wirf ihn naus den Juden Jtzig Weil er is henk gar so hitzig. Arrogant und naseweis Wie der Bruder Mosjö Preuß. — Die Nr. 23 der „MittHeilungen aus dem Verein zu- Abwehr des Antisemitismus" (Expedition Magdeburgerstraße 13 Zeitungsliste 4173) hat folgenden Inhalt: Zur Wahlbewegung. - Rudolf Gneist über den Antisemitismus. — Christenthum und Staat. — Zur Abwehr. — Aus dem antisenritischen Lager. — Vom Büchertisch. - Briefkasten. — Richard Wagner und Meyerbeer. — Verzeichniß voi Flugblättern und Schriften gegen den Antisemitismus. ¥ ömflmlkit der Nedaktion. L. S. Es giebt in Rußland 3,020,000 Juden. Der Prozentsast der Ehescheidungen daselbst ist uns nicht bekannt. Vielleicht giebt einer unserer dortigen Korrespondenten darüber Auskunft. — Wir empfehle:- Ihnen die Altersversorgungsanstalt der jüdischen Gemeinde Hierselbst für den bestimmten Zweck. Geschäftliche Notizen * P o m m er s ch e H y p ot h e k en - A k t i en - B an k. Wie aus dem Jnseratentheil unserer heutigen Zeitung ersichtlich, werden die am 1. Juli er. fälligen Pfandbrief-Kupons bereits vom 15. Juni er. ab eingelöst. Die Bank giebt zu ihren 4% resp. com). Sl/2 % Pfandbriefen I. Em. neue Kuponsbogen aus. (V. Hypothek Mk. 10,000 u. 3500 0 6% a. c. Rittergut in Oftpr. ist geg. Rabatt noch Uebereinkunft sof. zu ccdircn. Gest. Off. u. J. \V. 5314 an die Expedition d. Berliner Tageblatts, Berlin erbet. Alleinstehende junge Frau, aus achrbarer jüdischer Familie, wünscht Stellung .zur Pflege und Gesellschaft bei älterer Dame oder Herrn. Gest. Offerten bei Loes«*r, Markusstr. 23, II« Junge Mädchen sind.p weit.Pusbildg. in all. Fächern vorn Pension in geb. nr. stam. Freis. beste Res. Ges. Wobnnng. scb. Garten. Off. u. A. j. 3644« bes. Rudolf Mosse, Hatte a. S. 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